Moishe Arye Friedman (* 17. Februar 1972 in Brooklyn, New York City) ist ein US-amerikanischer, in Antwerpen (Belgien) lebender ultraorthodoxer Jude und Antizionist, dem Holocaustleugnung, Betrug und Titelfälschung vorgeworfen werden.

Friedman gibt an, Oberrabbiner einer strenggläubigen „Antizionistischen Orthodoxen Jüdischen Gemeinde Wiens“ zu sein. Da er jedoch kein Rabbinerdiplom besitzt, wird er von Kritikern als „Rabbinerdarsteller“ bezeichnet,Karl Pfeifer: Ein revisionistischer Rabbinerdarsteller in Teheran. Gastbeitrag im Blog „Lizas Welt“, 16. Dezember 2006Kultusgemeinde: Moishe Friedman ist kein anerkannter Rabbiner, Artikel auf derstandard.at vom 24. Dezember 2006, abgerufen am 3. Juli 2020 die Gemeinde als „ein behördlich nicht anerkanntes Ein-Mann-Unternehmen“.

Familie Moishe Arye Friedman wurde als ältester Sohn einer Familie der jüdischen Satmar-Gemeinde in Brooklyn, New York, geboren. Sein Vater war ein Geschäftsmann und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland geboren. Seine Mutter stammt aus Brooklyn. Seine Großeltern väterlicher- und mütterlicherseits waren Überlebende des Holocaust. Seine Jugend verbrachte er in Williamsburg (Brooklyn, New York).Brenda Gazzar, in: The Jewish Week, (PDF; 68 kB) Er ist verheiratet mit Lea Rosenzweighttps://www.timesofisrael.com/anti-zionist-rabbi-finds-himself-and-family-embroiled-in-belgian-spy-scandal/ und Vater von acht Kindern.Prof. Dr. Henri Rosenberg, Puntjes op de “i”, 31. Juli 2013, abgerufen am 3. September 2013.

Leben Friedman versuchte mehrfach, eine eigene offiziell anerkannte antizionistische Gemeinde als Konkurrenz zur Wiener Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) zu errichten, dies gelang ihm jedoch nicht.Gefahr einer Spaltung? auf haGalil, 27. Dezember 2001, abgerufen am 16. September 2008. Seine „Orthodoxe Jüdische Gemeinde Wien Österreich“ wird weder vom österreichischen Staat noch von der Mehrheit der jüdischen Gemeinschaft Österreichs oder der Israelitischen Kultusgemeinde Wien anerkannt.Artikel „Moshe Arieh Friedmann“ auf haGalil, 14. Dezember 2006, abgerufen am 16. September 2008. Er hat Hausverbot in allen Räumlichkeiten der IKG Wien.

Friedman lebte einige Zeit im belgischen Antwerpen, verließ jedoch das Land nach einem Privatkonkurs. In der Folge ging er nach Wien, wo er sich im Jahr 2000 rechtswidrig in den Besitz des jüdischen Bethauses in der Lorbeergasse 9 brachte und dabei zwei Torarollen entwendete, die im Jahr 2002 als vermisst gemeldet wurden.gemäß dem Urteil des Bezirksgerichtes Innere Stadt Wien von April 2005, Aktenzahl 36 R 185/02a vom 21. April 2005. Bei einer Hausdurchsuchung im November 2007 konnten in Friedmans Wohnung die zwei wertvollen Torarollen sichergestellt werden.Pressemitteilung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, 19. November 2007, abgerufen am 19. November 2007. Nachdem Oberrabbiner Eisenberg sowie sämtliche anderen Rabbiner Wiens Friedmans Verhalten verurteilten, versuchte Friedman, eine eigene jüdische Gemeinde zu gründen. Mangels Mitgliedern wurde die „Antizionistische Orthodoxe Jüdische Gemeinde“ jedoch nicht behördlich anerkannt.

2003 unterstützte Friedman den CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann nach dessen als antisemitisch kritisierter Rede zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2003. Im Juli 2004 veranstaltete die Neturei Karta in Wien eine „internationale antizionistische Rabbinerkonferenz“, auf der Friedman die Eröffnungsrede hieltMoishe Friedman. Eröffnungsrede von Oberrabbiner Friedman, 1. Juli 2004, abgerufen am 16. September 2008. und an der auch Hohmann als Redner teilnahm.

Im Februar 2006 nahm Friedman an einer von der iranischen Regierung organisierten internationalen Konferenz in Isfahan über den Mohammed-Karikaturenstreit teil.Moishe Friedman. Rede von Rabbi Friedman bei der Int. Conference Esfahan Iran Er sagte dort unter anderem: „Wir beten auch für ein unblutiges Ende des Staates Israel, damit Juden und Moslems im Nahen Osten wieder in Frieden zusammenleben können, wie sie es jahrhundertelang getan haben.“

Am 21. Oktober 2006 war er Redner auf der Al-Quds-Tag-Demonstration in Berlin, unter anderem auf der Abschlusskundgebung.Muslim-Markt interviewt Oberrabbiner Moische Arie Friedman bei der Kundgebung „Tag von Jerusalem“ am 21. Oktober 2006 in Berlin

Friedman nahm an der von der iranischen Regierung organisierten Holocaustleugnungskonferenz in Teheran 2006 teil, auf der er bezugnehmend auf den Holocaust behauptete, „dass die Drahtzieher hinter den Kulissen sowie einige Kriegsverbrecher selbst Zionisten gewesen sind“. Auch wurde er mit dem Ausspruch zitiert, der Holocaust sei „eine erfolgreiche Fiktion“.Holocaust-Konferenz in Teheran – Rede von Moshe, abgerufen am 10. Dezember 2012. Nach Angaben der Jerusalem Post war er mit der Teheraner Delegation gereist, gehörte aber nicht der Neturei Karta an. Infolge der Kritik an ihrer Teilnahme erklärte die Organisation:

Seitdem wird Friedman von verschiedenen Seiten Holocaustleugner genannt.Fathi, Nazila. „Israel Fading, Iran’s Leader Tells Deniers Of Holocaust“. In: The New York Times, 13. Dezember 2006, abgerufen am 29. Mai 2008., In: Jerusalem Post, 12. März 2007, abgerufen am 29. Mai 2008.Tait, Robert. „Holocaust deniers gather in Iran for ‘scientific’ conference“, The Guardian, 12. Dezember 2006, abgerufen am 29. Mai 2008. „Moshe Arye Friedman, an Austrian rabbi, argued that the figure of six million Jewish dead had come from a prophecy by Theodore Herzl, founder of modern Zionism, long before the second world war. He said recent research suggested the true figure was about one million.“Boycott Jews who attended Iran conference, top rabbi urges, CBC, 14. Dezember 2006, abgerufen am 29. Mai 2008. „Metzger said. ‚To deny the most sensitive issue in Jewish history, and to co-operate with the Hitler of our day? One of those men introduced himself as the chief rabbi of Austria — and he’s not even a rabbi.‘“

Friedman selbst meint, dass seine Meinung in der Presse völlig falsch dargestellt wird, und nennt es „eine Lüge“.Niederländisch: „een leugen“: Jan Heuvelmans; Douglas De Coninck, auf politics.be wo als Quelle genannt wird: PagiA-nieuwsgaring, Media Services (www.mediaservices.be)

In der Folge wurde er am 11. Januar 2007 von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien „wegen grob schädigenden Verhaltens, insbesondere seiner Kontakte zu geschichtsrevisionistischen, antisemitischen Kreisen, und einschlägiger Äußerungen“ ausgeschlossen und bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen des Verdachtes des Verstoßes gegen § 3 g und § 3h Verbotsgesetz (nationalsozialistische Betätigung und Verharmlosung des nationalsozialistischen Völkermordes) erstattet.IKG Wien: (PDF; 7,9 MB). In: Die Gemeinde. Ausgabe Nr. 594, Januar 2007, S. 20.

Bei einem Besuch in Polen im März 2007 kam es zu einem tätlichen Angriff auf Friedman vonseiten Yehuda Meshi-Zahavs, Mitbegründer der israelischen ZAKA-Organisation, und zweier weiterer Personen, die ihn als Teilnehmer der Teheraner „Holocaust-Konferenz“ erkannten.Anti-Zionist Rabbi Beaten by Jews in Poland for Attending Holocaust Denial Conference in Iran

Seit Ende 2011 wohnt er wieder in Antwerpen. Dort versuchte er, seine Kinder in einer jüdischen Schule unterrichten zu lassen. Nach einigen gescheiterten Versuchen konnte er eine einstweilige Verfügung erwirken, die jüdische Schulen unter Androhung hoher Geldstrafen zwingt, Friedmans Kinder zu unterrichten. Diese einstweilige Verfügung wurde jedoch in der nächsten Instanz revidiert. Im Juni 2013 entschied ein belgisches Berufungsgericht endgültig, dass die jüdischen Schulen verpflichtet sind, Friedmans Kinder aufzunehmen, da die politischen Ansichten des Vaters die Behandlung der Kinder nicht beeinflussen dürften.

Im März 2013 wünschte Friedman, dass eine neun Jahre alte polizeiliche Untersuchung wegen eines Mordfalls erneut eröffnet würde. Friedman behauptete, dass Moshe Yitzchak Naeh von der „jüdischen Mafia“ ermordet wurde.Het Nieuwsblad, 6. März 2013, Controversiële rabbijn wil heropening moordzaak

Rabbi Pinkas Kornfeld, Vizepräsident des flämischen Forums der jüdischen Organisationen (Vlaams Forum der Joodse organisaties), meint dazu, dass Friedman ein Unruhestifter sei, der nur dem Ruf seiner Gegner schaden möchte.Behadrey Haredim, 8. März 2013, Moshe Aryeh Friedman blames: Community leaders of Antwerp murdered an avrech nine years agoCnaan Lipshiz, in: Jewish Telegraphic Agency (JTA), 11. März 2013, Antwerp Jewish leader dismisses outcast Friedman’s murder-coverup-allegations

Einzelnachweise

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