Das Phoebuskartell (auch bekannt als Glühlampenkartell, ehem. Glühbirnenkartell) war ein Gebiets-, Normen- und Typenkartell, das am 15. Januar 1925 in Genf von den international führenden Glühlampenherstellern gegründet wurde. Ziel des Kartells waren Absprachen zum Austausch von Patenten und technischen Informationen sowie die Aufteilung des Weltmarktes für Glühlampen unter den Beteiligten.

Bekannt wurde das Kartell in neuerer Zeit durch die Absprache zur Begrenzung der Lebensdauer von Glühlampen auf 1000 Stunden zugunsten höherer Verkaufszahlen. Das Kartell existierte nachweislich bis mindestens 1942. Der Name leitet sich von der 1925 in Genf eingetragenen Firma ab, an der die Kartellmitglieder Anteile gemäß ihren Marktanteilen hielten.Phoebus SA., Compagnie Industrielle pour le Développement de l’Eclairage (Genève), Statuten und Geschäftsordnung, 1926, Genf

Regulierungen durch das Kartell Standardisierung der Lebensdauer

Eine der zentralen Übereinkünfte des Kartells war eine Standardisierung der Lebensdauer von Glühlampen auf 1000 Stunden. Um die Brenndauer der Glühlampen zu reduzieren und den Standard zu überwachen, wurde ein erheblicher technischer Aufwand betrieben.Deutschlandradio Kultur: Der profitable Tod der Glühbirne, abgerufen am 29. August 2014

Die Standardisierung der Lebensdauer durch das Kartell wird oftmals als Beispiel für geplante Obsoleszenz in der Industrie angeführt. Allerdings existiert unabhängig davon ein Zielkonflikt zwischen den Parametern Lebensdauer Helligkeit und Stromverbrauch. Die Parameter Helligkeit und Stromverbrauch müssen zulasten des Parameters Lebensdauer optimiert werden.

Die Standardisierung der Lebensdauer führte, so die Argumentation des am Kartell beteiligten Glühlampenherstellers Osram, zu einem faireren Wettbewerb und größerer Transparenz bei Kaufentscheidungen. In internen Schreiben führten die beteiligten Firmen auch höhere Verkaufszahlen als Argument für eine niedrigere Lebensdauer an.

Während die meisten der bis zum Glühlampenverbot erhältlichen Standardglühlampen nicht länger als durchschnittlich 1000 Betriebsstunden hielten, werden für Spezialanwendungen wie Verkehrsampeln Lampen mit erhöhter Lebensdauer produziert,Datenblatt der OSRAM SIG 1541 LL (PDF; 127 kB) die jedoch etwa nur die halbe Lichtausbeute gegenüber Allgebrauchslampen haben (380 lm gegenüber 730 lm).Krypton-Allgebrauchsglühlampe: 60 W, 730 lm (12 lm/W), 1000 h Umgekehrt gibt es z. B. Fotolampen, die eine erhöhte Lichtausbeute und Farbtemperatur haben, dafür aber eine für allgemeine Beleuchtungszwecke inakzeptabel geringe Lebensdauer aufweisen. (Vgl. auch diese Grafik im Artikel Glühlampe; Lebensdauer.)

Sonstige Absprachen Neben der Standardisierung der Lebensdauer wurden Wissenstransfer und uneingeschränkter Patentaustausch zwischen den Mitgliedsfirmen beschlossen sowie eine Abgleichung der Produktionsmethoden und Vereinheitlichung von Lampenfassungen und -Sockeln. So setzte das Kartell die heute noch weltweit einheitlichen Lampensockel E27 und E14 durch.

Zusätzlich teilte man den weltweiten Markt in Untermärkte auf, die lokal begrenzt waren (Gebietskartell). Jedem der Teilnehmer wurde ein „Heimmarkt“ zugestanden, in dem er, ohne die Konkurrenz der anderen Teilnehmer befürchten zu müssen, seine Produkte vertreiben konnte. Dies war effektiv, da die Mitgliedsfirmen des Phoebuskartells auf dem Weltmarkt zu dieser Zeit einen Marktanteil von über 80 % besaßen. So konnte jeder der Teilnehmer fast ohne nennenswerte Konkurrenz seine Produkte verkaufen, weshalb jeder die Preise auch fast nach Belieben ansetzen konnte.

Die Einhaltung der zugewiesenen Kontingente wurde intern ebenso streng überwacht wie die Beachtung der festgesetzten Produktlebensdauer; bei Zuwiderhandeln drohten finanzielle Sanktionen. Eine Tabelle aus dem Jahr 1929 etwa listet exakt auf, wie viele Schweizer Franken eine Firma zu bezahlen hatte, deren Lampen die 1000-Stunden-Grenze überschritten, gestaffelt nach Höhe der darüber hinausgehenden Leuchtdauer.Dokumentarfilm von Cosima Dannoritzer, Kaufen für die Müllhalde, 75 Minuten, 2010. Online bei Youtube

Auflösung Nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg im Jahr 1941 verschwand das Kartell offiziell.

Während der frühere DDR-Glühlampenhersteller Narva versuchte, die Glühfäden für langen Einsatz zu optimieren, forschte man im Westen weiter an der Begrenzung der Lebensdauer. Die Folge war, dass eine Glühlampe von Osram im Durchschnitt 750 Stunden brannte, während Narva Lampen mit 1500 Stunden Lebensdauer herstellte.DiePresse.com: Der geplante Defekt, 29. August 2014

Rechtslage Im Oktober 1942 erhob die US-Regierung Anklage gegen General Electric und andere beteiligte Unternehmen wegen illegaler Preisabsprachen und unlauteren Wettbewerbs., Verbraucherzentrale Sachsen, 3. Mai 2012 Nach einem elf Jahre dauernden Rechtsstreit wurde General Electric 1953 verurteilt und unter anderem die Reduzierung der Lebensdauer von Glühlampen verboten; zu einer geforderten Strafzahlung kam es jedoch nicht.Hardware mit Verfallsdatum, Focus, 2. Januar 2013

Nach heutiger Rechtslage gilt dieses Kartell in Deutschland als ausnahmslos verbotenes Gebietskartell (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen). Das Bundeskartellamt begründet das Verbot durch das generelle Verbot von Kartellen. Dieses kann nur in einigen Ausnahmefällen auf eine Prüfung der möglichen Kartellteilnehmer hin und nach Anhörung aller Beteiligten genehmigt werden. Ein Gebietskartell ist in jedem Fall illegal, da es Unternehmen in ihrem Recht beschneidet, in jeden beliebigen Markt einzusteigen, andere Marktteilnehmer benachteiligt, da sie nach wie vor mit allen anderen Teilnehmern konkurrieren müssen und auf den neu entstandenen Untermärkten überhöhte Preise zu befürchten sind.

Mitglieder des Phoebuskartelles Am Phoebuskartell waren alle seinerzeitigen großen internationalen Hersteller von Glühlampen beteiligt, beispielsweise: Associated Electrical Industries (Nachfolger von Thomson-Houston) Compagnie des Lampes ELIN (Mitglied im Jahr 1939)Rechts- und Eigentumsform (1938–1945), darin Geschäftsbericht der ELIN Aktiengesellschaft 1939. Bestimmt für die einundvierzigste ordentliche Generalversammlung am 24. Juli 1940, Wien 1940, Selbstverlag der Gesellschaft; Web-Seite abgefragt am 2. Oktober 2011 General Electric CompanyStefan Schridde und Christian Kreiß: Geplante Obsoleszenz: Entstehungsursachen, Konkrete Beispiele, Schadensfolgen, Handlungsprogramm. Gutachten im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Online: . Seite 13. Osram Philips Radium Lampenwerk Tungsram Johann Kremenezky (Mitbegründer des Kartells)

Siehe auch Kaufen für die Müllhalde – Mehrfach preisgekrönter Dokumentarfilm von Cosima Dannoritzer mit Recherchen über das Phoebuskartell Centennial Light – hundertjähriges Licht, gilt als die langlebigste Glühlampe der Welt

Literatur Cosima Dannoritzer, Jürgen Reuß: Kaufen für die Müllhalde. Das Prinzip der geplanten Obsoleszenz. orange-press, Freiburg 2013. ISBN 978-3-936086-66-9. Markus Krajewski: Im Schlagschatten des Kartells. Anmerkungen zu Byron der Birne In: Bernhard Siegert, Markus Krajewski (Hrsg.): Thomas Pynchon. Archiv – Verschwörung – Geschichte, Band 15 von [me:dien^i], herausgegeben von Claus Pias, Lorenz Engell, Joseph Vogl, VDG, Weimar 2003, S. 73–107, ISBN 978-3-89739-367-7. Markus Krajewski: Vom Krieg des Lichtes zur Geschichte von Glühlampenkartellen. In: Peter Berz, Helmut Höge, Markus Krajewski (Hrsg.): Das Glühbirnenbuch. Edition Selene, Wien 2001, S. 173–193, ISBN 3-85266-109-9; Neuauflage: Braunmüller, Wien 2011, ISBN 978-3-99100-038-9. 100 Jahre OSRAM, Firmenschrift 2006 (PDF; 4,66 MB), S. 33–34.

Weblinks

www.metze-research.com (PDF; 74 kB) taz.de: Verehrt, verraten und verglüht The Phoebus Light Bulb Cartel in EU and the USA Geschichten aus der Geschichte: GAG343: Phoebus und die geplante Obsoleszenz (Podcast)

Einzelnachweise

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