mini|Strudel ist aufgrund seiner gerollten Form das hebräische Wort (שטרודל) für das Zeichen @ Ein Germanismus ist ein deutsches Wort, das in einer anderen Sprache als Lehnwort oder Fremdwort integriert wurde. Der Plural von Germanismus heißt Germanismen.

Beispiele in verschiedenen Sprachen

Afrikaans Einer Einsendung für Jutta Limbachs Sammlung von Germanismen Ausgewanderte Wörter zufolge steht Aberjetze in Afrikaans für einen ungeduldigen Deutschen. In der Kolonialzeit hatten die Deutschen in Südwestafrika oft Buren in Dienst genommen. Wenn sie zu langsam arbeiteten, seien sie häufiger mit „Aber jetzt!“ angetrieben worden.Jutta Limbach (Hrsg.): Ausgewanderte Wörter. Hueber, Ismaning 2007, ISBN 978-3-19-107891-1, S. 123.

Albanisch Albanische Gastarbeiter im Kosovo haben viele deutsche Wörter mit in ihre Heimat gebracht. Der Bierkrug heißt im Kosovo krikëll, da er sich vom ostösterreichischen „Krügerl“ herleitet. Das Lehnwort shalter im Albanischen hat die Doppelbedeutung von „Lichtschalter“ und „Postschalter“ beibehalten. Außerdem gibt es im Kosovo die Wörter srafciger („Schraubenzieher“), speis („Speisekammer“) und virsle („Würschtle“).

Bassa In Bassa, einer Bantusprache in Kamerun, ist das Wort für „Bahnhof“ banop und erinnert an die Deutschen, die in ihrer Kolonie die erste Eisenbahn bauten.

Belarussisch Handel und Verwaltung in Belarus waren zur Blütezeit der Hanse (14. Jahrhundert) stark von Deutschen beeinflusst. Darauf weisen Wörter wie ‚čynš‘ (чынш) für „Zins“, ‚handal‘ (гандаль) für „Handel“ und ‚štempel‘ (штэмпэль) für „Stempel“ hin. Hierher gehören auch ‚hiešeft‘ (гешэфт) „Geschäft“ und ‚falšavać‘ (фальшаваць) „fälschen“.

Bosnisch Zahlreich sind die Germanismen in der bosnischen Sprache, was hauptsächlich auf die Eingliederung Bosniens in die österreichisch-ungarische Monarchie (1878–1918) zurückzuführen ist. Der Begriff švabo ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für einen Deutschen. Er ist auf die vielen Schwaben zurückzuführen, die sich im Verlauf der napoleonischen Kriege in Bosnien und seinen Nachbarländern niederließen. Ein kultureller und sprachlicher Austausch ist schon im 13. und 14. Jahrhundert belegt, etwa durch die deutschen Einwanderer, die in Bosnien als Leiter von Bergwerken Ansehen genossen, sogenannte sasi („Sachsen“), etwa in Srebrenica, wo der Silberabbau florierte. Starke sprachliche Einflüsse hatte das Deutsche auf das Bosnische auch über die zahlreichen Flüchtlinge, die infolge des Bosnienkrieges (1992–1995) nach Deutschland gekommen sind.

Bevor auf die einzelnen Begriffe eingegangen wird, noch einige (nicht abschließende) Hinweise zur Aussprache der bosnischen Wörter aus diesem Artikel:

- „š“ wird wie das deutsche „sch“ ausgesprochen

- „c“ wird wie das deutsche „z“ ausgesprochen

- „v“ wird wie das deutsche „w“ ausgesprochen

- „z“ wird wie das deutsche „s“ in „Pause“ ausgesprochen

Das weltbekannte Automodell Käfer der Firma Volkswagen heißt auf Bosnisch folcika (sprich: „Vollzicka“), was eine lautmalerische Wiedergabe des Firmennamens von Volkswagen ist. Im Bosnischen bezeichnet rikverc den Rückwärtsgang eines Fahrzeugs, das am besten rosfraj („rostfrei“) zu sein hat. Das Wort šina bezeichnet jede Art von Schiene in der Technik. Das Wort hoštapler bezeichnet einen Betrüger („Hochstapler“). Der Begriff ofinger bedeutet „Kleiderbügel“ und geht wohl zurück auf das Nomen zum Verb „aufhängen“, also „Aufhänger“. Das bosnische Wort auspuh bedeutet „Auspuff“. Der Begriff escajg bedeutet „Besteck“ und stammt von dem Wort „Esszeug“ ab. Cigla bedeutet „Ziegel“. Farba heißt „Farbe“, flaša heißt „Flasche“. Der Begriff haustor bezeichnet das Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses oder eines Hochhauses. Das bosnische Verb glancati bedeutet „polieren“ und geht auf das deutsche Wort „Glanz“ zurück. Der Ausdruck fajront ist ein umgangssprachliches Wort, mit dem man in Bosnien sagt, dass eine Veranstaltung zu Ende ist, und stammt offensichtlich vom deutschen Wort „Feierabend“ ab. Mit dem Verb izluftirati bezeichnet man in Bosnien das Lüften einer Wohnung. Grundstücke werden in Bosnien im grunt vermerkt, was auf die deutsche Bezeichnung für das „Grundbuch“ zurückgeht. Rošle bedeutet auf Bosnisch „Rollschuhe“. Šalter heißt „Schalter“. Das Wort šarafciger bedeutet „Schraubenzieher“. Eine mašina za veš („Waschmaschine“) steht in jedem bosnischen Haushalt. Das Wort veš wird auch außerhalb dieses feststehenden Begriffs zur Bezeichnung von „Wäsche“ verwendet. Ihre Haare trocknen auch die Bosnier mit einem fen („Fön“). Auch in Bosnien werden gern šnicla („Schnitzel“) und viršla (vom schwäbischen „Würschtle“, hochdeutsch „Würstchen“) gegessen, zu denen man auch ein frtalj („Viertel“) Brot essen kann. Alles zusammen bezahlt man dann – zumindest im Jargon der Hauptstadt Sarajevo – mit einem cener („Zehner“) oder cvanciger („Zwanziger“). Der Begriff špaiz bedeutet „Speisekammer“. Schmuggeln heißt auf Bosnisch švercovati, was auf eine Verbindung mit dem Wort „schwarz“ bzw. „Schwarzhandel“ hinweist. Wer dabei der bosnischen Justiz in die Hände gelangt, muss auch in Bosnien die „Zeche“ dafür zahlen (auf Bosnisch: ceh), wobei bemerkenswert ist, dass das bosnische Wort ceh ebenso wie die deutsche „Zeche“ ausschließlich verwendet wird, um auszudrücken, dass jemand für einen Fehler wird einstehen müssen. Und wenn ein bosnischer Fußballspieler eine sichere Chance vergibt, dann sagt man umgangssprachlich, er hätte einen zicer (vom deutschen „sicher“) vergeben.

Bulgarisch

Deutsche Wörter, die fast unverändert in die bulgarische Sprache übernommen wurden, sind zum Beispiel „Bohrmaschine“ (бормашина,Нов универсален речник Българксо-Немски, Seite 64, Stichwort: бормашина, Verlag PONS, 4. Auflage. Stuttgart 2008, ISBN 978-954-8278-72-0 (bulgarisch-deutsches Wörterbuch) bormaschina), „Auspuff“ (ауспух,Нов универсален речник Българксо-Немски, Seite 32, Stichwort: ауспух, Verlag PONS, 4. Auflage. Stuttgart 2008, ISBN 978-954-8278-72-0 (bulgarisch-deutsches Wörterbuch) auspuch) und „Schiebedach“ (шибидах,bulgarische Wikipedia, das Wort wird in den bulgarischen Wikipedia-Artikeln :bg:Ауди 80, :bg:Фиат Типо (1988-1995), :bg:Ланча Ипсилон und :bg:Хонда Прелюд verwendet. schibidach). Auch das deutsche Wort „Anzug“ (анцугНов универсален речник Българксо-Немски, Seite 21, Stichwort: анцуг, Verlag PONS, 4. Auflage. Stuttgart 2008, ISBN 978-954-8278-72-0 (bulgarisch-deutsches Wörterbuch)) wird im Bulgarischen verwendet. Allerdings bedeutet es dann „Trainingsanzug“.

Chinesisch Eines der ganz wenigen deutschen Lehnwörter im Chinesischen ist das Wort für „Gullydeckel“ ( „Regenwasserloch“), das in Qingdao – abweichend vom Sprachgebrauch im übrigen China – guli (骨沥) heißt. Die Chinesen lernten Gullys mit der Kanalisation im deutschen Pachtgebiet Jiaozhou kennen. Zu den etwa 40 deutschen Lehnwörtern, die in Qingdao heute noch gebraucht werden, gehört auch das Wort für „Damen“ (胶州大嫚 Jiaozhou-Damen). Außerdem ist das Aspirin unter dem Namen 阿司匹林 (āsīpǐlín) bekannt.

Firmennamen müssen meist übersetzt werden, wobei eine gute Übersetzung für den Geschäftserfolg sehr wichtig ist. So heißt Opel in China („europäischer Schatz“), Adidas 愛迪達 Aidida, Puma AG 彪馬, die Metro AG 麦德龙 Maidelong und die Commerzbank 商业银行 Shangye Yinhang („Handels-Bank“). Die Koenig & Bauer AG hat ihren Namen nach den Anfangssilben mit („hoch“ und „Schatz“) übersetzen lassen. Die Bayer AG heißt auf Chinesisch 拜耳 Bai’er („besuchen, begrüßen“ und „Ohr“). Bei Volkswagen, 大众汽车 Dazhong qiche („Auto der großen Masse“), handelt es sich hingegen nicht um eine lautgemäße, sondern rein sinngemäße Übersetzung, bei der man sich aber die Ähnlichkeit des chinesischen Zeichens für Menschenmasse 众 zhong mit dem VW-Logo zunutze gemacht hat.

Dänisch Im Dänischen wird der deutsche Begriff „Hab und Gut“ in der Form habengut für den eigenen Besitz verwendet.

Bundesligahår („Bundesliga-Haar“) ist das dänische Wort für eine Vokuhila-Frisur, da diese Art Frisur als charakteristisch für die Fußball-Bundesliga gesehen wurde.

Englisch

Das wohl bekannteste deutsche Wort im Englischen ist das Wort „Kindergarten“. Der erste Kindergarten außerhalb des deutschsprachigen Raumes wurde 1851 in London gegründet. Fünf Jahre später führte Margarethe Schurz den ersten Kindergarten in den USA in Watertown ein. Die Sprache in den ersten Kindergärten war Deutsch, da diese für die Kinder deutscher Einwanderer gedacht waren. 1882 betrug die Zahl der Kindergärten in den USA bereits 348. Inzwischen sind sich die meisten US-Amerikaner der deutschen Herkunft des Wortes nicht mehr bewusst. Die Kindergärtnerin hieß zunächst kindergartner, später kindergarten teacher. Kindergartner ist heute das Kind, das den Kindergarten besucht.

Im Englischen wird das deutsche über- auch zuweilen (oft als uber) in Zusammensetzungen verwendet, wie in ubergeek, um extreme Steigerung auszudrücken.

US-amerikanische Studenten verwenden für das Tischfußballspiel, das im Deutschen den englischen Namen Kicker hat, neben der Bezeichnung table football gelegentlich auch das Wort foosball. Im sportlichen Bereich werden meist die Begriffe foosball und zunehmend table soccer verwendet, wobei letzteres der zunehmenden Internationalisierung der Tischfußball-Verbände geschuldet ist.

Im Englischen sagt man bless you („… segne dich“), wenn jemand geniest hat, wobei die Vollform God bless you („Gott segne dich“) lautet. Manchmal wird auch das deutsche Wort gesundheit verwendet.

Im Concise Oxford Dictionary kommt das deutsche Wort „verboten“ vor, definiert als etwas, das durch eine Behörde untersagt ist (forbidden by an authority).

Eine quantitative Untersuchung zur Entlehnung deutscher Wörter ins Englische vom Beginn des 16. Jahrhunderts an bis zu den 1990er Jahren enthält Best (2006); erfasst sind 4837 Wörter, verteilt auf 68 Themenbereiche.Karl-Heinz Best: Deutsche Entlehnungen im Englischen. In: Glottometrics. Band 13, 2006, Seite 66–72.

Estnisch Zwischen dem Estnischen und dem Deutschen gab es lang anhaltende Kontakte. Estland wurde im 13. Jahrhundert von Rittern des Deutschen Ordens erobert und danach von Geistlichen, Kaufleuten und Handwerkern besiedelt. Dadurch hat das Estnische viele Lehnwörter aus dem Deutschen übernommen. Beispiele dafür sind vein („Wein“), klaver („Klavier“), „sink“ (Schinken) reis („Reise“) und kunst („Kunst“). Moderne Entlehnungen aus dem Deutschen sind reisibüroo („Reisebüro“) und kleit („Kleid“). Aufschriften wie Politsei auf Streifenwagen, Infopunkt und Kaminameister stellen deutschsprachige Touristen vor geringe Herausforderungen.

Finnisch Zu den aus dem Deutschen entlehnten Wörtern im Finnischen gehören braatvursti und besserwisser. Das Wort kaffepaussi, das 2006 vom Deutschen Sprachrat zum Gewinner der Ausschreibung „Wörterwanderung“ gekürt wurde, ist dagegen kein Germanismus, sondern stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Schwedischen.

Französisch Im Französischen gibt es einige an die Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg anknüpfende Germanismen, etwa witz für einen schlechten, bedrohlichen Scherz oder ersatz für Ersatzkaffee bzw. heute umgangssprachlich als Bezeichnung für eine zweitklassige Nachahmung oder „Pfusch“. Das Wort lied im Französischen bedeutet ein Kunstlied, wie etwa auch Chanson im Deutschen eine spezifische Bedeutung hat. Das Wort trinquer („anstoßen“) hat den deutschen Ursprung „trinken“.

In französischen Wörterbüchern wird das Wort vasistas als „Oberlicht“ verzeichnet. Ursprünglich geht das Wort wohl auf die napoleonischen Kriege zurück, als französische Soldaten beim Anblick der in deutschen Häusern eingebauten Klappfenster auf Deutsch fragten „Was ist das?“. Diese Frage soll dann das französische Wort für diese Art von Fenstern geworden sein. Schubladiser („schubladisieren“) ist ein französischer Begriff dafür, wenn man etwas zu den Akten legen oder auf die lange Bank schieben will. Das Wort heißt als Nomen schubladisation („Schubladisierung“).