Werdohl [] ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im Osten des Märkischen Sauerlands und gehört zum Märkischen Kreis.

Geografie Geografische Lage mini|links|Lennetal Werdohl liegt im Sauerland in den Tälern der Lenne und der Verse. Die Lenne bildet im Stadtgebiet zwei Mäanderbögen, so dass sie wie ein großes „W“ aussieht. Sie hat im Stadtgebiet eine Länge von 15 km. Die Länge der Verse liegt in Werdohl bei 7,85 km.

Den höchsten Punkt erreicht die Stadt mit 475 m über NN im Bereich des Hofes „Wäsche“, an der Stadtgrenze zu Herscheid. Der tiefste Punkt mit 162 m ist das Flussbett der Lenne an der Stadtgrenze zu Altena.

Das Stadtgebiet ist 33,37 km² groß. Es reicht im Norden an die Stadtgrenze von Altena (bei Dresel), im Süden bis an den Hülsberg (bei Eveking) mit einer Distanz von 8,0 km. Der westlichste Punkt liegt nahe dem Ortsteil Elverlingsen, im Osten bei Kettling. Die West-Ost-Ausdehnung beträgt 8,5 km. mini|250x250px|Blick über die Werdohler Innenstadt, Blick von Norden von der Höllmecke, 1985

Die Fläche wird größtenteils für Landwirtschaft, Wiesen, Weiden und Wald genutzt, insgesamt 1.920 Hektar (ha). Wohngebäude nehmen 318 ha ein, Gewerbeflächen 124 ha. Die restlichen 975 ha sind Verkehrs-, Wasser- und sonstige Flächen.

Werdohl grenzt (im Uhrzeigersinn) an Altena, Neuenrade, Plettenberg, Herscheid und Lüdenscheid. mini|links|Blick über Werdohl

Geologie Weit verbreitet sind im Werdohler Stadtgebiet die sog. Unteren Honseler Schichten (benannt nach einem Gehöft südlich von Letmathe), die hauptsächlich aus Tonsteinen und eingelagerten Sandsteinbänken bestehen. Diese Schichten sind etwa 360 Millionen Jahre alt. Zu dieser Zeit war die Gegend vom Meer überflutet.

In den Tälern gibt es wesentlich jüngere Sedimentschichten, die sich aus dem Schwemmmaterial der Flüsse (Lenne, Verse) gebildet haben.

Tieferliegend finden sich Schichten aus Tonschiefer und anderen Tonsteinen, die auf ein Alter von 440 bis 500 Millionen Jahre hindeuten.Werdohl – Beiträge zur Heimat- und Landeskunde. S. 15.

Stadtteile Das Stadtzentrum von Werdohl liegt am Ufer der Lenne und teilweise an den umliegenden Hängen. Die nächsten Ortsteile an diesem Fluss und der Mündung der Verse sind Versevörde, Königsburg, Rodt und Erlhagen.

Lenneaufwärts liegt Kettling. Lenneabwärts folgen Ütterlingsen, Dresel und Elverlingsen.

Wer dem zum Teil sehr engen Kerbtal folgt – der Verse flussaufwärts –, gelangt längs den an seinen Hängen gelegenen Ortsteilen Osmecke, Pungelscheid, Kleinhammer, durch Eveking und Bärenstein in die Oberborbecke, wo das Versetal, immer flacher werdend, in das Stadtgebiet von Lüdenscheid übergeht.

Geschichte Name Eine ältere Bezeichnung des Stadtnamens ist Verthol. Die Silbe Werd- steht für Insel oder Halbinsel (Werder), während -ohl wahrscheinlich für ein Wiesengelände am Wasser (Aue) stand, was aber sprachgeschichtlich nicht eindeutig geklärt ist.Forschungen zur Geschichte der Stadt Werdohl, S. 159 Daher stand der Name Werdohl also ursprünglich wohl nicht für den Ort, sondern für die Gegend.

Geschichtlicher Überblick Mesolithische Steinwerkzeuge (Mittelsteinzeit) aus Feuerstein und Kieselschiefer wurden auf den Höhenzügen von Werdohl um Dösseln und Brenge gefunden.Werdohl – Beiträge zur Heimat- und Landeskunde. S. 39. Die Funde sind damit älter als 7000 Jahre. Aus der Jungsteinzeit wurden Steinwerkzeuge entdeckt, die geschliffen waren. Man geht daher davon aus, dass Menschen sich in der Steinzeit zumindest gelegentlich in der Gegend aufgehalten haben. Eine Keimzelle des Ortes könnte der Schnittpunkt des Fernweges Neheim-Balve-Werdohl mit der Furt der Lenne sein. An diesem Fernweg wurde ein Hügelgrab aus der Zeit nach 4000 v. Chr. gefundenWerdohl – Beiträge zur Heimat- und Landeskunde. hrsg. vom Heimatbund Märkischer Kreis. Altena 1986, S. 30.

mini|Busenhof Neu errichtet nach dem Stadtbrand von 1822. Im Mittelalter querte eine alte Königsstraße von Köln nach Arnsberg / Soest die Lenne im Bereich Werdohl. So entstand hier ein kleines Kirchdorf. Der Nord-Süd-Verkehr durch das Lennetal war schwierig, da das Tal vielerorts versumpft war. Straßen konnten erst später ausreichend befestigt werden. Von der Entstehung des Kirchdorfes vor dem 12. Jahrhundert wird allgemein ausgegangen.

Die erste schriftliche Erwähnung Werdohls datiert auf das Jahr 1101. Der Paderborner Bischof Heinrich II. erwähnt die Kirche (Kilianskirche) zu Werdohl, die von Graf Erpo von Padberg dem Kloster Flechtdorf nahe Diemelsee geschenkt wurde. Im Jahr 1220 übernahm das Priorat Berentrop das Patronat über die Kirche, 1300 wurde das Priorat von Graf Eberhard I. von der Mark gekauft. Die Kilianskirche gehörte nachfolgend zum Kloster Scheda.

Die Reformation erreichte Werdohl 1573. Spätestens nach dem Übertritt des Kurfürsten Johann Sigismund zum reformierten Bekenntnis 1613 trat der Großteil des Landadels und des Bürgertums zu den Reformierten über. Werdohl wurde evangelisch.

Die Kilianskirche erhielt 1743 einen neuen Kirchturm, der aber nur gut 100 Jahre hielt. 1874 wurde die Kirche mitsamt Turm abgerissen. Kurz zuvor war die (evangelische) Christuskirche errichtet worden (zirka 1866).

1381 wird die Burg Pungelscheid erstmals erwähnt, auf der die Familie Neuhoff residierte. Wahrscheinlich verbrachte Theodor von Neuhoff hier auch einige Jahre seines Lebens. Er wurde im 18. Jahrhundert als König von Korsika bekannt.

Werdohl blieb von Katastrophen nicht verschont. 1535 wurde die hölzerne Brücke über die Lenne bei einem Hochwasser beschädigt. Im Jahr 1554 oder 1556 wurde hier die erste steinerne Brücke gebaut. Ein weiteres verheerendes Hochwasser gab es 1601. 1619 wurde Werdohl durch die Pest heimgesucht. Weitere Epidemien der Krankheit gab es 1626, 1632 und 1636. Großbrände vernichteten 1717, 1744 und 1777 Teile der Stadt. Im Jahr 1822 zerstörte ein Großbrand fast 70 % aller Häuser.

Ab dem 17. Jahrhundert gehörte Werdohl nach dem jülich-klevischen Erbfolgestreit zu Brandenburg-Preußen. In der napoleonischen Zeit wurde Werdohl dem Großherzogtum Berg eingegliedert (1806–1813).

Die Befreiungskriege 1813/1814 gingen an Werdohl nicht vorbei. Russische Truppen zogen auf dem Weg nach Frankreich plündernd durch die Stadt und nötigten die Bauern, sie mit Fuhrwerk bis ins Bergische Land zu begleiten. Weiteren verbündeten Truppen mussten Unterkunft und Verpflegung geboten werden. Teile der Bevölkerung wurden in die Armee eingezogen. Dutzende Werdohler kamen bei Kämpfen ums Leben.

1815 wurde die Provinz Westfalen im Königreich Preußen gegründet, zu der Werdohl seitdem gehörte. Die Stadt wurde lange aus dem Amt Neuenrade verwaltet. Ende des 19. Jahrhunderts hatte Werdohl aber schon eine höhere Einwohnerzahl als alle anderen Gemeinden des Amtes zusammen. Der Versuch, den Amtssitz von Neuenrade nach Werdohl zu verlegen, scheiterte jedoch, und so wurde Werdohl am 1. Juni 1891 zu einem Amt mit eigener Gemeindeverwaltung erhoben. Am 19. April 1936 wurde Werdohl das Stadtrecht verliehen.

mini|links|Ehemaliges Werdohler Stadtmuseum (2015 abgerissen) Wirtschaftlich ging es Werdohl über Jahrhunderte nicht gut. Ackerbau und Viehzucht war in den engen Tälern nur schwer möglich. Eine 1630 entdeckte Solequelle brachte auch nicht den erhofften Aufschwung, zumal die Quelle gegen Ende des 18. Jahrhunderts versiegte.

Im 19. Jahrhundert begann der wirtschaftliche Aufschwung. Die Metallverarbeitung war der wichtigste Industriezweig. An vielen Stellen in der Region wurde Metall oberirdisch abgebaut, insbesondere im Versetal (zum Beispiel Bärenstein). Überall im Stadtgebiet entstanden Eisenschmieden und Hammerwerke. Hergestellt wurde Osemundeisen, welches für die Drahterzeugung sehr gut geeignet ist. Die Drahtindustrie hat sich bis heute in der Stadt gehalten. Daneben entwickelten sich im Lauf der Jahre auch Betriebe der Stahl- und Aluminiumindustrie sowie Werke für die Herstellung von Eisenbahn- und Kraftwagenbedarf.

In den 1830er und 1840er Jahren wurde der Verkehr stark gefördert. 1832–1834 wurde die Straße nach Altena ausgebaut, 1844 nach Lüdenscheid und nach Rönkhausen. 1846 begannen die Planungen für die Bahnstrecke Hagen-Werdohl-Siegen (Ruhr-Sieg-Strecke). Der Bau der Strecke erfolgte 1861–1865. Dies führte zu einem industriellen Aufschwung und einer deutlichen Zunahme der Bevölkerung. Viele Familien aus katholischen Landesteilen wurden angesiedelt, so dass sich das Verhältnis der Konfessionen langsam annäherte.

Der Vorläufer der heutigen Realschule wurde 1869 als Candidatenschule gegründet. Das erste Krankenhaus entstand 1891 als evangelische Stiftung.

Am 18. April 1936 erhielt der Ort, anlässlich des zehnjährigen Bestehens der NSDAP-Ortsgruppe, die Stadtrechte. Vorher waren Schwimmbad und Krankenhaus vollendet worden.Werdohl – Beiträge zur Heimat- und Landeskunde. hrsg. vom Heimatbund Märkischer Kreis. Altena 1986, S. 73.

Während des Zweiten Weltkriegs waren in Baracken auf dem Schützenplatz bis zu 1000 Zwangsarbeiter aus ganz Europa untergebracht. Sie arbeiteten in landwirtschaftlichen und metallverarbeitenden Betrieben (letztere waren kriegswichtig). Insbesondere die Gefangenen aus Osteuropa galten als niedere Rasse und wurden entsprechend schlecht behandelt. Mindestens 16 Arbeiter starben und wurden auf dem Waldfriedhof Dresel beigesetzt.

Am 13. April 1945 hatten deutsche Soldaten den Ütterlingser Tunnel und die Lennebrücke gesprengt. Der Unternehmer Alfred Colsman überzeugte den verantwortlichen Offizier abzuziehen und so Zerstörungen in Werdohl zu verhindern. Colsman nahm mit weißer Fahne Kontakt zu US-Truppen in Kleinhammer auf und überzeugte diese, dass die kampflose Besetzung Werdohls kein Risiko darstellte. Danach sprach er mit dem Kommandeur eines Panzerzuges in der Honselschen Fabrik, der Werdohl bis zum letzten Mann verteidigen wollte. Amerikanische Truppen rückten am 14. April 1945 in die Stadt ein. Werdohl wurde im Krieg kaum beschädigt. Sie wurde später dem britischen Ortskommando als Teil der britischen Besatzungszone unterstellt.

In den 1970er Jahren wurde die Innenstadt saniert und eine Fußgängerzone errichtet. Ab 1978 wurden Teile der Bahnhofstraße und der Freiheitsstraße für den Verkehr gesperrt. Dieser lief fortan über die Derwentsider Straße im Norden bzw. die Versestraße im Westen am Ortskern vorbei. Die Sanierung dauerte bis zur Mitte der 1990er Jahre.900 Jahre Werdohl. S. 37 f.

Eingemeindungen Am 1. April 1936 wurde Dresel, das zur Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde gehörte, eingegliedert. Am 1. Januar 1969 erhielt Werdohl aus der ehemaligen Gemeinde Lüdenscheid-Land das Gebiet um Köllmannshorst, Brenge und Hölzerne Klinke.

Einwohnerentwicklung (ab 1998 jeweils zum 31. Dezember) Jahr Einwohnerzahl 1870 3.486 1880 4.239 1890 5.643 1900 7.619 1910 9.820 1919 10.421 Jahr Einwohnerzahl 1925 12.253 1939 13.741 1946 17.208 1950 18.777 1960 21.901 1970 24.663 Jahr Einwohnerzahl 1980 21.796 1986 20.565 1998 22.050 2000 21.479 2002 20.980 2003 20.661 Jahr Einwohnerzahl 2004 20.434 2007 19.838 2011 18.351 2012 18.310 2013 18.073 2014 17.976 Jahr Einwohnerzahl 2015 18.002 2016 17.892 2017 17.833 2018 17.737 2019 17.657 2020 17.660 Jahr Einwohnerzahl 2021 17.727 2022 17.861 2023 17.801 2024 17.618

Werdohl ist die Stadt mit dem prozentual höchstenInformation und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW): Übersicht der Ergebnisse der Volkszählung 1987 und des Zensus 2011 (S. 16) Abgerufen am 6. Juli 2014 Ausländeranteil im Märkischen Kreis. Sie hatte im Mai 2011 mit 17,7 Prozent den vierthöchsten Ausländeranteil in Nordrhein-Westfalen.Zensus 2011: 1,6 Millionen Ausländer leben in Nordrhein-Westfalen Abgerufen am 6. Juli 2014

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