Die Helmholtzschule ist ein Gymnasium im Stadtteil Ostend von Frankfurt am Main. An der Schule werden etwa 900 Schüler von etwa 80 Lehrkräften unterrichtet. Namensgeber der Schule ist der Physiker Hermann von Helmholtz. Die Schule hat eine Vielzahl renommierter Persönlichkeiten hervorgebracht, darunter auch überregional bekannte Namen.
Lage mini|Lageskizze und bauliche Situation der Helmholtzschule, Stand Februar 2012 Die Helmholtzschule wurde in einem dicht besiedelten Wohngebiet des Frankfurter Ostends errichtet, in dem seit Ende des 19. Jahrhunderts auch Industrie- und Gewerbegebäude bestanden, z. B. die nahegelegene Seifen- und Parfümfabrik J. G. Mouson & Cie. (ab 1881) im Bergweg (heute: Waldschmidtstraße) oder der nahegelegene Industriebetrieb der Naxos-Union (ab Mitte der 1870er Jahre) in der Wittelsbacherallee. Die Helmholtzschule liegt im Carrée zwischen der Habsburgerallee im Südwesten, der Helmholtzstraße im Nordwesten, der Dahlmannstraße im Nordosten und der Brüder-Grimm-Straße im Südosten. Direkt vor dem Haupteingang der Schule in der Habsburgerallee bergen die als Hügel umgestalteten Grünanlagen einen Teil des Trümmerschutts des Bombenkrieges. Diese Grünanlagen dienen auch als Flucht- und Sammelpunkt für Schüler und Lehrer, z. B. bei Probealarmen.
Profil und Aktivitäten Die Schule hat diverse Schwerpunkte. Neben den Naturwissenschaften gibt es das Angebot zum Erwerb besonderer Sprachzertifikate in Französisch und Englisch. Die Gesellschaftswissenschaften nehmen regelmäßig mit Erfolg an Wettbewerben teil. Seit September 2006 werden eine fünfte und sechste Klasse in einer speziellen „Bläser-Klasse“ auf einem Blasinstrument nach Wahl ausgebildet.
Schon seit Jahrzehnten ist die Schülervertretung für ihr zumeist linksliberales politisches Engagement bekannt. Durch eine Protestaktion gegen die vom hessischen Kultusministerium entwickelte Unterrichtsgarantie (plus) sowie gegen allgemeine Studiengebühren hatten die Schüler im September 2006 landesweit für Aufsehen gesorgt.
Unterrichtsfächer (Quelle: ) mini|Teilansicht der Helmholtzschule vom Schulhof aus, Ende 2006. Dieser Blick ist heute wegen des Mensa-Erweiterungsbaus nicht mehr möglich. Links: Eingang zum IPI-Bau (errichtet 1971/72), links dahinter: Anbau mit naturwiss. Hörsälen und Laboren, quer dazu rechts: Teilansicht des Hauptgebäudes mini|hochkant|Links: Mensa mit Bibliothek; rechts: IPI-Bau Fachbereich I Fachbereich II Fachbereich III Fachbereich IV Deutsch Politik und Wirtschaft Biologie Sport Englisch Erdkunde Chemie Französisch Ethik Physik Latein Geschichte Informatik Spanisch Ev. Religion Mathematik Kunst Kath. Religion Musik
Arbeitsgemeinschaften (Quelle: ) Garten-AG Informatik-AG Big Band || Jazz-Rock-Ensemble BNE Tischtennis-AG Big Band | Schülerinitiative Buchclub Schach-AG || Schulsanitäter-AG Zoo-AG CAE Schach |
Im Jahr 2006 wurde das Jungen-Team der Helmholtzschule Hessenmeister im Basketball und belegte beim Bundesfinale im Schulwettbewerb Jugend trainiert für Olympia in Berlin den vierten Platz.
Im Fußball wurde die Mädchenmannschaft der Helmholtzschule mehrfach Stadt-, Bezirks- und Hessenmeister. 2002 qualifizierten sie sich ob dieser Erfolge zum Bundesfinale im Schulwettbewerb Jugend trainiert für Olympia in Berlin und belegten bundesweit Platz vier.
Die 1989 gegründete Schach-AG nimmt regelmäßig an externen Wettbewerben teil, so an den Hessischen Schulschachmeisterschaften, dem Hessischen Schulschachpokal und dem Frankfurter Schulturnier Frankfurter Turnier Hibbdebach-Dribbdebach. Die Schüler erreichten dabei in den verschiedenen Altersklassen mehrfach das Landesfinale, zwei vierte Plätze waren die bislang größten Erfolge. Beim Frankfurter Turnier siegten sie mehrmals in Folge.
Die 1987 gegründete Theater-AG trat aus Anlass des 75-jährigen Bestehens der Helmholtzschule zunächst mit dem Stück Die Helmholtzrevue auf. Danach wagte sie sich an schwierigeren Stoff, so an Franz Grillparzer: Die Ahnfrau (1989), an Alan Ayckbourn: Frohe Feste (1990), Jean Giraudoux: Undine, die Eigenproduktionen Wärmetod (1993), Hinz und Kunz oder Es ist normal, verschieden zu sein (1995), Trafford Tanzi nach Claire Luckham (1996) oder Leonce und Lena nach Georg Büchner. 1992 und 1993 erhielt die Theater-AG der Helmholtzschule den Förderpreis bei den Hessischen Schultheatertagen in Zwingenberg, 1995 den Förderpreis der Frankfurter Sparkasse, 1996 den Förderpreis der Hessischen Kulturstiftung. Mit Leonce und Lena wurde sie 1998 zu dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführten Theatertreffen der Jugend eingeladen und bestritt damit die Eröffnungsvorstellung.
Partnerschulen und Austausch Das Gymnasium engagiert sich im Comenius-Programm, in dem Schüler innerhalb der Europäischen Union für ein Jahr andere Länder besuchen.
Die Helmholtzschule hat zwei Partnerschulen, in Kanada und den USA: : Harry Ainlay High School, Edmonton, Alberta : Richland High School, Richland (Washington)
Geschichte Organisationsform Die Anstalt wurde 1912 als zweizügige Realschule für Knaben mit Vorschulklassen gegründet. 1919 wurde die Anstalt in eine Oberrealschule für Knaben mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt umgewandelt. Heute ist diese Spezialisierung entfallen. Ab 1937 wurde die Bezeichnung Oberrealschule in Deutsche Oberschule umgewandelt. In der Nachkriegszeit wurde die Helmholtzschule zum Realgymnasium für Knaben, ab 1964 ein Gymnasium für Knaben mit neusprachlichem und mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig, ab 1968 Gymnasium für Mädchen und Jungen.
1912 bis 1918 mini|Foto aus dem Jahr 1912: Hauptgebäude der Helmholtzschule (rechts) mit Haupteingang; Annex-Bau mit Dienstwohnungen für Schuldirektor und Pedell (links), durch einen Übergang zum Zwischengeschoss zur ersten Etage mit dem Hauptgebäude verbunden. Überführung und Dienstgebäude wurden am 4. Oktober 1943 durch einen Bombentreffer zerstört. mini|Erster Adressbucheintrag im Jahr 1913 mini|Sedantag 1916: Turnvorführung auf dem Schulhof Nach einem Jahr der organisatorischen Vorbereitung an der bereits bestehenden benachbarten Herderschule wurde die neue Helmholtzschule am 16. April 1912 feierlich eingeweiht. Ihren Schulbetrieb startete sie mit einer Quinta (38 Schüler), einer Sexta (41 Schüler), einer 2. Vorschulklasse (17 Schüler) und einer 3. Vorschulklasse (33 Schüler). Das Schulgeld betrug regulär 100 Mark, in der Vorschule 150 Mark. Vor jedem Unterrichtsbeginn marschierten die Schüler in Zweierreihen ins Gebäude, nachdem sie den Fußabstreifer benutzt hatten, ihre je nach Jahrgang unterschiedlich gefärbten Schülermützen in den Händen hielten und nicht redeten. Allen Schülermützen gemeinsam war ein umlaufendes blaues Stoffband mit dem Namen der Schule. In den Pausen erhielten die Schüler Gelegenheit dazu, in der Milchküche Milch zu trinken, nachdem sie sich dazu beim Pedell angemeldet hatten. Im gleichen Jahr wurde der Osthafen eröffnet, die Helmholtzschüler standen deshalb im August bei der Vorbeifahrt des Kaisers stolz Spalier, als dieser den Osthafen besichtigte.Protokoll der ersten Lehrerkonferenz der Helmholtzschule vom 19. April 1912, S. 11/12.
Im Schuljahr 1914/15 hatte die Helmholtzschule, die von der Bevölkerung gleich zum Start gut angenommen wurde, bereits 307 Schüler (Jungen); es mussten beispielsweise zwei Sexten (5. Klassen) eingerichtet werden. Auch 1914 begann das Schuljahr wie gewohnt nach Ostern, der Direktor gedachte zur Eröffnungsfeier des neuen Schuljahres der 50. Wiederkehr der Erstürmung der Düppeler Schanzen im Deutsch-Dänischen Krieg. Der jährliche Schulausflug fand im Mai statt, zu einer Zeit, als noch kein Schüler oder Lehrer aufziehendes Unheil ahnte. Am 1. August 1914 begann der Erste Weltkrieg, geradezu euphorisch gefeiert: „Die Kriegsbegeisterung, von der Jung und Alt ergriffen wurde, gab auch unserem Schulleben neuen Inhalt. Das Interesse an den großen Ereignissen des Tages beherrschte zeitweilig den Unterricht. Der Fortgang des Krieges wurde an erster Stelle im Klassenunterricht gewürdigt, unsere Siege wurden unter Ausfall einiger Unterrichtsstunden in der Aula mit Ansprachen und Gesängen gefeiert.“ Die Weihnachtsfeier fiel aus, aber an der Schulfeier zum Geburtstag des Kaisers (27. Januar) nahmen neben den Schülern und Lehrern auch viele Eltern teil.
In den bevorstehenden vier Kriegsjahren engagierten sich Schüler und Lehrer bei vielen Sammelaktionen für die Soldaten bzw. die Kriegswirtschaft. Zum Ende des Krieges ließen diese Aktionen jedoch immer stärker den längst verlorenen Krieg erahnen: 1918 sollten die Schüler Laub sammeln, um es den Militärdienstpferden als Ersatzfuttermittel für nicht mehr vorhandenes Heu zukommen zu lassen. Weitere Sammelaktionen umfassten z. B. Altmetall, Altpapier, Fenstergriffe aus Messing, Lumpen, Brennnesseln als Ersatz für Baumwolle, Arzneipflanzen, Teekräuter... Im Zuge der Novemberrevolution wurden die Bildnisse des Kaisers auf Beschluss des Arbeiter- und Soldatenrates vom 23. November 1918 aus allen Klassenzimmern und Amtsräumen entfernt.Verein ehemaliger Helmholtzschüler (Hrsg.). Hans Thiel: „Geschichte der Helmholtzschule. Eine Chronik mit 90 Abbildungen“. Frankfurt am Main 2000.
1919 bis 1933 mini|Stadtplanausschnitt von 1920: Ehemaliger Originalgrundriss inkl. Annex-Gebäude (schwarz schraffiert) und Schulhofbegrenzung mini|Undatierte Zeichnung, vermutl. aus den 1920er Jahren: Ursprüngliches Aussehen der Helmholtzschule bis zur Zerstörung am 4. Oktober 1943, mit hohem Walmdach und Mansarden inkl. Karzer, großer Turmuhr mit Fahnenmast sowie vorgelagertem Zugang von der Haupteingangshalle zur Empore der Turnhalle (rechts vorne) unterhalb der Aula-Fenster Vor Ostern 1920 legten an der Helmholtzschule die ersten Schüler ihr reguläres Abitur ab. Bis zu diesem Jahr wurde auch an den Schulen in jedem Jahr Anfang September der Sedantag gefeiert, ein Erlass des Kultusministeriums vom 26. August 1920 untersagte jedoch erstmals jede Schulfeier aus diesem Anlass. Stattdessen wurde ab 11. August 1920 jährlich der Verfassungstag (Weimarer Verfassung) gefeiert. Die Kriegsfolgen waren für jeden Schüler und Lehrer spürbar, so durfte z. B. die Turnhalle nicht beheizt werden, der Turnunterricht der Schüler fand auch im Winter bevorzugt im Freien statt. Neue Unterrichtsinhalte wurden Stenographie, im Handfertigkeitsunterricht wurden Buchbinder- und Schreinerarbeiten erlernt. Erstmals gab es an der Helmholtzschule ein Frühstücksangebot, von dem 60 Schüler Gebrauch machten. Darüber hinaus boten die Quäker eine Speisung an, an der 67 Schüler teilnahmen. Mehrere Schulausflüge waren geologisch ausgerichtet. Freunde der Schule und Eltern ermöglichten bedürftigen Schülern die Teilnahme am Aufenthalt im Kinderdorf Wegscheide. Viele jüdische Schüler wechselten nach der Mittleren Reife von der Realschule für Knaben der Israelitischen Religionsgesellschaft (ab 1928: Samson-Raphael-Hirsch-Schule) zur Helmholtzschule, um dort ihr Abitur abzulegen.
Eine Unterstützungsbibliothek wurde an der Schule eingerichtet, um Schülern aus bedürftigen Elternhäusern eine Ausleihe der sonst kostenpflichtigen Schulbücher zu ermöglichen. Da nicht alle Eltern das Schulgeld aufbringen konnten, wurden an der Helmholtzschule 80 so genannte „Freistellen“ für Schüler geschaffen, die die Schule kostenlos besuchen durften. Als bahnbrechend neu und sicher ebenso verschämt wie wissbegierig werden die aus der Oberprima (OI) = Jahrgangsstufe 13 (Abitur) und der Untersekunda (UII) = Jahrgangsstufe 10 (Mittlere Reife) abgehenden Schüler seinerzeit registriert haben, dass ihnen der Schularzt nun einen vorbereitenden Vortrag über das Geschlechtsleben hielt.