Die adverbiale Bestimmung – auch: das Adverbial (Mehrzahl: die Adverbiale) bzw. das Adverbiale (Mehrzahl: die Adverbialia oder Adverbialien); oder deutsch: die Umstandsbestimmung, Umstandsangabe – ist ein Begriff aus der Grammatik und bezeichnet Satzglieder, die weder Subjekt, Objekt noch Prädikativum sind.Duden – Die Grammatik. 8. Auflage. 2009, S. 796 Unter dieser Begriffsbestimmung bilden die Adverbiale unter den Satzgliedfunktionen also die Restklasse. Pittner (1999), S. 46, und dort zitierte Literatur. Adverbiale werden aber auch als Satzteile beschrieben, die (typischerweise) Verben, oder größere Ausdrücke mit verbalem Kern (Verbalphrasen bis hin zu ganzen Sätzen), modifizieren.Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 4. aktualisierte u. überarbeitete Auflage. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart u. Weimar 2010, ISBN 978-3-476-02335-3. Lemma: Adverbial, S. 13f.
Adverbiale können durch beliebige Formklassen von Ausdrücken repräsentiert werden: durch Substantive bzw. Nominalphrasen, Adjektive, Adverbien, Präpositionalphrasen oder durch Nebensätze. Eine Bestimmung als einheitliche Klasse wird meistens über eine Auflistung der Bedeutungstypen versucht, die Adverbiale markieren können. Diese Bedeutungstypen teilen sich hauptsächlich in Satzadverbiale, die die Gültigkeit der Aussage modifizieren oder eine Bewertung der Aussage ausdrücken, und Situationsadverbiale, die Eigenschaften der dargestellten Situation modifizieren wie Ort, Zeit, Art und Weise oder Kausalbeziehungen und Verwandtes.Duden – Die Grammatik. 8. Auflage. 2009, S. 782 ff. Viele, aber nicht alle Adverbialtypen können auch durch spezielle Fragewörter erfragt werden.
Abgrenzungen Adverbial und Adverb
Mit Adverbial wird eine grammatische Funktion bezeichnet, die von Funktionen wie z. B. Subjekt oder Objekt abzugrenzen ist; mit Adverb wird eine Wortart bezeichnet, die von anderen Wortarten wie z. B. Adjektiv oder Präposition abzugrenzen ist. Das Adverb ist somit eine Wortart, die in der Funktion eines Adverbials verwendet werden kann – aber auch anders. Das Adverbial ist eine grammatische Funktion, die durch ein Adverb (bzw. eine Adverbphrase) ausgedrückt werden kann – oder auch anders.
Adverbial und Attribut Wenn das Adverbial als Satzglied definiert ist, sind die Vorkommen gleichartiger Einheiten im Inneren von Satzgliedern, also Attribute zu Substantiven, in einem strengen Sinn keine Adverbiale: a) Er geht im Wald spazieren. (im Wald als Adverbial, da vom Verb abhängig) b) ein Spaziergang im Wald (im Wald als Attribut, da vom Substantiv abhängig) Um die Verwandtschaft dieser beiden Verwendungen anzudeuten, ist vereinzelt der Kompromiss vorgeschlagen worden, den Fall b. als „adverbielles Attribut“ zu bezeichnen.Pittner (1999), S. 48, von wo auch das obige Beispiel stammt.
Diese strenge Unterscheidung zwischen Adverbial und Attribut ergibt sich aber oft nur in Bezug auf die Modifikation von Verben bzw. Substantiven. Wenn es um Bestimmungen zu anderen Kategorien geht (Zusätze zu Adjektiven, Präpositionen etc.), ist es uneinheitlich, ob sie „adverbiell“ oder „attributiv“ genannt werden; siehe unter Attribut (Grammatik) #Attribute in einem weiteren Sinn.
Adverbial und Objekt Verben fordern manchmal eine Ergänzung, die von einer bestimmten Präposition eingeleitet wird, d. h. ein sogenanntes Präpositionalobjekt. Daher können sich Fälle ergeben, wo Adverbiale und Objekte sehr ähnlich aussehen, da es für Adverbiale typisch ist, gleichfalls durch Präpositionen ausgedrückt zu werden: a) Ich warte auf dem Bahnsteig. (Ortsangabe, Adverbial) b) Ich warte auf den Zug. (Präpositionalobjekt) Dass die beiden Verwendungen von „auf“ verschiedene Funktionen haben, zeigt sich unter anderem daran, dass sie sich kombinieren lassen:Vgl. das analoge Beispiel auf S. 64 in: Christian Hinz; Klaus-Michael Köpcke: Präpositionalobjekt und Präpositionaladverbial. Vom Nutzen der Prototypentheorie für den Grammatikunterricht. S. 60–83. c) Ich warte auf dem Bahnsteig auf den Zug. Beim Erfragen eines Präpositionalobjekts kann die Präposition nicht wegfallen, sie muss im Frageausdruck weiter enthalten sein,Unten stehendes Beispiel aus Pittner & Berman (2010), S. 37. genauso wie sonst der Kasus des erfragten Objekts im Fragewort beibehalten werden muss. Hingegen können Adverbiale auch komplett, inklusive der Präposition, durch ein Frageadverb ersetzt werden: d) Ich warte auf dem Bahnsteig. — Wo warte ich? (Adverbial) e) Ich warte auf den Zug. — Worauf warte ich? (Präpositionalobjekt) Die Unterscheidung zwischen Objekten und Adverbialen zeigt sich ferner sehr wesentlich darin, dass beim Präpositionalobjekt die Präposition nicht frei wählbar ist und auch ihre wörtliche Bedeutung nicht aktiv zu sein scheint; das Adverbial kann dagegen beliebige Formen annehmen, solange wie eben die gewünschte Bedeutung vermittelt wird:Vgl. Pittner & Berman (2010), S. 37 f. a)′ Ich warte auf dem Bahnsteig / in der Halle / drinnen / … b)′ Ich warte auf den Zug / ?? in den Zug / ?? für den Zug … Somit zeichnen sich Adverbiale generell dadurch aus, dass sie zwar vom Verb abhängen können, aber dass das Verb bei ihnen keine bestimmte Formeigenschaft verlangt (d. h. keinen Kasus und keine bestimmte Präposition regiert).Gallmann & Sitta (1992), S. 24 f.; Pittner (1999), S. 49; Grammis, IDS Mannheim, Artikel „Adverbiale“
Adverbial, Angabe und Ergänzung
Die Unterscheidung zwischen Angabe und Ergänzung beruht wesentlich auf der Obligatorik von Satzteilen: Angaben sind Satzteile, die immer weglassbar sind, Ergänzungen können obligatorisch sein. Damit verbunden sind die semantischen Funktionen, Modifikator oder Argument zu sein. Der Begriff des Adverbials läuft quer zu dieser Einteilung. Die meisten Adverbiale sind zwar Angaben und Modifikatoren, also weglassbare Beschreibungen von „näheren Umständen“, aber ebenso kann es Adverbiale geben, die von einem Verb zwingend verlangt werden, die also Ergänzungen bzw. Argumente des Verbs sind (es wird nur eben keine bestimmte Formeigenschaft von ihnen verlangt):Siehe z. B. Dudengrammatik (2009), S. 1048 (Abschnitt 1690); Pittner & Berman (2010), S. 47, von wo die folgenden Beispiele stammen. a) Er benimmt sich wie ein Idiot / idiotisch. / # Er benimmt sich. (# andere Bedeutung) b) Sie wohnt in München / sehr ruhig / dort. / ? Sie wohnt. Da schon Adverbial und Angabe zu unterscheiden sind, ist der Begriff des Adverbials ebenso wenig deckungsgleich mit dem Begriff des Adjunktes. Dieser Unterschied zeigt sich am stärksten bei Richtungsadverbialen (z. B. „vom Spielfeld / in die Kabine humpeln“), die keine Adjunkte sind,Duden - Die Grammatik (2009), S. 782: Sie verändern semantische und grammatische Eigenschaften des Prädikats, z. B. evtl. die Wahl des Hilfsverbs (sein statt haben). Siehe auch Pittner (1999), S. 68–74. aber wegen der freien Wahl der Präposition auch keine Präpositionalobjekte sind, also als Adverbiale bezeichnet werden (vgl. weiter unten unter Lokaladverbiale).
Bedeutungsklassen Adverbiale Bestimmungen werden gemäß ihrer Bedeutung traditionell in verschiedene Klassen unterteilt, denen oft auch verschiedene Frageformen bzw. andere Ersetzungen entsprechen. Die Auflistungen in der Literatur unterscheiden sich und sind oft nicht erschöpfend. In nicht wenigen Kurzdarstellungen zu Adverbialen bleiben Satzadverbiale unerwähnt,Sogar auch in dem Lehrbuch von Pittner/Berman 2010, S. 38.„Satzadverbial“ fehlt in der Tabelle der Adverbtypen von Hoffmann (2009) S. 224, anschließend werden einige der dort aufgelisteten Adverbtypen zusätzlich als Satzadverbial bezeichnet, es wird aber auch nicht gesagt, dass diese mehrdeutig seien. – Ludger Hoffmann: Adverb. In: ders. (Hrsg.): Handbuch der deutschen Wortarten. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021507-6, S. 223–264. ohne dass allerdings ihre Zugehörigkeit zur Klasse der Adverbiale bestritten wird.Siehe die ausführlichen Darstellungen in der Dudengrammatik oder in Pittner 1999.
In manchen deutschen Grammatiktraditionen werden „Modalwörter“ oder „Kommentarglieder“ als besondere Klassen von Ausdrücken identifiziert, wogegen als Adverbiale bzw. „Umstandsangaben“ zugleich nur temporale, lokale, „modale“ und kausale Modifikatoren aufgezählt werden. Meist findet sich keine explizite Aussage, ob Modalwörter zu den Satzgliedern zählen sollen oder nicht. Eine Trennung zwischen Satzglied (incl. Adverbial) und Kommentarglied ist teilweise vorgeschlagen worden,Auch in: Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke. (Handreichung für die Kultusministerkonferenz). Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Mannheim 2020, doi:10.14618/kmk_gra_fachausdruecke_2020. S. 32: „4.3.3 Kommentarglied“. kann in der sprachwissenschaftlichen Literatur aber als widerlegt gelten. Karin Pittner: Kommentare zum Kommentarglied. In: Zeitschrift für Germanistische Linguistik, 42-1 (2014). S. 50–57. doi:10.1515/zgl-2014-0007
Untergruppe: Situationsadverbiale SituationsadverbialeDies ist die z. B. in der Dudengrammatik (2009) verwendete Bezeichnung. oder EreignisadverbialeU. a. von Pittner (1999) und Frey (2003) verwendete Bezeichnung. liefern nähere Angaben zu Eigenschaften des vom Verb bezeichneten Ereignisses oder Zustands, einschließlich deren Einordnung in größere Zusammenhänge (z. B. Kausalketten). Ereignisse und Zustände können als eine besondere Art von Gegenstand aufgefasst werden, der genauso hinsichtlich seiner Eigenschaften beschrieben werden kann wie die von Substantiven bezeichneten Gegenstände; es gibt also etliche Parallelen zwischen Attributen zum Substantiv und Adverbialen beim Verb.Siehe den Artikel Ereignissemantik. Einige Haupttypen solcher Adverbiale sind:
Lokaladverbiale (= Umstandsbestimmungen des Ortes) Ort: „Der Wolf lauerte tief im Wald. Der Wolf lauerte dort.“ Weg / Richtung: „Die Wölfe liefen in den Wald. Die Wölfe kamen aus dem Wald.“ Richtungsangaben haben offenbar in der Regel den Status von ArgumentenHierzu z. B.: Pittner (1999), S. 68–74; Duden – Die Grammatik. (2009), S. 781 f. (was der Einstufung als Adverbial aber nicht entgegensteht, siehe oben). Obwohl sie meistens unter den Adverbialen geführt werden, wird manchmal aber auch die Position vertreten, dass es sich eher um Bestandteile eines zusammengesetzten Prädikats handeln könnte.Pittner & Berman (2010), S. 91 zitieren Altmann & Hahnemann 2007 für diese Ansicht im Rahmen des Feldermodells. Siehe auch Haider (2010), S. 191–192 für einen grammatischen Kontrast zwischen adverbiellen PPs und Richtungs-PPs. Fragen: Wo? Wohin? Woher?
Temporaladverbiale (= Umstandsbestimmungen der Zeit) Zeitliche Lage: „Ich wasche mich jeden Morgen. Ich wasche mich dann.“ Dauer: „Er duschte eine halbe Stunde lang.“ Zeitliche Begrenzung: „Er duscht seit einer halben Stunde. Er las, bis ihm die Augen zufielen.“ Fragen: Wann? Seit wann? Bis wann? Wie oft? Wie lange?
Modaladverbiale (= Umstandsbestimmungen der Art und Weise und Ähnliches. Für weitere Beispiele siehe auch unter Modaladverb sowie Modalsatz) Art und Weise: „Ich erreichte das Ziel mit letzter Kraft. So erreichte ich das Ziel.“ Instrument: „Mithilfe einer Schere schneidet Stefan das Bild aus. Stefan schneidet das Bild damit aus.“ Subjekthaltung (Bestimmung einer Einstellung, die das Subjekt zu seiner im selben Satz geschilderten Handlung hat): „Er zahlt widerwillig / gerne seine Steuern.“ Frage meist: Wie?
Kausaladverbiale im weiten Sinne, incl. Finaladverbiale etc. (= Umstandsbestimmungen des Grundes, des Zwecks usw.) Grund (kausales Adverbial): „Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse hatte ich das Schild übersehen. Ich hatte das Schild deshalb übersehen.“ Zweck (finales Adverbial): „Zwecks besserer Sicht setzte ich eine Sonnenbrille auf. Deshalb setzte ich eine Sonnenbrille auf.“ Bedingung (konditionales Adverbial): „Bei schönem Wetter fahren wir morgen ins Freibad. Dann fahren wir morgen ins Freibad.“