Mülsen ist eine Gemeinde in Sachsen. Sie erstreckt sich im Landkreis Zwickau entlang des Mülsenbachs, der ein rechter Zufluss der Zwickauer Mulde ist.

Geografie Geografische Lage mini|Der Mülsenbach in Mülsen St. Micheln Die Gemeinde Mülsen bzw. der Mülsengrund ist ein sehr dicht bebautes Seitental östlich der Zwickauer Mulde und liegt im Südwesten des Freistaates Sachsen im Zwickauer Landkreis. Mülsen gehört zudem zur westlichen Seite des erzgebirgischen Beckens und erstreckt sich auf einer Länge von gut 15 Kilometer. Der zur Gemeinde gehörende Mülsenbach fließt auf einer Länge von 17 Kilometern in nordwestlicher Richtung durch das Tal entlang von acht Ortsteilen des Mülsengrundes und mündet in die Zwickauer Mulde. In weiten Teilen des Mülsengrundes wird Westerzgebirgisch gesprochen.

Geologie Am Rande des erzgebirgischen Beckens überdecken die Mülsner Schichten des Oberrotliegenden große Teile des Unterrotliegenden. Diese Schichten bestehen aus kleinstückigen Konglomeraten. Wenn der Boden im Frühjahr und im Herbst aufgeackert wird, kann man das kräftige Rotbraun dieser feinsandigen, lehmig-tonigen Böden besonders gut erkennen. Diese haben gute bis mittlere Qualität. Da sich die Böden durch die Rotfärbung schneller erwärmen, sind die Bedingungen für ausgezeichnetes Wachstum vorhanden.Charakteristisch für Mülsen und den Mülsengrund sind die schluchtartigen Seitentäler, durch die speziell die linke Talseite geprägt ist. Die Bauern nutzten sie in früheren Zeiten als Niederwald.

Hochwasserschutz Aufgrund der Tallage des Mülsengrundes und dem Verlauf des Mülsengrundbaches durch einen Großteil des Ortes wird auf den Hochwasserschutz zunehmend mehr Gewicht gelegt.

Nachbargemeinden

Gemeindegliederung Am 1. Januar 1999 entstand aus den Gemeinden Ortmannsdorf, Mülsen St. Niclas, Mülsen St. Jacob, Mülsen St. Micheln, Niedermülsen, Stangendorf, Thurm und Wulm die neue Gemeinde Mülsen, die größte Gemeinde Sachsens ohne Stadtrecht; sie gilt auch als „längste“ Gemeinde Sachsens.

Die Mülsener Fluren liegen fast alle in der Trinkwasserschutzzone, daher wird es in dieser Region auch keine größeren Gewerbeansiedlungen geben, so dass die Gemeinde ihre Zukunft unter anderem im Ausbau des sanften Tourismus sieht. Wanderwege sind ausgebaut und ausgeschildert.

Geschichte Die Besiedlung des Tals erfolgte im 12. Jahrhundert. Die Schönburgischen Herrschaften Glauchau, Lichtenstein und Hartenstein, die den Mülsengrund lange beherrschten, unterstanden direkt Kaiser Friedrich Barbarossa. Nach und nach gründeten zugezogene Siedler Waldhufendörfer entlang des Mülsenbachs. Als erstes wird 1212 Ortwinestorf (Ortmannsdorf) erwähnt, Niedermülsen als letztes 1454. Friedrich XI. von Schönburg, Herr zu Glauchau (ersterwähnt 1341, † 1389) und sein Sohn Veit I. (ersterwähnt 1370, † 1422) kauften am 5. April 1382 gemeinsam Lichtenstein und Thurm.Autorenkollektiv, u. a. Helmut Bräuer, Robby Joachim Götze, Steffen Winkler und Wolf-Dieter Röber: Die Schönburger. Wirtschaft, Politik, Kultur. (Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–1991 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau) Glauchau 1990, Kap. „Innungswesen und Manufaktur“ (Steffen Winkler), S. 43.

Im Jahr 1219 ist der Adlige Albertus de Ortwinestorff urkundlich für Ortmannsdorf belegt. Und 1278 Albertus miles dictus de Oertwynster. Daher vermutet man in Ortmannsdorf einen Rittersitz oder eine Burg. Die von Ortmannsdorf scheinen zu einer Gruppe von Adelsfamilien gehört zu haben, die maßgeblich an der Besiedelung des Erzgebirges beteiligt waren.Zwischen Mülsengrund, Stollberg und Zwönitztal (= Werte unserer Heimat. Band 35). 1. Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1981, Mülsengrund S. 56, Ortmannsdorf S. 119

In Mülsen existierte (im 16. Jahrhundert?) ein Vorwerk der schönburgischen Herrschaft Glauchau.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang, Enno Bünz (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Thelem Verlag, Dresden 2010, Anmerkungen zum Rittergut Thurm, S. 95.

Das Rittergut Thurm gehörte grundherrlich zur Herrschaft Glauchau der Herren von Schönburg: Laut einem Glauchauer Amtsbuch aus dem Jahr 1536 (Bl. 22) fallen Ponitz, Mosel und Thurm unter die „Ritterlehen vnd Erbarmannschafft mit yrer folge vnd dynstenn in diese Herrschafft vnd Ampth Glaucha(u) gehorende“.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang, Enno Bünz (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Thelem Verlag, Dresden 2010, Anmerkungen zum Rittergut Thurm, S. 87. Ende des 15. Jahrhunderts saßen die Herren von Weißenbach auf Rittergut und Schloss Thurm. Sie besaßen das Rittergut als schönburgisches Lehen und mussten daher Steuern an die Herrschaft Glauchau abführen.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang, Enno Bünz (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Thelem Verlag, Dresden 2010, Anmerkungen zum Rittergut Thurm, S. 89. Die Obergerichtsbarkeit der Rittergüter Thurm und Mosel lag im 16. Jahrhundert beim jeweiligen Rittergutsbesitzer, obwohl es sich um schönburgische Lehen des Amtes Glauchau handelte. Wegen aller steuerrechtlichen und lehnsrechtlichen Belange durften sich diese Rittergutsbesitzer direkt an den schönburgischen Landesherren in Glauchau wenden. Sie hatten also eine weitgehende rechtliche Freiheit vom Amt Glauchau.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang, Enno Bünz (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Thelem Verlag, Dresden 2010, Anmerkungen zum Rittergut Thurm, S. 96.

+ Herrschaftszugehörigkeit der Mülsener OrtsteileOrtzugehörige HerrschaftZeitraum des schönburgischen BesitzesBemerkungen Ortmannsdorf (Wildenfelser Anteil), Marienau Herrschaft Wildenfels Marienau ist um 1850 entstanden Ortmannsdorf (Hartensteiner Anteil) mit dem Rittergut und Neudörfel (ab 1923: Neuschönburg)niedere Grafschaft Hartenstein 1406–1878 kleiner Anteil Ortmannsdorf (Lichtensteiner Anteil) mit dem Rittergut und Neudörfel (ab 1923: Neuschönburg) Herrschaft Lichtenstein 1286–1878 kleiner Anteil Mülsen St. Niclas, Mülsen St. Jacob niedere Grafschaft Hartenstein 1406–1878 Mülsen St. Micheln, Stangendorf, ThurmHerrschaft Lichtenstein 1286–1878 Niedermülsen, Berthelsdorf und Wulm Herrschaft Glauchau 1256–1878

Zwischen Mülsen und Zwickau-Pöhlau liegt die „Mülsener Höhe“ auf einem Bergrücken, der parallel zum Mülsengrund verläuft, direkt an der Hauptstraße in Richtung Zwickau. Hier erinnert – direkt an einer Wegegabelung – ein Gedenkstein mit Inschrift an Ereignisse der Napoleonischen Kriege. Am 29. Mai 1813 kam es hier zu Kampfhandlungen, als ein französischer Artilleriepark, der auf dem Marsch von Zwickau nach Dresden war, von einem preußischen Streifcorps unter Führung des Rittmeisters von Colomb angegriffen wurde. Die Franzosen flohen oder gerieten in Kriegsgefangenschaft. Die Preußen sprengten deren Munitionswagen und vernagelten die zurückgelassenen französischen Kanonen. Dazu trieb man einen Nagel in das Zündloch, der den Zündkanal zum Hauptrohr versperrte.Steffen Winkler: Totengraben und Franzosengrab (= Sagen und Sagenhafte Erzählungen aus Glauchau und Umgebung, Sonderheft). Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1981, Anmerkungen zu Kampfhandlungen auf der Mülsener Höhe, hier S. 26.Autorenkollektiv: Die Schönburger, Wirtschaft, Politik, Kultur (Broschüre zur gleichnamigen Sonderausstellung 1990–1991 in Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau). Glauchau 1990, Kapitel Das Territorium in Kriegszeiten (Ernst-Günter Lattka), S. 78.

Im Zweiten Weltkrieg existierte vom 27. Januar 1944 bis 13. April 1945 in Mülsen St. Micheln ein Außenlager des KZ Flossenbürg, von dem aus mehr als 1.100 Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit in einem ausgelagerten Zulieferbetrieb der Luftrüstung verrichten mussten. Die Tarnfirma Gross GmbH gehörte zum Erla Maschinenwerk in Leipzig. 198 Menschen verbrannten bei lebendigem Leibe, als SS-Wachmannschaften die Löschung eines Großbrands verhinderten. Ein Aufstand von Häftlingen führte zu weiteren Todesopfern. Im April 1945 wurden die noch vorhandenen Häftlinge auf einen Todesmarsch in Richtung Litoměřice (Leitmeritz) getrieben, wobei 83 von ihnen in Schlema ermordet wurden.Webseite des Denkmals Todesmarsch Mülsen–Eibenstock Ein Teil der Toten wurde exhumiert und in Urnen unterhalb des VVN-Denkmals im Zwickauer Schwanenteichpark bestattet.

Burgstall Wasserburg in Mülsen St. Jacob Direkt südlich an das Kirchenareal anschließend verzeichnen Meilenblätter Grabenreste. Wohl von Wassergräben. Daher vermutet man hier eine frühdeutsche Wasserburg. Urkundliche Belege für einen Rittersitz gibt es keine und bis dato (1981) hatte man hier keine Funde gemacht.Zwischen Mülsengrund, Stollberg und Zwönitztal (= Werte unserer Heimat. Band 35). 1. Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1981, vermuteter Burgstall einer Wasserburg in Mülsen St. Jacob S. 60

Das gedruckte Verzeichnis der geschützten Bodendenkmale im Bezirk Karl-Marx-Stadt von 1983 (Volkmar Geupel) listet die Anlage nicht mit auf.

Burgstall Wahl in Thurm (Mülsen) Ein Meilenblatt (um 1790) verzeichnet im Nordwesten von Thurm eine Wallanlage mit Wassergraben um ein ehemaliges Gut von etwa 75 × 50 m Maßen. Die Anlage wurde als „Wahl“ oder „Schloß“ betitelt. Als Volkmar Geupel die Anlage 1983 in das gedruckte Verzeichnis geschützter Bodendenkmale des Bezirkes Karl-Marx-Stadt eintrug (Schutzstatus besteht seit 18. Januar 1971) war die Anlage oberirdisch unsichtbar da „völlig überbaut“. Es handelt sich offenbar um eine mittelalterliche Wasserburg. Funde wurden bis 1983 hier keine gemacht und urkundliche Quellen existieren dazu keine.

Die Anlage bzw. ihr Standort befindet sich am nordwestlichen Ortsausgang in der Aue des Mülsenbaches. Seit 1599 ist ein Rittergut in Thurm urkundlich belegt.Bodendenkmal Burgstall Wasserburg "Wahl"/"Schloß" in Thurm im Kreis Zwickau-Land S. 82, in Volkmar Geupel: Die geschützten Bodendenkmale im Bezirk Karl-Marx-Stadt. Hrsg. Heinz-Joachim Vogt, Kleine Schriften des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden, Heft 3, Dresden 1983, ISSN 0232-5446

Ehemaliges Vorwerk Neudörfel (Mülsen) Wie ein alter schönburgischer Stammbaum bildlich zeigt, existierte in Neudörfel ein schlossartiges Vorwerk der Herren von Schönburg. 1923 wurde Neudörfel in Neuschönburg umbenannt. 1936 wurde Neuschönburg nach Ortmannsdorf eingemeindet. Das Vorwerk Neudörfel gehörte zur fürstlich Schönburg-Waldenburgischen Herrschaft Lichtenstein. Um 1830/1840 wurde ein Neubau des Vorwerks errichtet. Im Areal des Vorwerks soll sich der Überlieferung nach zuvor ein Kloster befunden haben, von dem sich bis um 1830 eine Kapelle erhalten hatte. Tatsächlich ist eine Kapelle auf der Abbildung des Vorwerks auf einem schönburgischen Stammbaum (um 1760?) zu sehen. Es könnte sich aber auch um eine Gutskapelle handeln.Wolf-Dieter Röber: Unbekannte Ansichten von Schlössern und Vorwerken auf einem schönburgischen Stammbaum (wohl um 1760 entstanden) (= Schriftenreihe des Museums und der Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau. Heft 3). Glauchau 1981, Vorwerk Neudörfel bei Ortmannsdorf S. 22, Abbildung des Vorwerkes S. 39 (Beschreibung und Abbildung des Vorwerkes Neudörfel – bei Ortmannsdorf – der Herren von Schönburg). Von diesen Gebäuden blieb wohl nichts erhalten. Von 1781 bis 1787 war das „Vorwergk … zu Neudörfel“ an Johann Gottfried Müller verpachtet.Wolf-Dieter Röber: Unbekannte Ansichten von Schlössern und Vorwerken auf einem schönburgischen Stammbaum (wohl um 1760 entstanden) (= Schriftenreihe des Museums und der Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau. Heft 3). Glauchau 1981, S. 33, Nr. 53.