mini|Tiger im Flug, 2006

Der Tiger ist ein deutsch-französischer Kampfhubschrauber von Airbus Helicopters. Ursprünglich wurde er in Deutschland als Panzerabwehrhubschrauber 2 (PAH-2) bezeichnet, die Bundeswehr führte ihn nach seiner Einführung jedoch als Unterstützungshubschrauber Tiger (UHT). Im Oktober 2013 wurde durch das Amt für Heeresentwicklung offiziell die Bezeichnung Kampfhubschrauber Tiger (KHT) festgelegt. Er ist mit dem Transportflugzeug Airbus A400M luftverladbar. Die Triebwerke des Tigers werden von dem Konsortium MTU Turbomeca Rolls-Royce GmbH (MTR) in Hallbergmoos bei München gebaut. Die Endmontage des Hubschraubers erfolgt in Donauwörth, Marignane, Albacete und Australien.

Geschichte Entwicklung Im Jahr 1984 stellten die deutsche und die französische Regierung einen Anforderungskatalog für einen modernen Mehrzweck-Kampfhubschrauber zusammen. Ein aus der französischen Aérospatiale und der deutschen MBB bestehendes Joint Venture wurde später als Hersteller der Wahl festgelegt.

Wegen hoher Kosten wurde das Programm im Jahr 1986 zunächst abgebrochen, im Folgejahr jedoch wieder aufgenommen.

Im November 1989 erhielt das Konsortium den Auftrag zum Bau von fünf Prototypen. Drei sollten unbewaffnete Testplattformen werden und je einer der beiden übrigen Prototypen in der deutschen Panzerabwehrversion und der französischen Eskorthubschrauber- und Feuerunterstützungsvariante ausgerüstet werden. Mit dem Bau des Tiger-Triebwerks MTR390-2C wurde das 1989 gegründete Konsortium MTU Turbomeca Rolls-Royce GmbH (MTR) in Hallbergmoos bei München beauftragt.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das deutsche Konzept des reinen Panzerabwehrhubschraubers (PAH 2) überarbeitet und mündete in einer Mehrzweckversion (UHT), die sowohl die Aufgaben der Panzerabwehr- sowie der Eskort- bzw. Feuerunterstützungs-Variante vereint. Der erste Prototyp flog im April 1991. Als die Hubschraubersparten von Aerospatiale und MBB 1992 in der Eurocopter Group aufgingen, wurde auch das Tiger-Programm in den neuen Konzern eingebracht.

Der erste große öffentliche Auftritt des neuen Hubschraubers (und zwar des Prototyps PT3) fand in dem 1995 produzierten James-Bond-Film GoldenEye statt. In dem Film wird auf den EMP-Schutz des Hubschraubers Bezug genommen, das ebenfalls gezeigte Rettungssystem ist jedoch fiktiv.

Die Serienproduktion des Tigers begann im März 2002. Der Erstflug eines in Serie gefertigten Tiger HAP für die französische Armee fand im März 2003 statt. Die Endauslieferung der ersten von seinerzeit 80 durch Frankreich bestellten Hubschrauber begann im September 2003 (die Bestellung wurde 2015 auf 60 reduziert). Ende 2003 wurde auch mit der Auslieferung des ersten der ebenfalls seinerzeit geplanten 80 deutschen UH-Tiger an das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) begonnen, wo er diverse Tests durchlief. 2005 wurden erste deutsche Serien-Tiger an die deutsch-französische Flugschule in Le Luc überführt, wo sie der Pilotenausbildung dienen. Bis Ende 2009 wurden vier der geplanten 32 Tiger beim Kampfhubschrauberregiment 36 „Kurhessen“ im nordhessischen Fritzlar stationiert. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die ersten zehn Bundeswehrpiloten in der abschließenden dreistufigen Typenausbildung, um den Status „Combat ready“ auf dem Tiger zu erhalten. Die Eingliederung der ersten Tiger beim Kampfhubschrauberregiment 26 „Franken“ in Roth befand sich bis 2011 in Vorbereitung. In Fritzlar und Roth sollten jeweils 32 Tiger stationiert werden. Der Tiger wird nun ausschließlich in Fritzlar stationiert. Er ersetzt in diesen Regimentern den deutschen PAH-1. Die Vorteile des Tigers gegenüber dem PAH-1 liegen vor allem in der besseren und flexibleren Bewaffnung, der hohen Wendigkeit und Schnelligkeit, der modernen Technik und der Verwendung moderner Verbundwerkstoffe, die höhere Crashsicherheit und Beschussfestigkeit bei geringerem Gewicht gewährleisten.

Eurocopter platziert die EC 665 als Konkurrenz zu Boeings AH-64 Apache. Hier erlitt Eurocopter jedoch anfangs einen herben Rückschlag, als sich Großbritannien bei einem Großauftrag über 67 Kampfhubschrauber gegen den Tiger und für den Apache entschied. Im Dezember 2001 konnte Eurocopter jedoch mit der australischen Regierung einen Vertrag über die Lieferung von 22 als Aufklärer konfigurierten Tiger ARH abschließen. Die ersten Tiger ARH wurden Ende 2004 an Australien geliefert.

Im September 2003 wählte Spanien eine Variante der HAD-Version für den Dienst in der spanischen Armee aus. Die 24 bestellten Hubschrauber dieses Typs können mit Trigat-, Spike- und Mistral-Raketen bewaffnet werden. Des Weiteren werden sie mit verbesserten Turbinen des Typs MTR390-E ausgerüstet, um größere Nutzlasten tragen zu können. Die Auslieferung soll etwa von 2010 bis 2014 erfolgen.

Im Zuge der Umstrukturierung und Umbenennung des Mutterkonzerns EADS zur Airbus Group wurde im August 2013 beschlossen, das Unternehmen Eurocopter ab Januar 2014 in Airbus Helicopters umzubenennen.eads.com: , Pressemitteilung vom 31. Juli 2013.

Prototypen PT1/F-ZWWW: Aerodynamikprototyp mit simpler Avionik, Erstflug am 27. April 1991. Der Prototyp war mit Mock-ups des Dach- und Mastvisiers, der Turmmaschinenkanone und Waffenbehältern ausgestattet. Wurde danach für Strukturbelastungstests und ab 1996 als Ausstellungsstück verwendet. Flog 502 Stunden. PT2/F-ZWWY: Rollout am 9. November 1992, Erstflug am 22. April 1993. Entspricht aerodynamisch der HAP-Version und enthielt die komplette Avionik. Wurde für Messungen des Radarquerschnitts und Optimierung der Tarneigenschaften verwendet. Wurde im November 1996 zur HAP-Version hochgerüstet und fortan PT2R genannt. Mistral-Schusstests am 14./15. Dezember 1998, Tests mit ungelenkten Raketen im Juni 1999. Zwischen 4. April und 12. Mai 2000 als PT2R2 für HAP-Qualifikationstest in Landes verwendet. 2001 als PT2X bezeichnet und für HOT3-Tests verwendet. Ab Mai 2002 für Decklandungen auf der TCD Siroco verwendet. PT3/9823: Volle Avionik (inklusive Autopilot und Navigationssystem), Jungfernflug am 19. November 1993 als F-ZWWT. Der Umbau zum UHT begann im Februar 1997, daraufhin als PT3R bezeichnet. Im Juni 1999 Raketenstarts auf große Entfernungen, nachts und unter widrigen Sichtverhältnissen, Wüstentests auf der Bateen AB in Abu Dhabi im September 1999. Diese Maschine ist seit August 2013 im Hubschraubermuseum Bückeburg zu besichtigen. PT4/F-ZWWU: HAP-Konfiguration und Avionik (inklusive TopOwl-Helmvisier und schussfähig), Erstflug am 15. Dezember 1994. Dachvisiertests Anfang 1995, im April in Toulon Tests mit der Bordmaschinenkanone. Der Volltest begann am 21. September 1995 auf dem Militärflugplatz Cazaux. Von Ende November 1995 bis 1997 dauerten die umfangreichen Kanonen- und Mistral-Tests. Wurde in Drei-Farben-Tarnschema lackiert. Wintertests in Schweden 1997 mit Kufen. Stürzte am 17. Februar 1998 beim nächtlichen Tiefstflug in Australien ab. PT5/9825: Volles UHT-Avionikpaket, Erstflug am 21. Februar 1996. Wurde für den Test deutscher Waffensysteme mit Osiris-Mastvisier verwendet (Stinger, HOT2 und 12,7-mm-Gunpod). Umgebaut als PT5R bezeichnet mit Waffensystem auf Produktionsstandard, Erstflug am 8. Oktober 1999. PT6: Für Belastungs-, Ermüdungs- und Crashtests verwendet. PT7: Für Belastungs-, Ermüdungs- und Crashtests verwendet. PS1/F-ZVLJ: Vorserien-HAP in Marignane mit Serienproduktionsmaschinen und -abläufen erbaut. Baubeginn 1998, Jungfernflug am 21. Dezember 2000. Diente der Optimierung der Produktionsabläufe. UHT S01/9826: Erster Serien-Tiger, Rollout am 22. März, Erstflug am 2. August 2002. Ersetzte bei den Tests PT5R. HAP S01: Erster französischer Serien-Tiger, Erstflug (F-ZKDB) am 26. März 2003, im Juli 2003 an die französische Armee übergeben.

Technik Konstruktion Der Tiger ist ein Kampfhubschrauber in klassischer Haupt-und-Heckrotor-Konfiguration. Das Cockpit ist kampfhubschraubertypisch in Tandem-Anordnung aufgebaut. Anders als bei allen derzeit weltweit eingesetzten Kampfhubschraubern sitzt der Pilot im Tiger auf dem Vordersitz und der Bordschütze dahinter. Um die Sicht für den hinten sitzenden Schützen zu verbessern, sind die Sitze in der Höhe gestaffelt angeordnet. Die Rotorblätter können in etwa sechs bis sieben Minuten gefaltet werden, was den Tiger luft- und seetransporttauglich macht.

Rumpf und Zelle Der schlanke, widerstandsarme Rumpf besteht zu 80 % aus Verbundwerkstoffen, wodurch eine geringere Radarsignatur erreicht und die Crashsicherheit erhöht wird. So ist bis zu einer vertikalen Sinkgeschwindigkeit von 10,5 m/s, 8 m/s Seiten- und 12 m/s Längsgeschwindigkeit die geforderte Überlebenswahrscheinlichkeit gegeben. Zum Schutz vor feindlicher Entdeckung trägt auch eine reflexionsarme Lackierung bei. An den Seiten des Rumpfes sitzen zwei Stummelflügel zur Waffenaufnahme. Am Bug befindet sich ein Kanonendrehturm (außer bei der Version UHT).

Die Luftfahrzeugzelle besteht zu 80 % aus mit Kohlenstoff-, Aramid- und Glasfasern verstärktem Kunststoff, Nomexwaben und Hartschäumen. Die Stummelflügel bestehen aus Aluminiumspanten mit CFK-Rippen und CFK-Außenhaut. Die Kunststoffbauweise senkt aufgrund der hohen Lebensdauer der Luftfahrzeugzelle die Wartungskosten. Im Gegensatz zur Aluminium- und Stahlbauweise unterliegt das Material einer wesentlich geringeren Materialermüdung und keiner Korrosion. 11 % der Leermasse entfallen auf Aluminium- und weitere 6 % auf Titanlegierungen.

Die vordere Rumpfsektion mit den Cockpits sowie die Rotorblätter und -nabe werden in Donauwörth gefertigt, die Mittelsektion mit den Waffenpylonen und den Triebwerken sowie das Fahrwerk und der Heckrotor im französischen Marignane. Der Heckausleger mit den Leitwerken wird im spanischen Albacete montiert. Die Endmontage der Maschinen findet jeweils in Donauwörth, Marignane, Albacete oder Australien statt.

Antrieb mini|Geöffnete Triebwerksabdeckung mini|Geöffnete Abgasführung mini|MTU-MTR-390-Triebwerk

Angetrieben wird der Hubschrauber von zwei Rolls-Royce/Turboméca/MTU-MTR-390-Triebwerken, die mit einer APU angelassen werden. In: mtu.de, MTU Aero Engines, 25. Juli 2009, abgerufen am 20. Dezember 2023. Zum Schutz vor angesaugten Fremdkörpern (sog. FOD) sind die Triebwerksansaugöffnungen mit Schutzgittern versehen. Im darauffolgenden zweistufigen Radialverdichter wird die Ansaugluft auf ein Druckverhältnis von 13:1 verdichtet. Das Zweiwellen-Triebwerk ist mit einer Umkehr-Ringbrennkammer ausgestattet, von den drei Axialturbinenstufen treibt eine die Verdichterwelle an; zwei Stufen geben als Freilaufturbine bis zu 958 kW Wellenleistung an das Zwischengetriebe ab. Die weiterentwickelte Version MTR-390-E weist ein höheres Verdichtungsverhältnis von 14:1 und 1094 kW Wellenleistung auf, ist allerdings etwas schwerer als das ursprünglich 169 kg wiegende Triebwerk. Beide Triebwerksversionen sind FADEC-gesteuert, 1078 mm lang, 442 mm breit und 682 mm hoch und hauptsächlich aus Titanlegierungen gefertigt und modular aufgebaut. Beim Ausfall eines Triebwerkes ist der Hubschrauber noch in der Lage, seinen Kampfauftrag zu erfüllen, wenn er nicht schwerer als 5,9 Tonnen ist.

Das Hauptgetriebe ist ebenfalls aus Titanlegierungen gefertigt und soll bei Ölverlust bis zu 30 Minuten trockenlaufen können, in Tests wurden bis zu 65 Minuten erreicht.

Rotoren Der Tiger besitzt einen rechtslaufenden gelenklosen Vierblatt-Hauptrotor mit einem Zentralstück aus Titan. Schlag- und Schwenkbewegungen während des Blattumlaufes werden durch elastische Biegung der Rotorblattwurzel ermöglicht; Anstellwinkeländerungen durch Elastomerlager. Die Rotorblätter sind aus Faserverbundwerkstoffen gefertigt. Der Heckrotor ist dreiblättrig.

Panzerung mini|Pariser Luftfahrtschau 2009