mini|Die Flagge der NATO
Die Standing NATO Maritime Group 1 (SNMG 1) ist ein ständiger maritimer Einsatzverband der NATO. Er untersteht innerhalb der NATO-Kommandostruktur dem Allied Command Operations, das die Führung an das Allied Maritime Command, kurz MARCOM in Northwood delegiert hat. Beide SNMG sind in die NATO Response Force eingegliedert.
Geschichte Der Aufbau ständiger NATO-Verbände Angesichts der als bedrohlich empfundenen Aufrüstung des Warschauer Pakts und insbesondere der Sowjetunion in den 1960er Jahren entschloss sich die NATO, multinationale Eingreifverbände aufzustellen. Diese Verbände waren ihr als NATO Command Forces bereits im Frieden für den Einsatz unterstellt und standen für sofortige Reaktionen in Krisensituationen zur Verfügung. Mit ihrem Einsatz sollten die Streitkräfte möglichst vieler NATO-Mitgliedstaaten an der Krisenbewältigung beteiligt werden, um Bündnissolidarität zu zeigen.
Als erster Eingreifverband war 1960 die Allied Command Europe Mobile Force (ACE Mobile Force/AMF) mit einer Land- (AMF/L) und einer Luftkomponente (AMF/A) geschaffen worden, die dem NATO-Kommandobereich Europa (ACE) unterstand. Als Marineäquivalent wurde 1968 die Standing Naval Force Atlantic (STANAVFORLANT/SNFL) unter dem NATO-Kommandobereich Atlantik (ACLANT) aufgestellt.Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Verteidigung im Bündnis – Planung, Aufbau und Bewährung der Bundeswehr 1950 – 1972. München 1975, ISBN 3-7637-5137-8.
Standing Naval Force Atlantic
mini|Schiffe der STANAVFORLANT im Hafen von Boston 1969 Die SNFL war Vorläufer der SNMG 1. Sie bestand aus Zerstörern und Fregatten und wurde am 13. Januar 1968 aufgestellt, nachdem zuvor der Einsatz eines gemeinsamen Übungsverbandes mit dem Namen Matchmaker (1965–1967) erprobt worden war.Kommuniqué der Sitzung des NATO-Ministerrats am 13.–14. Dezember 1967 in BrüsselPeter Monte: Die Rolle der Marine der Bundesrepublik Deutschland in der Verteidigungsplanung für Mittel- und Nordeuropa von den 50er Jahren bis zur Wende 1989/90. In: Werner Rahn (Hrsg.): Deutsche Marinen im Wandel – Vom Symbol nationaler Einheit zum Instrument internationaler Sicherheit. S. 17ff. , ISBN 3-486-57674-7. Dieser Verband ist der älteste, noch bestehende ständige Einsatzverband der NATO. Seit seiner Aufstellung fuhren über 500 Schiffe und mehr als 150.000 Seeleute unter seinem Kommando.
Der Verband unterstand im damaligen Kommandobereich Atlantik dem Befehlshaber Ostatlantik (CINCEASTLANT) in Northwood, Großbritannien. Ständige Teilnehmernationen waren die USA, Großbritannien, Kanada, die Niederlande und die Bundesrepublik Deutschland. Das Kommando wechselte zunächst zwischen den vier erstgenannten Nationen, die Bundesmarine verzichtete bis 1984 auf die Führung, weil sie grundsätzlich ACE unterstellt war. Die Marinen Norwegens, Dänemarks, Belgiens, Portugals und seit 1990 Spaniens beteiligen sich zeitweise an dem Verband. Aufgabe im Kalten Krieg war es, in Krisenfällen schnell als multinationaler Verband Bündnissolidarität demonstrieren zu können.
Der Verband wurde hauptsächlich im Nordatlantik eingesetzt. Mit dem Ende des Konflikts wurde die STANAVFORLANT auch, unter anderem 1993 für die Operation Sharp Guard (Mittelmeer), in anderen, angrenzenden Regionen eingesetzt. Dafür wurde die Flotte mit der Standing Naval Force Mediterranean und der Western European Union Maritime Contingency Force integriert. Diese Operation dauerte bis 1996, anschließend wurde der Verband wieder in den Atlantik verlegt.
2004 wurde die Gruppe in Standing NATO Response Force Maritime Group 1 umbenannt und die regionale Bindung aufgehoben. Gleichzeitig wurde der für den Mittelmeerraum zuständige Verband Standing Naval Force Mediterranean (STANAVFORMED) in Standing NATO Response Force Maritime Group 2 umbenannt. Als solche nahmen beide unter anderem an der Operation Active Endeavour teil. Die Bezeichnung wurde später auf Standing NATO Maritime Group verkürzt.
Konzept mini|Logo des Kommandeurs der SNMG 1 am Achterschiff einer Fregatte Ständige Mitglieder des jetzigen, sechs bis zehn Zerstörer, Kreuzer und Fregatten umfassenden Verbands sind die kanadische, deutsche, niederländische, britische und die amerikanische Marine, die jeweils ein Schiff abstellen. Der Verband wird zeitweise durch Einheiten aus anderen NATO-Nationen verstärkt.
Jährlich werden im Rahmen der Flotte Übungen abgehalten, die vor allem auch die multinationale Zusammenarbeit stärken sollen.
Einsätze mini|Schiffe der SNMG 1 in Formation mit der Vicksburg und der Enterprise während einer PASSEX-Übung im März 2012 Am Nachmittag des 30. September 2007 befand sich die SNMG 1 im Roten Meer auf dem Weg Richtung Suezkanal als sie von der Toronto alarmiert wurde, dass sich eine größere Explosion vor der Küste Jemens ereignet haben soll. Die Fregatten Álvares Cabral und Evertsen wurden vorausgeschickt und bestätigten so dem Rest des Einsatzverbands kurz darauf einen Vulkanausbruch auf der Insel Dschazirat Dschabal at-Tair. In Absprache mit der jemenitischen Küstenwache unterstützte die SNMG 1 die Rettungsaktionen vor Ort, bei denen die Einheiten Álvares Cabral, Bainbridge, Evertsen, Olfert Fischer, Spessart und Toronto die Gewässer im Umfeld der Insel nach Überlebenden absuchten. Auch der Super Lynx Mk.95-Bordhubschrauber der Álvares Cabral kam dabei zum Einsatz. Am Morgen des 1. Oktobers fanden und retteten die Bainbridge und die Toronto während der Suchaktion zwei überlebende jemenitische Soldaten aus dem Roten Meer.
Vom 24. März bis 29. Juni 2009 wurde die SNMG 1 von der NATO für die Operation Allied Protector eingesetzt, um am Horn von Afrika Handelsrouten vor Piratenangriffen im Golf von Aden zu schützen. Der Einsatzverband befand sich dabei unter dem Kommando des portugiesischen Konteradmirals Jose Pereira de Cunha und bestand aus den Kriegsschiffen Corte-Real, Winnipeg, De Zeven Provinciën, Blas de Lezo und Halyburton. Am 29. Juni 2009 wurde die SNMG 1 von der Standing NATO Maritime Group 2 abgelöst. Von November 2009 bis Dezember 2014 war die Standing NATO Maritime Group 1 insgesamt sechsmal an der Operation Ocean Shield beteiligt und wechselte sich dabei mit der SNMG 2 ab. Die Mission diente vor allem dem Schutz von Schiffen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen vor Piraterie.
Von 23. bis 25. März 2012 führte die Standing NATO Maritime Group 1 eine PASSEX-Übung mit der Flugzeugträgerkampfgruppe Carrier Strike Group 12 der United States Navy durch. Die Übung fand unter der Führung der Enterprise im Mittelmeer statt. Die SNMG 1 selbst stand dabei unter dem Kommando von Commodore Ben Bekkering (Koninklijke Marine) und setzte sich aus den Fregatten Álvaro de Bazán, Charlottetown, Rheinland-Pfalz und dem Flaggschiff De Ruyter zusammen.
Schiffe der SNMG 1 An der Gruppe beteiligte Schiffe im Jahr 2022:
JahrKommandeurKennungNameKlasseSchiffstypTeil des EinsatzverbandsFlaggschiff 2022 CommodoreAd van de Sande(7. Januar – 8. Juli)CommodoreJeanette Morang(seit 8. Juli) L800 Rotterdam Rotterdam-Klasse Amphibious Transport Dock 7. Januar – 4. Februar 7. Januar – 4. Februar F362 Peter Willemoes Iver-Huitfeldt-Klasse Flugabwehrfregatte 15. Januar – April – F78 HMS Kent Duke-Klasse Fregatte 24. Januar – 4. Februar – A 1411 Berlin Berlin-Klasse Einsatzgruppenversorger 4. Februar – April 4. Februar – April F831 Van Amstel Karel-Doorman-Klasse Lenkwaffenfregatte 7. Februar – März – F 262 Erfurt Braunschweig-Klasse Korvette 2. März – Mai – F802 De Zeven Provinciën De-Zeven-Provinciën-Klasse Flugabwehrfregatte 10. März – Juli April – 8. Juli F238 HMS Northumberland Duke-Klasse Fregatte März – 20. April – D653 Languedoc Aquitaine-Klasse Mehrzweckfregatte März – April – L9015 Dixmude Mistral-Klasse Amphibisches Angriffsschiff März – April – D646 Latouche-Tréville Georges-Leygues-Klasse U-Jagd-Fregatte März – Mai – FFH 330 HMCS Halifax Halifax-Klasse Fregatte 18. April – Juni – A 1442 Spessart Rhön-Klasse Betriebsstofftransporter seit April – A833 Karel Doorman Karel-Doorman-Typ Joint Support Ship seit 8. Mai seit 8. Juli F332 NRP Corte-Real Vasco-da-Gama-Klasse Fregatte seit 26. Mai – F 218 Mecklenburg-Vorpommern Brandenburg-Klasse Fregatte 30. Mai – 15. Juli – F79 HMS Portland Duke-Klasse Fregatte seit 24. Juni – F311 KNM Roald Amundsen Fridtjof-Nansen-Klasse Fregatte seit 4. August –
Siehe auch Standing NATO Maritime Group 2
Weblinks SNMG1 auf marine.de (englisch) STANAVFORLANT auf globalsecurity.org (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Allied Command Operations