Das Mostviertel, altertümlich Viertel ober dem Wienerwald, ist der südwestliche Teil Niederösterreichs.

Seit der Bildung der Politischen Bezirke 1868 haben die Viertel in Niederösterreich keine rechtliche Grundlage mehr und sind reine Landschaftsbezeichnungen. Dabei wurde die ältere Kreiseinteilung ersetzt, die sich noch an den alten Vierteln orientierte.

Im Norden wird es von der Donau begrenzt, im Süden und Westen von der Landesgrenze zur Steiermark und zu Oberösterreich. Im Osten bildet der Wienerwald die natürliche Grenze. Die Fläche des Mostviertels beträgt ungefähr 5600 km². Die Einwohnerzahl liegt bei etwa 488.000 (Stand 2023).

Gliederung Historische Verwaltungsregion Im Zuge der Theresianischen Reformen wurde der Kreis Ober-Wienerwald (im 18. und 19. Jahrhundert abgekürzt O.W.W. oder V.O.W.W.) errichtet, der als unterste staatliche Einheit den lokalen Grundherren gegenüberstand. Sitz des Kreisamtes wurde St. Pölten. Nach dem Umbruch im Jahr 1848 und der Überführung der Herrschaften in freie Gemeinden übernahmen Bezirksämter (siehe Amtsbezirk) viele Aufgabenbereiche der Kreisämter. Derartige Bezirksämter wurden 1853 für die Amtsbezirke Amstetten, Atzenbrugg, Gaming, Haag, Hainfeld, Herzogenburg, Kirchberg an der Pielach, Lilienfeld, Mank, Mautern, Melk, Neulengbach, St. Pölten, Scheibbs, Seitenstetten, Tulln, Waidhofen an der Ybbs und Ybbs eingerichtet und das Kreisamt in St. Pölten fungierte nun als zweite Instanz der Bezirksämter und war auch als Aufsichtsbehörde tätig. Diese verwaltungstechnische Struktur war bis 1867 aufrecht. Mit dem Ausgleich 1867 wurde das Mostviertel durch die neue Verfassung Österreichs von 1867 im Jahr 1868 in Bezirke (bzw. Bezirkshauptmannschaften) eingeteilt und damit der Kreis Ober-Wienerwald aufgehoben.

Das alte Kreisgebilde überdauerte jedoch im Bereich der Justiz als Kreisgericht St. Pölten, das weiterhin die zweite Instanz für die Bezirksgerichte des Mostviertels war, und das Mostviertel war bis 1992 auch ein eigener Wahlkreis für den Nationalrat, bis in der Nationalratswahlordnung von 1992 eine Struktur mit kleineren Regionalwahlkreisen festgelegt wurde.

Politische Gliederung Das Mostviertel umfasst, in die heutige politische Verwaltung übersetzt, folgende Bezirke: Bezirk Amstetten Statutarstadt Waidhofen an der Ybbs Bezirk Scheibbs Bezirk Melk südlich der Donau Bezirk Lilienfeld Bezirk Tulln südlich der Donau (außer Klosterneuburg) Statutarstadt St. Pölten Bezirk St. Pölten (außer der östliche Teil im Wienerwald) Bezirk Krems südlich der Donau Die rechts der Donau liegenden Stadtteile von Krems an der Donau Die naturräumlichen Umgrenzungen weichen davon etwas ab.

Hauptregion mini|hochkant=1.4|Die Hauptregionen Niederösterreichs Das Mostviertel ist auf zwei Hauptregionen der Raumplanung aufgeteilt: NÖ-Mitte und die Hauptregion Mostviertel, die den Namen des Viertels weiterführt. NÖ-Mitte nimmt den Ostteil des Mostviertels rund um St. Pölten ein, während der Westen um Amstetten, Scheibbs und Melk (das selbst zu NÖ-Mitte gehört) die Hauptregion Mostviertel bilden. Zu dieser Hauptregion gehört auch der Bezirk Melk nördlich der Donau, der landschaftlich zum Waldviertel zählt.

Geografisch-kulturelle Gliederung mini|Mostviertel von der Dambergwarte nach Osten mini|Baumblüte zwischen Steinakirchen und Blindenmarkt mini|Blick über St. Leonhard am Wald in Richtung Nordost mini|Hügellandschaft nordwestlich von Scheibbs Zusätzlich zu dieser politischen Gliederung gibt es eine geografisch-kulturelle Gliederung: Mostviertel, der Kernraum, umfasst Gebiete des Ybbsfeldes um Amstetten, das Urltal, hügelig-welliges Gebiet und Hauptanbaugebiet der Mostbäume Eisenwurzen, der niederösterreichische Teil der Eisenwurzen, grenzt südlich an das Mostviertel entlang der ungefähren Grenze Waidhofen an der Ybbs – Scheibbs und umfasst das südliche Ybbstal sowie Kleines und Großes Erlauftal bis an die steiermärkische Grenze. Strudengau Nibelungengau Wachau Letztere drei sind Abschnitte des Donautals und grenzübergreifend je Ufer zur Hälfte Mostviertel, zur Hälfte niederösterreichisches Waldviertel bzw. oberösterreichisches Mühlviertel. Geologisch betrachtet gehört der südliche Teil der Wachau (Hiesberg und Dunkelsteinerwald) zur Böhmischen Masse und ist daher eher dem Waldviertel zuzurechnen.

Touristische Erlebnisräume mini|Mostviertel – Eisenwurzen

Im Mostviertel werden mehrere Erlebnisräume als Tourismusmarken beworben: Die Moststraße Kulturpark Eisenstraße (Kleinregion Ybbstal-Eisenstraße) Traisen-Gölsental Pielachtalpielachtal.info (Kleinregion, Genussregion Pielachtaler Dirndl) Melker Alpenvorland Dunkelsteinerwaldarge-dunkelsteinerwald.at (Kleinregion) St. Pölten und sein Umland Traisental Elsbeere-Wienerwaldelsbeere-wienerwald.at (Genussregion Wiesenwienerwald Elsbeere, Leader-Region)

Kerngebiet mini|hochkant=1.4|Kernregion Mostviertel, Eisenwurzen, Ostarrichi, Strudengau, Nibelungengau mini|Die weithin sichtbaren Basilika Sonntagberg auf einem 712 Meter hohen Bergrücken und eines der Wahrzeichen des Mostviertels

Das Kerngebiet des Mostviertels zwischen Ybbs und Enns im Bezirk Amstetten lässt sich laut Volksmund als die Region eingrenzen, in der man die Basilika am Sonntagberg sieht. Laut dieser Definition deckt sich das Mostviertel zu einem Teil mit der als Ostarrichi bezeichneten Region rund um Neuhofen an der Ybbs (Bezirk Amstetten), die durch ihre Nennung in einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos III. auch als Ursprung Österreichs bezeichnet wird. Neben diesem Kerngebiet gibt es noch den Begriff der Eisenwurzen, der für die Bezirke Scheibbs, Waidhofen an der Ybbs,  Lilienfeld (westlicher Teil) und Melk (Erlauftal bis Pöchlarn) verwendet wird.

Den Namen Mostviertel verdankt es dem Apfel- und Birnenmost. Die Landschaft zwischen den Flüssen Ybbs und Enns weist klimatisch sehr gute Voraussetzungen für den Anbau der nötigen Obstbäume auf und gilt als Kerngebiet für die Mostwirtschaft.

Typisch für das Mostviertel sind die ausgedehnten Streuobstwiesen rund um die Gehöfte sowie die leicht hügelige Landschaft des Alpenvorlandes.

Geografie und Natur Das Mostviertel ist gekennzeichnet durch seine kontrastreiche Landschaft und Vegetation. Im Norden überwiegen sanft gewellte Hügel zwischen 300 und 400 m Höhe, die sich allmählich in die Donauniederung herabsenken. Im Süden steigen die letzten Ausläufer der Nördlichen Kalkalpen bis auf knapp 1.900 m Höhe an.Siehe Strunz 2011, S. 27. 1.650 Höhenmeter liegen zwischen dem tiefsten Punkt in Ardagger (246 m) und dem Ötscher, der mit 1.893 m den höchsten Gipfel darstellt. Der Dürrenstein (1.878 m), das Hochkar (1.808 m), der Göller (1.766 m) und der Gippel (1.669 m) sind weitere hohe Berge der Region. Bizarre Felsformationen, tiefe Schluchten, sprudelnde Gewässer und drei Naturparks prägen die wild-alpine Bergwelt.

Die Enns, die Ybbs, die Erlauf, die Pielach und die Traisen sind die größten Flüsse des Mostviertels, sie alle münden in die Donau. Traisen- und Ybbstal gliedern das Mostviertel in Nord-Süd-Richtung. Das östlich gelegene Gölsental schließt an das Traisental an, der gleichnamige Fluss ist der einzig größere Nebenfluss der Traisen.

Weitläufige Waldgebiete prägen die Landschaft im Traisental und am Oberlauf der Traisen. Der Urwald am Lahnsattel bei St. Aegyd und das rund 3.500 ha große Wildnisgebiet Dürrenstein zwischen Lunz am See und Göstling an der Ybbs stellen zwei Naturbesonderheiten in den Mostviertler Alpen dar.

In den Göstlinger Alpen befindet sich auf etwa 860 m Seehöhe das Naturschutzgebiet Leckermoor, eines der größten Hochmoore Niederösterreichs, das seit 1984 unter Naturschutz steht.

Klimatisch ist das Mostviertel sowohl von atlantischen als auch von pannonischen Einflüssen geprägt. Durch das milde Klima und die nährstoffreichen Kalkböden gedeihen Obst, Wein und Gemüse im sanften Hügelland südlich der Donau besonders gut. Das Mostviertel gilt heute als größtes zusammenhängendes Mostbirnenanbaugebiet Europas. Die Birnbäume gedeihen im gesamten Alpenvorland südlich der Donau, insbesondere im Erlauftal, Melker Alpenvorland, Pielachtal und Traisental. Rund 300 verschiedene Birnensorten gibt es im Mostviertel, wovon etwa 20 für die Produktion von reinsortigem Birnenmost geeignet sind. In den Mostviertler Alpen herrscht hingegen ein alpines Klima vor, mit angenehm erfrischenden Sommertagen und hoher Schneesicherheit im Winter, insbesondere am Hochkar. Im Gegensatz zu Birnbäumen wachsen Apfelbäume auch in den Alpen in höheren Lagen von bis zu 1100 Metern. Die alpine Bergwelt ist im Sommer vor allem bei Wanderern und Naturgenießern beliebt, während im Winter die sportlichen und familiären Skigebiete Besucher anlocken.

Gliederung in Teilräume Nach dem Naturschutzkonzept von 2015 ist Niederösterreich in 124 Teilräume gegliedert (diese Einteilung wurde bereits in den 1990ern entwickelt), die in 26 Regionen zusammengefasst werden. Ausschlaggebend sind die Grenzen der Hauptregionen, sodass die Einteilung nicht rein naturräumlich ist, sondern sich auch nach der Verwaltungsgliederung orientiert.

Siehe dazu Liste der naturräumlichen Einheiten Niederösterreichs

Naturpark Ötscher-Tormäuer mini|Die Erlauf in der Vorderen Tormäuer mini|hochkant|Naturpark Eisenwurzen

Der Naturpark Ötscher-Tormäuer ist mit 170 km² der größte Naturpark Niederösterreichs. Das Zentrum bildet der Ötscher mit seinen markanten Schluchten, wie den Ötschergräben, und den weiten Almen. Zwischen den Felsen wachsen einige seltene Pflanzen wie der Seidelbast, Flaum-Steinröserl, Clusius-Primeln und verschiedene Enziane. Zudem bietet der Naturpark vielen Wildtieren wie Gämsen, Rotwild, Waldohreulen und auch Greifvögeln wie Steinadlern und Turmfalken ein Zuhause.

Nördlich dieses Gebietes ist die Luft besonders rein und die Lichtverschmutzung gering. Daher haben hier einige Astrovereine Beobachtungsstationen errichtet, u. a. auf einer Alm beim Hochbärneck (950 m) und etwas westlicher am Nordhang der Hohen Dirn (1300 m).

Naturpark Buchenberg

Im südwestlichen Mostviertel befindet sich der Natur- und Erlebnispark Buchenberg. Das Mischwaldgebiet beherbergt heimische Wild- und Haustiere. Für den Tiergehegebereich ist eine Gebühr zu entrichten, während der restliche Teil des Naturparks frei zugänglich ist.

Naturpark NÖ Eisenwurzen

Inmitten der nördlichen Kalkalpen, im Dreiländereck Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark, liegt der Naturpark Eisenwurzen. Der Gamsstein mit einer Seehöhe von 1.774 m bildet den höchsten Punkt. Der Park grenzt direkt an den Naturpark Steirische Eisenwurzen an und zeichnet sich durch eine vielseitige Landschaft aus. Durch die zum Teil schwerzugänglichen Gebiete und die vielen Schluchten, sind hier viele Urwaldreste erhalten geblieben. Der Naturpark ist reich an kleinen Bächen und Wasserfällen. Auf einigen Anhöhen sind noch bewirtschaftete Almen zu finden.

Alpenseen Der Lunzer See ist 1.600 Meter lang und 500 Meter breit, seine tiefste Stelle beträgt 34 Meter. Er hat eine Wasserqualität der Güteklasse I und ist der einzige rein natürliche See Niederösterreichs. Seit 2004 wird der See am Abend als Kulturstätte genutzt. Die Lunzer Seebühne wird mit Musik und Sommertheater bespielt und ist bekannt für ihre außergewöhnliche Architektur. Der Schwimmkörper wird im Winter geflutet und im See versenkt.

Auf 827 m Seehöhe nordwestlich von Mariazell liegt der Erlaufsee. Dieser hat Trinkwasserqualität und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger, Wanderer, Fischer und Taucher.

Geologie Das Mostviertel hat Anteil am Alpenvorland (wo die meisten Siedlungen liegen), an der Flyschzone und den nördlichen Kalkalpen. Die meisten Gebirgszüge liegen im Süden, an der Grenze zur Steiermark. Die höchsten Gipfel liegen in den Ybbstaler Alpen und sind der Ötscher (altslawisch „Vaterberg“, 1893 m), der Dürrenstein (1878 m) und das Hochkar.