Flint ist mit 81.252 Einwohnern (Stand 2020) die achtgrößte Stadt im US-Bundesstaat Michigan. Die Stadt liegt rund 95 Kilometer nordwestlich von Detroit am Flint River und ist County Seat des Genesee County.
mini|Satellitenaufnahme von Flint
Sie war über einen langen Zeitraum der größte Produktionsstandort von General Motors. In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde die Produktion z. T. ins Ausland verlegt, was eine Schließung der Flinter Standorte bewirkte. Mit dem damit einhergehenden Verlust an Arbeitsplätzen wurde der Niedergang der Stadt Flint eingeleitet, nachdem die Automobilindustrie die Umwelt in Flint zuvor schon durch ihre Aktivitäten stark geschädigt hatte. Über 26 % der Einwohner leben heute unterhalb der Armutsgrenze, fast 38 % der unter 18-Jährigen gehören zu den Armen und 40 % der Immobilien stehen seit Mitte 2009 leer.
Flint war im Zeitraum 2010–2012 die Stadt mit der höchsten Kriminalitätsrate in den USA (berücksichtigt wurden allein Städte mit damals mehr als 100.000 Einwohnern).Flint no longer most violent city in America, according to new FBI crime stats, Bericht vom 19. Februar 2014, abgerufen am 24. Juli 2016 Flint hat die mit Abstand am schnellsten fallende Einwohnerzahl, im Zeitraum 2015 bis 2020 fiel die Einwohnerzahl mit 3,5 % pro Jahr, aktuell hat Flint nur noch etwa 80.000 Einwohner.
Geschichte Der Ort wurde 1819 von einem Pelzhändler gegründet und erhielt im Jahr 1855 die Erhebung zur Stadt. Der spätere Gouverneur von Michigan, Josiah Williams Begole, gründete eine Wollspinnerei.
„Vehicle City“ Das Gemeinwesen wurde im Laufe der Zeit von verschiedenen Branchen geprägt: dem Handel, der Bauholzerzeugung, der Kutschenfertigung und der Automobilindustrie. Schon bevor Flint ein Zentrum des Automobilbaus wurde, war es eines für Kutschen- und Wagenbau und trug schon vor 1905 den Zusatz (Fahrzeugstadt).Gustin/Kirbitz: David Buick's Marvelous Motor Car (2011), S. 85 Die Durant-Dort Carriage Company war der weltgrößte Kutschenbauer mit einem Ausstoß von 50.000 Einheiten im Jahr 1901.Gustin/Kirbitz: David Buick's Marvelous Motor Car (2011), S. 86gmheritagecenter.com: (englisch)
Flint war der erste Sitz von General Motors (GM), für kurze Zeit von Chevrolet und wurde jahrzehntelang geprägt von Buick. Das Unternehmen wurde 1904 von James H. Whiting (1842–1919), dem Besitzer der Flint Wagon Works, nach Flint geholt. Whiting war ein Konkurrent von William C. Durants Durant-Dort Carriage Company und mit diesem dennoch befreundet. Er verkaufte Durant noch 1904 seine Buick-Anteile und stellte so die Verbindung des Unternehmens mit der 1908 gegründeten General Motors Company her. Die Marke Marquette wurde 1912 von der Buick-Tochtergesellschaft Marquette Motor CompanyBeverly Rae Kimes, Henry Austin Clark jr.: Standard Catalogue of American Cars 1805–1942. 2. Auflage. Krause Publications, Iola WI (1985), S. 1125, ISBN 0-87341-111-0. (englisch) und 1929–1930 als Division von Buick (nicht von GM) geführt. Buicks Zentrale wurde erst vor wenigen Jahren nach Detroit verlegt. Indirekt verbunden mit GM waren die Autohersteller Dort Motor Car Company, Monroe Motor Company und Whiting Motor Car Company. Durant gründete nach seiner zweiten Entmachtung bei GM in Flint die Durant Motors Corporation mit mehreren Marken, darunter Durant und Flint.DMAC: The Durant Motors Automobile Club
Jüngere Geschichte In den Jahren 1936/37 fand hier der so genannte Streik von Flint statt, in dessen Folge die gewerkschaftliche Organisation in der US-Automobilindustrie massiv zunahm.
Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt wegen der vorhandenen Schwerindustrie ein bedeutsamer Produzent von Panzern, Flugzeugteilen und anderem Kriegsmaterial.
Am 8. Juni 1953 wurde Flint von einem der schwersten Tornados in den Vereinigten Staaten heimgesucht, der 115 Menschen das Leben kostete und 844 Verletzte forderte., abgefragt am 7. Juni 2009
Flint wird seit der Schließung der großen Automobilwerke und vieler Zulieferbetriebe immer wieder in den Medien als warnendes Beispiel einer verfehlten industriellen Monokultur dargestellt. Einer der bekanntesten Söhne der Stadt ist der Filmemacher Michael Moore, der Flints Armut in seinen Filmen Roger & Me, The Big One, Bowling for Columbine und "Fahrenheit 11/9" erwähnt.
Für die Stadt war von 2011 bis 2015 der „state of financial emergency“ erklärt worden. Im April 2014 wurde die Wasserversorgung umgestellt, um Kosten zu sparen. Statt aus dem Huronsee bei Detroit kam das Wasser nun aus dem Flint River – einem durch die Autoindustrie verseuchten Fluss.Beruhigungsmaßnahme in US-Stadt Flint: Obama trinkt Wasser, Spiegel Online, 5. Mai 2016 Die staatlich verordneten Sparmaßnahmen im Bereich der Trinkwasserversorgung führten Anfang 2016 zu einem Gesundheitsnotstand durch Bleivergiftungen, Verkeimung des Trinkwassers und weitere gravierende Verunreinigungen – die „Flint water crisis“.Governor declares state of emergency over lead in Flint water The Flint Journal, 5. Januar 2016Flint's lead crisis doesn't surprise Washington, DC moms, Today.com, accessdate: 23. Dezember 2016 Insgesamt konnte bei mehreren tausend Personen Blei im Blut nachgewiesen werden. Schätzungen gingen alleine von 6.000 – 12.000 betroffenen Kindern aus. Die Fehlgeburten nahmen von 2014 bis 2017 in Flint um 58 % zu (was mehreren hundert Fehlgeburten entspricht). Mindestens 12 Personen starben durch die Verunreinigungen in Flint an Legionellose.
Um (auf 90 Tage befristete) Hilfe durch die Federal Emergency Management Agency zu ermöglichen, rief auch US-Präsident Barack Obama am 16. Januar 2016 über das betroffene Gebiet den Umwelt-Notstand aus.President Obama signs emergency declaration over Flint's water crisis MLive.comBlei im Trinkwasser: Obama ruft Notstand in Michigan aus, Spiegel Online.Nun auch Legionärskrankheit, DiePresse.com Bei einem Besuch im Mai 2016 versprach Obama, die Wasserrohre würden ersetzt werden. Bis zum Juni 2021 hatte die Stadt Flint Wasserleitungen in 27.092 Haushalten überprüft und Bleirohre in 10.041 Haushalten ausgetauscht, in den restlichen 17.051 Haushalten fanden bereits Kupferrohre Verwendung. In seinem Dokumentarfilm Fahrenheit 11/9 über die Präsidentschaftswahlen 2016 und die Präsidentschaft Donald Trumps widmet Michael Moore der Wasserversorgungskrise und Bleikontamination in Flint ein ganzes Kapitel.
Tausende der von kontaminiertem Trinkwasser betroffenen Bewohner reichten Klage gegen den Bundesstaat Michigan ein. In einem Vergleich, der am 10. November 2021 rechtskräftig wurde, wurden den Geschädigten insgesamt 626 Millionen US-Dollar Zahlungen zugesprochen.Opfer von Trinkwasserskandal erhalten 626 Millionen Dollar Schadensersatz. Spiegel Online, 11. November 2021 (abgerufen am 7. Dezember 2021)
Die juristische Aufarbeitung war auch 2022 noch nicht abgeschlossen.The Guardian, Revealed: the Flint water poisoning charges that never came to light
Einwohnerentwicklung Seit dem Jahr 1960 verlor die Stadt aufgrund des wirtschaftlichen Niedergangs stetig an Bevölkerung. JahrEinwohner¹JahrEinwohner¹1860World Population Review: Flint, Michigan Population (worldpopulationreview.com, abgerufen am 27. September 2020, englisch)2.9501990140.76118808.4102000124.768190013.1002010102.400192091.600201697.3861940151.540202081.2521960196.940 202180.6281980159.611
¹ 1980–2020: Volkszählungsergebnisse; 2016, 2019: Schätzung des US Census Bureau
Wirtschaft und Infrastruktur
Bildung University of Michigan–Flint (einer der drei Campusse im University of Michigan System)http://umflint.edu/ Kettering University, eine MINT-Hochschulehttp://www.kettering.edu/ Mott Community Collegehttp://www.mcc.edu/ Michigan State University College of Human Medicinehttp://www.msufame.msu.edu/#Flint%20Campus
Verkehr mini
Interstate 69, Interstate 75, Interstate 475 Michigan Highways M-21 und M-54.
Flint besitzt einen Amtrak-Bahnhof, der Ort wird von der Linie Blue Water angefahren.
Am südwestlichen Ende der Stadt befindet sich der Bishop International Airport.www.bishopairport.org
Städtepartnerschaften Quelle:Sister Cities of Flint, Stand 2007 Changchun, Volksrepublik China Hamilton, Kanada Kielce, Polen Toljatti, Russland
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt James H. Whiting (1842–1919), Besitzer der Flint Wagon Works, zeitweilig von Buick und der Whiting Motor Car Company, Buick-Präsident (1903–1904) und Mitbegründer von General Motors Maurice E. Curts (1898–1976), Admiral der United States Navy Charles Wolcott (1906–1987), Musikdirektor, Komponist und Filmkomponist Lorraine Miller (1922–1978), Schauspielerin Dale E. Kildee (1929–2021), Politiker und Vertreter von Michigan im US-Repräsentantenhaus Stephen Smale (* 1930), Mathematiker Betty Carter (1930–1998), Jazzsängerin Don Preston (* 1932), Musiker Nancy Kovack (* 1935), Film- und Theaterschauspielerin Tony Burton (1937–2016), Schauspieler William E. Connolly (1938–2026), Politologe Donald W. Riegle (1938–2026), Wirtschaftsmanager und Politiker John Sinclair (1941–2024), Anarchist Robert Cashner (1942–2018), Ichthyologe und Hochschullehrer Paul Krause (* 1942), American-Football-Spieler Raye Birk (* 1943), Schauspieler Craig Morton (1943–2026), American-Football-Spieler Mark Farner (* 1948), Gitarrist und Songwriter, Leadgitarrist von Grand Funk Railroad Irwin Collier (* 1951), Wirtschaftswissenschaftler Warren Siegel (* 1952), theoretischer Physiker Christopher Paul Curtis (* 1953), Kinder- und Jugendbuchautor Diane Carey (* 1954), Schriftstellerin Michael Moore (* 1954), vielfach ausgezeichneter Dokumentarfilmer und Autor Sandra Bernhard (* 1955), Schauspielerin Sue Novara (* 1955), Radsportlerin Ian Edmondson (* 1957), Freestyle-Skier Kathleen Glynn (* 1958), Grafikdesignerin und Filmproduzentin, Eigentümerin und Chefproduzentin der Dog Eat Dog Films Inc. Carl Banks (* 1962), American-Football-Spieler Brent Williams (* 1964), American-Football-Spieler Terry Crews (* 1968), American-Football-Spieler und Schauspieler Chris Byrd (* 1970), Boxer MC Breed (1971–2008), Rapper Rahvaunia (* 1971), Schauspielerin Sinnamon Love (* 1973), Pornodarstellerin, Fetisch- und Glamourmodel Courtney Kirkland (* 1974), Basketballschiedsrichter Marcus Sakey (* 1974), Krimi-Autor Tim Thomas (* 1974), Eishockeytorwart Seamus Dever (* 1976), Schauspieler Morris Peterson (* 1977), Basketballspieler Gregory Burks (* 1980), Basketballspieler Carol E. Reiley (* 1982), Informatikerin und Unternehmerin Andre Dirrell (* 1983), Boxer Erin Darke (* 1984), Schauspielerin Ellen Tomek (* 1984), Ruderin Jon Connor (* 1985), Rapper Jenna Schroeder (* 1985), Basketballschiedsrichterin Geena Gall (* 1987), Mittelstreckenläuferin JaVale McGee (* 1988), Basketballspieler Rachel DiPillo (* 1991), Schauspielerin Thomas Rawls (* 1993), American-Football-Spieler Kyle Kuzma (* 1995), Basketballspieler Claressa Shields (* 1995), Boxerin Miles Bridges (* 1998), Basketballspieler Isaiah Crews (* 2005), Schauspieler ebenso: Repulsion, Grindcore-Band King 810, Metal-Band Ready for the World, R&B-Band
Persönlichkeiten, die in Flint wirkten mini|hochkant=0.7|David Dunbar Buick
Josiah Williams Begole (1815–1896), 19. Gouverneur von Michigan, lebte und arbeitete in Flint. Sein Sohn war der zeitweilige Firmenpräsident von Buick. David Dunbar Buick (1854–1929), Ingenieur, Erfinder und Mitbegründer von Buick. Louis Chevrolet (1878–1941), Unternehmer, Automobilpionier und Mitbegründer der Chevrolet Motor Car Company, Walter Percy Chrysler (1875–1940), der spätere Gründer der Chrysler Corporation, war zuvor Buick-Werksleiter und -Präsident Josiah Dallas Dort (1861–1925), Unternehmer, Automobilpionier und Gründer der Durant-Dort Carriage Company und der Dort Motor Car Company; Mitbegründer der General Motors. Er machte sich verdient um die Stadt Flint und das Genesee County.