Die Liste der Lokomotiven und Triebwagen der sächsischen Staatseisenbahnen enthält die Lokomotiven und Triebwagen der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen, die für diese gebaut oder mit Vorgängerbahnen und verstaatlichten Privatbahnen übernommen wurden. Weiterhin sind die Lokomotiven sächsischer Bauart enthalten, die nach dem Aufgehen der Sächsischen Staatseisenbahnen in der Deutschen Reichsbahn im Jahre 1920 nachgebaut wurden.
Bezeichnung der Lokomotiven
Namen und Nummern der Lokomotiven Zu Beginn der Eisenbahnzeit wurden in Sachsen, wie allgemein üblich, die Lokomotiven nur mit Namen bezeichnet. Dies wurde bis 1892 für alle Fahrzeuge beibehalten. Von 1893 bis 1900 trugen nur noch Personen- und Schnellzuglokomotiven Namensschilder, danach wurden die Schilder bei allen Lokomotiven außer älteren Rangier- und Nebenbahnlokomotiven entfernt.
Bei der Namensgebung versuchte man zum Teil, dem Verwendungszweck der Baureihen entsprechende, sinnfällige Namensgruppen zuzuteilen. So erhielten z. B. Schnellzuglokomotiven an Fernreisen erinnernde Namen afrikanischer oder amerikanischer Länder und Städte, während die für steigungsreiche Strecken gedachten Lokomotiven der Gattung V Namen von Alpengipfeln führten.
Neben den Namen erhielten die Lokomotiven (zunächst interne) Listennummern, die ab 1869 als Bahnnummern auch an den Fahrzeugen angebracht wurden. Die Nummernreihe der westlichen Staatsbahnen begann bei 1, die der östlichen bei 201. Die Nummern wurden zunächst rein sequentiell vergeben, d. h. in der Reihenfolge der Indienststellung. Lokomotiven eingegliederter Privatbahnen wurden in der zum Zeitpunkt der Verstaatlichung jeweils nächsthöheren freien Nummerngruppe zusammengefasst. Nummern und Namen(sschilder) ausgemusterter Lokomotiven wurden bei neugelieferten Maschinen in Zweitbesetzung wieder verwendet.
1892 wurde ein neuer Nummernplan eingeführt, wobei versucht wurde, eine gewisse Systematik zu erzielen. Es waren die Nummern 1–200 für Schnellzuglokomotiven, 201–600 für Personenzuglokomotiven, 601–800 für Lokomotiven für gemischten Dienst, 801–1300 für Güterzuglokomotiven, und ab 1301 für Tenderlokomotiven vorgesehen. Die ältesten, in nur wenigen Exemplaren vorhandenen und zur Ausmusterung anstehenden Personen- und Güterzuglokomotiven der Gattungen IIIa und Va wurden allerdings unmittelbar vor der ihrem Verwendungszweck entsprechenden Nummerngruppe einsortiert, sie erhielten die Nummern 598–600 bzw. 797–800.
Die stetige Zunahme des Lokomotivbestands sprengte diesen Nummernrahmen schnell. So erhielten bereits 1900 die älteren Güter- und Gemischtzuglokomotiven mit dreistelligen Nummern durch Vorstellen einer 2 deutlich höhere Betriebsnummern (so wurde z. B. aus der 601 die 2601), um Platz für neue Güterzuglokomotiven zu schaffen. 1918 schließlich mussten die immer zahlreicher werdenden Personenzuglokomotiven der Gattung XII H2 in gleicher Weise durch Vorstellen einer 3 umgenummert werden, und die neuesten Schnellzuglokomotiven der Gattungen XVIII H und XX HV erhielten Betriebnummern über 200.
Die ab 1881 eingeführten Schmalspurlokomotiven erhielten Betriebsnummern aus einem eigenen, wiederum bei 1 beginnenden Nummernkreis.
Klassifizierung der Lokomotiven in Gattungen Da die reine Nummerierung der mit der immer höheren Anzahl von Lokomotiven für Betriebs- und Werkstättendienst unübersichtlich und unpraktisch wurde, führte man 1869 ein Bezeichnungssystem zur Unterscheidung der einzelnen Lokomotivbauarten in Gattungen ein. Das System bestand zunächst aus einem Buchstabenkürzel für den Hersteller und einer römischen Zahl pro Herstellertype, stellte also im Prinzip eine fortlaufende Nummerierung der Bauarten jedes Herstellers dar. Die verwendeten Herstellerkürzel waren
KürzelHersteller C Cockerill, Seraing, Belgien Crlsr od. Cr Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe, Karlsruhe B Borsig, Berlin E Egestorff (Hanomag), Hannover H Hartmann (Sächsische Maschinenfabrik), Chemnitz Hg Hagans, Erfurt Hsch od. Hl Henschel, Kassel Hth Hawthorn, Newcastle, Großbritannien Hz Hohenzollern, Düsseldorf K Kessler (Maschinenfabrik Esslingen), Esslingen Kr Krauss, München Schi od. Sch Schichau, Elbing Schw od. S Schwartzkopff (Berliner Maschinenbau), Berlin Sigl od. Sgl Sigl (Wiener Neustädter Lokomotivfabrik), Wiener Neustadt, Österreich St Stephenson, Newcastle, Großbritannien U Union-Gießerei, Königsberg W Wöhlert, Berlin
Zwei Jahre später wurde das Bezeichnungssystem bereits wieder geändert. Man bezeichnete nun unter Beibehaltung der Herstellerkürzel mit den römischen Zahlen eine bestimmte Achsanordnung und generelle Bauart oder Verwendung der Lokomotiven. Die Zuordnung der Zahlen erfolgte dabei wohl dergestalt, dass die Gattungsnummern der vom wichtigsten Lieferanten Hartmann hergestellten Lokomotiven nicht geändert werden mussten. Zusätzlich wurden die ergänzenden Kleinbuchstaben „a“ (für alte) und „b“ (für neue oder zweite Bauart) eingeführt. Um das formal sehr ähnliche alte und neue Bezeichnungssystem zu unterscheiden, sind die älteren nur zwei Jahre gültigen Bezeichnungen im Folgenden kursiv gesetzt – H I, H II, H III und so fort. Die 1871 festgelegten Gattungsnummern waren
GattungBauartI 1B mit Longboiler ab Baujahr 1845II 1B mit Longboiler ab Baujahr 1845III 1B mit Longboiler ab Baujahr 1852IIIa 1B mit durchhängender Feuerbüchse, Baujahr 1853IIIb 1B-Personenzuglokomotiven, Baujahr 1871IV 1'B-Lokomotiven für Gebirgstrecken (auch Tenderloks), ab Baujahr 1856Va und V C-Güterzuglokomotiven ab Baujahr 1855VI 1B-Eilzuglokomotiven ab Baujahr 1858VIa 1A1-Lokomotiven ab Baujahr 1848VII B-Gemischtzuglokomotiven ab Baujahr 1868VIII 2'B-Lokomotiven ab Baujahr 1857
In der Folgezeit kam es noch zu weiteren Veränderungen im Bezeichnungssystem. So wurden als Gattungskennzeichen
F für Lokomotiven der Bauart Fairlie (ab 1885) M für Lokomotiven der Bauart Meyer (ab 1889) Kl für Lokomotiven der Bauart Klose (ab 1889)
und als Zusatzkennzeichen (hinter der Gattungsnummer)
T für Tenderlokomotiven (ab 1876) K für Kleinspur: 750-mm-Schmalspurlokomotiven (zeitweise auch vor der Gattungsnummer) S für Sekundärbahnlokomotiven (ab 1884) O für Omnibuszug-Lokomotiven (ab 1885) C für Compound (Verbund)-Lokomotiven (ab 1887), ersetzt durch für Verbund-Lokomotiven (ab 1889) M für Meterspurlokomotiven für Heißdampflokomotiven
eingeführt.
1885 erhielt der Zusatzbuchstabe „b“ die Bedeutung „bewegliche Laufachse“. Die letzte große Neuordnung der Gattungsbezeichnung erfolgte 1896. Dabei wurde nunmehr die Lieferfirma weggelassen. Neue Gattungen von Schnellzug- und Güterzuglokomotiven erhielten gerade und Güterzug, Nebenbahn- und Rangierlokomotiven erhielten ungerade Gattungsnummern. Die Schmalspurlokomotiven erhielten mit I beginnend neue Gattungsbezeichnungen. Lokomotiven gleicher Gattung aber mit unterschiedlichen Treibraddurchmessern erhielten die Zusatzziffern 1 (Schnellzuglokomotiven) und 2 (Personenzuglokomotiven).
Dampflokomotiven
Lokomotiven der Anfangszeit für alle Zugarten
GattungsbezeichnungBahnnummernvor 1892AnzahlBaujahr(e)BauartausgemustertbisBemerkungenBildab 18961871 bis 18961869 bis 1871(I) St I, St I T(bis ’76 nur: St I) St I 201–212121845–1846 1B n2/n2t1878,Umbaulok 1877 für die Sächsisch-Schlesische Staatsbahn gebaut;201–202, 204, 209 und 212 1868 zu Tenderlok mit Satteltank umgebaut St I St II 221–22221850 1B n21872 für die Sächsisch-Schlesische Staatsbahn gebaut C I, C I T(bis ’76 nur: C I) C I 213, 33621847 1B n2/n2t1889,Umbaulok 1881 für die Löbau-Zittauer Eisenbahn gebaut;213 1847 an die Sächsisch-Böhmische Staatsbahn, 1868 zu Tenderlok mit Satteltank umgebaut H I, H I T(bis ’76 nur: H I) H I 23–25, 70–72, 200, 214–219, 223–224151848–18521882,Umbaulok 1886 für die Sächsisch-Böhmische, Sächsisch-Bayerische und Niedererzgebirgische Staatsbahn gebaut;23–25, 28–29 und 200 1857–69 zu Tenderlok umgebaut 100px K I T(bis ’76: K I) K I 16–1721848 1B n2t1886 für die Sächsisch-Bayerische Staatsbahn gebaut, 1863 zu Tenderlok mit Satteltank umgebaut(IIa) St II T 635–636218441877 mit der Leipzig-Dresdner Eisenbahn 1876 übernommen;für die Sächsisch-Bayerische Staatsbahn gebaut, 1856 zu Tenderlok umgebaut, 1862 an die Großenhainer Zweigeisenbahn, 1869 mit dieser an LDE St II, St II T(bis ’76 nur: St II) St III 64–6961846 1B n2/n2t1871,Umbaulok 1880 für die Chemnitz-Riesaer Eisenbahn gebaut; 64, 65, 67 und 69 1862–65 zu Tenderlok mit Satteltank umgebaut H IIa T(bis ’85: H II T,bis ’76: H II) H II 26–34(9)1851 1B n2t1891 für die Sächsisch-Bayerische Staatsbahn gebaut, 1862–69 zu Tenderlok umgebaut B IIa(bis ’85: B II) B III 38–4031852 1B n21886 für die Sächsisch-Bayerische Staatsbahn gebaut B IIa 613–626141852–18591888 1876 mit der Leipzig-Dresdner Eisenbahn übernommen B II 627(1)1854 B1 n21876 mit der Leipzig-Dresdner Eisenbahn 1876 übernommen;als 1A1 gebaut, 1875 zu B1 umgebaut B IIa T 632–6343 1B n2t1889 mit der Leipzig-Dresdner Eisenbahn 1876 übernommen;als 1A1 gebaut, 1873–76 zu 1B-Tenderlok umgebaut
Schnellzuglokomotiven
GattungsbezeichnungBahnnummernab 1892DR-NummernAnzahlBaujahr(e)BauartBemerkungenBildab 18961871 bis 18961869 bis 1871VIa H VIa,B VIa 1–7, 11–16281856–1868 1A1 n2 1876 mit der Leipzig-Dresdner Eisenbahn übernommen 100px H VIa H VI 8–1031861–1862 für die Östliche Staatsbahn gebaut 100pxVI H VI,B VI H VI,B VI 17–51411860–1870 1B n2 für die Westliche und die Sächsische Staatsbahn gebaut;2 Lok (Baujahr 1870) 1885 in 1'B n2 Gattung H VIb umgebaut 100px Schw VI 54–5961874 1888 mit dem sächs. Teil der Berlin-Dresdner Eisenbahn übernommen Hsch VI 60–71121875–1876 1876 mit der Leipzig-Dresdner Eisenbahn übernommen VIb H VIb 52–53(2)(1885) 1'B n2 Umbau von H VI (Baujahr 1870) mit Nowotny-Lenkachse VIII 1(bis ’00: VIIIb 1) K VIIIb(bis ’85: K VIII) K II 93–10081870 2'B n2 letzte zwei Lokomotiven 93 und 98 1914 in 99–100 umgezeichnet 100px VIb V H VIb V(bis ’89: H VIb C,bis ’87: H VIb) 161–174 34 8011141886–1890 1'B n2v 100px VIII 2(bis ’00: VIIIb 2) H VIIIb 101–120 13 7001–7012201891–1894 2'B n2 100px VIII V1(bis ’00: VIIIb V1) 121–152 13 7101–7112,13 1501–1511321896–1900 2'B n2v 100px X V 181–195 14 201–215151900–1903 2'B1' n4v erste zwei Lokomotiven nach Lieferung kurzzeitig 175–176 100px XII H 1–6 17 601–60661906 2'C h4 100px XII HV 7–14, 22–55 17 701–755421908–1914 2'C h4v 100px XII H1 15–21 17 801–80471909 2'C h2 100px X H1 81–98 14 301–317181909–1913 2'B1 h2 100px XVIII H 196–205 18 001–010 10 1917–1918 2'C1' h3 XX HV 66–80, 206–213 19 001–023 23 1918–1923 1'D1' h4v sog. »Sachsenstolz«, einzige vierfach gekuppelte Schnellzuglokomotive der deutschen Länderbahnen 100px
Personenzuglokomotiven
GattungsbezeichnungBahnnummernab 1892DR-NummernAnzahlBaujahr(e)BauartBemerkungenBildab 18961871 bis 18961869 bis 1871 IIIa B IIIa,W IIIa,H IIIa B V,W,H III 598–60051853 1B n2 für die Niedererzgebirgische und die Sächsisch-Schlesische Staatsbahn gebaut III H III, K III(bis ’85:H IIIb, K IIIb) 201–273 34 7611871871–1874 14 Lok (Baujahr 1874) 1885 in 1'B n2 Gattung K IIIb umgebaut 100pxIIIb Schw IIIb,H IIIb,Hsch IIIb 288–491 34 7701–7702,34 7721–78072041873–1901 1'B n2 310–319 1876 mit der Muldenthal-Eisenbahn übernommen;335–337 1876 mit der Zwickau-Lengenfeld-Falkensteiner Eisenbahn übernommen;338–345 1876 mit der Chemnitz-Komotauer Eisenbahn übernommen;485 1896 mit der Altenburg-Zeitzer Eisenbahn übernommen;486–491 mit der Zittau-Reichenberger Eisenbahn übernommen 100px K IIIb 274–287 52 7001(14)(1885) Umbau von K III (Baujahr 1874) mit Nowotny-Lenkachse IIIb V H IIIb V 501–518 34 7901–7902181889–1892 1'B n2v 100px VIII V2(bis ’00: VIIIb V2) 519–636 36 901–919,36 921–948,36 951–10141181896–1902 2'B n2v 100px XII H2 3651–3809(bis ’18: 651–697) 38 201–334,38 351–3541691910–1927 2'C h2 sog. »Rollwagen«; Nachbauserie 38 325–334 bereits mit DR-Nummern abgeliefert 100px
Gemischtzuglokomotiven