Lütjenburg (plattdeutsch Lüttenborg) ist eine Stadt im Kreis Plön in Schleswig-Holstein. Sie ist Verwaltungssitz des Amtes Lütjenburg. Nach § 2 der (Landes)-Verordnung zum Zentralörtlichen System vom 5. September 2019 ist Lütjenburg gemäß Landesentwicklungsplan als Unterzentrum eingestuft.Landesverordnung zur Festlegung der Zentralen Orte und Stadtrandkerne einschl. ihrer Nah- und Mittelbereiche sowie ihrer Zuordnung zu den verschiedenen Stufen (Verordnung zum Zentralörtlichen System vom 5. September 2019); www.gesetze-rechtsprechung.sh.juris.de: Landesnorm Schleswig-Holstein/Unterzentren

Geographie Die Stadt liegt etwa 35 km östlich von Kiel an der Bundesstraße 202 und grenzt im Südosten an den kleinen Fluss Kossau (25 km), im Südwesten an die Gemeinde Klamp, im Westen an die Gemeinde Giekau, im Norden an die Gemeinden Panker und Behrensdorf und im Osten an die Gemeinden Hohwacht und Helmstorf. Nachbarorte mit touristischer Ausrichtung sind das Ostseebad Hohwacht und die Ferienorte Blekendorf und Behrensdorf. Die Gemarkung Lütjenburg hat eine Gesamtfläche von 615 ha; davon ist die nördliche Hälfte landwirtschaftlich genutzt und die südliche Hälfte durch Siedlungs- und Verkehrsflächen. Die Lütjenburger Feldmark ist mit 14 km Knicklänge, also rund 50 m Knick je ha LF ausgestattet.

Die Gemarkung Lütjenburg ist gekennzeichnet durch stark unterschiedliche Höhenlagen: Im Nordwesten steigt das Gelände im Nienthal-Gebiet bis auf 91 m, im Westen und nördlich der Umgehungsstraße auf 69 m, im Nordosten (Mittelsberg) auf 66 m an – zur Kossauniederung fällt das Gelände bis auf 15 bis 20 m ab. Innerörtliche Lagen sind aufgrund ihrer Höhenlage als Berg benannt, wie der Vogelberg (60 m) mit dem „Bismarckturm“ (18 m) und der Mühlenberg mit ähnlicher Höhe. 33 m gelten offiziell als Höhenlage der Stadt. Straßennamen lassen vermuten, dass man hier bergauf und bergab gehen muss (Niederstraße, Oberstraße). Alle genannten Höhen bieten in Richtung Osten einen Blick auf die Ostseeküste der Hohwachter Bucht, in Richtung Binnenland auf die ostholsteinische Hügel- und Knicklandschaft. Gleiches gilt für die Höhen „Strezer Berg“ (133 m) und für den „Pielsberg“ (128 m), der vom Aussichtsturm „Hessenstein“ (17 m) aus die Hohwachter Bucht noch näher erscheinen lässt.Landesvermessungsamt Schleswig-Holstein in Verbindung mit dem Militärgeographischen Amt – Ausgabe 7-DMG, 1972: Messtischblätter Lütjenburg Norden und Süden auf der Grundlage der Topographischen Karte 1:25.000

Der „Pielsberg“ mit dem Aussichtsturm „Hessenstein“ und dem „Forsthaus Hessenstein“ ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Region Lütjenburg. Südlich davon liegen im Waldgebiet der „Strezer Berge“ und an deren Rand bedeutende Gräberfelder aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit („Langbetten“ und „Hügelgräber“) und der sagenumwobene „Grundlose See“. An diesem kleinen See soll um die Mitte des 17. Jahrhunderts eine Wassermühle gestanden haben, die im Verlaufe des Dreißigjährigen Krieges von Landsknechten des kaiserlichen Heeres überfallen wurde. Das Abbrennen der Mühle konnte nur durch das Eingreifen des kommandierenden Korporals, Sohn eines polnischen Grafen, verhindert werden. Seine Liebe zur Müllerstochter, der er die Hochzeit versprochen hatte und die sich während seiner achttägigen Abberufung zu anderen Truppenteilen von „Wassergeistern“ wegen seiner vermeintlichen Untreue „grundlos“ in den See ziehen ließ, führte auch zum „grundlosen“ Versinken des Korporals. Beide wurden nicht wiedergefunden, da auch das Ablassen des Sees über einen Graben („Russengraben“) misslang und der kleine See sich weiterhin als „Grundloser See“ erwies.Gildezeitung der Lütjenburger Schützen- und Totengilde von 1719, 2012: Der Grundlose See von D. F., aus: Heft 1 des Lütjenburger SagenkranzesDieter Frank: Der „Grundlose See“ in den Strezer Bergen – Ein dunkles geheimnisvolles Auge. In: Lütjenburg Erleben 2020 – aus dem Lütjenburger Sagenkranz, handschriftliche Sammlung, von Helmut Schulz / Kaisersaal gehütet, 2020.

Das Stadtgebiet von Lütjenburg ist allseitig, also von allen Himmelsrichtungen aus, von Landschaftsschutzgebieten mit einer Gesamtfläche von 6535 ha umgeben: Gemeinden Hohwacht + Behrensdorf: Ostseeküste mit dem Großen Binnensee und dem Unterlauf der Kossau 1516 ha Gemeinden Hohwacht + Blekendorf: Küsten- und Moränenlandschaft 1284 ha Mehrere Gemeinden von Lütjenburg und Umgebung: Endmoränenlandschaft mit dem Hessenstein bis Hohenfelde 3735 ha Weiterhin gibt es in der Region Lütjenburg mehrere Naturschutzgebiete und den Naturerlebnisraum „Stauchmoränen am Hessenstein“. Deren Fläche nimmt insgesamt fast 900 ha ein – diese Flächen sind in den Flächenangaben für die Landschaftsschutzgebiete mit enthalten: Gemeinde Behrensdorf: NSG „Kleiner Binnensee und angrenzende Salzwiesen“, 255 ha Gemeinde Blekendorf: NSG „Sehlendorfer Binnensee“, 230 ha Gemeinde Helmstorf und Nachbargemeinden: NSG „Kossautal“, 97 ha Gemeinde Hohwacht: NSG „Kronswarder und Südosten des Großen Binnensees“, 151 ha Gemeinde Schwartbuck: NSG „Strandseen-Landschaft Schmoel“, 50 ha Gemeinden Lütjenburg und Umgebung: Naturerlebnisraum „Stauchmoränen am Hessenstein“, 94 ha.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Die Region Lütjenburg war bereits seit der Jungsteinzeit (Neolithikum) von Menschen besiedelt, die im Übergang von der Jäger- und Sammlerkultur zur Hirten- und Bauernkultur standen, Landwirtschaft (Ackerbau und Viehzucht) betrieben und der Trichterbecherkultur (4200 bis 2800 v. Chr., nördliches Mitteleuropa einschl. Dänemark) anhingen. Für Schleswig-Holstein ist diese Zeitepoche mit der Periode 4000 bis 1700 v. Chr. anzunehmen. Vom Leben dieser jungsteinzeitlichen Menschen und ihren Bestattungsformen zeugen die vielen Großsteingräber in der Region, zum Beispiel in Flehm (Gemeinde Högsdorf), in Futterkamp (Gemeinde Blekendorf), in Giekau (Gemeinde Giekau), in Gowens (Gemeinde Dannau), in Köhn (Gemeinde Köhn), in den Strezer Bergen (Feldmarkgrenze Gemeinden Giekau/Panker), in Wetterade (Gemeinde Helmstorf), in Kaköhl (Gemeinde Blekendorf). Es handelt sich bei diesen Großsteingräbern (Megalithgräbern) um „Langbetten“ bzw. „Hünenbetten“ (rechteckige oder trapezförmige Hügel mit einer Randsteinkette, zum Teil auch mit neolithischen Steinkammern), wie auf dem „Ruserberg“ in Futterkamp (2700 bis 2500 v. Chr., Langbetten von 30 und 60 m Länge, urspr. von 100 Steinen eingefasst, Trichterbecher als Grabbeigabe) oder beim Langbett von Flehm (4300 bis 1700 v. Chr.), einer Grabanlage mit Grabhügel und einer sog. „Holsteiner Kammer“. Darunter versteht man ein Megalithgrab aus großen, unbehauenen Steinblöcken, die aus senkrecht stehenden Tragsteinen und waagerechten Deckplatten bestehen, eine Kammer bilden und später eine Hügelanschüttung oder eine Erdhügelbedeckung erfuhren. In der Steinkammer des Flehm-Grabes 1 wurden mehrere Grabbeigaben gefunden, Keramik- und Feuersteingefäße, Beile und Bernsteinperlen. Im Gehölz „Strezer Berg“ im Nahbereich von Lütjenburg sind vier „Langbetten“ bzw. „Riesenbetten“ aus der Jungsteinzeit (3500 v. Chr.) zu finden: Die in der Gemeinde Panker gelegenen zwei „Langbetten“ befinden sich im Nordwesten des „Grundlosen Sees“. Die größere der beiden Anlagen misst 26 × 5 m und enthält eine ehemalige, nicht mehr vollständige Grabkammer als „erweiterten Dolmen“. Ausgrabungen im 19. Jahrhundert brachten Aufschluss über die „Kammersohle“, die mit gebranntem Flint bedeckt war, und führten zum Fund von Feuersteingeräten (Beil, Meißel, Messer). Das auf dem Giekauer Gemeindegebiet gelegene „Langbett“ misst 27 × 12 m und ist mit einer Einfassung aus Findlingen und dem Rest einer Grabkammer ausgestattet. der abseits liegende Deckstein ist mit 30 „Schälchen“ versehen („Schalenstein“ oder „Näpfchenstein“).Josef Sprotte: Bodendenkmale im östlichen Schleswig-Holstein – Fuß- und Radwanderführer zu Großsteingräbern, Grabhügeln und Burganlagen. 2011.Landesamt für Vor- und Frühgeschichte und Marius-Böger-Stiftung: Vor-Ort-Hinweistafeln Archäologisches Denkmal.

Dass die Region Lütjenburg auch in der folgenden Bronzezeit (1800 bis 800 v. Chr.) besiedelt war, davon zeugt der Fund des Bronzerings von Fresendorf, der im Jahr 1983 bei der Anlage eines Versuches zur Grünlanderneuerung der damaligen Landwirtschaftsschule Preetz auf dem Gelände des Siedlungsdorfes Fresendorf bei Lütjenburg gefunden wurde. Das Landesamt für Vor- und Frühgeschichte in Schleswig ordnete im Jahr 1984 eine Nachgrabung an, bei der ein zweiter Halsring aus Bronze gefunden wurde. Beide Bronzeringe (Wendelringe) befinden sich jetzt im Besitz des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums Schloss Gottorf.Gemeinde Giekau: Informationsbroschüre, 2004.

Weiterhin zeugt im Gehölz „Strezer Berg“ ein vorgeschichtlicher Grabhügel aus der älteren Bronzezeit (1700 v. Chr.) von dieser Zeitepoche und den damaligen Bestattungsformen: Die Toten wurden in Baum- oder Bohlensärgen bestattet, die mit einer Packung aus Feldsteinen geschützt wurden. Eine Abdeckung mit Grassoden („Plaggen“) und Erde führte zur Ausformung eines Erdhügels. In der Zeit der älteren bis jüngeren Bronzezeit wurden Langbetten für Nachbestattungen der Toten in „Hockerform“ mehrfach benutzt, so dass durch Anschüttungen und „Aufhügelungen“ die heute noch landschaftstypischen „Hügelgräber“ entstanden. Solche „Hügelgräber“ sind im Lütjenburger Umland in Fresendorf, in Ölböhm und in den Strezer Bergen bei Giekau, an der Landesstraße L164 in Richtung Hohwacht und an der Eichenallee des Gutes Helmstorf in Richtung Wetterade zu finden.Josef Sprotte: Bodendenkmale im östlichen Schleswig-Holstein – Fuß- und Radwanderführer zu Großsteingräbern, Grabhügeln und Burganlagen. 2011.

Siedlungsspuren aus der (vorrömischen) Eisenzeit (800 v. Chr. bis 500 n. Chr.) sind aus dem Kreisgebiet Plön bekannt. Ausgrabungen zu Ende der Bronzezeit und Beginn der Eisenzeit führten zur Erkenntnis, dass sich in dieser Zeit die Bestattungssitten hin zur Einäscherung der Toten und zur Bestattung von Urnen wandelten. Die Urnen wurden in den Hügelmantel schon bestehender Grabhügel beigesetzt.Landesamt für Vor- und Frühgeschichte und Marius-Böger-Stiftung: Vor-Ort-Hinweistafeln Archäologisches Denkmal.

Vor Beginn der Zeitepoche des Mittelalters (500 bis 1500 n. Chr.) wanderten germanische Stämme (Angeln und Sachsen, Jüten und Friesen) mit einem großen Teil der Bevölkerung um 450 n. Chr. nach England aus und hinterließen in Schleswig-Holstein – insbesondere in Ostholstein und Lauenburg – dünn besiedelte Regionen, in die im 6. bis 7. Jahrhundert slawische Stämme der Abodriten (Wagrier, Polaben) von Mecklenburg aus eindrangen und das Land in Besitz nahmen. In der Region Lauenburg siedelten die Polaben, in Ostholstein die Wagrier, die man auch Wenden nannte. Der Ortsname Wentorf, in der Gemeinde Klamp bei Lütjenburg gelegen, ist von der Stammesbezeichnung Wenden abzuleiten.Christian Degn: Schleswig-Holstein – eine Landesgeschichte. Der Angeln Land – England. 1995, S. 26–27.

Mittelalter mini|Lütjenburg um 1895 mini|Lütjenburg 2012 In der Umgebung von Lütjenburg findet man mehrere Bodendenkmale, die auf die slawische Besiedelung der Region durch den Stamm der Wagrier hinweisen. Das ältere dieser Bodendenkmale mit der Bezeichnung „Hochborre“ liegt in der Gemeinde Blekendorf am Sehlendorfer Binnensee am Rande einer feuchten Niederung. Hier verblieb als Rest einer slawischen Burganlage aus dem Frühmittelalter ein Burgwall von 30 m Durchmesser. Es wird angenommen, dass die Wagrier die Burganlage etwa um das Jahr 700 errichtet und bis etwa 1130 genutzt haben.Josef Sprotte: Bodendenkmale im östlichen Schleswig-Holstein – Fuß- und Radwanderführer zu Großsteingräbern, Grabhügeln und Burganlagen. Band I, Raum Lütjenburg, 2011.