Eine Landesgartenschau (in Deutschland Abk. LAGA oder auch LGS) ist eine in mehreren deutschen und österreichischen Bundesländern stattfindende Ausstellung zum Gartenbau. In Deutschland bildet eine Landesgartenschau das Pendant auf Landesebene zu Bundesgartenschauen und zu Internationalen Gartenschauen.
Deutschland Geschichte mini|hochkant|Erste deutsche Landesgartenschau 1970–1971, Grefrath (NRW), Schwingbodenpark mit Turm (im Bau)
Gartenausstellungen haben eine lange Vorgeschichte, so beispielsweise 1865 in Erfurt, 1887 in Dresden (Königreich Sachsen) oder 1927 in Liegnitz (Provinz Niederschlesien).
1970 gab es in Nordrhein-Westfalen eine erste Landesgartenschau in Grefrath. In Baden-Württemberg und Bayern finden seit 1980 Landesgartenschauen statt, andere deutsche Bundesländer übernahmen das Modell später. 1980 fand in Ulm und Neu-Ulm die bundesweit erste eine Landesgrenze – die zwischen Baden-Württemberg und Bayern – überschreitende Landesgartenschau statt. In die nordrhein-westfälische Landesgartenschau Gronau 2003 wurde die angrenzende niederländische Gemeinde Losser einbezogen; die Gartenschau in Kehl schuf 2004 den „Garten der zwei Ufer/Parc des deux rives“ Kehl/Straßburg, der den Rhein als Grenze zwischen Deutschland und Frankreich überbrückt. Im Jahr 2006 wurde die Landesgartenschau Marktredwitz-Cheb auf beiden Seiten der deutsch-tschechischen Grenze als bayerische Landesgartenschau durchgeführt.
Ziele und Finanzierung Durch die Landesgartenschauen sollen die Lebensqualität und das ökologische Klima in den Städten verbessert werden. Häufig dienen die Gartenschauen stadt- bzw. regionalplanerischen Entwicklungszielen und sollen strukturfördernd in Gegenden wirken, die eine besondere Benachteiligung aufweisen (z. B. durch Bergbauschäden). Die Investitionen, die im Rahmen der Landesgartenschauen getätigt werden, sollen dem jeweiligen Ort zu größerer und in der Regel auch bleibender Attraktivität verhelfen. Außerdem sind Landesgartenschauen heute auch Maßnahmen des Stadtmarketings, da sie als ein halbes Jahr dauernde Großveranstaltung auch den Bekanntheitsgrad einer Stadt vergrößern können.
Die Entscheidungsberechtigten in Kommunen, die oft mit Hilfe von Landesmitteln eine LGS realisieren, gehen ein finanzielles Risiko ein. Während einige Landesgartenschauen mit einer „schwarzen Null“ oder sogar mit leichten Gewinnen abschlossen, überschritten andere ihren Etat und mussten nachträglich bezuschusst werden. Besonders in Kommunen mit angespannter Haushaltslage sind Landesgartenschauen deshalb trotz ihrer oft langzeitigen Vorteile manchmal umstritten. Nicht nur Stadträte als gewählte Vertreter der Einwohner der betroffenen kommunalen Gebietskörperschaft, sondern auch Bürger haben in vielen Ländern das Recht, in solchen Fällen – auch in frühen Planungsphasen – per Mehrheitsbeschluss in einem Bürgerentscheid als Element der direkten Demokratie die Durchführung einer Landesgartenschau zu untersagen.
Gartenschauen in den einzelnen Bundesländern Baden-Württemberg Von 1980 bis 2000 wurden in Baden-Württemberg jährlich die „großen Landesgartenschauen“ veranstaltet. Seit 2001 finden sie jährlich im Wechsel mit den „kleinen Landesgartenschauen“ statt, bis 2011 „Grünprojekte“ genannt, seitdem „Gartenschauen“. Das Land stellt bei Gartenschauen einen Zuschuss in Höhe von maximal zwei Millionen Euro beziehungsweise bei Landesgartenschauen von maximal fünf Millionen Euro in Aussicht, wobei die Kommunen auch Eigenleistungen zu erbringen haben.Martin Baur: Ausgewählte Kommunen. In: Südkurier. 23. Juni 2010. Bis 2010 hat das Land fast 80 Millionen Euro Landeszuschüsse gewährt. Dies bewirkte auf Seiten der Kommunen mindestens das Dreifache, teils sogar das Siebenfache an Investitionen; sie investierten etwa 153 Millionen Euro: Hierbei wurden rund 625 Hektar Grünanlagen geschaffen, neu gestaltet und dauerhaft gesichert. Die Landesgartenschauen und Grünprojekte sind Impulsgeber für umfassende strukturelle Entwicklungen, die für Aufbruchstimmung in den Kommunen sorgen und deren wirtschaftliche Entwicklung stärken. Eine Fachkommission bewertet die Bewerbungen und beurteilt die eingereichten Konzepte vor Ort. Der Ministerrat vergibt dann in einer Kabinettssitzung die Landesgartenschauen und Grünprojekte.
Die letzte stark besuchte Landesgartenschau in Baden-Württemberg war vor der Einführung der „Grünprojekte“ im Jahr 2001 die Landesgartenschau 1992 in Pforzheim mit einer Spitzenbesucherzahl von 1,6 Millionen. Danach gingen auch auf Landesebene die Besucherzahlen jeweils deutlich unter eine Million zurück. Daher entschied die Landesregierung bereits 1996, in Baden-Württemberg ab 2001 alle zwei Jahre jeweils die kleineren „Grünprojekte“ durchzuführen. 2014 stellte Schwäbisch Gmünd mit zirka 2 Millionen Besuchern einen neuen Rekord auf.Bilanz der Landesgartenschau Schwäbisch Gmünd: Rekord mit zwei Millionen Besuchern auf swr.de vom 6. Oktober 2014.
Auflistung siehe Liste der Landesgartenschauen in Baden-Württemberg
Bayern Der Freistaat startete 1980, zunächst in unregelmäßigem Rhythmus, mit vier Landesgartenschauen in Neu-Ulm, Augsburg, Dinkelsbühl und Straubing. Seit 1990 werden in Bayern die Landesgartenschauen im Zweijahresrhythmus in geraden Jahren veranstaltet. In den ungeraden Jahren gibt es seit 1995 in Bayern eine kleine Gartenschau mit der Bezeichnung Natur in der Stadt, in der ähnlich wie bei den Landesgartenschauen, nur in kleinerem Rahmen, Verbesserungen der Grün- und Erholungsstrukturen den Rahmen für die gärtnerische Leistungsschau bilden.
Mit 83 Millionen Euro haben der Freistaat und die EU bis einschließlich 2015 die bayerischen Gartenschauen gefördert, knapp 23 Millionen Besucher wurden verzeichnet und rund 460 Hektar öffentliche Grünflächen sind im Laufe dieser Jahre entstanden. Städte und Kommunen können sich für die Durchführung einer Gartenschau bei der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen (FÖG) bewerben. Das Vergabeverfahren und auch die Art und Durchführung der staatlichen Förderung wurden des Öfteren kritisiert.LGS Bayreuth: Risiken liegen komplett bei den Kommunen, abgerufen am 25. November 2016 Unter anderem hielt der Bayerische Oberste Rechnungshof die Vergabe der Gartenschauen in Bayern für intransparent und empfahl, sie auf eine neue Grundlage zu stellen, was auch geschah.
Auflistung siehe Liste der Landesgartenschauen in Bayern
Brandenburg Landesgartenschauen finden in Brandenburg seit dem Jahr 2000 statt. siehe Liste der Landesgartenschauen in Brandenburg
Hessen Landesgartenschauen finden in Hessen seit dem Jahr 1994 statt. siehe Liste der Landesgartenschauen in Hessen
Mecklenburg-Vorpommern mini|hochkant|Wismar 2002: Aussichtsturm auf dem Gelände Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Flächenland, das bislang nur eine Landesgartenschau ausrichtete (2002 in Wismar). Es sollte eine Schau im Landschaftspark Brodaer Höhe von Neubrandenburg stattfinden, die jedoch nicht über die Entwurfsphase hinausging.Landesgartenschau Neubrandenburg: Ideen- und Realisierungswettbewerb, Wettbewerbe Aktuell 2003, ISBN 978-3-934775-17-6 Ursprünglich wurde für 2014/2015 eine weitere Landesgartenschau anberaumt. Diese wurde zunächst ausgesetzt, da die Bewerber Güstrow und Putbus jeweils kein finanziell nachhaltiges Konzept vorlegen konnten.Vorläufig keine Landesgartenschau in Mecklenburg-Vorpommern. In: Schweriner Volkszeitung. 24. Januar 2012, abgerufen am 2. Dezember 2013.
Niedersachsen
2002: Bad Zwischenahn, „Park der Gärten“ 2004: Wolfsburg 2006: Winsen (Luhe) 2010: Bad Essen 2014: Papenburg 2018: Bad Iburg 2023: Bad Gandersheim 2026: Bad Nenndorf
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz Landesgartenschauen finden in Rheinland-Pfalz seit dem Jahr 2000 statt. siehe Liste der Landesgartenschauen in Rheinland-Pfalz
Saarland Bisher hat es im Saarland keine Landesgartenschau gegeben (Stand: 2020).
Sachsen Landesgartenschauen finden in Sachsen seit dem Jahr 1996 statt. siehe Liste der Landesgartenschauen in Sachsen
Sachsen-Anhalt Landesgartenschauen finden in Sachsen-Anhalt seit dem Jahr 2004 statt. siehe Liste der Landesgartenschauen in Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein Landesgartenschauen fanden in Schleswig-Holstein 2008, 2011 und 2016 statt. siehe Liste der Landesgartenschauen in Schleswig-Holstein
Thüringen Landesgartenschauen finden in Thüringen seit dem Jahr 2000 statt. siehe Liste der Landesgartenschauen in Thüringen
Österreich Oberösterreich mini|hochkant|Hüpfburg „Grasi“ bei der Oberösterreichischen Landesgartenschau „Botanica“ 2009 in Bad Schallerbach
Der erste OÖ. Landesgartenschau fand 1997 im damaligen Vogelpark Schmiding in der Gemeinde Krenglbach statt. 1997: Schmiding – Vogelpark Schmiding (heute: Zoo Schmiding) 1999: Gmunden – (im Park der Villa Toscana) 2005: Bad Hall – „Ein Park blüht auf“ 2007: Vöcklabruck – „Wo Gärten Brücken schlagen“ 2009: Bad Schallerbach – „Botanica“ 2011: Ansfelden/Landwirtschaftliche Berufs- und Fachschule Ritzlhof – „Sinfonie in Grün“ 2015: Bad Ischl – „… des Kaisers neue Gärten“ 2017: Kremsmünster – „Dreiklang der Gärten“ 2019: Schlägl – „Bio.Garten.Eden“ 2021: Linz und Wilhering (abgesagt) 2023: Wolfsegg am Hausruck 2025: Schärding
Niederösterreich 2006: Kamptal 2008: Garten Tulln und Schlosspark Grafenegg (Im Gegensatz zur bisherigen Praxis andernorts werden in Niederösterreich mit dem Konzept der „permanenten Landesgartenschau“ künftig keine einmaligen Ereignisse stattfinden, von denen höchstens Teilbereiche erhalten bleiben, sondern eine dauerhafte Einrichtung geschaffen werden.) 2010: Raum Baden (Baden, Bad Vöslau und Laxenburg) 2012: Raum Wachau
Siehe auch Bundesgartenschau Internationale Gartenbauausstellung
Weblinks
Einzelnachweise Martin Baur: Wie eine Schneekönigin. In: Südkurier. 23. Juni 2010.