Die westfälische Stadt Oer-Erkenschwick [] liegt im nördlichen Ruhrgebiet im Land Nordrhein-Westfalen und ist eine Mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Recklinghausen im Regierungsbezirk Münster.

Das „e“ in Oer ist ein niederdeutsches Dehnungs-e, sodass Oer wie „Ohr“, nicht wie „Ör“ ausgesprochen wird.

Geografie Lage Oer-Erkenschwick liegt nordöstlich der Kreisstadt Recklinghausen und am Südrand der Haard, die selbst zum Naturpark Hohe Mark-Westmünsterland gehört.

Gemeinsam mit Datteln, Waltrop und Flaesheim bildet Oer-Erkenschwick inoffiziell die Region Ostvest.

Oer-Erkenschwick hat als einzige Gemeinde im Kreis Recklinghausen keinen Anteil an der Kreisgrenze.

Stadtgliederung mini|hochkant=2|Gliederung Oer-Erkenschwicks (ohne Haard → Ausschnitt mit kompletter Haard) mini|hochkant=1.5|Karte des Deutschen Reiches 1 : 100.000 des heutigen Oer-Erkenschwicker Gebietes Ende des 19. Jahrhunderts mini|hochkant=1.5|Messtischblatt 1 : 25.000 mit Siedlungsentwicklung seit 1907 (navigierbares PDF)

Die Kernstadt Oer-Erkenschwicks gliedert sich in die Ortsteile Oer im Westen, Klein-Erkenschwick im Norden der Mitte, Groß-Erkenschwick im Süden der Mitte und Rapen im Osten. Hinzu kommen die bauerschaftlichen Gebiete im Westen und im Süden des ehemaligen Kirchspiels Oer mit Alt-Oer im Süden, Siepen im Westen und dem bei Oer-Erkenschwick verbliebenen Teil von Sinsen nebst der Honermann-Siedlung im äußersten Westen. Getrennt von den Siedlungen und Bauerschaften zu betrachten ist ferner der Stadtteil Haard im Norden, der durch den Haardgrenzweg abgegrenzt wird und ganz im Waldhügelland der Haard liegt. 47 % des Stadtgebietes sind bewaldet (Stand 2026).Statistikatlas Westfalen-Lippe (Thema „Flächennutzung“), abgerufen am 20. Januar 2026.

Die beiden namentlichen Teile Erkenschwicks nehmen zusammen weniger Fläche ein als die beiden unmittelbar angrenzenden äußeren Stadtteile Oer (mit Bauerschaften) und Rapen für sich, haben aber bereits einzeln mehr Einwohner als jeweils Oer und Rapen.Übersicht über die Stadtgliederung (ohne Honermann-Siedlung und Haard) auf o-sp.deKarte der Bevölkerungsentwicklung in den Stadtteilen des Kreises Recklinghausen 1998–2004; Karte (PDF; 840 kB)

Flächen der Stadtteile und statistischen Bezirke Die Stadtteile nehmen in den unten beschriebenen Grenzen folgende Flächen ein:Die gemessenen Flächen summieren sich auf 38,32 km², laut Stadt Oer-Erkenschwick beträgt die Gesamtfläche 38,69 km². Sinsen und Siepen 4,86 km² Sinsen 2,55 km², davon 0,14 km² Honermann-Siedlung bis Mühlenweg Speckhorn 0,30 km²; davon 0,03 km² südliche Honermann-Siedlung bis Börster Bach und 0,27 km² Halde Siepen 2,01 km² Alt-Oer 3,22 km² (Dorf) Oer 1,70 km² Klein-Erkenschwick 2,48 km² Groß-Erkenschwick 3,12 km² Rapen 5,78 km² Nordteil mit Kolonie und Dillenburg 2,33 km² Zentralteil mit Steinrapen 0,86 km² Südteil mit Gewerbegebiet 2,59 km²Hier wurde auch das 0,11 km² große Gewerbegebiet Horneburger Straße-Süd mit eingerechnet, das im Jahr 2004 noch nicht existierte und als Brachfläche noch Groß-Erkenschwick zugerechnet wurde. Haard 17,16 km² Oer und Klein-Erkenschwick sind in diesen Flächen reine Siedlungs-Stadtteile, während Groß-Erkenschwick im Süden und Rapen im Südosten und im Norden auch bauerschaftliche Anteile haben.

Oer-Erkenschwick ist in sechs statistische Bezirke unterteilt, wenngleich die Stadt nicht regelmäßig statistische Daten publiziert. Alt-Oer und der größere Teil von Siepen werden dabei zu Oer gezählt und der Westteil ist nach der Honermann-Siedlung benannt. Damit alle Einwohner der Stadt in den Wohnbezirken außerhalb der Haard erfasst sind, enthalten die Bezirke Honermann-Siedlung, Oer und Rapen auch Anteile an der Haard (zusammen 2,59 km²), die nach Pfaden abgegrenzt sind. Die Flächen verteilen sich wie folgt: Honermann-Siedlung 3,70 km², davon Sinsen 2,55 km² Sinsen-Haard 0,71 km² Speckhorn 0,30 km² aus Siepen 0,66 km² aus Alt-Oer 0,02 km² Oer 7,73 km² aus Siepen 1,35 km² Siepen-Haard 0,32 km² Alt-Oer 3,20 km² Oer 1,70 km² Oer-Haard 1,16 km² Klein-Erkenschwick 2,48 km² Groß-Erkenschwick 3,12 km² Rapen 6,18 km² Rapen 5,78 km² Rapen-Haard 0,40 km² Haard 14,57 km²

Oer Oer war im Mittelalter Sitz eines Rittergeschlechts, der Herren von Oer.siehe hier S. 446. Ausgegraben wurde dort eine Motte. Der Oberhof Oer mit zahlreichen Unterhöfen gelangte in den Besitz des Erzbistums Köln.Adelheid Kollmann: Zur Geschichte der Herren von Oer. In: Verein für Orts- und Heimatkunde Oer-Erkenschwick (Hrsg.): Chronik von Oer. Recklinghausen 1889, S. 31. Seit dem 12. Jahrhundert war Oer eine Grundherrschaft des Kölner Domkapitels.

Das Kirchspiel Oer bestand neben dem Dorf Oer aus den Bauerschaften Alt-Oer, Siepen, Sinsen (heute zur dichter bevölkerten Nordwesthälfte Teil von Marl) und Erkenschwick (wohl nur zeitweilig).Erkenschwick wurde in den meisten Quellen als Teil von Recklinghausen-Land geführtVerein für Orts- und Heimatkunde Oer-Erkenschwick (Hrsg.): 850 Jahre Oer. Oer-Erkenschwick 1994, S. 24 und S. 43. Zeitweilig gehörten sogar im Norden, an der Lippe, zusätzlich Hüppelswick (Sickingmühle), Herne, Hamm, Bossendorf, Flaesheim und Leven dazu. Der besiedelte Nordwestteil von Sinsen wurde am 1. April 1926 zur damals stark wachsenden Stadt Marl ausgegliedert.

Während Alt-Oer knapp abseits des Hauptsiedlungsgebietes der Stadt liegt, geht das Dorf Oer heute nach Osten fließend in Klein-Erkenschwick über, Grenze ist die Buschstraße. Weiter südlich verläuft die Grenze Alt-Oers zu Groß-Erkenschwick inzwischen unmittelbar westlich des Feuerwehrhauses und dann entlang der Siedlungsgrenze, um dann allmählich zur Esseler Straße zu wandern, die bis kurz vor die Kreuzung Schultenkrug mit Dortmunder Straße (Recklinghausen) bzw. Horneburger Straße Ostgrenze ist. Die alte Grenze Oers verlief noch weiter östlich und verlängerte die Buschstraße um Bach- und Moselstraße.

Alt-Oer, Siepen und Sinsen Die ehemalige Zechenbahn trennt Alt-Oer im Süden gut von Dorf Oer im Norden und Siepen im Westen ab. Die Theodorstraße und der Silvertbach oberhalb der Mündung des vom Stimberg durch das Dorf Oer kommenden Denningsgrabens grenzen in etwa die Kernstadt von der Bauerschaft Siepen beiderseits des Silvertbachs ab. Nach (Nord-)Westen geht Siepen jenseits der Holthäuser Straße dann in Sinsen über, in der die Tögingmühle bereits liegt. Ab dem Punkt, an dem die Holthäuser Straße ihre Richtung von Südwest in Süd ändert, führte der alte Grenzweg zwischen Siepen und Sinsen weiter nach Südwesten bis unmittelbar oberhalb der Tögingmühle – wie auf der Preußischen Uraufnahme, Blatt Recklinghausen, erkennbar. Am Silvertbach unmittelbar hier zweigt von Südosten ein kleiner Bach ein, der an der alten Grenze zwischen Oer und Speckhorn verläuft; der Mündungspunkt ist also ein ehemaliger Dreiherrenstein zwischen Speckhorn mit der heutigen Halde im Südwesten, Sinsen im Nordwesten und Siepen mit dem Mühlenteich und der Tögingheide im Osten.

Im äußersten Westen des Stadtgebietes, 3 km (Luftlinie) westnordwestlich von Oer, liegt im Bereich der einstigen Bauerschaft Sinsen am von Alt-Oer kommenden Silvertbach die Honermann-Siedlung.Verein für Orts- und Heimatkunde Oer-Erkenschwick (Hrsg.): Chronik von Oer. Oer-Erkenschwick 1989, S. 27. Ihr Namensgeber war Hermann Honermann, der Wirt des Gasthofes „Zum Eichenhof“, nach dem sie gelegentlich auch Eichenhof-Siedlung genannt wird. Von 1964 bis 1969 wurde unmittelbar östlich der Honermann-Siedlung der Schacht 8 der ehemaligen Zeche General Blumenthal abgeteuft. Die Honermann-Siedlung grenzt im Süden an den Ortsteil Speckhorn der Stadt Recklinghausen und im Nordwesten an den Ortsteil Sinsen der Stadt Marl. Der Süden der Siedlung, links des Bachs, liegt nebst Halde auf dem ehemaligen Gebiet der Bauerschaft Speckhorn – wie auch die Mühlenstraße in Marl-Sinsen.

Klein- und Groß-Erkenschwick Die Südgrenze Klein-Erkenschwicks zu Groß-Erkenschwick verläuft unmittelbar südlich der Heinrichs Arena am Stimberg entlang der ehemaligen Zechenbahn und folgt weiter östlich der Ewaldstraße bis südlich der Halde Ewald Fortsetzung; der Ostteil der Zeche Ewald Fortsetzung liegt bereits auf Rapener Gebiet, nördlich davon sind die Siedlungsgebiete Klein-Erkenschwicks und Rapens durch einen Bewaldungsstreifen getrennt, Grenze ist dort teilweise der Hilgenbach, Haupt-Oberlauf des Steinrapener Bachs.

Groß-Erkenschwick geht nach Osten fließend in das heutige Hauptsiedlungsgebiet Rapens über, Grenze ist die Straße An der Aue, verlängert nach Süden bis zum Esseler Bruchgraben. Ursprünglich verlief die Grenze weiter östlich, in etwa entlang der (noch nicht existenten) Straße Im Buschkamp, und folgte ab deren Südende dem Westerbach nach Ostsüdosten und schließlich der Horneburger Straße nach Westsüdwesten bis zur südlichen Buschkamp-Verlängerung. Inzwischen grenzt In der Aue aber insbesondere das Gewerbegebiet Rapen von der Wohnstadt Groß-Erkenschwicks ab – jüngster Teil ist das Gewerbegebiet Horneburger Straße Süd mit dem Westfalenring.

Klein-Erkenschwick wurde als „Lüttelenerkenswic“ im Jahre 1220 in den Isenberger Vogteirollen erstmals urkundlich erwähnt.Hanno Lambers: Das Ruhrgebiet in Geschichte und Geschichten. Begleittexte zur historischen Wandkarte „Das Ruhrgebiet in der Geschichte von den Neandertalern bis 1815“. Pomp und Sobkowiak, Essen 1987, ISBN 3-923494-62-9, S. 82–84: Art. Oer-Erkenschwick, hier S. 82. Die Bauerschaft wuchs, bedingt durch die Kolonien der Zeche Ewald Fortsetzung, zunächst deutlich schneller an als alle anderen Stadtteile und war bereits auf dem Messtischblatt Recklinghausen von 1921 durchgehend besiedelt gewesen. In Klein-Erkenschwick liegt, neben dem Stimberg-Stadion im Südwesten und der Halde im Südosten, der Stimbergpark mit Freibad am Fuße des Stimbergs im Norden. Das Rathaus liegt unmittelbar an der Grenze, jedoch schon in Groß-Erkenschwick, wo auch das Gymnasium und, am Ostrand, der Stadtpark liegen.

Rapen Rapen mit dem alten Hauptort Steinrapen östlich Klein-Erkenschwicks gehörte früher zu Amt und Kirchspiel Datteln. Mit der Industrialisierung wuchs der Ort jedoch an Erkenschwick heran; insbesondere standen die Schächte IV und V der Zeche Ewald Fortsetzung auf altem Rapener Gebiet, auf dem auch, im Nordwesten, frühe Kolonien entstanden.

In Rapen liegt heute insbesondere die Wurstfabrik Barfuss GmbH, inzwischen Teil von Westfleisch. Im Stadtteil entspringt, östlich unweit des Stadtparks, der Westerbach, der nach der Vereinigung mit dem Steinrapener Bach unmittelbar östlich jenseits der Stadtgrenze zu Datteln Dattelner Mühlenbach heißt.

Der Norden Rapens wird durch die alte Zechenbahn abgetrennt. Hier liegt, im Westen, die alte Zechenkolonie. Östlich davon stand früher die Dillenburg. Im Zentralteil Rapens, der nach Süden bis zur Ewaldstraße reicht, liegt insbesondere Steinrapen. Der Südteil mit dem alten Wohnplatz Rapen besteht heute größtenteils aus Gewerbegebiet.

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