Der Arlberg (auch: Arlbergpass) ist ein verkehrstechnisch wichtiger, hoher Pass an der Grenze zwischen den österreichischen Bundesländern Vorarlberg und Tirol. Die Passhöhe selbst liegt vollständig auf Tiroler Gebiet. Mit dem Tourismus am Arlberg hat sich der Begriff auch als Marke für die Tourismusregion (vor allem als Wintersportgebiet) etabliert.
Namensgebung mini|links|Arlen (Latschen, Pinus mugo) im Bereich des Arlbergpasses Der Name Arl(berg) (Arle, Arlen, Mons ArulaZum Arlberg und zum Namen., Arlenperge) lässt sich in verschiedenen Schreibungen bis ins Jahr 1218 zurückverfolgen und leitet sich – einer Theorie nach – von den hier sehr zahlreichen Arlenbüschen ab, den in diesem Bereich so genannten Latschen (Zunterna). Sachliche und formelle Aspekte deuten auf eine andere Namensgebung in einer älteren Sprache hin.
1218 wird in einer Urkunde ein Wald genannt, welcher sich bis zum Arl erstreckt. 1485 ist die Bezeichnung „perg Arls“ für den Arlberg urkundlich bezeugt.
Berge wurden bis Ende des 18. Jahrhunderts nur in Ausnahmefällen bestiegen und waren vor allem ein Hindernis auf dem Weg zur anderen Seite, das man lieber umging. „Über den Berg bzw. die Berge gehen“ bezog sich bis dahin immer auf die effizienteste Passage, den Pass. In der Sprache der Walser bedeutet Berg bis heute einen Passübergang und das Gebiet zu beiden Seiten.
Im 14. Jahrhundert vergaben die Grafen von Montfort noch unbesiedelte Gebiete (Tannberg, Kleinwalsertal und Großwalsertal) im Erblehen an die als gute Viehzüchter, Sennen, Söldner und Säumer bekannten Walser. Ab 1450 konnte der Arlberg nur noch gesäumt werden. Die starke Einheit zwischen Gebiet (am Arlberg) und dem Passübergang hat sich bis ins späte 18. Jahrhundert stark ausgeprägt, denn hier erzwangen Muren, Erdrutsche und Lawinen immer wieder neue Wege, sodass sich der Name auf eine Vielzahl von Routen in diesem Gebiet anwenden ließ. Im wirtschaftlichen Abseits fand der Sprachwandel zu Arlpass nicht statt.
Die semantische Verdoppelung wie hier mit „Berg-Pass“ kommt an allen Sprachgrenzen vor und ist Ausdruck einer friedlichen Koexistenz von Sprachgruppen. Mit dem Untergang der Walsersprache im 19. Jahrhundert wurden deren Flurnamen größtenteils übernommen. Die Verdoppelung ist geblieben. Der Name ging nicht mehr in Arlpass über, dafür war „Bergpass“ bereits zu lange im Sprachgebrauch. Die Abgrenzung zwischen Arlberg und Arlbergpass ist auch heute nicht eindeutig, was dazu führt, dass man den Namen weiter (mit: -straße, -bahn, -tunnel, -gebiet) ergänzt. Arlbergpass bezeichnet meist die Passhöhe.
Der „Arl“ gab auch der 1406 in den Appenzellerkriegen zerstörten „Burg Arlen“ den Namen.
Vom Namen Arlberg leitet sich in der Folge auch der Name des Bundeslandes Vorarlberg ab, welches – aus Sicht des Heiligen Römischen Reiches wie auch der Schweizerischen Eidgenossenschaft sowie der Burg der Habsburger – vor dem Arlberg liegt.
Geographie Lage Der Arlbergpass verbindet das von der Alfenz durchflossene Klostertal im Westen mit dem von der Rosanna durchflossenen Stanzer Tal im Osten und trennt Lechquellengebirge und Lechtaler Alpen im Norden vom Verwall im Süden. Der Flexenpass ist wiederum die Grenze zwischen dem Lechquellengebirge im Westen und den Lechtaler Alpen im Osten. Der Arlberg als Höhenzug nimmt demgegenüber den Westen der Lechtaler Alpen ein.
Die Valluga, höchster Berg am Arlberg und zusammen mit dem Trittkopf südwestlicher Abschluss der Lechtaler Alpen, überragt die Passhöhe dominant. Hier treffen auch die Grenzen der vier Arlberg-Gemeinden zusammen. Auf Vorarlberger Seite Lech und Klösterle (mit Stuben) sowie auf Tiroler Seite Kaisers und St. Anton.
Die europäische Wasserscheide in den Alpen zwischen Rhein und Donau verläuft im Süden vom Albonagrat zur Passhöhe herunterkommend über die Valluga und Trittkopf zum Flexenpass und folgt ab Flexenspitz dem Südabschluss des Lechquellengebirge dem Klostertal gegen Westen.
Zugänge Bodensee Allgäu Rheintal Inntal Südtirol(Bregenz, Dornbirn)(Kempten, Pfronten, Füssen)(Sargans, Buchs SG, Rüthi, Feldkirch)(Innsbruck)(Bozen, Meran) ReschenpassBregenzer Wald B200Lechtal B198KlostertalStanzer TalSchwarzachEggBezauMellauSchoppernauSchröckenHochtannbergpassReutteWeißenbach am LechForchachStanzachSteegBludenzAusserbrazInnerbrazDalaasWald am ArlbergDanöfenKlösterleLangen am Arlberg B197Stuben am ArlbergLandeck (Stanz)GrinsPiansStrengenFlirschSchnannPettneu am ArlbergGandSt. Jakob am ArlbergNassereinSt. Anton am ArlbergSt. Christoph am ArlbergWarthLech (Tannberg)Zürs am ArlbergFlexenpassAlpe RauzArlberg-Passhöhe
Geologie Geologisch liegt der Arlberg in einer Störungszone, der Grauwackenzone zwischen den paläozoischen und älteren kristallinen Gesteinen (Kristallin, Granit, Gneis, kristalline Schiefer) der östlichen Zentralalpen (Untergruppe Verwall) im Süden, sowie den überschobenen Kalkdecken (Kreide- und Jurakalke (Malm, Dogger, Lias)) der Nördlichen Kalkalpen im Norden. Das glaziale Trogtal ist im Norden an den südlich exponierten Hängen durch Karsterscheinungen geprägt, während sich im Süden gegen den Albonagrat hin in vielen kleinen Senken Seen halten können (Maroiseen, Oberlangboden).
Klima, Wetter Im Arlberggebiet sind aufgrund der Staulage Niederschläge und Starkregen besonders häufig. Nach dem Bregenzerwald ist es eines der niederschlagsreichsten Gebiete Österreichs. Der Jahresniederschlag beträgt im Mittel der Jahre 1971–2000 in Langen 1653,6 mm und in St. Anton 1275,2 mm.Klimadaten von Österreich 1971–2000. Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik.
Verkehrswege und Siedlungen werden im Winter durch Lawinen und im Sommer durch Muren und Erdrutsche bedroht. Naturereignisse lassen sich nur schwer durch bautechnische Maßnahmen kontrollieren. Das Gebiet wurde in den Lawinenwintern 1999 und 2003 in Mitleidenschaft gezogen. Beim Alpenhochwasser 2005 kam es zu Überflutungen und Vermurungen; die Arlbergbahn war von August bis Dezember für den Wiederaufbau gesperrt.
Verkehr Von den geologischen und hydrologischen Bedingungen nicht gerade bevorteilt, war die Verkehrsentwicklung den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen und Machtverhältnissen in den Alpen und im Alpenvorland stark ausgesetzt.
Ur- und Frühgeschichte Da die Erz- (Montafon) und Salz- (Salzkammergut) Lagerstätten bereits zur Bronzezeit (Hallstattzeit) bekannt waren, kann man davon ausgehen, dass der Pass bereits zu dieser Zeit eine überregionale Bedeutung im Alpenquerenden Ost-West-Verkehr hatte und nicht nur zur Alpsömmerung benutzt wurde. Petrografische Untersuchungen von Tonscherben haben ergeben, dass zwischen den Feuchtbodensiedlungen des Bodenseeraums und den Norditalienischen Siedlungen rege Handelsbeziehungen unterhalten wurden. Die nächstliegende Verbindung zwischen Adria und Bodensee führt entlang der Etsch über Bozen und Meran zum Reschenpass und von dort via Landeck über den Arlberg zum Alpenrhein. Der Alpenrhein war noch bis ins 17. Jahrhundert bis Hohenems schiffbar, (Flexenpass) und Hochtannberg zum See. Der Alpenrhein war bis in die Neuzeit nur schwer passierbar.
Keltische Altstraße Bregenz, stärkstes keltisches Oppidum des östlichen Bodenseeraums mit bedeutendem Handelsumschlag (See/Land), pflegte ebenfalls regelmäßigen Austausch mit dem etruskischen Oberitalien. Der Arlberg war somit Teil einer Altstraße.
Römerzeit Zur Römerzeit hatte der Pass kaum Bedeutung. Zur Zeit der größten Ausdehnung des Reiches verliefen die großen Heeresstraßen weiter im Norden. Die römische Heerestrasse von Brigantinum (Bregenz) nach Juvavum (Salzburg) kreuzte die Via Claudia Augusta (nach Augsburg) bei Cambodunum (Kempten). Am Rhein und Bodensee konnten sich die Römer nicht lange halten und der Verkehr verlagerte sich weiter in den Süden (Vinschgau – Ofenpass – Engadin – Julier).
Mittelalter Genauso wenig wie über die Nutzung des Arlbergs zur Römerzeit bekannt ist, so wenig weiß man über dessen Nutzung im Mittelalter. Wohl bereits in karolingischer Zeit entstanden erste Bergwerke im Montafon; vielleicht war mit diesen auch ein gewisser Verkehr über den Arlberg verbunden. Nach Jahrhunderten eher bescheidener Bedeutung des Arlbergs kam es im hohen Mittelalter jedoch zu einem Wandel: binnen weniger Jahre mauserte sich im 13. Jh. der einstige Lokalpass zu einem überregional und sogar international wichtigen Pass. Zahlreiche alte Urkunden sprechen für einen Verkehr über den Arlberg. Ab dem Jahr 1218 ist eine Regelung des Saumverkehrs am Arlberg nachzuweisen. Bereits 1312 wurde am Beginn des Arlbergweges in Landeck/Perfuchs ein Wegegeld erhoben, das dem Erhalt und Ausbau des Weges diente.Steffan Bruns: Alpenpässe. Die Pässe beiderseits der Brenner-Route. 1, L. Staackmann Verlag München, 2010, ISBN 978-3-88675-256-0.
Fuhrweg Ein befahrbarer Weg wird bereits im 14. Jahrhundert erwähnt. Der Pass wurde neben dem Viehhandel hauptsächlich für den Handel mit Salz aus dem Salzkammergut für das Mittelland (Schweiz) und die Bodensee-Region benutzt. Wichtigstes Exportgut aus dem Thurgau (Geschichte des Kantons Thurgau, Bistum Konstanz) war Leinen, von Konstanz nach Bregenz verschifft, trat es von dort über den Arlberg und andere Pässe den Weg nach Italien (Triest, Venedig, Mailand, Florenz) an. Der Arlberg liegt über 250 m tiefer als andere Pässe auf dem Weg in den Süden und hat eine bedeutend kürzere Wintersperre als andere Pässe.
1363 kam Tirol zu Habsburg. Habsburger und Montforter teilten sich noch das heutige Vorarlberg. Die Grafen von Montfort-Feldkirch begünstigten den Zugang von Feldkirch via Bludenz zum Arlberg und konnten so Bregenz wirtschaftlich überflügeln. Auf dem Fahrweg setzte verstärkter Verkehr ein, wobei dem Transport von Handelswaren aller Art, insbesondere dem Salztransport und den militärischen Gütern samt Truppenbewegungen größte Bedeutung zu kam. Die Dörfer dies- und jenseits des Arlbergs erblühten und neue Siedlungen entstanden.
Trotz 1394 geschlossenem zwanzigjährigem Frieden zwischen den Eidgenossen und dem Haus Habsburg wurde Vorarlberg 1406 bis 1408 in die Appenzellerkriege hineingezogen. Danach verlor der Arlberg nach und nach seine wirtschaftliche Bedeutung. Auch das ehemals begehrte Konstanzer Leinen verlor an Nachfrage und wurde durch Baumwolle verdrängt.
mini|Sturz Johannes’ XXIII. auf der Fahrt über den Arlberg zum Konstanzer Konzil (Richental-Chronik)
1414 bis 1418 bot das Konzil von Konstanz dem Arlberg seine erste große internationale Bewährungsprobe. Zahlreiche Gäste, besonders aus dem Osten und Südosten des Reiches und Europas reisten über den Arlberg zum Konzil in Konstanz. Als im Oktober 1414 einer der damaligen drei Päpste, der Papst Johannes XXIII., über den Arlberg zum Konzil anreiste, stürzte dieser samt seinen Wagen auf der Passhöhe in den tiefen Schnee. Der Papst machte sogleich den Teufel dafür verantwortlich. In Konstanz setzte ihn das Konzil ab und erklärte ihn zum Gegenpapst. Johannes XXIII. floh. Nach dem Konzil verlor der Arlberg wieder etwas an Bedeutung. Bald schon war von einer Befahrbarkeit der Arlberg-Straße keine Rede mehr, und es musste in Teilen wieder gesäumt werden.
1450, bereits im Unterhalt stark vernachlässigt, kaufte die Stadt Lindau die Alpgebiete auf dem Arlberg (Alpe Stern genannt) samt sonstiger Alprechte der Stanzer Talgemeinschaft ab und verschaffte sich so die Kontrolle über den Arlbergverkehr. Lindau förderte in der Folge den Salztransport von Hallstatt über den Fernpass und das Tannheimer Tal über den Oberjochpass nach Immenstadt und weiter nach Simmerberg, und schädigte so den Salztransportverkehr über den Arlberg empfindlich.
Im Laufe des 15. Jahrhunderts verfiel die Straße über den Arlberg derart, dass er mit Wagen nicht mehr befahrbar war. Wegen des schlechten Zustandes mied man den Arlberg ab ca. 1450 über Jahrhunderte hinweg und nahm weite Umwege über den Fernpass in Kauf.
Saumpfad mini|Karte des Ausbauprojekts der Straße Landeck – Bludenz über den Arlberg (Ausschnitt), 1733, Straßenabschnitt Stuben – Klösterle