Die Suchoi Su-24 (, NATO-Codename: Fencer, zu deutsch Fechter) ist ein zweisitziger taktischer Bomber (Frontbomber), der in der Sowjetunion entwickelt wurde. Nach seinem Einsatz bei den sowjetischen Luftstreitkräften wird er bis heute von den russischen Luftstreitkräften und den Luftwaffen anderer Länder eingesetzt. Die Piloten sitzen wie beim US-amerikanischen Vorbild F-111 nebeneinander.

Entwicklung mini|Zwei russische Su-24M im Flug (2009) Mitte der 1960er-Jahre suchten die sowjetischen Frontfliegerkräfte einen Nachfolger für die inzwischen veraltete Jak-28. Nach den Entwürfen S-6 mit konventionellen Pfeilflügeln und T-6 mit Doppeldeltatragflächen und vier Hubtriebwerken im Rumpf, dessen Prototyp T-6-1 am 2. Juli 1967 zum ersten Mal flog, entschied sich Konstrukteur Jewgeni S. Felsner Ende 1967 für eine Lösung mit Schwenkflügeln. Grund waren die schlechten Flugeigenschaften sowie die unzureichende Nutzlast und Reichweite der T-6-1. Ihr Konzept wurde direkt vom US-amerikanischen TFX-Programm beeinflusst, das zur F-111 führte. Die sowjetischen Luftstreitkräfte forderten ein Flugzeug mit ähnlichen Fähigkeiten, wobei man vermutete, dass die Flugeigenschaften auf die Schwenkflügelauslegung zurückzuführen seien. Der Prototyp T-6-2I war im November 1969 vollendet und wurde am 17. Januar 1970 von Wladimir S. Iljuschin erstmals geflogen. Während der Erprobung und Entwicklung der Su-24 gingen zehn Flugzeuge verloren. Acht Piloten, die sich mit dem Schleudersitz retteten, überlebten und 13 starben. Bei keinem anderen Flugzeug des Konstruktionsbüros Suchoi gab es derartig hohe Verluste während der Erprobung. Da die Tests letzten Endes aber erfolgreich verliefen, wurde schon im Dezember 1971 die erste Serienmaschine der Su-24 im Tschkalow-Werk Nr. 153 in Nowosibirsk fertiggestellt. Diese hatte ein gegenüber dem Prototyp geändertes Heck und optimierte Lufteinläufe. 1973 gingen die ersten Serienexemplare zur Truppenerprobung an das 4. Gefechtsausbildungszentrum der Frontfliegerkräfte in Lipezk und 1974 erhielt als erste Einheit das 4. Garde-Bombenfliegerregiment in Tschernjachowsk die Su-24. 1975 wurde die Marine mit der gegenüber den Vorläufern wesentlich leistungsfähigeren, jedoch auch komplexeren Maschine ausgerüstet.Suchoi Su-24 – Flugzeuge bis ins kleinste Detail. Flug Revue März 2009, S. 51–54. Die offizielle Übernahme in die Bewaffnung der sowjetischen Luftstreitkräfte erfolgte mit einem Dekret des Ministerrats der UdSSR am 4. Februar 1975.Viktor Schunkow: Die Geschichte der russischen Militärluftfahrt 1945 bis heute. Motorbuch, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-613-04573-6, S. 97.

Die Su-24 füllt die Rolle eines tieffliegenden, allwettertauglichen Bodenangriffsflugzeugs aus. Die Su-24 ist auch von Behelfsflugplätzen einsetzbar.

Die sowjetischen Vermutungen erwiesen sich als richtig – die Su-24 stellte sich als ein leistungsfähiges Kampfflugzeug heraus, mit guter Reichweite, variabler Bewaffnung (verteilt auf acht Aufhängepunkte; vier Unterrumpf- und vier Unterflügelstationen) bis hin zu nuklearen Freifallbomben, fortgeschrittenen elektronischen Abwehr- (Eloka) und Frühwarnsystemen.

Aufgrund ihrer Robustheit ist sie im Export immer noch sehr beliebt und wird auf Anfrage nachgefertigt.

Versionen mini|Bugansicht einer Suchoi Su-24 mini|Suchoi Su-24MR mini|Su-24M der belarussischen Luftwaffe Es wurden folgende Versionen gebaut bzw. geplant: Su-24 bis zur Serie 4 („Fencer-A“): frühe Serienversion mit einem langen Treibstoff-Ablassrohr am Ende der Triebwerke und Verstellrampen an den Lufteinläufen für eine hohe Geschwindigkeit in großer Höhe Su-24 Serie 4 bis 11 („Fencer-A“): Probleme mit den Lufteinläufen der ersten Serie wurden durch deren Vergrößerung ab der Serie 4 gelöst; die Verstellrampen in den Lufteinläufen wurden, um Gewicht zu sparen, nicht mehr verwendet; zwar wurde dadurch die Höchstgeschwindigkeit von Mach 2,18 auf Mach 1,35 reduziert, die Tiefflugeigenschaften aber nicht wesentlich verschlechtert. Su-24 Serie 12 bis 15 („Fencer-B“): leistungsgesteigertes Kühlsystem, erkennbar an einer Lufthutze auf dem Rumpf; geänderte Sensorgruppe unter dem Vorderrumpf; breiteres Seitenleitwerk; verkürztes Treibstoff-Ablassrohr am Ende der Triebwerke; ein dritter Aufhängepunkt unter dem Rumpf Su-24 Serie 16 bis 24 („Fencer-C“): die Form des Hinterrumpfes folgte mehr den Triebwerken; an der Basis des Seitenleitwerks war ein Bremsschirm untergebracht; am vorderen Rand des Seitenleitwerks wurde ein zusätzlicher Lufteinlauf für das Kühlsystem installiert; ab dem 26. Flugzeug der Serie 21 sind die Lufteinläufe nicht mehr verstellbar, was die Höchstgeschwindigkeit auf 1,35 Mach begrenzte, aber die Leermasse reduzierte; gleichzeitig wurde das Flügelprofil geändert Su-24 Serie 24 bis 27 („Fencer-C“): Installation von dreieckigen Radarwarnempfänger an den Lufteinläufen der Triebwerke vor dem Flügelkasten und beiderseits am oberen Ende des Seitenleitwerks Su-24M („Fencer-D“): kampfwertgesteigerte Version der Su-24; einziehbare Luftbetankungssonde, neuer Avionikkomplex für den Einsatz neuer laser- und fernsehgelenkter Waffen, veränderte Bugnase für ein neues Bugradar, Laserbeleuchtungs- und TV-Zielverfolgungssystem vom Typ Kajra-24 im verglasten Gehäuse mittig unter dem Vorderrumpf und Geländefolgeradar gekoppelt mit dem Autopiloten für Tiefflugeinsätze; Erstflug am 29. Juni 1977 Su-24M („Fencer-D Mod“): Möglichkeit einen Luftbetankungsbehälter für die Luft-Luft-Betankung an der mittleren Aufhängung unter dem Rumpf mitzuführen durch die Integration von großen Grenzschichtzäunen mit Pylon, verbesserte Gegenmaßnahmensysteme (mehr Düppelwerfer) Su-24BM: nicht realisierte vergrößerte Version der Su-24M mit einem internen Waffenschacht im Rumpf zwischen den Triebwerken Su-24MM: nicht realisierte Version der Su-24M mit den Triebwerken Ljulka AL-31 Su-24MK („Fencer-D“): geänderte Exportversion der Su-24M mit reduzierter Avionik; Erstflug 1987 Su-24MR („Fencer-E“): Version der Su-24M als taktischer Aufklärer mit intern und extern in Behältern angebrachten Sensoren (z. B. Seitensichtradar) und Kameras; ohne 23-mm-Kanone; Erstflug im September 1980 Su-24MP („Fencer-F“): Version der Su-24M für die elektronische Kriegführung; Erstflug im April 1980 Su-24K: nicht realisierte Version der Su-24 für den Einsatz auf Flugzeugträgern, da die Su-24 zu schwer war Su-24bis: Studie einer wesentlich verbesserten Version mit modernster Avionik und Bewaffnung; Modell wurde auf der Berliner Ausstellung ILA 2000 gezeigt Su-24M2: modernisierte Version der Su-24M bzw. Su-24MK mit verbesserter Avionik (unter anderem GPS bzw. das russische Äquivalent GLONASS, Head-up-Display (HUD) und Helmvisier) und modernerer Bewaffnung, im Fall der Exportvariante auch westliche Bewaffnung; echte Allwetterversion für den Tag- und Nachteinsatz Su-24MK2: Version der Su-24M2 für Algerien Su-24MRK2: modernisierte Version der Su-24MR für Algerien auf der Basis der Su-24M2

Technische Daten Kenngröße Su-24 („Fencer-A“) Su-24MK („Fencer-D“) Su-24M2 Typ Frontbomber Besatzung 2 Länge 22,67 m 24,53 m Spannweite bei 68° Pfeilung: 10,36 m bei 16° Pfeilung: 17,63 m Flügelfläche 55,17 m² (bei 16° Flügelpfeilung) Flügelstreckung 5,63 (bei 16° Flügelpfeilung) Tragflächenbelastung minimal (Leermasse): 383 kg/m² nominal (normale Startmasse): 631 kg/m² maximal (maximales Startmasse): 689 kg/m² minimal (Leermasse): 404 kg/m² nominal (normale Startmasse): 690 kg/m² maximal (max. Startmasse): 793 kg/m² minimal (Leermasse): 383 kg/m² nominal (normale Startmasse): 653 kg/m² maximal (max. Startmasse): 720 kg/m² Höhe 6,19 m 5,97 m Spurweite 3,31 m Radstand 8,51 m Leermasse 21.150 kg 22.320 kg 21.150 kg normale Startmasse 34.830 kg 38.040 kg ca. 36.000 kg max. Startmasse ca. 38.000 kg 43.755 kg 39.700 kg max. Landemasse ca. 24.000 kg 27.900 kg 24.500 kg max. Treibstoffkapazität k. A. 11.100 kg (intern) 9.800 kg (intern) Kraftstoffverhältnis k. A. 0,29 0,27 Höchstgeschwindigkeit Mach 2,18 bzw. 2317 km/h (auf optimaler Höhe) Mach 1,15 bzw. 1320 km/h (auf Meereshöhe) Dienstgipfelhöhe 17.500 m Startrollstrecke 900 m 1300 m k. A. Landerollstrecke 850 m 950 m k. A. Einsatzradius k. A. 320 km (Flugprofil: Tief-Tief-Tief) 950 km (Flugprofil: Tief-Tief-Hoch) 1050 km (Flugprofil: Hoch-Tief-Hoch) Überführungsreichweite ca. 2500 km 2775 km k. A. Lastvielfache +6g Triebwerke zwei Mantelstromtriebwerke Ljulka AL-21F-3 zwei Mantelstromtriebwerke NPO Saturn AL-21F-3A Schubkraft mit Nachbrenner: 2 × 109,87 kN ohne Nachbrenner: 2 × ca. 75 kN mit Nachbrenner: 2 × 109,87 kN ohne Nachbrenner: 2 × 76,52 kN Schub-Gewicht-Verhältnis maximal (Leermasse): 1,06 nominal (normale Startmasse): 0,64 minimal (max. Startmasse): 0,59 maximal (Leermasse): 1,00 nominal (normale Startmasse): 0,59 minimal (max. Startmasse): 0,51 maximal (Leermasse): 1,06 nominal (normale Startmasse): 0,62 minimal (max. Startmasse): 0,56

Bewaffnung 290x290px|mini|Dreiseitenriss Festinstallierte Bewaffnung im Bug 1 × 23-mm-Gatling-Maschinenkanone Grjasew-Schipunow GSch-6-23 (9A768) mit bis zu 500 Schuss Munition

Waffenzuladung von 8000 kg an acht Außenlaststationen (davon zwei mitschwenkend an den äußeren Tragflächen)

Luft-Luft-Lenkflugkörper 2 × APU-60-1-Startschienen für je 1 × Wympel R-60M (K-60 bzw. AA-8 „Aphid“) – infrarotgesteuert, selbstzielsuchend für Kurzstrecken 2 × APU-60-2-Doppelstartschienen für je 2 × Wympel R-60MK (K-60 bzw. AA-8 „Aphid“) – infrarotgesteuert, selbstzielsuchend für Kurzstrecken (nur Su-24MK) 2 × P-12-1-D-Startschienen für je 1 × GosMKB Wympel R-73M (AA-11 „Archer“) – infrarotgesteuert für Kurzstrecken (nur Su-24M2)

Marschflugkörper 2 × AKU-58-Startschiene für eine MKB Raduga Ch-59MK „Owod-MK“ (AS-18 „Kazoo“) – radargelenkt gegen Schiffe 2 × Storm Shadow – inertial/GPS-gelenkt gegen verbunkerte Betonbauten (nur Ukraine) mini|Techniker überprüfen eine Ch-25 an einer Su-24 im Syrischen Bürgerkrieg, Oktober 2015

Luft-Boden-Lenkflugkörper 4 × APU-68UM-Startschiene für je 1 × Swesda Ch-23/Ch-23M (AS-7 „Kerry“) – funkferngesteuert 4 × APU-68UM3-Startschiene für je 1 × Swesda Ch-25M/MR (AS-10 „Karen“) – lasergelenkt 2 × Raduga Ch-28 (AS-9 „Kyle“) – passiv radargelenkt zur Radarbekämpfung in Verbindung mit Filin-N-Behälter 3 × AKU-58M-Startschiene für je 1 × GosMKB Wympel Ch-29L (AS-14 „Kedge“) – lasergelenkt 3 × AKU-58M-Startschiene für je 1 × GosMKB Wympel Ch-29T (AS-14 „Kedge“) – fernsehgelenkt 2 × AKU-58M-Startschiene für je 1 × Swesda Ch-31P (AS-17 „Krypton“) – passiv radargelenkt zur Radarbekämpfung in Verbindung 2 × AKU-58-Startschiene für je 1 × Raduga Ch-58E/U (AS-11 „Kilter“) – passiv radargelenkt zur Radarbekämpfung mit Fantasmagoria-Behältermini|Eine Su-24MR auf dem Stützpunkt in Kubinka 2 × AKU-58-Startschiene für je 1 × Raduga Ch-59M (AS-18 „Kazoo“) – elektrooptisch gelenkt per Datenlink

Ungelenkte Luft-Boden-Raketen 6 × UB-32-A73-Raketen-Rohrstartbehälter für je 32 × ungelenkte S-5-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 57 mm 6 × B-8M1-Raketen-Rohrstartbehälter für je 20 × ungelenkte S-8KO-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 80 mm 6 × B-13L-Raketen-Rohrstartbehälter für je 5 × ungelenkte S-13OF-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 122 mm 6 × APU-68UM2E1-Raketen-Startschiene für eine ungelenkte S-24B-Luft-Boden-Rakete; Kaliber 240 mm 4 × PU-O-25-Raketen-Startbehälter für eine ungelenkte S-25/S-25OF/S-25OFM-Luft-Boden-Rakete; Kaliber 340 mm

Gelenkte Bomben 2 × KAB-1500L-F (lasergelenkte 1500-kg-Bombe)Jefim Gordon: Soviet/Russian Aircraft Weapons since World War Two. Midland Publications, 2004, S. 175. 4 × KAB-500D (lasergelenkte thermobarische 500-kg-Bombe) 4 × KAB-500L/LK/KR (lasergelenkte 500-kg-Bombe) 4 × KAB-500T/KR (tv-gelenkte 500-kg-Bombe)

Ungelenkte Bomben 4 × Mehrfachbombenträger MBD3-U6-68 mit je 4-5 × Basalt FAB-100 (100-kg-Freifallbombe; total 18 Bomben) 6 × Mehrfachbombenträger MBD3-U6-68 mit je 6 × Basalt FAB-100 (100-kg-Freifallbombe; nur Su-24M, total 38 Bomben)