Engelberg ist eine politische Gemeinde des Kantons Obwalden in der Zentralschweiz.

Der Ort geht auf die 1120 gegründete Benediktinerabtei Kloster Engelberg zurück und ist eine Exklave des Kantons Obwalden, umgeben von den Kantonen Bern, Nidwalden und Uri. Engelberg ist ein Ort des Sommer- und Wintertourismus.

Geographie mini|links|Blick von Südwesten auf Engelberg

Engelberg liegt 25 km südlich des Vierwaldstättersees und 20 km südlich des Dorfes Stans in einem flachen, weiten Hochtal auf rund 1000 m Höhe. Der Ort ist eingeschlossen zwischen dem Gebirgsmassiv des 3238 m hohen Titlis im Süden und einer Bergkette im Norden, die von den bis zu rund 2800 m hohen Bergen Engelberger Rotstock, Ruchstock, Rigidalstock und den Walenstöcken gebildet wird. Im Osten beherrscht der unmittelbar über dem Ort thronende Hahnen mit 2600 m Höhe das Ortsbild.

Der flache Talboden von Engelberg entstand am Ende der letzten Eiszeit, als ein gewaltiger, vom Titlis her kommender Bergsturz den Talausgang Richtung Nordwesten versperrte. Der daraufhin entstandene natürliche Stausee wurde binnen weniger tausend Jahre durch Geröll und Sand aufgefüllt, die von der Engelberger Aa und ihren Zuflüssen von den benachbarten Bergen herangeführt wurden.Markus Liniger: Die Hinterlassenschaft der letzten Eiszeit. In: Kulturlandschaft – Landschaft und Kultur in Obwalden, 2018. Teil 2: Bergsturz von Engelberg. (PDF 0,5 MB) Heute erinnert nur noch der kleine, für die Elektrizitätserzeugung künstlich regulierte Eugenisee im unteren Ortsteil an den einstigen Gebirgssee. Unterhalb davon stürzt der Bach ins Aa-Tobel, wo die steile Geländestufe bis heute heftiger Erosion und vereinzelten Erdrutschen unterliegt.

mini|hochkant|links|Grafenort im unteren Engelbergertal

Zur Gemeinde Engelberg gehört auch der unterhalb der Aaschlucht im unteren Engelberger Tal in der Nähe von Wolfenschiessen gelegene Flecken Grafenort (Seehöhe 570 m).

Das nördlich des Haupttals abzweigende Horbistal mit dem Bärenbach endet jäh unterhalb einer steil abfallenden Felswand. Diese Stelle trägt den bildhaften Namen End der Welt.

Flussaufwärts setzt sich der Talverlauf der Engelberger Aa Richtung Osten und später nach Nordosten noch rund 15 km bis zum 2292 m hohen Surenenpass fort.

Engelberg hat eine Dreikantonsecke zu Bern und Nidwalden (), eine zu Bern und Uri () und eine zu Nidwalden und Uri ().

Vom gesamten Gemeindegebiet sind nur 3,1 % Siedlungsfläche. Grosse Teile des Gemeindeareals sind mit Gehölz und Wald bedeckt (24,5 %) oder werden landwirtschaftlich genutzt – oft als Alpen (28,5 %). Weit mehr Flächen sind unproduktiv, meist Gebirge (43,9 %).

Klima Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 6,8 °C, wobei im Januar mit −1,7 °C die kältesten und im Juli mit 15,4 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 129 Frosttage und 35 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel rund 17, während im Schnitt ein Hitzetag zu verzeichnen ist. Die Messstation von MeteoSchweiz liegt auf einer Höhe von

Geschichte mini|Blick auf Engelberg (Gemälde von Hubert Sattler) mini|Engelberg um 1895 mini|Blick über die Klosteranlage und einen Teil von Engelberg Richtung Titlis, um 1910 mini|hochkant|Engelberg, historisches Luftbild von 1919, aufgenommen aus 1000 Metern Höhe von Walter Mittelholzer

Wirtschaftlich war die Grundlage des Tales die Landwirtschaft, wobei Engelberg zum sogenannten Hirtenland der Zentralschweiz gehört, wo schon früh der Ackerbau wieder aufgegeben wurde und die gesamte Landwirtschaft auf der Viehwirtschaft und dem Export von Hartkäse, vorwiegend nach Norditalien, beruhte. Deshalb war die landwirtschaftliche Tätigkeit stark durch die Jahreszeiten geprägt, mit Alpauf- und Alpabtrieb und zusätzlicher Mahd zur Gewinnung von Heu für den Winter. Die Engelberger nahmen im Sommer grosse Zahlen an Gastrindern auf, die aus Nidwalden und zum Teil noch darüber hinaus in das Tal zur Übersommerung auf den Alpen getrieben wurden. In den arbeitsärmeren Jahreszeiten betätigten sich viele Talbewohner als Säumer und transportierten den selbst produzierten Käse und andere Güter bis weit nach Italien und trieben gleichzeitig Handel mit italienischen Gütern in die Innerschweiz.

Engelberg war als Zugewandter Ort der Alten Eidgenossenschaft Teil des Heiligen Römischen Reiches. Die politische Herrschaft übte die um 1120 von Freiherr Konrad von Sellenbüren gegründete Benediktinerabtei Kloster Engelberg aufgrund einer königlichen Verleihung aus. So beschreiben es alle rechtshistorischen Werke zur Geschichte der Innerschweiz. Die Bewohner betrachteten ihre Situation ausweislich einer Auswertung der Talprotokolle wesentlich anders. Nachdem die Talbewohner 1531 in der Schlacht bei Kappel mit den Waldstätten gegen Zwingli gekämpft hatten, sahen sie sich selbst als gleichberechtigt mit den Eidgenossen. Auch wenn die Landsgemeinde-Verfassung formal nur in den Waldstätten (ausser Luzern) galt, nahmen die Bewohner des Engelberger Tals die Rechte daraus auch für sich in Anspruch.Die Darstellung der politischen Verhältnisse beruht auf Disch 2012, S. 320ff.

In der Praxis übten die Bürger die politische Herrschaft selbst, in Form verschiedener Gemeindeversammlungen aus. Die Äbte des Klosters waren klug genug, nie auf ihre königlichen Rechte zu pochen, sie hatten alleine durch die Vorherrschaft im Grundbesitz in allen Versammlungen zu Themen, die Grund und Boden direkt betrafen, eine so starke Stellung, dass eine Berufung auf die formale Herrschaft nicht erforderlich war.

Die höchste Versammlung war die Talgemeinde.Disch 2012, S. 322 f. Sie wurde nur bei Bedarf einberufen, in manchen Jahren mehrmals im Jahr, ein andermal lagen mehr als zehn Jahre zwischen zwei Talgemeinden. Auf der Talgemeinde wurden die neun Gerichtsherren des Tales bestimmt, ihre Amtsdauer galt jeweils bis zur nächsten Gemeinde. In schwierigen Fällen konnte die Talgemeinde auch einen Landrat einsetzen, diesem gehörten ausser den Gerichtsherren 18 weitere Talbürger an. Der Landrat war bis zur Erledigung seiner Aufgabe im Amt oder zur nächsten Gemeinde. Ausserdem bestimmte die Talgemeinde den Säckelmeister, der das Talkästli beaufsichtigte. In diesem waren alle Urkunden des Tales niedergelegt, so dass es sich hier um eine ausserordentliche Vertrauensposition, aber ohne eigentliche politische Macht handelte.

Für verschiedene Aufgaben gab es Talgemeindeversammlungen, zu denen nur die jeweils betroffenen gerufen wurden. Darunter fallen die Säumergemeinde aller am Saumhandel beteiligten und die Nachtwächtergemeinden der einzelnen Siedlungskerne. Zur Genossengemeinde wurde alljährlich am Thomastag, dem 21. Dezember gerufen. Hier nahmen nach Abschluss der Almsaison alle Eigentümer und Nutzer der vier Almgemeinschaften im Tal teil, rechneten das vergangene Jahr ab und legten die Grundsätze für die Bewirtschaftung des nächsten Jahres fest.Disch 2012, 323-325

Das mittelalterliche Kloster wurde mehrfach von Bränden zerstört, zuletzt am 29. August 1729 durch Feuerwerk von Studenten, doch ohne Unterbrechung bis heute weitergeführt. Ausserdem suchten die Pest – zuletzt 1628/29 – und politische Streitigkeiten im Hoch- und Spätmittelalter mehrfach das Tal heim. Bei dem Pestausbruch 1628/29 wechselte der Hof Mühlematt innerhalb eines Jahres dreimal den Besitzer, nachdem jeweils die Besitzer Hans und Balz Häcki an der Pest gestorben waren. Bernardin Häcki, ein reicher freier Talbauer, hatte den Hof 1585 für 930 Luzerner Gulden und gegen 2 Plappert jährlichen Bodenzins vom Kloster erworben.Hess 1932, S. 162

mini|Kloster Engelberg

Der Name Engelberg geht auf eine Legende zurück, wonach Engelsstimmen von der Höhe des Berges Hahnen die Gründung der Abtei veranlassten. Der Engel erscheint denn auch im Wappen des Ortes. Die Klostergemeinschaft (bis 1615 als Doppelkloster Mönche wie Nonnen umfassend) wurde zur Keimzelle eines geistlichen Miniaturstaates, welche sich im 13./14. Jahrhundert unter die Schirmherrschaft der Eidgenossen stellte. Sie gründete eine Kloster-, Schreiber- und Malerschule, aus der sich die heutige Stiftsschule Engelberg entwickelte und dem Tal über die Grenzen der Schweiz hinaus Bekanntheit brachte. Mit zunehmenden weltlichen Freiheitswünschen begann das Kloster ab dem 15. Jahrhundert sukzessive gewisse Privilegien abzutreten.

1797–1798 kam es, infolge einer Invasion französischer Truppen, zum Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft. Am 1. März 1798 verzichtete das Kloster auf die Herrschaftsrechte über das Engelberger Tal: es nahm, wie Obwalden, die neue helvetische Verfassung an, die Rechtsgleichheit und Gewaltenteilung vorsah. Nidwalden hingegen leistete Widerstand gegen die neue Staatsform. Es folgte ein Sommer voller Spannungen und Drohungen seitens des Kantons Nidwalden. Der Kanton forderte von der Gemeinde Engelberg vergeblich, sich dem Widerstand anzuschliessen. Dieser wurde im September 1798 durch französische Truppen blutig niedergeschlagen.Katharina Odermatt: Revolution und Realitätssinn, Engelberg-Magazin, Sommer 2012, S. 29 Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig wurde 1813 die neue, von Frankreich geschaffene Verfassung aufgehoben. Einige Kantone, darunter Nidwalden, forderten die Rückkehr zu einer ständisch geprägten Verfassung. 1815 jedoch wurde ein neuer Bundesvertrag beschlossen, dem sich alle Kantone anschlossen – bis auf Nidwalden, das sich, wohl auch unter dem Einfluss des Traumas von 1798, zunehmend radikalisierte. Die Talgemeinde Engelberg beschloss daraufhin die Trennung von Nidwalden und schloss sich im Juli 1815 in einer vorläufigen Vereinbarung dem Kanton Obwalden an. Im August 1815 setzte der Einmarsch von Bundestruppen dem Nidwaldner Widerstand ein unblutiges Ende. Im November 1815 wurde mit dem verbindlichen Einverleibungsvertrag Engelberg endgültig zu einer Obwaldner Exklave.Katharina Odermatt: (Un-)freiwilliger Kantonswechsel, Engelberg-Magazin, Herbst 2012, S. 29

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte der Tourismus ein, der im 20. Jahrhundert zum bestimmenden Wirtschaftsfaktor wurde. Es entstanden mehrere Hotelanlagen sowie ein Kursaal und ein Kurpark. 1898 wurde Engelberg von Stansstad aus mit der Stansstad–Engelberg-Bahn, der ersten elektrischen Zahnradbahn, erschlossen. Diese Öffnung nach aussen drängte auch den sozialen Einfluss des Klosters zurück.

In den 1920er Jahren führte eine landwirtschaftliche Krise zur Auswanderung einiger Familien nach Oberösterreich. 1938 fanden in Engelberg die Alpinen Skiweltmeisterschaften statt.

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Die Einwohnerzahl der Gemeinde wuchs zwischen 1709 und 1850 stark an (1709–1850: +156,2 %). Grund hierfür war ein starker Geburtenüberschuss. Zwischen 1850 und 1860 kam es zu einer ersten Abwanderungswelle (1850–1860: −4,1 %). 1870 war die Bevölkerungszahl wieder auf der Höhe von 1850. Der aufkommende Tourismus sorgte für einen Bevölkerungsanstieg in den 1870er-Jahren. Danach folgten zwei Jahrzehnte des Stillstands. Vor dem Ersten Weltkrieg kam es zu einem grossen Anstieg der Einwohnerschaft (1900–1910: +22,6 %). Der Bau der Stansstad–Engelberg-Bahn (Eröffnung der Linie 1898) und der einsetzende Wintertourismus (ab 1903) führten dazu. Die Krise des Fremdenverkehrs führte dann zu einem zweiten Bevölkerungsrückgang (1910–1920: −4,5 %). Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1980 folgte eine starke Wachstumsphase (1941–1980: +23,0 %). Nach einer Stagnationsphase in den 1980er-Jahren hat ein starker Bevölkerungsanstieg eingesetzt (1990–2020: +41,8 %).

Grund für den Anstieg waren die Verbesserung des Angebots des Öffentlichen Verkehrs (ab 1964 direkte Zugverbindung von Luzern nach Engelberg) und der Bau der A2.

Bevölkerungsentwicklung von Engelberg seit 1709. Quellen: lokale und kantonale Volkszählungen, Eidgenössische Volkszählungen (1850–2000), Bundesamt für Statistik (2010 und 2020)

Sprachen