Operation Uranus () war die Bezeichnung des sowjetischen Oberkommandos für eine am 19. November 1942 begonnene Gegenoffensive der Roten Armee an der Ostfront während des Zweiten Weltkrieges. Sie war gerichtet gegen die Wehrmacht, die am 23. August 1942 den Angriff auf Stalingrad begonnen hatte, sowie gegen rumänische Truppen, die die Flanken der deutschen 6. Armee und 4. Panzerarmee deckten. Die Operation Uranus führte zur Einschließung von 250.000 bis 300.000 Soldaten der Achsenmächte im Kessel von Stalingrad und gilt als einer der Wendepunkte des Zweiten Weltkriegs.

Ziele Ziele der sowjetischen Streitkräfte waren die Einkesselung und Vernichtung der deutschen Truppen in und bei Stalingrad und der damit verbundene Entsatz der unter dem Kommando von Generalleutnant Wassili Tschuikow in Stalingrad am westlichen Wolga-Ufer kämpfenden Truppen der 62. Armee. Die Generäle Georgi Schukow (der spätere Sieger der Schlacht um Berlin) und Alexander Wassilewski (Chef des sowjetischen Generalstabs) hatten die Pläne hierzu seit dem September 1942 entwickelt. Der eigentliche Operationsplan wurde unter Wassilewskis Leitung ausgearbeitet.

Zunächst wurden umfangreiche Reserven hinter der Front zusammengezogen. Dazu wurden die eigenen Kräfte aufgespart und versucht, mit einem Minimum eigener Kräfte ein Maximum an Kräften in Stalingrad zu binden.Hans Doerr: Der Feldzug nach Stalingrad 1942/1943. Utting o. J., S. 68. Erfolgreich konnten dabei mit verhältnismäßig wenig Aufwand die deutschen Hauptkräfte an gewünschter Stelle gebunden werden.Edgar Röhricht: Probleme der Kesselschlacht. Karlsruhe 1958, S. 101. Während das deutsche Militär im Allgemeinen alle zur Verfügung stehenden Kräfte in die Eröffnungsschlacht warf, stellte die sowjetische Militärführung Reserven auf. Sie blieb taub gegenüber den Hilferufen nach Verstärkung von der Front und startete in dem Moment, als ihre absolute Überlegenheit gesichert war eine Aktion, in der sie jeden Widerstand in der festgelegten Stoßrichtung brach, so laut dem französische Militärattaché in Moskau General A. Guillaume, auch bei der Operation Uranus.General A. Guillaume: Warum siegte die Rote Armee. Baden-Baden 1949, S. 207 und 212. Konstantin K. Rokossowski schrieb nach dem Krieg, die Feldherrnkunst bestehe darin, den Gegner .Pawel I. Batow: Von der Wolga zur Oder. Berlin 1965, S. 354. Geoffrey Roberts stimmt Richard Overy zu, dass der Sieg von der unvorstellbaren Tapferkeit von wenigen tausend Soldaten abhing, die so lange der 6. Armee in Stalingrad standhielten, bis sie in die Falle ging.Geoffrey Roberts: Victory at Stalingrad. New York 2013, S. 192. Adrian E. Wettstein wirft Overy vor, mit seiner Interpretation klar in einer verklärenden sowjetischen Traditionslinie zu stehen. So boten statt mehr als eine halbe Million Soldaten der 6. Armee Paroli und 13.000 vollstreckte Todesurteile im Stalingrader Raum würden den der sowjetischen Verteidiger doch sehr viel begreiflicher machen.Adrian E. Wettstein: Die Wehrmacht im Stadtkampf 1939-1942. Paderborn 2014, S. 422 f.

Weiterhin wurden an der Wolga im Norden und Süden von Stalingrad Brückenköpfe gebildet, die als Ausgangsbasis für die geplante Operation dienen sollten, und entschlossen verteidigt. Der Brückenkopf in der Don-Schleife von Kremenskaja wurde im Anfang Oktober von deutscher Seite freiwillig dem Gegner überlassen, da der Kampf in Stalingrad immer neue Kräfte fraß.Doerr: Feldzug nach Stalingrad. S. 70.

Ferner sahen die sowjetischen Pläne eine Operation mit dem Codenamen Saturn vor, mit der die deutschen Heeresverbände im Kaukasus (vgl. Unternehmen Edelweiß) durch die Einnahme von Rostow am Don, kurz vor der Mündung des Flusses in das Asowsche Meer gelegen, abgeschnitten werden sollten. Von den Plänen betroffen waren nicht nur die 4. Panzerarmee unter Hermann Hoth und die später in Stalingrad eingekesselte deutsche 6. Armee unter Friedrich Paulus, sondern auch die gesamte Heeresgruppe A.

Etwa gleichzeitig fand die Operation Mars gegen die Heeresgruppe Mitte statt. Ihr sollte sich eine „Operation Jupiter“ anschließen, mit der die ganze Heeresgruppe Mitte eingeschlossen werden sollte. Insgesamt sollte mit diesen „kosmischen“ Feldzugsplan der Krieg 1943 gewonnen werden.Geoffrey Roberts: Victory at Stalingrad. New York 2013, S. 111 f.

Beteiligte Truppen Truppenverbände der Sowjetunion mini|Gesamtlage am 18. November 1942 An der weiträumig angelegten Operation waren auf sowjetischer Seite die Südwestfront unter Nikolai Watutin, die Donfront unter Konstantin Rokossowski im Norden sowie die von Andrei Jerjomenko geführte Stalingrader Front im Süden beteiligt. Den Hauptschlag führte die Südwestfront. Die Fronten wurden durch die 2., 8., 16. und 17. Luftarmee unterstützt. General Wassili Tschuikow, seit dem 10. September 1942 Kommandeur der in Stalingrad kämpfenden 62. Armee, wurde erst am Vorabend des Angriffs über den Angriff informiert, um die Kampfbereitschaft seiner Truppen nicht absinken zu lassen oder das Unternehmen zu gefährden.Richard Overy: Russlands Krieg 1941–1945. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2003, S. 277.

Für den Angriff wurden 115 Abteilungen mit Katjuscha-Raketenwerfern konzentriert, die mit 1250 Lafetten und Abschussvorrichtungen über ein Drittel der gesamten reaktiven Artillerie der Roten Armee verfügten.J.P. Petrow (Vors.): Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges der Sowjetunion. Band 3 (Ost-Berlin 1964), S. 25.

Die sowjetischen Schlachtfliegerverbände führten bei der Offensive mit 555 Maschinen ihren ersten Masseneinsatz durch. Im Rahmen der „Luftoffensive“, die am 9. November 1942 in der Felddienstordnung der Roten Armee verankert wurde, sollten sie den angreifenden Bodentruppen ununterbrochene Unterstützung in allen Phasen des Angriffs liefern.Olaf Groehler: Geschichte des Luftkriegs, Berlin 1981, S. 348–350.

1942 wurde die Wolga-Rochade gebaut, eine 978 Kilometer lange strategische Bahnstrecke. Sie verläuft am östlichen Wolgaufer vom Bahnhof Ilowlja (in der Nähe von Stalingrad, dem heutigen Wolgograd) zum Bahnhof Swijaschsk (bei Kasan) und verbindet auch die Bahnhöfe Saratow, Sysran und Uljanowsk. Sie wurde gebaut, um nach einem möglichen Verlust des zentralen Eisenbahnknotenpunktes Moskau oder weiterer Gebiete westlich der Wolga eine frontnahe Nord-Süd-Eisenbahnverbindung zu haben. Der erste regelmäßige Verkehr auf der gesamten Strecke wurde am 15. Oktober 1942 mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h begonnen.

Südwestfront (Generaloberst N. F. Watutin mit 398.000 Mann, 410 Panzern und 4.258 Geschützen)Grigori Fedotowitsch Kriwoschejew: Grif Sekretnost sniat. Moskau 1993.

1. Gardearmee, Generalleutnant D. D. Leljuschenko (1., 153., 197., 203., 266. und 278. Schützen-Division) 5. Panzerarmee, Generalmajor P. L. Romanenko (1. und 26. Panzerkorps, 8. Kavallerie-Korps, 14. und 47. Garde-Division, 50., 119., 124., 159., 210., 228. und 346. Schützen-Division) 21. Armee, Generalleutnant I. M. Tschistjakow (4. Panzerkorps, 3. Garde-Kavalleriekorps, 3. Garde-Division, 63., 76., 96., 277., 293. und 333. Schützen-Division) 17. Luftarmee, Generalmajor S. A. Krassowski 2. Luftarmee, Generalmajor K. N. Smirnow

Donfront (Generalleutnant K. K. Rokossowski mit 307.500 Mann, 161 Panzer und 4.177 Geschütze)G. F. Kriwoschejew, Grif sekretnosti snjat. Poteri Vooružennych Sil SSSR v vojnach, boevych dejstvijach i voennych konfliktach. Statističeskoe issledovanie. Voenno Izdat, Moskau 1993, ISBN 5-203-01400-0;Rokossowski, Welikaja pobeda na Wolga. Moskau 1965. 65. Armee, Generalleutnant P. I. Batow (4., 27. und 40. Garde-Division, 21., 23., 24., 252., 258.,304. und 321. Schützen-Division) 24. Armee, Generalmajor I. W. Galanin (16. Panzerkorps, 49. Garde-Division, 84., 120., 173., 214., 233., 260., 273. und 289. Schützen-Division) 66. Armee, Generalleutnant A. S. Schadow (64., 99., 116., 226., 299. und 343. Schützen-Division) 16. Luftarmee, Generalmajor S. I. Rudenko

Stalingrader Front (Generaloberst A. I. Jeremenko mit 429.000 Mann, 323 Panzer und 5.016 Geschütze)Grigori Fedotowitsch Kriwoschejew: Grif Sekretnost sniat. Moskau 1993.

62. Armee, Generalleutnant W. I. Tschuikow (13., 37. und 39. Garde-Division, 45., 95., 112., 124., 138., 149., 193., 284. und 308. Schützen-Division) 64. Armee, Generalmajor M. S. Schumilow (36. Garde-Division, 29., 38., 126., 157., 204., 208., 214., 229. Schützen- und 7. Kavallerie-Division) 57. Armee, Generalmajor F. I. Tolbuchin (13. Panzerkorps, 143., 169., 177. und 422. Schützen-Division) 51. Armee, Generalmajor N. I. Trufanow (4. mechanisches Korps, 4. Kavalleriekorps, 15. Garde-Division, 91., 76., 126., 302. Schützen-Division) 28. Armee, Generalleutnant W. F. Gerassimenko (34. Garde-Division, 248. Schützen-Division) 8. Luftarmee, Generalmajor T. T. Chrjukin

Truppenverbände der Achsenmächte Auf deutscher Seite standen im Raum Stalingrad die 6. Armee und die 4. Panzerarmee, die rumänische 3. Armee sicherte den Don-Abschnitt nordwestlich von Stalingrad und die rumänische 4. Armee deckte untermischt mit der deutschen 4. Panzerarmee den Raum südlich von Stalingrad bis in die Kalmückensteppe.

Diese verfügten über folgende Verbände:Kehrig, S. 662 ff.

Rumänische 3. Armee Generalleutnant Petre Dumitrescu

I. Armeekorps, Generalmajor Teodor Ionescu (7. und 11. Infanterie-Division) II. Armeekorps, Generalmajor Nicolae Dăscălescu (9., 14. Infanterie-Division und 7. Kavallerie-Division) IV. Armeekorps, Generalmajor Constantin Sănătescu (13. und 15. Infanterie- und 1. Kavallerie-Division) V. Armeekorps, Generalmajor Aurelian Sion (5. und 6. Infanterie-Division) Reserve: XVII. Armeekorps, Generalleutnant Hollidt (62. und 387. Infanterie-Division) XXXXVIII. Panzerkorps, Generalleutnant Ferdinand Heim (rumänische 1. Panzerdivision, 22. Panzer-Division, 14. Panzer-Division, Alarmdivision Tschir)

Deutsche 6. Armee Generaloberst Friedrich Paulus

XI. Armeekorps mit 44., 376. und 384. Infanterie-Division VIII. Armeekorps mit 76. und 113. Infanterie-Division XIV. Panzerkorps mit 94. Infanterie-, 16. Panzer-Division, 3. und 60. Infanterie-Division (mot.) LI. Armeekorps mit 71., 79., 295., 305. und 389. Infanterie-Division, 24. Panzer-Division, kroat. Reg. 369, 100. Jäger-Division Reserve: Gruppe Lepper

Deutsche 4. Panzerarmee Generaloberst Hermann Hoth

16. Infanterie-Division (mot.) IV. Armeekorps (General Erwin Jaenecke) mit 371. und 297. Infanterie-Division, rumänische 20. Infanteriedivision Reserve: 29. Infanterie-Division (mot.)

Rumänische 4. Armee Generalleutnant Constantin Constantinescu

VI. Armeekorps (Generalleutnant Corneliu Dragalina) mit 1., 4., 2. und 18. Infanterie-Division VII. Armeekorps mit 5. und 8. Kavallerie-Division

Überraschungsmoment