Evrytania (, gesprochen und alternative Transkription Evritania) ist einer der fünf Regionalbezirke der griechischen Region Mittelgriechenland mit der Hauptstadt Karpenisi. Vor der Verwaltungsreform von 2010 hatte das Gebiet den Status einer Präfektur, deren Kompetenzen seither an die Region Mittelgriechenland und die durch Zusammenlegung auf zwei reduzierten Gemeinden übertragen wurden. Evrytania entsendet drei Abgeordnete in den mittelgriechischen Regionalrat, hat darüber hinaus aber keine politische Bedeutung. Es gliedert sich in die Gemeinden Agrafa und Karpenisi.

Lage Evrytania befindet sich im Westen der Region Mittelgriechenland in der Mitte des südlichen Teils des griechischen Festlands. Einen Zugang zum Meer hat Evrytania nicht.

Geographie Evrytania wird durch mehrere Gebirgsmassive in seiner Geographie dominiert. Ebenen sind rar, lediglich die Flusstäler bieten knappen Raum für Landwirtschaft und ausgedehntere Siedlungen. Es hat keinerlei Küstenlinie am Meer; die nächstgelegene Meeresküste wäre die Ostküste des Ambrakischen Golfs des Ionischen Meers im Westen in ca. 30 km Luftlinie.

Im Norden und Nordwesten der Präfektur finden sich die Massive des südlichen Pindos-Gebirges mit Gipfelhöhen von über 2000 m. In diesem Massiv findet sich auch der zweithöchste Punkt der Präfektur mit dem Berg Pteris auf einer Höhe von 2128 m. Aus den unmittelbar südlich gelegenen Agrafa-Bergen entspringt auch der Fluss Agrafiotis und fließt nach Süden (zunächst parallel) zum Acheloos, wobei seit 1969 das südliche Agrafiotis-Tal einen Teil des Kremasta-Stausees des Acheloos bildet. Im Nordwesten bildet das Tal des Acheloos und im Westen der Kremasta-Stausee die Grenzlinie der Präfektur. Das Tal des Acheloos durchschneidet dabei die Berge des südlichen Pindos-Gebirges. Im Nordosten finden sich zwischen den Tälern des Flusses Agrafiotis und des Flusses Tavropos (Megdova) ausschließlich Berge des südlichen Pindos-Massivs.

Der Südwesten und Süden von Evrytania ist durch das Panetoliko-Massiv und dessen Gipfel (Giorla 1924 m) begrenzt. Das Tal des Flusses Krikellopotamos mit dessen nördlich gelegenen Massiv des Kaliakouda (2052 m) und dem südlich des Flusstals gelegenen Gipfeln des Platani (1779 m) und Anninos (1708 m) füllt den Süden der Präfektur aus. Das Oxia- und Kokkalia-Massiv (1922 m und 1720 m) schließen die Präfektur nach Südosten und Osten hin ab.

In der östlichen Mitte der Präfektur liegt im Tal des Flusses Karpenissiotis die Hauptstadt Karpenissi. Unmittelbar östlich-nordöstlich der Hauptstadt findet sich das Tymfristos-Massiv mit einer maximalen Höhe von 2315 m. Der Tymfristos ist zugleich auch der höchste Punkt der Präfektur Evrytania sowie auch ein bekanntes Skigebiet in Griechenland. Zugleich füllt es den Osten der Präfektur aus und grenzt diese zur Präfektur Fhthiotis hin ab. Das Tymfristos-Massiv wird nach Norden und Westen hin durch den Fluss Tavropos (Megdova) und dessen Tal hin begrenzt. Der Tavropos fließt zunächst in südlicher, dann in südöstlicher Richtung zum Acheloos, nach dessen Aufstau zum Kremasta-Stausee in diesen selbst.

mini|hochkant|Die Schlucht „Panda Vrechi“ (Πάντα βρέχει, „es regnet immer“). mini|hochkant|Gipfel des Bergmassivs Tymfristos (Velouchi) in der Umgebung von Karpenissi mini|Gipfel des Berges Arenta im Agrafa-Gebirge mini|Fluss Karpenissiotis mini|Wald im Bereich der Ortschaft Tripotamos mini|Luftbild des Kremasta-Stausees an der Grenze zu Ätolien-Akarnanien mini|Steinbrücke Manolis (gebaut 1659) über den Fluss Agrafiotis, welche nur bei Niedrigwasser des Kremasta-Stausee sichtbar ist mini|Bild eines Straßenzuges in der Ortschaft Megalo Chorio mini|hochkant|Straße durch die Berge bei Karpenisi

+ Berge in EvrytaniaGipfel griechischer Name Gebirge/Massiv Höhe über MSLTymfristos (Velouchi) Τυμφρηστός (Βελούχι) Tymfristos 2315 mDeldimi Ντελιδίμι Agrafa 2163 mVoutsikaki Βουτσικάκι Agrafa 2154 mFteri Φτέρη Süd-Pindos, Agrafa 2128 mKaliakounda Καλιακούδα Kaliakounda 2052 mLiakoura Λιάκουρα Agrafa 2038 mChelidona Χελιδώνα Agrafa 1975 mPanetoliko (Giorla) Παναιτωλικό Panetoliko 1924 mOxia (Grammeni Oxia) Οξυά (Γραμμένη Οξυά) Oxia 1922 mKokkalia Κοκκάλια Kokkalia 1720 mMartsa Μάρτσα Süd-Pindos 1690 mVoulgara Βουλγάρα Süd-Pindos 1654 mLykominimata Λυκομνήματα Süd-Pindos 1522 m

+ Flüsse in EvrytaniaFluss griechischer Name Fließrichtung Quelle MündungAcheloos (Aspropotamos) Αχελώος (Ασπροπόταμος) Nord nach Süd-Südwest Lakmos (Peristeri) Ionisches MeerTrikeriotis Τρικεριώτης Südost nach Nordwest Zusammenfluss Krikellopotamos und Karpenissiotis Acheloos (Kremasta-See)Tavropos (Megdova) Ταυρωπος (Μέγδοβα) Nord nach Südwest Karditsa Acheloos (Kremasta-See)Agrafiotis Αγραφιώτης Nord nach Süd Agrafa Acheloos (Kremasta-See)Krikellopotamos Κρικέλλοποταμος Ost nach Südwest Kokkalia Trikeriotis FlussKarpenissiotis Καρπενήσιοτης Nordost nach Südwest Tymfristos Trikeriotis Fluss

Geschichte Die Region der Präfektur Evrytania war sehr wahrscheinlich bereits in vorantiker Zeit besiedelt. Fundstücke von Werkzeugen aus der Region datieren auf 5000 v. Chr. Fundstücke von Werkzeugen aus der unmittelbaren Umgebung von Karpenissi datieren auf 2000 bis 1600 v. Chr. wie Pfeilspitzen. Zwischen 2000 und 1600 v. Chr.bewohnten Menschen aus einem böötischen Stamm die Gegend in Evrytania. 1433 v. Chr. erschütterte ein großes Erdbeben die Region (Beben von Deukaliona). Zwischen 1300 und 1000 v. Chr. wanderten die Dorer nach Griechenland ein. Dies veranlasste die ursprünglich in Thessalien wohnhaften Ätolier, sich nach Süden zu bewegen, so dass diese die Region Evrytania besiedelten. Im weiteren Verlauf durch den Zug der Dorer bildeten sich vier Bevölkerungsgruppen im Gebiet der heutigen Präfektur Evrytania: im Norden und Nordosten die Doloper, im Westen, in der Mitte und im Südosten die Evrytanier (oder Euritanier), im Süden die Ätolier, im Westen und Nordwesten die Agraioi und im Norden bis in die Mitte reichend die Aperantoi. Die Siedlungsgrenzen der einzelnen Bevölkerungsgruppen orientierten sich dabei vorwiegend an den Flusstälern. Die bedeutendste Bevölkerungsgruppe waren dabei die Doloper, welche auch bei der griechischen Militärexpedition nach Troja teilnahmen.

Antike Während des Peloponnesischen Krieges im 5. Jahrhundert v. Chr. berichten Quellen wie Thukydides über eine einheitliche Sprache, eine einheitliche Religion wie auch über einheitliche Gebräuche und Sitten der vier Bevölkerungsgruppen auf dem Gebiet der heutigen Präfektur Evrytania. Entsprechend den Bevölkerungsgruppen wurde das Gebiet des heutigen Evrytania als Evrytania (deutlich kleiner als das heutige), Dolopia, Aperantia und Agraia (Agrea) bezeichnet. Die vier Bevölkerungsgruppen nahmen auf Seiten der Ätolier am Peloponnesischen Krieg teil.

Ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte Evrytanias war der Einfall der Kelten (Galater) um 279 v. Chr. nach Griechenland. Die Dolopen, Ätolier und Evrytanier gewannen ein Gefecht gegen die Galater im Westen der heutigen Präfektur am Pass, welcher die Gebirgsmassive des Tymfristos und Oxia trennt, in der Nähe der Quellen des Krikelliotikos Flusses auf 1.720 m Höhe. Der Geschichtsschreiber Pausanias berichtete über diese Auseinandersetzung. Die entscheidende Schlacht verloren die Galater gegen die Ätolier jedoch bei Delphi. Mit den anderen griechischen Gebieten kam Evrytania 168 vor Christus unter römische Kontrolle.

Mittelalter In der byzantinischen Zeit wurde auch in Evrytania der Ikonoklasmus-Streit über die Verwendung oder Nicht-Verwendung von Ikonen in Kirchen ausgetragen. Überliefert ist, dass die kleinen Dörfer in Evrytania mehrheitlich die Ikonen in ihren Kirchen gegen den Willen der ikonoklastischen byzantinischen Kaiser beibehielten. In dieser Zeit gewannen die Bewohner Evrytanias auch ein gewisses Maß an Autonomie innerhalb des byzantinischen Reiches. Das Fehlen der Region Evrytania in Steuerlisten des Reiches führte zur Bezeichnung der Region als Agrafa (, nicht geschrieben). Um 900 kamen Walachen nach Evrytania, welche sich mit der ansässigen Bevölkerung vermischten. In diese Zeit fiel auch die Gründung der Hauptstadt der heutigen Präfektur, Karpenissi. Um 1200 wütet in Evrytania eine Seuche. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer im Rahmen des 4. Kreuzzuges 1204 fällt Evrytania wahrscheinlich an das Despotat Epirus. 1340 fällt Evrytania an Serbien, nach dem Stefan Uroš IV. Dušan es eroberte. Zwischen 1447 und 1453 erobern die Osmanen Evrytania, wodurch es unter Herrschaft des Osmanischen Reiches kommt.

Neuzeit In der osmanischen Besatzungszeit wird das Gebiet von Evrytania in zwei Provinzen geteilt: der Norden von Evrytania wird als Agrafa-Provinz etabliert, der Süden um Karpenissi herum als Provinz Karpenissi. Nur in Karpenissi (osmanische Bezeichnung: Kerepes) wohnten während der osmanischen Besatzungszeit ca. 100 osmanische Familien: der Rest von Evrytania erfuhr keine osmanische Besiedlung wie andere Teilen Griechenlands. Evlia Tselebi beschreibt Karpenissi auf seinen Reisen durch Griechenland zwischen 1667 und 1670 als Region (Sancak) der Provinz Nafpaktos (Inebachti), welche einen Richter und einen Sancak-Bey (Sancak-Führer) hat. Außerdem findet sich eine Janitscharen-Einheit dort, auch ein osmanischer Kopfsteuerverwalter ist vorhanden sowie ein Basar und eine Moschee.

Am 10. Mai 1821 ruft K. Velis (Stergiopoulos) den Aufstand der Griechen gegen die osmanische Besatzung in der Ortschaft Kerasovo aus. Der darauf entbrannte Krieg findet auch mit mehreren Gefechten im Gebiet Evrytanias statt (Rentina, Kangelia am 19. Juni 1821, Ternos, Kefalovrisso am 9. August 1823 mit Beteiligung von Markos Botsari, Kaliakouda am 23. August 1823). Ca. 800 Kämpfer aus Evrytania nehmen auf griechischer Seite am Unabhängigkeitskrieg teil. Am 22. Juli 1821 verlassen 70 verbliebene osmanische Familien Karpenissi durch das Symbetheriko-Tal nordwestlich von Karpenissi in Richtung Trikala, nach dem der griechische Unabhängigkeitskrieg ausgebrochen ist. Evrytania wird 1829 mit der Niederlage des osmanischen Reiches im griechischen Unabhängigkeitskrieg Bestandteil des Königreichs Griechenland.