Der Verband der deutschen Rauchtabakindustrie e. V., auch VdR – Der Tabakmittelstand oder kurz VdR, ist der Zusammenschluss der Hersteller und Importeure von Feinschnitt, Pfeifentabak, Kau- und Schnupftabak, Zigarren, Zigarillos und Zigaretten mit Sitz in Berlin.
VdR – Der Tabakmittelstand vertritt die Interessen seiner überwiegend mittelständischen Mitglieder auf nationaler und internationaler Ebene gegenüber der Öffentlichkeit, den Regierungen und den politischen Parteien, den Behörden sowie den Institutionen der Europäischen Gemeinschaft. VdR – Der Tabakmittelstand versteht sich somit als politischer Verband.
Er gilt als Interessenvertretung des tabakverarbeitenden Mittelstands in Deutschland und ist insbesondere in steuer-, wirtschafts- und regulierungspolitischen Fragen aktiv.Tabakverband verlässt Bonn Umzug nach Berlin aus. In: General-Anzeiger Bonn. 3. Juli 2015, S. 9.
Geschichte Am 24. November 1920 wurde der Verband in Bamberg als Wirtschaftsverband gegründet. Nach 1933 erfolgte die Auflösung der freien Wirtschaftsverbände durch den Nationalsozialismus. Am 20. März 1946 wurde der Verband in Vlotho als „Verband der Rauchtabak-, Kautabak- und Schnupftabakhersteller in der britisch besetzten Zone Deutschlands e. V.“ wieder gegründet.Christoph Murmann: Tabakverband feiert in bedrohlicher Zeit. In: Lebensmittel Zeitung. 27. November 2015, S. 17.Das ist der VDR. In: Die Tabak Zeitung. 18. November 2018.
Zum 1. Januar 1954 wurde der Sitz des Verbandes von Vlotho nach Bonn verlegt. Am 22. Juni 1961 erfolgte die Fusion mit dem Bundesverband der Tabakwarenimporteure. VdR – Der Tabakmittelstand gründete gemeinsam mit seinem Schwesterverband aus den Niederlanden, der Vereniging Nederlandse Kerftabakindustrie (VNK), am 27. November 1990 den Verband der europäischen Rauchtabakindustrie European Smoking Tobacco Association (ESTA) mit Sitz in Brüssel.
Zum 1. Oktober 2015 wurde der Sitz von VdR – Der Tabakmittelstand von Bonn nach Berlin verlegt. Der Umzug wurde damit begründet, die politischen und strategischen Aufgaben des Verbandes näher an den zentralen Institutionen der Bundespolitik zu bündeln.
Organisation Hauptgeschäftsführer ist der Syndikusrechtsanwalt Michael von Foerster, Vorsitzender des Vorstandes ist Patrick Engels, geschäftsführender Gesellschafter der Pöschl Tabak GmbH & Co. KG.
VdR – Der Tabakmittelstand ist in der Lobbyliste beim Deutschen Bundestag sowie im Transparenzregister der Europäischen Union eingetragen. Nach dem Austritt der großen Zigarettenkonzerne aus dem Verband ist die Basis des Verbandes ausschließlich mittelständisch geprägt.
VdR – Der Tabakmittelstand ist Mitglied im Dachverband Lebensmittelverband Deutschland und im vbw (Verband bayerische Wirtschaft). Außerdem ist VdR – Der Tabakmittelstand Partner der Intertabac, der größten Fachmesse der Welt und hat einen ständigen Sitz in deren Beirat.
Mitglieder VdR – Der Tabakmittelstand vertritt Stand 2026 sieben Unternehmen:
DTM Dan Tobacco (Germany) GmbH (Lauenburg/Elbe) Heupink & Bloemen Tabak GmbH (Gronau) Joh. Wilh. von Eicken GmbH (Lübeck) Kopp Tobaccos GmbH & Co. KG (Rellingen) OCB Vertriebs-GmbH (Heinsberg) Pöschl Tabak GmbH & Co.KG (Geisenhausen) Scandinavian Tobacco Group Deutschland (Bremen)
Aufgaben VdR – Der Tabakmittelstand liefert Informationen für seine Mitglieder, gibt juristische Hilfestellungen vor allem für kleinere Mitglieder ohne eigene Rechtsabteilung und arbeitet in Berlin und Brüssel für den Tabakmittelstand. Weitere Aufgaben von VdR – Der Tabakmittelstand sind die Interessenvertretung, der Meinungsaustausch zwischen den Mitgliedern und die Erarbeitung von Stellungnahmen zu Gesetzesvorlagen.Rainer Woratschka: Starker Tobak. Die Politik könnte Tabakwerbung bald ganz verbieten. Die einst mächtige Lobby hat kaum noch Freunde. In: Tagesspiegel. 6. Juli 2015, S. 13.Tabak-Branche ist besorgt. In: Wirtschaftswoche. 19. September 2003. VdR – Der Tabakmittelstand verweist in der öffentlichen Kommunikation außerdem auf Transparenzanforderungen der Interessenvertretung und unterstützt die Nachvollziehbarkeit politischer Kontakte, etwa im Kontext der Debatte um ein Lobbyregister.
VdR – Der Tabakmittelstand wird bei öffentlichen Anhörungen im Deutschen Bundestag zu Gesetzesentwürfen der Bundesregierung, die den Bereich Tabak betreffen, hinzugezogen.
VdR – Der Tabakmittelstand grenzt sich zudem von anderen Verbänden ab, die ebenfalls Tabak- und Nikotinprodukte vertreten. In einer Pressemitteilung von 2019 verwahrte sich VdR – Der Tabakmittelstand gegen den Anspruch des neu gegründeten Bundesverbands der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE), für mittelständische Hersteller und traditionelle Tabakwaren zu sprechen. Der Verband betonte dabei, dass hochwertige traditionelle Tabakprodukte und mittelständische Hersteller eigenständige regulatorische Betrachtungen erforderten und nicht mit multinational ausgerichteten Verbänden gleichgesetzt werden sollten.Knatsch in der Berliner Tabaklobby. In: Ärzte Zeitung. Heft 170/2019, S. 9.Alexander Schmid: Dicke Luft in der Tabakbranche. Mittelständische Tabakwarenhersteller stellen sich gegen neuen Bundesverband – Will sich Zigarettenindustrie nur besseres Image verschaffen? In: Passauer Neue Presse. 7. September 2019, S. 7.
Steuer- und Regulierungspolitik Schwerpunkte der Verbandsarbeit liegen in der Steuer- und Regulierungspolitik. Im Zusammenhang mit der EU-Tabakproduktrichtlinie 2016 sprach sich VdR – Der Tabakmittelstand gegen großflächige Warnhinweise und abschreckende Fotos auf Zigaretten- und Tabakverpackungen aus. Er sah darin eine unverhältnismäßige Belastung und kritisierte die Vorgaben als Eingriff in Markenrechte und Wettbewerbsfreiheit.Rainer Woratschka: Viel Rauch um wenig. Minister Schmidt wollte mit harten Bandagen gegen Tabakwerbung in Deutschland vorgehen. Jetzt ist sein Eifer erloschen. In: Tagesspiegel. 8. Dezember 2015, S. 11.Fabian Müller, Michael Reidel: Bedrohliche Rauchzeichen. In: Horizont. 14. April 2016, S. 6. Zudem warnte VdR – Der Tabakmittelstand von der Nutzung von Tabakprodukten als Präzedenzfall für weitere Verbotsmaßnahmen gegenüber als gesellschaftlich unerwünscht angesehenem Verhalten oder Produkten.
Zur 2019 eingeführten Pflicht zur Rückverfolgbarkeit von Tabakprodukten („Track-and-Trace-System“)Markus Grabitz: Die Tabak-Lobby speckt ab. Verbände werden zusammengeführt. In: Tagesspiegel. 13. Juli 2017, S. 16. erklärte VdR – Der Tabakmittelstand, die neuen EU-Vorschriften hätten den Zigarettenschmuggel nicht wirksam eingedämmt.Gerhard Hörner: Drohende Überregulierung? In: Rundschau für den Lebensmittelhandel. Heft 2/2023, S. 58–61.
Im selben Jahr wandte sich VdR – Der Tabakmittelstand gegen die geplante Einschränkung der Außenwerbung für Tabakprodukte. In einem Politikbrief bezeichnete der Verband ein umfassendes Werbeverbot als „grundrechtswidrigen Markteingriff“ und argumentierte, dass ein vollständiges Verbot der Kommunikationsmöglichkeiten für ein legal hergestelltes Produkt mit dem Grundgesetz nicht vereinbar wäre.
2024 äußert sich VdR – Der Tabakmittelstand in Medienberichten und öffentlichen Debatten regelmäßig zu Fragen des Nichtraucherschutzes. So kritisierte er Vorschläge der EU-Kommission, Rauchverbote auf Außenbereiche auszuweiten, als unverhältnismäßig und begründete dies unter anderem mit einer aus seiner Sicht überschrittenen Eingriffstiefe in die individuelle Verhaltensfreiheit.
VdR – Der Tabakmittelstand äußerte im Jahr 2025 Kritik an den von der EU-Kommission vorgeschlagenen Erhöhungen der Mindesttabaksteuer. Der Verband argumentierte hierzu, dass eine Erhöhung den legalen Markt schwächen würde, was wiederum zu einer Stärkung des illegalen Marktes führen würde.Wolf von Dewitz: Droht ein Schwarzmarkt-Boom? In: Aachener Zeitung. 22. September 2025, S. 6.
Branchenübergreifende Themen VdR – Der Tabakmittelstand beteiligte sich zudem an branchenübergreifenden Initiativen zu allgemeinen wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. So gehörte der Verband zu den Unterzeichnern eines Verbändeschreibens an Bund und Länder zum zügigen Wiederanfahren der Wirtschaft unter Pandemie-Schutzmaßnahmen.
Im November 2025 unterstützte VdR – Der Tabakmittelstand außerdem einen offenen Brief von Wirtschaftsverbänden an die Fraktionsspitzen von CDU/CSU und SPD, in dem ein Stopp beziehungsweise eine Vertagung des Rentenpakets 2025 gefordert wurde.
Partnerverbände Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft e. V. (ZAW) Lebensmittelverband Deutschland European Smoking Tobacco Association E.E.I.G. (ESTA) Cigar Coalition Europe (CCE) Bundesverband des Deutschen Tabakwareneinzelhandels (BDTE) Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller (BDTA) Bundesverband Deutscher Tabakpflanzer e. V. (BdT) Bundesverband der Zigarrenindustrie (BDZ)
Preisverleihung In der Öffentlichkeit ist VdR – Der Tabakmittelstand bekannt als einer der Unterstützer des Awards „Pfeifenraucher des Jahres“, den es seit 1969 gibt. Die bisherigen 40 Preisträger sind Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft oder dem öffentlichen Leben. Der Titelträger soll die typischen Eigenschaften des Pfeifenrauchers verkörpern: „Individualität, Eigenständigkeit im Denken und Handeln, Eintreten für persönliche Überzeugungen, Selbstbewusstsein, Offenheit, Kritikfähigkeit, Genussbewusstsein sowie Bodenständigkeit und Freiheitsliebe.“ Erster Preisträger 1969 war Herbert Wehner. Die weiteren Preisträger waren u. a. Helmut Kohl, Norbert Blüm, Norbert Lammert, Thomas Gottschalk und Peter Struck.Norbert Lammert zum Pfeifenraucher des Jahres gewählt. In: Berliner Morgenpost. 4. Dezember 2013, Nr. 331, S. 2. 2018 wurde erstmals mit Sonja Kirchberger eine Frau als Pfeifenraucherin des Jahres geehrt.
VdR – Der Tabakmittelstand stiftet den Award für den Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik, eine in Glas eingeschweißte Zigarre als Trophäe für den Preisträger.
Weblinks Offizielle Website Eintrag im Lobbyregister des Deutschen Bundestages
Einzelnachweise
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