hochkant=2|mini|Die Haupt- und Residenzstädte von Japan Die Hauptstadt Japans (Hauptstadt: jap. , auch , miyako; modern: , shuto) ist Tokio. Im Laufe der Geschichte Japans wechselte die Hauptstadt Japans allerdings mehrmals den Standort, wobei zum Teil Unklarheiten darüber bestehen, was als die jeweilige Hauptstadt anzusehen sei: Nach dem traditionellen japanischen Verständnis steht der Begriff der Hauptstadt in enger Verbindung mit der Residenz des Tennō, die sich bis zum Jahr 1868 meist in der Kinki-Region (, „nahe der Hauptstadt“) befand, bis im Jahr 1868 Kyōto (, „kaiserliche Residenz“) als langjährige kaiserliche Haupt- und Residenzstadt aufgegeben wurde.
Einer Hauptstadt im Sinne des politischen Machtzentrums des Landes entsprachen die kaiserlichen Residenzstädte kaum, da der Tennō im Laufe der Geschichte nur selten über tatsächliche Regierungsgewalt verfügte. Die politische Macht lag vielmehr für lange Zeit bei den Shogunats-Regierungen, die sich abseits des Kaiserhofes innerhalb der Kantō-Region in Kamakura und Edo ansiedelten. Erst mit dem Umzug des Tennō 1868 von Kyōto nach Edo, was daraufhin in Tokio (, „kaiserliche Residenzstadt im Osten“) umbenannt wurde, befinden sich heute der Kaiserpalast und das politische Zentrum Japans wieder an einem Ort, da in Tokio auch die japanische Regierung ihren Sitz hat.
Das japanische Verständnis von Hauptstadt als Sitz des Tennō Im Generellen wird mit dem Begriff Hauptstadt der Sitz des Souveräns eines Staates angesehen, wobei es sich dabei in der Regel zugleich um die größte Stadt und das politische sowie das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes handelt.Siehe oder Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart (1793). Auch in der japanischen Vorstellung wird der Begriff Hauptstadt mit diesen verschiedenen Rollen identifiziert, zusätzlich ist er aber traditionell auch schon immer eng mit der Residenz und der Institution des Tennō verbunden. Seit dem Altertum und speziell der zunehmenden Zentralisierung des japanischen Staats im 7. und 8. Jahrhundert wird der Tennō als Souverän des Landes – und mit diesem untrennbar verbunden – angesehen:
Die Symbolkraft der Institution des Tennō wurde auch beim Aufbau einer modernen Nation während der Meiji-Restauration genutzt, was sich in der 1889 entstandenen Meiji-Verfassung widerspiegelte, wo er als „heilig und unverletzlich“, „Oberhaupt des Staates“ und „Inhaber der Staatsgewalt“Siehe: Artikel 3 und 4 der . beschrieben wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg verzichtete der Tennō zwar auf seinen Göttlichkeitsanspruch, wird in der heutigen japanischen Verfassung aber immer noch als „das Symbol Japans und der Einheit des japanischen Volkes“Artikel 1: , siehe: Englischer Originaltext der japanischen Verfassung von 1946. bezeichnet.Manfred Pohl: Japans Kaiserhaus: Eine moderne Monarchie, stark durch Tradition. In: Pohl, Mayer: Länderbericht Japan. 1998, S. 62–64.
Der Tennō steht seit über tausend Jahren an der Spitze des japanischen Staatswesens, auch wenn er in diesem Zeitraum nur selten tatsächliche politische Macht ausübte.Manfred Pohl: Japans Kaiserhaus: Eine moderne Monarchie, stark durch Tradition. In: Pohl, Mayer: Länderbericht Japan. 1998, S. 62 f. Diese lag in der Regel in den Händen mächtiger Adelsfamilien wie den Soga, Fujiwara, Taira, Minamoto, Hōjō, Ashikaga und Tokugawa, welche später oftmals sogar eigene Shōgunat-Regierungen mit vom Kaiserhof entfernt gelegenen Regierungssitzen installierten. Auch wenn also die politische oder die wirtschaftliche Hauptstadt an einem anderen Ort lag, wurde als offizielle Hauptstadt des Landes generell immer der Sitz des Tennō angesehen.
Deutlich wird diese für Japan typische Vorstellung vor allem am Begriff miyako (京), welcher im Japanischen als ältere Bezeichnung für Hauptstadt dient, aber bis in das 8. Jahrhundert hinein eigentlich den Ort beschrieb, an dem sich der Palast des Tennō befand.Manfred Pohl: Geschichte Japans. 2002, S. 18. Dies hat zur Folge, dass im japanischen Verständnis als Hauptstadt oder miyako generell immer der Ort der kaiserlichen Residenz angesehen wird, auch wenn der Sitz der Regierung und der des Tenno nicht übereinstimmen, wie das folgende historische Beispiel belegt:
Im heutigen Sprachgebrauch wird miyako im Allgemeinen für die historischen Hauptstädte Japans und vor allem für Kyoto verwendet, während man gegenwärtige Hauptstädte mit dem Begriff shuto () bezeichnet. Diese Zweiteilung der Begrifflichkeiten hat, wie Hidehiro Sonoda, Professor am International Research Center for Japanese Studies, betont, vor der Meiji-Zeit noch nicht existiert und ist erst mit der Einführung der westlichen Vorstellung von Hauptstadt oder englisch capital entstanden.Hidehiro Sonoda: A Study of Miyako. In: ’’New Era’’, Vol. 15, September 2000, Ministry of Land, Infrastructure and Transport.
Die japanischen Hauptstädte im Laufe der Geschichte Die frühesten noch erhaltenen Geschichtswerke Japans sind das Kojiki und das Nihonshoki, welche beide Anfang des 8. Jahrhunderts verfasst wurden. Sie beschreiben die mythologische Entstehung des japanischen Reiches und die Abstammung der frühen japanischen Tennō von der Sonnengottheit Amaterasu. Nach ihnen war der erste Kaiser von Japan Jimmu-tennō. Er soll den Mythen zufolge aus Kyūshū aufgebrochen sein, um Yamato in Zentraljapan zu erobern, wo er 660 v. Chr. den Thron bestiegen und von seiner Residenz Kashihara no Miya (heute: Kashihara) aus sein erobertes Reich beherrscht haben soll. Die ihm nachfolgenden Tennō sollen sich jeweils eigene Paläste errichtet haben, von denen aus sie regierten. Das frühe Gründungsdatum des japanischen Reiches und die Existenz dieser ersten Tennō wird heute von Historikern angezweifelt. Man nimmt an, dass sowohl das Kojiki als auch das Nihonshoki hauptsächlich abgefasst wurden, um die Herrschaft des japanischen Kaiserhauses zu legitimieren.
Die Hauptstädte von Yamato im 6. und 7. Jahrhundert Laut chinesischen Chroniken fanden im 3. Jahrhundert auf den japanischen Inseln Kämpfe statt, bei denen, wie man vermutet, rivalisierende Sippenverbände (uji) um die Vorherrschaft im Land stritten. Aus diesen Wirren heraus entstand das Yamato-Reich, welches Mitte des 4. Jahrhunderts neben der Kernregion Yamato in Zentraljapan zumindest auch Teile der Insel Kyūshū sowie das westliche und zentrale Honshū umfasste, wie die in dieser Zeit entstandenen Hügelgräber (Kofun) belegen. Im 5. oder 6. Jahrhundert scheint in Yamato eine einzelne Dynastie an die Macht gekommen zu sein, welche ihrer Abstammung wegen das „Sonnengeschlecht“ (tenson) genannt wurden und sich als Könige (Ōkimi) bezeichneten.
Asuka-kyō Fujiwara-kyō
Die Hauptstädte Japans im 8. bis zum 19. Jahrhundert Heijō-kyō Nagaoka-kyō Heian-kyō Fukuhara-kyō Kamakura (Regierungssitz des Kamakura-Shōgunats) Edo Während der Edo-Zeit sagte man oft, dass Japan drei Hauptstädte oder miyako () habe. Edo war die Hauptstadt des Tokugawa-Shōgunats, Kyōto war die Residenz des Tennōs (und daher auch die Hauptstadt der Kultur und Tradition) und Osaka war die inoffizielle Hauptstadt der Händler.
Die kaiserlichen Residenz- und Hauptstädte im Überblick Bezugsjahr Hauptstadt Provinz Residenz Kaiser Bis 592: Yayoi- und Kofun-Zeit (teilweise legendär) 97 v. Chr.–30 v. Chr. Shiki Yamato — Sujin 29 v. Chr.–70 n. Chr. Makimuku Yamato — Suinin 71–130 Makimuku Yamato — Keikō 131–190 Saki Yamato — Seimu 192–200 Kashii (heute: Fukuoka) Chikuzen — Chūai 200–269 Iware Yamato — Interregnum (Jingū) 270–310 Habikino Kawachi — Ōjin 313–399 Naniwa (heute: Osaka) Settsu — Nintoku 399–405 Iware Yamato — Richū 406–410 Shibagaki Kawachi — Hanzei 412–453 Anaho Yamato — Ingyō 454–456 Isonokami Yamato — Ankō 456–478 Hatsuse Yamato — Yūryaku 480–484 Iware Yamato — Seinei 484–487 Mikakuri Yamato — Kenzō 488–498 Isonokami Yamato — Ninken 499–506 Namiki Yamato — Buretsu 507–531 Iware Yamato — Keitai 534–535 Kanahashi Yamato — Ankan 536–539 Hinokuma Yamato — Senka 540–571 Shiki Yamato Shikishima no Kanazashi-no-miya () Kimmei 572–575 Kudara Yamato — Bidatsu 575 — Yamato (Ihare no) Wosada-no-miya () Bidatsu 585–587 Iware Yamato — Yōmei 587–592 Kurahashi Yamato Kurahashi-no-miya Sushun 592–710: Asuka-Zeit 592 Asuka-kyō (heute: Asuka) Yamato Toyura-no-miya () Suiko 603 Asuka-kyō Yamato Oharida-no-miya () Suiko 630 Asuka-kyō Yamato (Asuka) Okamoto-no-miya () Jomei 636 Asuka-kyō Yamato Tanaka-no-miya Jomei 640 Asuka-kyō Yamato Umayasaka-no-miya Jomei 640 (heute: Kōryō) Yamato Kudara-no-miya Jomei 643 Asuka-kyō Yamato (Asuka) Itabuki-no-miya Kōgyoku 645 Naniwa-kyō (heute: Osaka) Settsu (Naniwa) Nagara Toyosaki-no-miya () Kōtoku 655 Asuka-kyō Yamato (Asuka) Itabuki-no-miya Saimei 655 Asuka-kyō Yamato (Asuka) Kawara-no-miya () Saimei 656 Asuka-kyō Yamato (Nochi no Asuka) Okamoto-no-miya () Saimei 661 (heute: Asakura) Chikuzen Asakura no Tachibana no Hironiwa-no-miya () Saimei 661 Naniwa-kyō (heute: Osaka) Settsu (Naniwa) Nagara Toyosaki-no-miya () Tenji als regierender Kronprinz 667 Ōmi-kyō (heute: Ōtsu) Ōmi Omi Otsu-no-miya Tenji, Kōbun 672 Asuka-kyō Yamato Shima-no-miya Temmu 672 Asuka-kyō Yamato (Asuka) Okamoto-no-miya () Temmu 672 Asuka-kyō Yamato (Asuka) Kiyomihara-no-miya () Temmu, Jitō 694 Fujiwara-kyō (heute: Kashihara) Yamato Fujiwara-no-miya () Jitō, Mommu, Gemmei 710–794: Nara-Zeit 710 Heijō-kyō (heute: Nara) Yamato Nara-no-miya (, ) Gemmei, Genshō, Shōmu 741 Kuni-kyō (heute: Kizugawa) Yamashiro Kuni no miya oder Kuni-kyū () Shōmu 744 Naniwa-kyō (heute: Osaka) Settsu — Shōmu 745 (heute: Kōka) Ōmi Shigaraki-no-miya () Shōmu 745 Heijō-kyō (heute: Nara) Yamato Nara-no-miya (, ) Shōmu, Kōken, Junnin, Kōnin, Kammu 784 Nagaoka-kyō (heute: Mukō, Nagaokakyō, Nishikyō-ku) Yamashiro Nagaoka-no-miya () Kammu 794–1868: Heian-Zeit bis Edo-Zeit 794 Heian-kyō (heute: Kyōto) Yamashiro Kyōto Gosho () Kammu bis Takakura 1180 Fukuhara-kyō (heute: Hyōgo-ku, Kōbe) Settsu — Antoku 1180 Heian-kyō Yamashiro Kyōto Gosho () Antoku bis Meiji ab 1868: Meiji-Zeit bis Gegenwart 1868 Tōkyō Musashi Kaiserpalast von Tokio seit 1948: Kōkyo () (vorher 1868: Tōkei-jō (), 1869: Kōjō (), 1888: Kyūjō ()) seit Meiji
Die Kaiser bis Ōjin gelten als legendäre Kaiser und auch für die Kaiser bis Senka liegen nur spärliche Informationen vor. Daher sind die Angaben für diese die traditionellen Daten.
(Weiß unterlegte Städte zeigen nur vorübergehende Verlegungen der Residenzen während einer Epoche an. Liste erstellt nach der Einführung zu Hermann Bohners Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus mit eigenen Ergänzungen der Perioden nach 710 und der historischen Provinzen.)
Die Megastadt Tokio als Hauptstadt Japans Tokio, der Sitz der Japanischen Regierung und des Tennō, wird heute allgemein als Hauptstadt Japans angesehen. Dabei gibt es jedoch zwei Besonderheiten: Die Stadt Tokio wurde 1943 aufgelöst. Die Hauptstadtfunktion wird daher von den 23 Stadtbezirken Tokios, die nahezu als eigene Städte gelten, wahrgenommen. Es gibt einen Disput, wann Tokio zur Hauptstadt wurde. Einige vertreten den Standpunkt, dies sei geschehen, als die Präfektur Tokio im Jahre 1868 gebildet wurde, andere sagen, es sei im selben Jahr gewesen, jedoch als die Burg Edo zur Burg Tōkei (Tokio) wurde, die Dritten meinen, es sei erst 1869 gewesen, als die Burg Tōkei (Tokio) zum Kaiserlichen Schloss (heute der Kōkyo) wurde.Während ein Kaiserliches Edikt die Verlegung der Hauptstadt nach Heian-kyō befahl, existiert nichts Vergleichbares für die Verlegung von Kyōto nach Tokio.
Sitz des Parlaments Nach dem Zweiten Weltkrieg übertrug die neue japanische Verfassung die Souveränität des japanischen Staates vom Tennō auf das Volk, das durch das japanische Parlament vertreten wird, welches seinen Sitz in Tokio hat.
Das Hauptstadtgebiet im japanischen Recht