St. Anton am Arlberg ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Landeck im österreichischen Bundesland Tirol. Sie liegt am Fuße des Arlbergs an der Landesgrenze zwischen Tirol und Vorarlberg. Das Dorf St. Anton ist deren Hauptort und war ein bedeutender Passort. Das Gebiet ist durch das Skigebiet Ski Arlberg bekannt, das fünftgrößte weltweit, einer der bekanntesten Wintersportorte und gilt als eine Wiege des alpinen Skifahrens.

Geographie Geographische Lage St. Anton liegt im oberen Teil des Stanzertales, rund 100 km westlich der Landeshauptstadt Innsbruck, an der Grenze zu Vorarlberg zwischen den Lechtaler Alpen im Norden und der Verwallgruppe im Süden an der Rosanna. Der Hauptort liegt auf , das Gemeindegebiet erstreckt sich bis auf (Kuchenspitze). Der Hausberg ist der GampenSt. Anton am Arlberg und der höchstgelegene, mit Aufstiegshilfen erreichbare Punkt ist der Gipfel der Valluga mit

Die Gemeinde hat eine Fläche von 165,81 km², damit ist St. Anton flächenmäßig größer als das Fürstentum Liechtenstein.

Gemeindegliederung

Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): St. Anton am Arlberg () St. Jakob am Arlberg ()

Nachbargemeinden

Klima

Geschichte Entwicklung des Gemeindenamens St. Anton am Arlberg trägt innerhalb von 750 Jahren bereits den fünften Namen: Um 1275 als Vallis taberna bezeichnet, folgte über Jahrhunderte der Name Stanzertal (1275 – ca. 1805), ehe für kurze Zeit der Gemeindename St. Jakob als Standort der alten Kuratie St. Jakob übernommen wurde (1805 – ca. 1811). Auch dieser Name dürfte nicht zufriedenstellend gewesen sein und man einigte sich auf den Gemeindenamen nach dem alten Ortsteil Nasserein (1811 – 1927), der inmitten der beiden Fraktionen St. Jakob und St. Anton gelegen ist, wohl auch deswegen, da sich das Postgasthaus in diesem Ortsteil bis 1824 befand.

Mit dem Bau der neuen Landstraße im Jahr 1824 wurden die beiden Ortsteile St. Jakob und Nasserein umfahren und der Ortsteil St. Anton gewann immer mehr an Bedeutung. Als in den Jahren 1880 bis 1884 die Arlbergbahn gebaut wurde, stand bereits bei der Planung fest, dass die Bahnstation St. Anton am Arlberg heißen werde, obwohl der Gemeindename nach wie vor Nasserein war. Im Jahre 1927 benannte sich die bisher Stanzertal genannte Gemeinde schließlich in St. Anton am Arlberg um.

Verkehrsentwicklung mini|Historische Ansicht von 1889 des Ortsteils St. Christoph

Die Geschichte des Ortes, erstmals um 1275 als Vallis taberna erwähnt, ist eng mit der Verkehrsentwicklung des Arlbergpasses verknüpft.

Arlbergpass Als 1363 Tirol und bald darauf auch Vorarlberg zum Habsburgerreich gekommen waren, setzte auf dem Fahrweg über den Arlberg verstärkter Verkehr ein. Dem Transport von Handelswaren aller Art, insbesondere dem Salztransport, und den militärischen Gütern samt Truppenbewegungen kam dabei größte Bedeutung zu. Die Dörfer dies- und jenseits des Arlbergs erblühten und neue Siedlungen entstanden. Im Untertanenverzeichnis von 1427 werden 88 „Familienväter mit Weib und Kindern“ genannt, im Feuerstättenverzeichnis jedoch nur 65 Feuerstätten. Dies lässt darauf schließen, dass viele Familien in Doppel- und Dreifachhäusern gewohnt haben. Sehr aufschlussreich sind auch die im Original erhaltenen Dorfordnungen aus dem Jahre 1656 und 1802, die alle Gehöfte mit ihren Bewohnern samt Rechten und Pflichten nennen.

Nach dem Verkauf der Alpgebiete auf dem Arlberg (Alpe Stern genannt) samt sonstiger Alprechte im Jahr 1450 an die Stadt Lindau am Bodensee verschaffte sich diese die Kontrolle über den Arlbergverkehr. Lindau förderte aber den Salztransport von Hall über den Fernpass und schädigte so den Salztransportverkehr über den Arlberg empfindlich.

Im Laufe des 15. Jahrhunderts verfiel die Straße über den Arlberg derart, dass er mit Wagen nicht mehr befahrbar war. Dieser Zustand hielt sich von ca. 1450 bis 1787 und wurde erst mit der Eröffnung der Josephinischen Straße über den Arlberg wieder behoben. Der dadurch wieder stark steigende Fuhrwerksverkehr erzwang mit der Kunststraße 1824 den weiteren Ausbau, was die Umfahrung von St. Jakob und Nasserein zur Folge hatte.

Etwa um 1860 nahm der Arlbergverkehr wieder rasch ab, da im Alpenvorland bereits Eisenbahnen entstanden waren und der Transport des Salzes nunmehr wieder über Bayern erfolgte. Für die Bevölkerung war der finanzielle Niedergang in allen Teilen des Dorfes spürbar. Viele Einheimische gingen nunmehr wieder als Maurer, Zimmerleute oder Handlanger ins Ausland, da sie von der klein strukturierten Landwirtschaft nicht leben konnten.

Eisenbahntunnel alternativtext=|mini|Ostportal des Arlberg-Eisenbahntunnels, wie es bis zum Neubau des St. Antoner Bahnhofs um die Jahrtausendwende bestand 1880 wurde mit dem Bau der Arlbergbahn und des Arlbergtunnels begonnen. Kaiser Franz Josef I. selbst besuchte 1881 die Tunnelbaustelle und begab sich ca. 1000 m in den Stollen hinein, um sich ein Bild der größten Baustelle der Monarchie machen zu können. Die Eröffnung 1884 bedeutete nicht nur eine einmalige technische Großleistung, sondern auch einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung für die Gebiete dies- und jenseits des Arlbergs. Der Bahnbau brachte Arbeit und auch die ersten Touristen kamen nunmehr mit der Eisenbahn nach St. Anton am Arlberg. Mit der Verlegung des Bahnhofs an den Südrand des Ortes wurde der Tunnel um über 400 m verlängert und endet nun direkt am Bahnhof.

Straßentunnel Zunächst Segen, später Fluch der Arlberggemeinde St. Anton wurde der zunehmende Verkehr über den Arlbergpass. Ab Mitte der 1950er Jahre hatte der Verkehr derart stark zugenommen, dass die Gemeinde Gegenmaßnahmen ergreifen musste. Zunächst pendelten zwischen Langen am Arlberg und St. Anton Autotransportzüge als wintersichere Alternative zur Arlbergpaßstraße. Die damals mitten in St. Anton stehenden Züge blockierten aufgrund der längeren Be- und Entladezeiten aber entsprechend lange die dortigen Bahnübergänge.

mini|Arlberg-Straßentunnel - Mautstelle Es entstand die Idee des Arlberg-Straßentunnels in Verbindung mit der Arlberg Schnellstraße. 1974 begannen schließlich die Arbeiten zu dem 13,91 Kilometer langen, wintersicheren und sondermautpflichtigen Tunnel zwischen St. Anton und Langen in Vorarlberg. Am 1. Dezember 1978 wurde dieser seiner Bestimmung übergeben. Diese Maßnahme führte zu einer starken Beruhigung des Durchgangsverkehrs durch St. Anton, sodass in der Folgezeit die Dorfstraße in weiten Teilen zur Fußgängerzone erklärt und die Kfz-Transporte durch den Bahntunnel eingestellt werden konnten.

Die Schwabenkinder Um 1815 begann auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Situation im Dorf das oft traurige Kapitel der Schwabenkinder. Unzählige Kinder armer Leute – zumeist Bergbauern und Tagelöhner – wurden in Gruppen über den Sommer ins relativ reiche Schwaben geschickt und dort auf den Kindermärkten z. B. in Ravensburg als billige Arbeitskräfte angeboten. Zumeist mussten sie sich als Hüterkinder und Mägde verdingen – erst 1914 sollte dies ein Ende nehmen.

Einflüsse der nationalsozialistischen Herrschaft und des Zweiten Weltkrieges Auch der Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich 1938 blieb in St. Anton nicht ohne Folgen. Es gab Verhaftungen, Vertreibungen und antisemitische Maßnahmen; so wurde am westlichen Ortsrand die Tafel „In St. Anton sind Juden unerwünscht“ aufgestellt. Psychisch Kranke und Behinderte wurden Opfer der Aktion T4.

So wurde auch Rudolf Gomperz, welcher gemeinsam mit Hannes Schneider St. Anton zu einem führenden Wintersportort gemacht hatte, als einer der letzten Juden von Tirol über Wien ins Vernichtungslager Maly Trostinez deportiert, wo er ermordet wurde. Des Weiteren wurden auch zwei Frauen des Ortes zur Tötungsanstalt Hartheim bei Linz verschleppt und dort als „unwertes Leben“ ermordet.

Unter den von den Nationalsozialisten wegen ihrer Gesinnung Verfolgten war auch der Weggefährte von Rudolf Gomperz, der damals größte Sohn des Dorfes Hannes Schneider, der nach einer Verhaftung in die USA floh.

Kurz vor Kriegsende glich das Dorf einem Heerlager: Vor den vorrückenden Amerikanern fliehende deutsche Truppen stauten sich vor dem Arlbergpass, der wegen ungewöhnlich hoher Schneelage unpassierbar war. Kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner Anfang Mai 1945 gelang es den deutschen Truppen, weiterzuziehen, sodass der Ort weitgehend ohne Kampfhandlungen von den amerikanischen Truppen eingenommen werden konnte.

Von 240 im Zweiten Weltkrieg eingerückten Soldaten aus St. Anton kamen 86 nicht mehr zurück.

Entwicklung des Fremdenverkehrs mini|alternativtext=|Die alte Galzigbahn mit Blick auf St. Anton am Arlberg

1895 wurde durch den Gastwirt Carl Schuler das erste Hotel erbaut, welches 1897 mit dem Namen Hotel Post eröffnet werden konnte. Das Hotel Post verfügte über ca. 110 Betten, Zentralheizung, elektrisches Licht sowie Lese- und Billardzimmer, eine Kegelbahn und einen Lawn-Tennisplatz. Weitere Hotels folgten bald. 1910 hatte St. Anton bereits über 328 Gästebetten, die bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs, der die touristische Entwicklung vorerst stoppte, auf 369 anstiegen.

Am 3. Jänner 1901 wurde im Hospiz in St. Christoph der Ski-Club Arlberg gegründet und bald wurden erste Skirennen durchgeführt. 1907 kam Hannes Schneider als Skilehrer in das Hotel Post nach St. Anton. Mit seiner Arlbergtechnik revolutionierte er den modernen Skilauf. 1922 gründete er die Skischule St. Anton. In den darauf folgenden Jahren folgte eine weitere Erhöhung der Bettenzahl, 1927 zählte man, dank des unermüdlichen Einsatz von Rudolf Gomperz (ab 1926 Leiter des Tourismusbüros), bereits 664 Fremdenbetten.

In den 1920/30er Jahren drehte Arnold Fanck einige Spielfilme in St. Anton, darunter Das Wunder des Schneeschuhs, Eine Fuchsjagd auf Skiern durchs Engadin und Der weiße Rausch – neue Wunder des Schneeschuhs, die nachhaltig die Entwicklung des Skilaufes nicht nur am Arlberg, sondern in den gesamten Alpen mit beeinflussten. 1934 zählte man in St. Anton 1.000 Gästebetten und ca. 55.000 Übernachtungen.

mini|alternativtext=|Die neue Galzigbahn

Mit dem Bau der Seilbahn auf den Galzig 1937, deren unermüdlicher Verfechter und Wegbereiter Rudolf Gomperz war, wurde der Grundstein für eine groß angelegte Seilbahnerschließung gelegt, die in den Nachkriegsjahren mit dem Bau der St. Christoph-, Valluga-, Gampen- und Kapallbahn ihre Fortführung fand. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs konnten 1154 Betten gezählt werden, während des Krieges war St. Anton Fronturlaubsziel mehrerer Heeresverbände.

Erst 1947 kam der Fremdenverkehr langsam wieder in Gang und setzte sich kontinuierlich mit großen Steigerungen fort. Die Zahl der Gästebetten stieg von 1700 (Jahr 1956) bis auf 5658 (Jahr 1975) bei nunmehr über 560.000 Übernachtungen. Weitere Seilbahnerschließungen erfolgten in den Jahren 1965 bis 1975, darunter eine komplette Neuerschließung mit dem Bau der Rendlbahn im Moostal.

Von 1975 bis 1985 setzte sich diese Entwicklung fort und St. Anton wurde mit dem Arlberg Tarif Verbund zu einem Großraum-Skigebiet, der den Gästen die Benutzung aller Liftanlagen am gesamten Arlberg ermöglichte. 1985 erhöhte sich die Bettenzahl auf 7.325 bei 815.000 Übernachtungen. 1995 konnte eine Bettenzahl von 8.500 bei 900.000 Übernachtungen erreicht werden. In den 1990er Jahren erfolgte auch die Ausweitung der Beschneiungsanlagen durch die Arlberger Bergbahnen, welche eine weitgehende Schneesicherheit auf allen Skibergen herstellte.

Wolfsgrubenlawine 1988 mini|Von der Wolfsgrubenlawine 1988 beschädigte Häuser