Sinzig ist eine verbandsfreie Stadt am Mittelrhein im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Die Stadt ist gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen. Sinzig ist eine von fünf deutschen Städten, die den Beinamen Barbarossastadt tragen.

Geographie mini|Die Sinziger Innenstadt mit der Bachovenstraße um 2003 mini|Kirchplatz mini|Sinzig, Hansa Luftbild, Schrägluftbild (1936), von unten re. Bildrand, Blick über den Helenaberg zum Zehnthof mit darüberliegender Kirche Sinzig liegt im unteren Ahrtal im linksrheinischen Teil des Unteren Mittelrheingebiets zwei Kilometer westlich des Rheins im Norden von Rheinland-Pfalz, etwa zehn Kilometer von der nordrhein-westfälischen Landesgrenze entfernt. Die nächstgelegenen Großstädte sind Bonn (ca. 20 Kilometer nordwestlich) und Koblenz (ca. 30 Kilometer südöstlich). Die Stadt wird östlich vom Rhein begrenzt, ansonsten ist sie von Bergen umgeben, die zur Osteifel gehören. Westlich des Stadtzentrums erhebt sich der Hellenberg (), südlich der Wadenberg ().

Die höchste Erhebung des Stadtgebiets wird mit am Eifelrand in der Gemarkung Löhndorf erreicht. Durch Sinzig fließt die Ahr und mündet dort in den Rhein. In Sinzig münden Hellenbach und Harbach in die Ahr. Im Sinziger Stadtwald entspringt der Frankenbach.

Stadtgliederung Sinzig gliedert sich in sechs Ortsbezirke und 16 sonstige Gemeindeteile.

Ortsbezirk Einwohner Sinzig 9.514 Bad Bodendorf 3.829 Franken 470 Koisdorf 845 Löhndorf 1.330 Westum 1.686 Stadt Sinzig 17.674 Stand 31. Dezember 2013

Geschichte Etymologie des Ortsnamens Erstmals urkundlich erwähnt wurde Sinzig im Jahre 762 als Sentiacum. Als unzweifelhaft gilt wegen des Suffix „-acum“ eine keltische Etymologie des Ortsnamens, unklar ist dagegen die Deutung des Vordergliedes. Karl Bruchhäuser gibt im Heimatbuch der Stadt Sinzig (Sinzig 1953) an, dass der römische Konsul und Statthalter Gnaeus Sentius Saturninus († wohl 66 n. Chr.) Namensgeber des Ortes gewesen sein könnte. Nach Forschungen Dieter Schewes sei der Name Sentiacum dagegen eher auf die hier stationierten thrakischen Hilfstruppen der Römer zurückzuführen, speziell auf den thrakischen Stamm Sintoi.Schewe, Geschichte Sinzigs und seiner Königspfalzen Nach der umstrittenen Etymologie von Hans Bahlow (1900–1982) könnte auch der erste Teil des Namens keltischen Ursprungs sein und „beständig durchsickerndes Wasser im sumpfigen Wald“ bedeuten, analog zu einer Gemarkungsbezeichnung im Gebiet der Rhön (Sinzigburg). Die geographischen Gegebenheiten sprechen allerdings gegen diese Erklärung. Otto Kleemann wiederum vermutete 1983 in seiner Vor- und Frühgeschichte des Raumes SinzigJürgen Haffke, Bernhard Koll (Hrsg.): Sinzig und seine Stadtteile – gestern und heute. Sinzig 1983. ohne weitere Begründung, der erste Teil des Namens Sentiacum stelle die Anlehnung an den Gentilnamen eines Hofgründers und Inhabers „um die Zeitenwende“ dar.

Römische Zeit Die in groben Zügen bekannte Geschichte Sinzigs beginnt allerdings erst zwei Jahrhunderte später, als die Römer unter Führung von Gaius Iulius Caesar die Gebiete Germaniens bis zum Rhein hin erobert hatten. Nördlich von Sinzig, in Remagen, bestand schon seit der Mitte des 1. Jahrhunderts ein Truppenlager. Für Sinzig ist in dieser Zeit und in den kommenden Jahrhunderten eine lose Besiedlung mit ländlichen Gehöften anzunehmen. Am Rheinufer wurde bereits in den Jahren 40 bis 70 n. Chr. eine römische Militärziegelei betrieben. Ziegel aus dieser Ziegelei wurden am Sinziger Kirchberg gefunden. Der dort unter der Zehnthofstraße liegende Fußboden einer römischen Villa wurde im Zuge der Verlegung von Gasleitungen in den 1980er Jahren beschädigt. Von Trier aus wurde um 160/170 die Produktion von Tonwaren (Terra-Sigillata-Töpferwaren) im rheinnahen Bereich von Sinzig wiederaufgenommen. Die neue Fabrik bestand aber nur zwei Jahrzehnte. Sie exportierte auf dem Schiffsweg Waren bis Worms und Britannien. 1912 wurden Reste der Töpfermanufaktur freigelegt: Der Arbeitsraum, die Brennöfen und Abfallgruben.

Die römische Besiedlung befand sich vermutlich nicht in Rheinnähe, sondern auf dem Sinziger Kirchhügel. Dieser ragt wie ein Sporn in die so genannte Goldene Meile hinein, das Mündungsgebiet der Ahr in den Rhein. Die Ahrmündung war in dieser Zeit, anders als heute, ein verzweigtes Flusssystem kleiner Nebenläufe. Das gesamte Ahrmündungsgebiet bis hin zum heutigen Stadtteil Bad Bodendorf war versumpft. Nachgewiesenermaßen führte eine römische Straße quer durch die Goldene Meile und verband den Truppenstützpunkt Confluentes (Koblenz) mit dem Norden.

Auf dem Sinziger Helenenberg soll der Kaiserin Helena im 4. Jahrhundert der Legende nach ein Kreuz am Himmel erschienen sein, um ihrem Sohn, dem Kaiser Konstantin, den Sieg über seine Feinde zu versprechen. Inwieweit das Sinziger Gebiet nach dem Zusammenbruch des Römischen Reichs besiedelt war, ist unbekannt.

Von der Verehrung der Heiligen Helena zeugte das ehemalige Minoritenkloster auf dem Helenenberg. Das Kloster bestand von 1648 bis ins Jahr 1802 und der noch teilweise erhaltene Komplex ist heute als Denkmalzone ausgewiesen und steht zum Verkauf. Der Maler Karl Christian Andreae (1823–1904) wohnte in seinen letzten Lebensjahren in den zu Wohnungen umgebauten Anwesen und hatte sein Atelier im ehemaligen Pesthaus des Klosters.

Mittelalter mini|Siechenturm (Pesthaus) des ehemaligen Klosters Helenenberg Die erste urkundliche Erwähnung Sinzigs erfolgte am 10. Juli 762 in einer Bestätigungsurkunde des fränkischen Königs Pippin der Jüngere. Pippin weilte in der sentiaco palatio, dem Königsgut Sinzig. In der Urkunde ist die Schenkung der Besitz- und Nutzungsrechte innerhalb des Amtsbezirkes Sinzig an das Reichskloster Prüm vermerkt. Der fränkische Königshof und damit die Königspfalz lag an einem Schnittpunkt der Aachen-Frankfurter Heerstraße. Besondere Bedeutung erhielt die Pfalz, weil sie regelmäßig Zwischenstation bei der Krönungsreise der in Frankfurt gewählten deutschen Herrscher nach Aachen war.

Einhard, der Chronist Karls des Großen, erzählte 814 über ein „Weinwunder“, das in der königlichen Pfalz von Sinzig stattgefunden haben soll. 855 schenkte der karolingische Kaiser Lothar I. dem Aachener Marienstift die Pfalzkapelle St. Peter mit den dazugehörigen Nutzungs- und Zehntrechten. 1065 schenkte Heinrich IV. die Reichsstadt seinem engen Berater, Erzbischof Adalbert von Bremen. 1114 wurde Sinzig im Krieg zwischen dem deutschen Kaiser Heinrich V. und dem Erzbischof von Köln Friedrich I. von Schwarzenburg zerstört.

mini|Zehnthof mini|Zehnthof, Luftaufnahme (2016)

In seiner Blütezeit vom 12. bis 14. Jahrhundert war Sinzig Sitz einer Kaiserpfalz mit zahlreichen Aufenthalten deutscher Könige und Kaiser. Friedrich I. Barbarossa weilte 1152, 1158 und 1174 in der Pfalz, weswegen sich die Stadt auch Barbarossastadt nennt. Im Jahr 1255 – in den unruhigen Zeiten nach dem Tode Kaiser Friedrich II. – wurde Sinzig Mitglied des Rheinischen Städtebundes, eines Zusammenschlusses von zahlreichen Städten und einigen Territorialherren, der Teil der mittelalterlichen Landfriedensbewegung Treuga Dei war. Um 1200 wurde nach Caesarius von Heisterbach ein Ketzer Johannes mit seiner Mutter in Sinzig verbrannt.Friedrich Wilhelm Oediger (Hrsg.): Geschichte des Erzbistums Köln. Band 1: Das Bistum Köln von den Anfängen bis zum Ende des 12. Jahrhunderts. 2. Auflage. Bachem, Köln 1971, S. 313.

Spätestens gegen 1267 erhielt Sinzig Stadtrecht. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte der Bau der Pfarrkirche St. Peter im spätromanischen Stil der ausgehenden Stauferzeit (geweiht 1241). Konsekrator der Kirche und des Altars war der Dominikaner und Bischof Henricus de Osiliensis (Heinrich von Ösel), der während eines Aufenthalts im Mittelrheingebiet (weitere Weihetätigkeiten im August des Jahres 1241 sind für Koblenz und Boppard urkundlich belegt) auf Bitten und in Vertretung des schwer erkrankten Trierer Erzbischofs Theoderich (Dietrich) von Wied († 1242) Weihehandlungen an verschiedenen Kirchen zwischen Sinzig und Boppard vornahm. Aufgrund der Kirchweihe am Tag Mariä Himmelfahrt (1310 erstmals urkundlich belegt) ist für die Weihe der weitgehend fertiggestellten Pfarrkirche St. Peter der 15. August 1241 anzunehmen. Auch ein Hospital entstand. Viele Adelsgeschlechter waren in Sinzig ansässig, das man aus diesem Grund eine Wiege des Rheinischen Adels nannte.Wilhelm Knippler: Zwei Städte – Zwei Entwicklungen. Sinzig 700 Jahre Stadt. In: Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1968, S. 66. Neun Klöster hatten Besitzungen in Sinzig.

Nach einem Steuerverzeichnis von 1242 zahlte die jüdische Gemeinde von Sinzig etwa ein Drittel des Steueraufkommens der Stadt. Für den 1. Mai 1265 berichtet das Nürnberger Memorbuch, dass 71 Personen in der Sinziger Synagoge verbrannt wurden, darunter der Vorbeter der Kölner Judengemeinde. 1287 erlitten weitere 46 Juden in Sinzig das Martyrium. Nach der Pestepidemie von 1348/49 wurde die übriggebliebene kleine jüdische Gemeinde mit zwölf Personen ausgelöscht.

Nach 1297 wurde mit dem Bau der Stadtbefestigungen begonnen: Stadtumwallung, Mauer, drei Stadttore Ausdorfer Tor (Oisdorpporzen 1350; Osterportz 1623), Leetor (Leenporzen) und Mühlenbachtor (seit 1583 als Mühlenbacher Porzen, vorher seit 1350 Fischporzen) und die beiden Wichhäuser (Wächterhäuschen; in Urkunden von 1327, 1350 und 1353 als fertiggestellt belegt). Zuvor hatte König Adolf von Nassau am 3. Dezember 1297 den Bürgern Sinzigs die Erhebung eines sogenannten Ungelds (Steuer) auf den Verkauf von Wein und landwirtschaftlichen Produkten gestattet, das ausschließlich zur Finanzierung und Errichtung der Stadtmauer verwendet wurde. 1395/98 wurden wieder Juden in der Stadt erwähnt. 1433 war erstmals von der Judengasse die Rede.Germania Judaica I, S. 325–326; II.2, S. 766–768; III.2, S. 1372–1374.

Der englische König Eduard III. war im Sommer 1338 auf diplomatischer und militärischer Mission am Mittelrhein unterwegs. Vor allem ging es ihm darum, die französische Königskrone zu erringen. Am 5. September nahm er an einer feierlichen Reichsversammlung in Koblenz teil. Auf seiner Hinreise von Antwerpen nach Koblenz besuchte er auch die Reichsstadt Sinzig.Elsbeth Andre: Portal Rheinische Geschichte (Stand: 2. Oktober 2010) Bereits ab dem späten 13. Jahrhundert war der allmähliche wirtschaftliche Niedergang durch mehrfache Verpfändung des Reichsgutes vorgezeichnet. Mit dem endgültigen Übergang des Reichsgutes Sinzig in den Besitz der Herzöge von Jülich am 19. Januar 1348 (urkundliche Pfändungsbestätigung durch Karl IV. an Markgraf Wilhelm V. von Jülich) geriet Sinzig erneut und endgültig in eine territoriale Randlage. Am 30. Juni 1421 verkaufte Herzog Adolf VII. von Jülich-Berg eine Hälfte von Sinzig samt Zubehör für 15.000 Gulden an den Trierer Erzbischof Otto. Am 24. August 1425 verpfändete Herzog Adolf VII. von Jülich-Berg auch noch die andere Hälfte von Sinzig gleichfalls für 15.000 Gulden an Erzbischof Dietrich von Köln.Rheinischer Antiquarius, III. Abt., Band 9, S. 84Ausführliche Darlegung bei Kinkel: Die Ahr, S. 189 ff. Kurköln und Kurtrier besaßen jetzt jeweils eine Hälfte von Sinzig und Remagen als Pfand. Am 10. Dezember 1426 schlossen die Erzbischöfe Dietrich und Adolf einen Burgfrieden zur Regelung der gemeinsamen Verwaltung. Am 14. März 1451 ernannte der Herzog Gerhard von Jülich-Berg den Ritter Lutter Quad, Herr zu Tomburg und Landskron und Kölner Rat, zum Amtmann von Sinzig und Remagen.

Neuzeit mini|Stahlstich St. Peter um 1840