Call-in-Gewinnspiele (auch Quiz-TV bzw. Quiz-Radio) sind im Rundfunk gesendete Gewinnspiele, bei denen Zuschauer beziehungsweise Zuhörer über Telefonmehrwertdienste an Rate- oder Quiz-Spielen teilnehmen können. Call-in-Sendungen gehören zum interaktiven Fernsehen. Call-in-Gewinnspiele sind Glücksspiele, die, gemäß der aktuellen Rechtsprechung, aufgrund des relativ geringen Einsatzes nicht unter das Glücksspielmonopol im Sinne des StGB (Unerlaubte Veranstaltung eines Glücksspiels) fallen. Das Call-in-Konzept wird auch auf andere Mehrwertdienste angewendet, wie z. B. Esoterik („Lebensberatung“ genannt), wie z. B. Spirit TV.

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Bis 2011 Anfänglich wurden diese Call-in-Gewinnspiele in Deutschland von RTL II (Call-tv), dann von dem darauf spezialisierten Fernsehsender 9Live angeboten. Mittlerweile hatten weitere Fernsehsender (u. a. Sat.1, ProSieben, kabel eins bis 2011, sowie Sport1, Das Vierte, Tele 5, bis 2008 NICK, Comedy Central und VIVA und bis 2007 die Sender der RTL Group) das Format meist in der Nachtschiene übernommen. Von Juni bis Dezember 2003 war auch der umstrittene baden-württembergische Sender BTV4U als spezialisierter Call-in-Gewinnspiel-Sender sehr erfolgreich und entwickelte zahlreiche neue Call-in-Varianten. Viele frühere BTV4U-Mitarbeiter arbeiteten anschließend für 9Live, Sonnenklar TV und die Mass Response Service in Wien.

Auch für den Hörfunk haben so genannte telefonische Mehrwertdienste in Verbindung mit Gewinnspielen als zusätzliche Einnahmequelle an Bedeutung gewonnen. Nur auf den ersten Blick handelt es sich um Geschicklichkeitsspiele. Da der Zufall eine wesentlich größere Rolle spielt, handelt es sich einem Urteil des Landgerichts Freiburg zufolge – auf Grund des geringen Einsatzes – um legale Glücksspiele.mehrwertdiensteundrecht.de:

In der Schweiz sind Gewinnspiele nur dann erlaubt, wenn die Teilnahme an den Gewinnspielen auch auf einem Weg möglich ist, der dem Wettbewerbsveranstalter kein Geld einbringt. In der Schweiz kann der Zuschauer deshalb auch zum Beispiel kostenlos über Internet, WAP oder per Postkarte mitmachen. In der Schweiz lief die Sendung Swissquiz und Swissquiz 2Night parallel auf den Kanälen Star TV, 3+, VIVA Schweiz und U1 TV tagsüber und in der Nacht während mehrerer Stunden. Die Sendungen wurden von der mass response Service GmbH in Wien produziert. Der Sender Star TV übernahm während einiger Zeit in der Nacht das Programm von 9Live. Nach einem kritischen Bericht der Sendung Kassensturz im Schweizer Fernsehen im Jahre 2010 sind praktisch alle Call-in-Sendungen in der deutschsprachigen Schweiz verschwunden.

In Österreich gibt es – neben den aus Deutschland stammenden oben genannten Sendern – auf ATV und Puls 4 eigene Call-in-Gewinnspiele. 2005 hatte auch der ORF eine entsprechende Sendung in der Nacht, stellte diese aber nach Protesten wieder ein., IRIS Merlin 2005-6:8/12

Seit 2004 produzierte 9Live für die Sender Channel 4 und später für Five aus Großbritannien. Mitte September startete 9Live ein vierstündiges Programmfenster von 21:30 Uhr bis 01:30 Uhr auf dem arabischen Fernsehsender mLive. Der Sender strahlte sein Programm via Eutelsat und Arabsat in mehr als 22 Länder aus (u. a. Syrien, Jordanien, Irak, Kuwait, Tunesien, Marokko, Ägypten, Algerien).mlive.tv: (englisch)

Am 31. Mai 2011 fand auf dem Sender 9Live die letzte Spielshow statt, bevor der Sender den Live-Betrieb aus dem Studio beendete. Gleichzeitig gab die ProSiebenSat.1 Media AG die Produktion von Call-in-Quizformaten für ihre Programme auf. Bis zum 9. August 2011 sendete 9Live Wiederholungen von deutschen und US-amerikanischen Serien, bevor der Sender endgültig abgeschaltet wurde. Außer im digitalen Kabel wurde der Sender auf seiner Frequenz durch „sixx“ ersetzt. Wegen zurückgehender Einnahmen in allen Call-in-Shows verschwanden diese auch allmählich aus dem deutschen Fernsehen.

Seit 2011 Nach dem Ende von 9Live gab es ursprünglich nur das Sport Quiz auf Sport 1, das montags bis freitags von 8:30 bis 11:30 Uhr sowie samstags gesendet wurde. Seit 2015 gab es zudem Nachtausgaben, welche 2016 die Vormittagsausgaben komplett ersetzten. Danach wurde die Sendung sehr unregelmäßig ausgestrahlt, vorwiegend an Feiertagen. Seit Juni 2021 wurde die Sendung wieder regelmäßig in der Nacht ausgestrahlt, bis sie am 26. Dezember 2022 komplett eingestellt wurde. Mit einer Laufzeit von 19 Jahren war sie die längste Call-In-Show im deutschen Fernsehen. Das Cashquiz, welches unter anderem auf Radio Energy ausgestrahlt wird, ist somit die einzige, noch aktiv laufende, Call-In Sendung in Deutschland.

Vom 19. Dezember 2012 bis zum Sendeschluss im Jahr 2013 gab es auf dem Sender FTL Deutschland Call-in-Formate.Call-in auf FTL TV, citv.nl, abgerufen am 10. April 2015. Im Jahr 2014 gab es zwei weitere Call-in-Sendungen auf dem österreichischen Sender Hallo TV und auf dem Schweizer Sender Star TV, die aber nach kurzer Zeit eingestellt wurden. Von September 2013 bis Mai 2018 wurde auf dem österreichischen Volksmusik- und Schlagersender Folx Music Television täglich das sogenannte „Folx Quiz“ ausgestrahlt.Homepage der Sendung Folx Quiz, abgerufen am 11. Juni 2021 Von Frühling bis Sommer 2021 lief dort das Nachfolgeformat „Deine Chance Show“., abgerufen am 11. Juni 2021 Vom 8. Dezember 2018 bis zum 9. Februar 2019 wurde auf dem, zur freenet AG gehörigen, Sender freenet shopping die Sendung „Geldregen“ ausgestrahlt.Homepage der Sendung Geldregen vom 6. März 2019, abgerufen am 13. November 2020 Von Oktober bis Dezember 2020 wurde diese Sendung unter gleichem Namen auf dem Sender 4+ in der Schweiz übertragen.Homepage der Sendung Geldregen am 15. November 2020, abgerufen am 11. Juni 2021

Teilnahme und Kosten Unabhängig davon, ob Anrufer zum Moderator durchgestellt oder ob sie nur auf eine Bandansage geleitet werden, bezahlen sie bei den einschlägigen deutschen Sendern 0,50 Euro pro Anruf aus dem Festnetz der Deutschen Telekom oder 0,70 Euro pro Anruf aus Österreich. Der Sender verdient damit pro Anruf mindestens 0,25 Euro bis maximal 0,32 Euro.mwl.t-com.de:

Obwohl das Anrufen nur Personen ab 18 Jahren erlaubt ist, darf der Sender sein Programm auch tagsüber zu jugendschutzrelevanten Zeiten ausstrahlen. Eine altersbezogene Zutrittskontrolle, wie sie bei Spielhallen und Spielcasinos vorgeschrieben ist, findet nicht statt. Aus technischer Sicht wäre eine Zugangskontrolle auf das TV-Spielangebot durch Zugangsberechtigungssysteme möglich (vgl. Jugendschutz-Zugangskontrolle beim Bezahlfernsehsender Sky).

Gewinnspieltypen Den möglichen Geldpreisen von mehreren 100 Euro bis einigen 1000 Euro steht der Einsatz in Form eines erhöhten Verbindungsentgelts für einen Telefonanruf oder eine SMS über eine Mehrwertdienstnummer gegenüber.

In der Vergangenheit wurden im Fernsehbereich häufig verschiedene, auf den ersten Blick einfache Rätselvarianten mit Schautafeln oder eingeblendeten Standbildern („Zählen Sie alle Tiere“) vorgestellt, deren Lösungswege aber mitunter kaum nachvollziehbar waren. Dies rief die Landesmedienanstalten auf den Plan, die die Veranstalter zur Erstellung und vor allem zur Einhaltung einer Selbstverpflichtung drängten. In der Folge ging die Entwicklung teilweise hin zu eigentlich leicht lösbaren Rätseln, die aber auf den ersten Blick schwierig erscheinen und vom Moderator auch entsprechend dargestellt werden.

Oft zu finden sind auch Spiele, bei denen die Zuschauer Wörter erraten sollen, die einen vorgegebenen Wortteil (z. B. „Box…“) gemeinsam haben. Die zu Beginn erratenen Begriffe (Bsp.: Boxfan, Boxkampf) unterscheiden sich dabei häufig vom Rest der gesuchten Lösungen, die oftmals ungebräuchlichere, teilweise nicht einmal im Duden vorkommende Wortzusammensetzungen sind (Bsp.: Boxbehörde, Boxamt, Boxerschmiere, Boxhochburg, Boxboom, Boxgarde, Boxgeburtstagstorte).

Bei Spielen, bei denen aus einer bestimmten Menge vorgegebener Buchstaben ein gesuchtes Wort gebildet werden muss, sind die Buchstaben nicht selten so angeordnet, dass beim einfachen Lesen Zeile für Zeile von rechts nach links ein vermeintlich bekanntes Wort entsteht, das jedoch falsch geschrieben ist oder einen Neologismus darstellt und deshalb nicht als Lösung zulässig ist.

In Rechenaufgaben sind je nach Aufgabenstellung auch römische oder ausgeschriebene, rückwärts zu lesende Ziffern zu berücksichtigen.

Zuschauermotivierung Moderatoren, wie bei 9Live die aus Big Brother bekannten Alida-Nadine Kurras oder Jürgen Milski, haben die Aufgabe, die Zuschauer zum Anrufen zu motivieren.

Sie animieren unter anderem durch lautes Rufen und Suggestion von hohen Gewinnwahrscheinlichkeiten von mitunter sehr hohen Geldsummen zu kostenpflichtigen Anrufen. Die eigentlichen Gespräche mit den Anrufern führen die Mitarbeiter im Call-Center des Senders.

Chancen Nur selten gelingt es einem Anrufer, einen hohen Preis zu gewinnen, da zwar immer eine Chance auf Teilnahme besteht, diese aber denkbar gering ist und teilweise die Rätsel kaum durchschaubar sind (vgl. oben). Bei den höheren Gewinnen werden nicht selten über mehrere Stunden keine Anrufer durchgestellt. In der Regel hört man eine Ansage wie zum Beispiel:

Eine vermeintlich höhere Chance auf Teilnahme wird suggeriert, indem angeblich mehrere Telefonleitungen gleichzeitig „freigeschaltet“ werden. Dabei bleibt häufig unklar, wie viele Leitungen es insgesamt gibt oder dass diese Leitungen nur zu einem bestimmten Zeitpunkt freigeschaltet sind.

Die Verbraucherzentrale hat ermittelt, dass bei 9Live jeder 25. Anrufer die Chance erhielt, Namen und Telefonnummer zu nennen, um später am Quiz in der Sendung teilzunehmen.

Heute wird üblicherweise auf den Spielmodus Leitungs-Hotbutton zurückgegriffen. Hierbei soll der Anrufer beim Treffen einer bestimmten „Leitung“ unmittelbar mit dem Moderator verbunden werden. Die Wahrscheinlichkeit, eine der freigeschalteten Leitungen zu treffen, ist jedoch gering. Als einziger deutschsprachiger Sender informierte Tele 5 in einem Laufband über die tatsächliche Wahrscheinlichkeit und beziffert diese mit 1:10.000 bis 1:300.000.

Kritik Die beworbene Gesamtgewinnsumme wird oftmals nur ausgespielt, wenn ein zusätzliches Glücksspiel gewonnen wird. Die Chancen hierzu liegen meist im Promillebereich. Die Sender verzichteten bis zur Selbstverpflichtung im Jahre 2007 (siehe oben) im Normalfall auf jegliche Erläuterung des korrekten Lösungswegs. Durch anscheinend willkürlich eingeblendete „Countdowns“ wird suggeriert, dass mit Ablauf derselben ein Anrufer gewinnt. Das Spiel läuft in Folge jedoch meist weiter, indem weitere „Countdowns“ eingeblendet oder „Jackpot-Gewinne“ zugesichert werden. Durch verschiedene Ansagen der Moderatoren wird der Eindruck erweckt, dass aktuell niemand beim Sender anrufe und deshalb die individuellen Gewinnchancen erhöht seien. So hat z. B. die rheinland-pfälzische Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) zwei Ausgaben der zwischenzeitlich eingestellten Sat.1-Sendung Quiz Night beanstandet, da Zuschauer durch irreführende Angaben unter Zeitdruck gesetzt wurden.Irreführung: Sat.1-„Quiz Night“ beanstandet