Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Amateure war eine Auswahl aus nichtprofessionellen Spielern, die die Bundesrepublik Deutschland bei Fußballbegegnungen gegen Mannschaften anderer Nationen repräsentierte.

Von 1952 (2:1 gegen Großbritannien am 14. Mai in Düsseldorf) bis 1979 (0:1 gegen Norwegen am 14. November in Baunatal) bestritt der DFB mit seiner Amateurnationalmannschaft 154 LänderspieleJürgen Bitter: Deutschlands Fußball. Das Lexikon. S. 19. (79 Siege, 37 Unentschieden, 38 Niederlagen; Torverhältnis 267:172Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball. Das Lexikon. S. 21.). Die Mannschaft nahm an den Turnieren der Olympischen Spiele 1952, 1956 und 1972 teil. Die Olympiaauswahlmannschaft löste schließlich die Fußballnationalmannschaft der Amateure ab, nachdem die Vereinigung europäischer Fußballverbände sich gegen die Fortführung des Wettbewerbs der Amateur-Europameisterschaft ausgesprochen hatte und bei olympischen Fußballturnieren unter bestimmten Voraussetzungen auch Profispieler teilnehmen durften.

Start der Amateurnationalmannschaft, 1951 bis 1952 Die Spitze im deutschen Fußball Anfang der 1950er Jahre Mit Einführung der vier Vertragsspieler-Oberligen in Deutschland zum 24. Juli 1949 war die Geburt des Profitums zur Runde 1949/50 im deutschen Fußball vollzogen. Die Spieler in den Oberligen (Süd, Südwest, West, Nord und die Berliner Stadtliga; in Berlin erst ab der Runde 1950/51) durften maximal 320 DM pro Monat verdienen.Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball. Das Lexikon. S. 667. Zur Saison 1950/51 wurden mit der Schaffung einer 2. Liga (anfangs auch II. Division) im Süden zu der bereits 1949/50 im Westen bestehenden eine weitere Vertragsspielerklasse und die 1. Amateurliga als oberste Spielklasse des Amateurfußballs eingeführt. In Berlin, Südwesten und im Norden waren eine bzw. fünf Amateurliga-Staffeln direkter Unterbau der Oberliga. Unter den Amateurligen kamen die 2. Amateurligen, die kreisübergreifend die Spiele austrugen, und darunter in den Fußballkreisen die A- und B-Ligen.

Als Folge des Vertragsspielerwesens in den Oberligen führte der DFB für die Amateurmannschaften eine eigene deutsche Meisterschaft ein. Im Finale der ersten deutschen Amateurmeisterschaft am 30. Juni 1951 in Berlin setzte sich ATSV Bremen 1860 mit 3:2 Toren gegen den Karlsruher FV durch.Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball. Das Lexikon. S. 121. Willi Schröder und Kurt Ehrmann ragten im Endspiel, das vor dem Finale der Vertragsspieler zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem SC Preußen Münster stattfand, heraus. 1952 folgte als neuer Amateurmeister der VfR Schwenningen mit einem 5:2-Erfolg gegen den Cronenberger SC, in dessen Reihen Herbert Jäger vergeblich versuchte die Abwehr zu ordnen. Auch im Länderpokal der Amateure waren Spitzenspieler im Einsatz. In der Siegermannschaft des Niederrheins im Jahre 1951 standen Karl Klug, Herbert Jäger und Matthias Mauritz.Heimann/Jens: Kicker Almanach 1989, S. 216. Als die Verbandsauswahl von Bayern im Jahr 1952 den Titelverteidiger Niederrhein mit 4:0 Toren entthronte, waren mit Erich Bäumler, Ludwig Hinterstocker, Egon Loy, Rudolf Meßmann, Heinz Wittig und Johann Zeitler gleich sechs Akteure in der Mannschaft, die in der Oberliga in den nächsten Jahren spielen oder auch ohne Oberligazugehörigkeit zu weiteren Auswahlehren kommen sollten.

Auswahlmannschaften in Deutschland Im DFB wurde die Leistungsspitze des Fußballsports durch die Nationalmannschaft, Repräsentativspiele der Regionalverbände und die Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft durch die Vertreter der Oberligen repräsentiert. Im Jahr 1951 erweiterte Bundestrainer Sepp Herberger seinen Nationalmannschaftskader durch die Einführung einer B-Nationalmannschaft. Am 14. April 1951Heimann/Jens: Kicker Almanach 1989, S. 104. wurde das erste Länderspiel ausgetragen, das – wie schon im Falle des Debüts der A-Nationalmannschaft nach dem Zweiten Weltkrieg – gegen die Schweiz bestritten wurde und in Karlsruhe mit einer 0:2-Niederlage endete. In den anschließenden drei Partien wurden mit Georg Stollenwerk, Willi Schröder, Matthias Mauritz und Kurt Sommerlatt bereits spätere Olympiateilnehmer getestet und im einzigen B-Länderspiel des Jahres 1952 nach diesem Großereignis mit Hans Eberle und Herbert Schäfer zwei weitere Amateurnationalspieler in der B-Auswahl eingesetzt.

Repräsentativspiele der Regionalverbände hatten nach dem Zweiten Weltkrieg fast den Charakter von Länderspielen. Am 24. März 1946 fand in Stuttgart das erste Spiel dieser überregionalen Begegnungen statt.Karl-Heinz Jens: Der allwissende Fußball. Sport-Magazin, Nürnberg 1966, S. 199. Süddeutschland gewann mit 3:0 Toren gegen Westdeutschland. Zur Sichtung waren sie für Bundestrainer Sepp Herberger beim Aufbau der Nationalmannschaft besonders wertvoll. War die Beobachtung der Spitze durch die fünf Oberligen alleine schon umständlich zu bewerkstelligen, stellte sich das Problem auf der insgesamt drittklassigen Amateurebene im Sinne einer „engmaschigen“ Sichtung der Talente noch deutlich eklatanter dar. Auch die Mitarbeit der Verbandssportlehrer alleine konnte dieses Problem nicht befriedigend lösen. Mehr half das legendenumwobene „Notizbuch“ des Bundestrainers, in dem alle Talente und Könner des deutschen Fußballs notiert sein sollten.

Mit dem Spiel Norddeutschland gegen Südwestdeutschland am 29. September 1962 in Braunschweig endeten die Repräsentativspiele der Regionalverbände.Karl-Heinz Jens: Der allwissende Fußball. Sport-Magazin, Nürnberg 1966, S. 209. Durch die neu geschaffene Bundesliga ab der Runde 1963/64 verloren sie ihre wesentliche Bedeutung und wurden deshalb eingestellt.

Die ersten Spiele der Amateurnationalmannschaft In Deutschland wurde im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele Helsinki 1952 die Frage der Beteiligung einer deutschen Amateurfußballnationalmannschaft lebhaft in Wort und Schrift erörtert.Deutsche Olympische Gesellschaft (Hrsg.): Die Olympischen Spiele 1952. Sonderausgabe Europäischer Buchklub. Hans Körfer: S. 208. Die Gegenstimmen überwogen in der Öffentlichkeit bei weitem. Der Deutsche Fußball-Bund argumentierte gegen diese Stimmen, dass den vielen hunderttausend aktiven Amateuren ein Ziel für ihr Leistungsstreben gesetzt werden müsse. Von der Teilnahme an den Spielen in Helsinki erhoffte sich der DFB neue Impulse für den Amateursport. Dieses Argument überzeugte am Ende.

Im Februar 1951 erhielt Bundestrainer Sepp Herberger den Auftrag, eine deutsche Fußballmannschaft für die XV. Olympischen Spiele aufzubauen.Volker Kluge: Olympische Sommerspiele. Die Chronik II, S. 325 (Anmerkung 446) Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees hatte zwar am 22. April 1951 in Lausanne die Vertreter von West- und Ostdeutschland eine Vereinbarung unterzeichnen lassen, in der das Nationale Olympische Komitee (NOK) der Bundesrepublik für die Aufstellung der Olympiamannschaft 1952 als „alleinverantwortlich“ bezeichnet und den DDR-Sportlern die Möglichkeit eingeräumt wurde, darin teilzunehmen.Volker Kluge: Olympische Sommerspiele. Die Chronik II. London 1948 – Tokio 1964. S. 172. Das NOK der DDR war in der Folgezeit jedoch nicht bereit, ostdeutschen Sportlern die Integration in die westdeutsche Olympiaauswahl zu ermöglichen. Auch die persönlichen Bemühungen des Präsidenten des Exekutivkomitees, Erik von Frenckell, brachten in Ostberlin kein Einlenken zustande.Volker Kluge: Olympische Sommerspiele. Die Chronik II. London 1948 – Tokio 1964. S. 173.

Zugelassen waren für das Olympiaturnier nur Amateurspieler. Jules Rimet, der Präsident des Internationalen Fußballverbandes (FIFA), war Vorsitzender der Jury.Volker Kluge: Olympische Sommerspiele. Die Chronik II, S. 323 (Anmerkung 436) Bundestrainer Herberger standen zur Vorbereitung auf das olympische Turnier zwei Wochen-Lehrgänge im August 1951 und im März 1952, sowie drei Lehrgänge, die sich über eine halbe Woche erstreckten, zur Verfügung. Hinzu kamen die drei ersten Amateurländerspiele in der Geschichte des DFB im Mai und Juni des Jahres 1952.

Das Debütspiel der Amateurnationalmannschaft des DFB fand am 14. Mai 1952 in Düsseldorf gegen Großbritannien statt. Die Aufstellung des ersten Amateurländerspiels der DFB-Vertretung lauteteHeimann/Jens: Kicker Almanach 1989, S. 117.:

Rudolf Schönbeck – Hans Eberle, Alfred Post – Kurt Sommerlatt, Herbert Jäger, Erich Gleixner – Matthias Mauritz, Georg Stollenwerk, Johann Zeitler, Willi Schröder, Kurt Ehrmann

Durch zwei Treffer des Mittelstürmers Hans Zeitler vom VfB Bayreuth gelang der 2:1-Starterfolg. Vier Tage später, am 18. Mai, gewannen die DFB-Amateure mit 2:0 Toren in Nürnberg auch die zweite Begegnung gegen die Gäste von der Insel. Mit demselben Ergebnis gelang am 8. Juni 1952 in München im dritten Spiel auch der dritte Sieg gegen die Vertretung Österreichs.

Bundestrainer Herberger hatte seine Olympiakandidaten zur letzten Vorbereitung vom 23. bis 29. Juni in die Sportschule Malente eingeladen. Der Spielerkreis setzte sich wie folgt zusammen:Kicker, Ausgabe Süd/Südwest, Nr. 25, München 23. Juni 1952. S. 23

Schönbeck, Bensch, Schuster (Torhüter); Post, Eberle, Kirk, Brech (Verteidiger); Wittig, Sommerlatt, Jäger, Schäfer, Kusneczow, Gleixner, Rarrasch (Läufer); Hinterstocker, Mauritz, Stollenwerk, Bogert, Zeitler, Schröder, Linneweber, Ehrmann, Klug (Angreifer).

Abschluss des Lehrgangs bildete ein Testspiel gegen Schweiz B in Kiel, wo sich die Schweizer Auswahl mit 3:2 durch setzte. Anfang Juli 1952 hat der DFB die Liste seines 20-köpfigen Spieleraufgebotes für die Olympischen Spiele in Helsinki abgegeben. Benannt wurden:Kicker, Ausgabe Süd/Südwest, Nr. 27, München 7. Juli 1952. S. 6 Schönbeck, Bensch, Schuster (Torhüter); Eberle, Jäger, Wittig, Post, Sommerlatt, Schäfer, Kirk, Gleixner, Brech (Verteidiger/Läufer); Hinterstocker, Mauritz, Stollenwerk, Zeitler, Schröder, Klug, Ehrmann, Bogert (Stürmer).

Olympische Sommerspiele 1952 in Helsinki mini|Olympiastadion Helsinki

Unmittelbar vor dem olympischen Fußballturnier in Helsinki fand kein Länderspiel der Amateure statt. Ein Grund war die Sommerpause im Juni/Juli 1952 im deutschen Fußball. Die Oberligen starteten am 24. August in die Runde 1952/53. Die Amateurnationalmannschaft eröffnete in Turku am 20. Juli 1952 mit einem 3:1-Sieg gegen Ägypten das olympische Fußballturnier. Es folgte am 24. Juli im Viertelfinale ein 4:2-Erfolg nach Verlängerung gegen Brasilien, wobei die Mannschaft von Sepp Herberger einen 0:2-Rückstand wettmachen konnte. Drei Tage später unterlag die deutsche Elf mit 1:3 Toren im Halbfinale gegen Jugoslawien. Im Spiel um die Bronzemedaille am 1. August setzte sich der Olympiasieger von 1948, Schweden, mit 2:0 Toren gegen Deutschland durch.

mini|Erinnerungsmedaille des DFB, Vorderseite mini|Rückseite

Folgende Spieler vertraten den DFB bei den Spielen in Helsinki: Position Name aktiv beim Verein SpielklasseTorhüterRudolf SchönbeckFC St. PauliOberliga NordVerteidigerHerbert JägerCronenberger SCAL NiederrheinVerteidigerAlfred PostRheydter SVOberliga WestVerteidigerHans Eberle (Kap.)TSG Ulm 18462. Liga SüdRechter LäuferKurt SommerlattPhönix KarlsruheAmateurliga NordbadenMittelläuferHerbert SchäferSpfrd. SiegenAmateurliga WestfalenLinker LäuferErich GleixnerVfL OsnabrückOberliga NordStürmerMatthias MauritzFortuna DüsseldorfOberliga WestStürmerLudwig HinterstockerFC TraunsteinLandesliga BayernStürmerGeorg StollenwerkSG Düren 992. Liga WestStürmerJohann ZeitlerVfB BayreuthLandesliga BayernStürmerWilli SchröderBremen 1860Amateurliga BremenStürmerKurt EhrmannKarlsruher FVAmateurliga NordbadenStürmerKarl KlugSterkrade 06/07Amateurliga Niederrhein