mini|Große Bühne im Haus der Berliner Festspiele (2013) mini|Seitenbühne im Haus der Berliner Festspiele (2014) Die Berliner Festspiele organisieren und realisieren ganzjährig eine Vielzahl von eigenständigen Festivals sowie Ausstellungen und Einzelveranstaltungen in den Bereichen Musik, Theater, Performance, Tanz, Literatur und Bildender Kunst. Die Veranstaltungen finden hauptsächlich im Haus der Berliner Festspiele statt, aber auch an vielen anderen Orten der Stadt. Seit 2001 ist auch der Martin-Gropius-Bau Teil der Berliner Festspiele. Das Ausstellungshaus wurde mit archäologischen und kulturhistorischen Ausstellungen, aber auch mit Ausstellungen moderner Kunst und Fotografie bekannt.

Die Berliner Festspiele zeigen überwiegend Kunst, die international, intermedial, interdisziplinär und interkulturell funktioniert. Ihre Formate sollen sowohl Übersicht und Orientierung als auch neue Verbindungen zwischen zeitgenössischer Kunst, technologischen Neuerungen und heterogenen Werk-, Diskurs- und Erlebnisformen schaffen. Der Jahreskalender umfasst derzeit 12–15 Ausstellungen, vier Festivals sowie vier Treffen junge Szene für Jugendliche zwischen 11 und 21 Jahren. Hinzu kommen genreübergreifende Programmreihen, Vermittlungsprogramme, internationale Gastspiele, Sonderveranstaltungen, Vermietungen und Konferenzen.

Die Berliner Festspiele mit dem Martin-Gropius-Bau sind ein Geschäftsbereich der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH und werden gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.Impressum der offiziellen Website Weitere Geschäftsbereiche sind das Haus der Kulturen der Welt sowie die Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Von Januar 2012 bis Ende 2021 war Thomas Oberender Intendant der Berliner Festspiele. Zum 1. September 2022 übernahm Matthias Pees die Leitung.

Festivals und Veranstaltungsreihen

MaerzMusik (jährlich im März)MaerzMusik ist ein internationales Festival für klangbezogene Kunstformen. Entwickelt aus der Multimodalität des Hörens, der zeitgenössischen Musik und des Klangs, öffnet das Festival einen Raum, in dem Leben, Kunst und Theorie neben- und miteinander bestehen können.MaerzMusik ist das Nachfolgefestival der Musik-Biennale Berlin. Das 1967 in Ost-Berlin gegründete Internationale Fest für zeitgenössische Musik wurde von 1991 bis 2001 durch die Berliner Festspiele fortgeführt. Theatertreffen Berlin (jährlich im Mai)Das Theatertreffen gilt als wichtigstes Branchenfestival des deutschsprachigen Theaters. Das Tableau der zehn „bemerkenswerten Inszenierungen“, die alljährlich von einer unabhängigen Kritikerjury aus rund 450 Aufführungen der Saison ausgewählt werden, gibt Aufschluss über den Status quo des deutschsprachigen Theaters. Gleichzeitig gibt es 2023 mit den zehn „Treffen“ eine Reihe von künstlerischen wie diskursiven Veranstaltungen, die neue Resonanzräume für das Theatertreffen eröffnen sollen. Die Treffen beinhalten auch davor bestehende Programmsäulen wie das Internationale Forum, Theatertreffen-Blog, Open Campus und Forum Ökologische Nachhaltigkeit im Theater.Das Theatertreffen fand 1964 erstmals als „Berliner Theaterwettbewerb“ statt. Musikfest Berlin (jährlich Anfang September)Das Musikfest Berlin ist das internationale Orchesterfestival der Berliner Festspiele, veranstaltet in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker. Es bildet jeweils im Spätsommer den Auftakt der Berliner Konzertsaison. Internationale Orchester, Instrumental- und Vokalensembles präsentieren gemeinsam mit den großen Symphonieorchestern der Stadt Berlin ein Festivalprogramm mit wechselnden thematischen Schwerpunkten.Das Musikfest Berlin ist das Nachfolgefestival der traditionsreichen Berliner Festwochen, die 1951 gegründet wurden. Jazzfest Berlin (jährlich Anfang November)Das Jazzfest Berlin wurde 1964 als Berliner Jazztage gegründet und zählt damit zu Europas ältesten und renommiertesten Jazzfestivals. Während die ersten beiden Festival-Dekaden geprägt waren von den Jazzgrößen aus den Vereinigten Staaten, hat sich das Spektrum inzwischen global geweitet, mit einem Schwerpunkt beim gegenwärtigen Jazz europäischer Provenienz. Das Festival folgt dem Anspruch, sowohl aufstrebenden Künstlern eine Plattform zu bieten als auch die anhaltende Vitalität der Kunstform Jazz zu transportieren. Treffen junge SzeneDie Treffen junge Szene der Berliner Festspiele widmen sich seit den 1980er Jahren der Förderung junger Talente in den Bereichen Theater, Literatur, Musik und seit 2014 Tanz. Sie werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und richten sich speziell an jugendliche Teilnehmer. Zu den jährlichen Treffen gehören Workshops, Begegnungen und Gespräche mit Schriftstellern, Musikern, Theaterleuten, Journalisten und Verlegern. Die Treffen fassen die von den Berliner Festspielen durchgeführten Bundeswettbewerbe zusammen: Theatertreffen der Jugend (Ende Mai/Anfang Juni) Tanztreffen der Jugend (Ende September) Treffen junger Autor*innen (Mitte November) Treffen Junge Musikszene (Ende November) Performing Arts SeasonDie Berliner Festspiele präsentieren seit Oktober 2023 eine Performing Arts Season, die jedes Jahr im Herbst und Winter ein Panorama internationaler Tanz-, Theater- und Performanceaufführungen auf die Bühne des Festspielhauses und in den Gropius Bau bringt.

Geschichte 1951 fanden im Westteil Berlins zum ersten Mal die Berliner Festwochen (vom 5. bis 30. September) und die Internationalen Filmfestspiele statt. Kulturpolitisch konzipiert als „Schaufenster des Westens“ auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges bildeten beide Festivals jedoch von Beginn an einen kulturellen Brückenschlag zwischen Ost und West. In diesem Zeitraum fand auch der Berliner Autosalon auf dem Messegelände am Funkturm statt, nämlich vom 6. bis 16. September 1951.ADAC-Motorwelt 1951, Nr. 9, S. 10.

In den folgenden Jahren verbanden sie sich zu einem Komplex eigenständiger, inhaltlich eng verbundener kultureller Veranstaltungen über das ganze Jahr hinweg, die ab 1967 von der zu diesem Zweck gegründeten Berliner Festspiele GmbH als organisatorischer Einheit getragen wurden. Im ersten Nachkriegsjahrzehnt bemühten sich die Berliner Festwochen vor allem darum, das Publikum wieder mit den internationalen Entwicklungen in Musik und Theater vertraut zu machen, von denen sich das nationalsozialistische Deutschland von 1933 bis 1945 isoliert hatte. 1951 gastierte Marcel Marceau zum ersten Mal in Berlin, 1952 kamen George Balanchine mit dem New York City Ballet und das Théâtre National Populaire Jean Vilars mit Gérard Philipe und der damals noch unbekannten Jeanne Moreau, 1953 Giorgio Strehler mit dem Piccolo Teatro di Milano. Die Sensation der Festwochen 1955 war das Gastspiel der Oper Lucia di Lammermoor der Mailänder Scala mit Herbert von Karajan und Maria Callas in der Titelrolle.

Herzstück der Berliner Festwochen war immer die klassische Musik. In Zusammenarbeit mit den Berliner Rundfunkanstalten in Kooperation mit der Deutschen Oper Berlin, dem Theater des Westens Berlin und der Berliner Philharmonie fanden zahlreiche internationale Konzerte statt. Eine große Bandbreite erstrangiger Orchester, Solisten und Dirigenten (wie Wilhelm Furtwängler, Leonard Bernstein, Karl Böhm, Herbert von Karajan, Claudio Abbado, Daniel Barenboim und Sir Simon Rattle) begeisterten das Festspielpublikum. Die Berliner Festwochen waren auch ein Ort der musikalischen Wiederbegegnungen – u. a. mit Igor Strawinsky, der hier 1961 Persephone und Oedipus Rex dirigierte, und Vladimir Horowitz, der 1986 nach über 50 Jahren erstmals wieder in Deutschland konzertierte.

1964 wurde unter der Bezeichnung Berliner Theaterwerkstatt das Berliner Theatertreffen gegründet, das anfänglich noch im Rahmen der Berliner Festwochen, später dann von diesen abgekoppelt stattfand. Im selben Jahr entstand als Berliner Jazztage das Jazzfest Berlin, das ab 1965 ebenfalls unabhängig von den Festwochen agierte.

Die Berliner Festspiele ermöglichten dem Berliner Publikum in den Jahren seit ihrer Gründung die Begegnung mit dem Werk von Eugène Ionesco, Samuel Beckett und Edward Albee, mit der Theaterarbeit von Jean-Louis Barrault, Ingmar Bergman, Peter Brook, Patrice Chéreau, Tadeusz Kantor, Ariane Mnouchkine, Luca Ronconi, Robert Wilson und dem choreografischen Schaffen von Martha Graham, Pina Bausch, Merce Cunningham und William Forsythe. Das Programm spiegelte dabei immer den Geist der Epoche wider, kennzeichnete Aufbruch und Endzeit – das Gastspiel des revolutionären Living Theatre (1966), die Erstaufführung von Hans Werner Henzes Cimarron (1970) und George Taboris Vietnam-Stück Pinkville (1971) genauso wie das chinesische Modellopernstück Das Rote Frauenbataillon (1976), das während Mao Tse-tungs letzten Tagen gespielt wurde.

In den 1970er Jahren verlor der Ost-West-Konflikt im Zuge der Entspannungspolitik seine alles beherrschende Position – die Kluft zwischen der nördlichen und der südlichen Hemisphäre wurde umso deutlicher, aber auch die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem kulturellen Reichtum der damals noch so genannten „Dritten Welt“ wuchs spürbar. Im Jahr 1979 veranstalteten die Berliner Festspiele unter der Leitung von Jochen R. Klicker und Gereon Sievernich das erste Horizonte - Festival der Weltkulturen mit Künstlern aus Afrika. Sievernich leitete auch die drei weiteren Festivals, die 1982 Lateinamerika, 1985 Ost- und Südostasien und 1989 dem Orient gewidmet waren. Der Erfolg dieser Veranstaltungen gab den Anstoß, 1989 auf der Grundlage eines Konzepts der Berliner Festspiele einen dauerhaften Ort der Auseinandersetzung mit der außereuropäischen Welt zu begründen: das Haus der Kulturen der Welt in der ehemaligen Kongresshalle im Tiergarten.

1981 wurde der Martin-Gropius-Bau mit der von den Berliner Festspielen konzipierten Ausstellung Preußen. Versuch einer Bilanz wieder eröffnet. Das war der Beginn einer Reihe großer kultur- und kunsthistorischer Ausstellungen. Es folgten u. a. Palastmuseum Peking – Schätze aus der verbotenen Stadt (1985); Europa und die Kaiser von China (1985), Europa und der Orient (1989), Japan und Europa (1993); Jüdische Lebenswelten (1992); Moskau-Berlin, Berlin-Moskau (1995/96), Deutschlandbilder – Kunst aus einem geteilten Land (1997/98). Im Jahr 2000 stand ein „Theatrum mundi“ der Gegenwart und ein Ausblick auf die Zukunft an: 7 Hügel – Bilder und Zeichen des 21. Jahrhunderts. 2006 war die spektakuläre Ausstellung Ägyptens versunkene Schätze zu sehen und eine umfassende Retrospektive der Bildenden Künstlerin Rebecca Horn.

Besonderer Höhepunkt der Festspiel-Geschichte war 1987 die 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin mit ihrem umfangreichen Angebot an Ausstellungen, Musik-, Theater-, Film- und Open-Air-Veranstaltungen, die die Berliner Kulturinstitutionen ausrichteten und die unter der Schirmherrschaft der Berliner Festspiele stattfanden.

Der Förderung der zeitgenössischen Musik haben sich die Berliner Festspiele, bei aller Traditionspflege, in besonderem Maß verschrieben – vor allem unter Intendant Ulrich Eckhardt und Programmdirektor Torsten Maß. Über 1000 Auftragsproduktionen, Ur- und Erstaufführungen sowie umfassende Werkübersichten verzeichnet die Chronik. Darunter befinden sich Kompositionen von Pierre Boulez, John Cage, Hans Werner Henze, Olivier Messiaen, Mauricio Kagel, György Kurtág, Luigi Nono, Wolfgang Rihm, Kaija Saariaho, Karlheinz Stockhausen und Isang Yun.

Mit dem Antritt von Joachim Sartorius als Intendant der Berliner Festspiele im Jahre 2001 wurden die Traditionen aufgebrochen und verstärkt die aktuelle, junge Musik- und Theaterszene gefördert. Neue Formate sollten ein jüngeres Publikum ansprechen: 2004 wurden die Berliner Festwochen aufgelöst und ihre Schwerpunkte als eigenständige Festivals und Reihen weitergeführt. Das Musikprogramm wurde ab 2005 zum Musikfest Berlin, das Theaterprogramm zu spielzeit’europa und die Musikbiennale zu MaerzMusik – Festival für aktuelle Musik.