mini|Kettenschützenpanzer Marder mini|Radschützenpanzer Stryker Schützenpanzer (kurz SPz) sind Panzerfahrzeuge, die die Infanterie ins Gefecht transportieren, ihr im Kampf wirksame Feuerunterstützung geben und bauartbedingt den Panzergrenadieren den Kampf aus dem und vom Schützenpanzer ermöglichen. Schützenpanzer haben im Transportraum Platz für meist bis zu zehn Infanteristen bzw. Panzergrenadiere und besitzen eine stärkere Bewaffnung und Panzerung als gepanzerte Mannschaftstransportwagen. Schützenpanzer sind gewöhnlich Kettenfahrzeuge; einige Radpanzer fallen allerdings ebenfalls in dieselbe Kategorie (Radschützenpanzer).
Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) definiert den Begriff „Schützenpanzer“ im Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE-Vertrag) von November 1990 in Artikel II wie folgt:
Begriff Im deutschen Sprachgebrauch ist der Begriff Schützenpanzer gebräuchlich. Im englischen Sprachraum werden derartige Fahrzeuge als infantry fighting vehicle (IFV) oder mechanized infantry combat vehicle (MICV), im französischen Sprachraum als véhicule de combat d’infanterie (VCI) bezeichnet. Im Russischen sind die Bezeichnungen боевая машина пехоты – bojewaja maschina pechoty – dt.: Infanteriekampfwagen, abgekürzt als БМП (BMP), üblich. Sinngemäß übertragen handelt es sich dabei um ein Kampffahrzeug der Infanterie.
In der Wehrmacht wurden Fahrzeuge, die heute unter die Definition des gepanzerten Mannschaftstransportwagens fallen, als Schützenpanzerwagen bezeichnet. Die NVA der DDR nutzte ebenfalls diese Bezeichnung, reihte darunter aber auch Fahrzeuge ein, die ursprünglich als Späh- und Patrouillenfahrzeuge konstruiert und eingesetzt wurden (BRDM-1 bzw. BRDM-2). In Abgrenzung dazu wurden in der NVA der BMP-1 bzw. BMP-2 als Schützenpanzer bezeichnet. In der Bundeswehr wurde der Begriff mit den Schützenpanzern lang und kurz eingeführt.
Abgrenzung zu anderen Fahrzeugen mini|Der Flugabwehrpanzer M6 Linebacker wurde aus der M2/M3-Familie abgeleitet Zu unterscheiden von Schützenpanzern sind gepanzerte Mannschaftstransportwagen (MTW), die nach Definition der OSZE für den Transport einer Infanteriegruppe konstruiert und ausgerüstet sind und in der Regel mit einer integrierten oder organischen Waffe von weniger als 20 Millimetern Kaliber ausgerüstet sind.
Als „gepanzertes MTW-ähnliches Fahrzeug“ und „SPz-ähnliches Fahrzeug“ werden gepanzerte Fahrzeuge bezeichnet, welche das gleiche Fahrwerk und ein ähnliches Äußeres aufweisen wie ein gepanzerter Mannschaftstransportwagen beziehungsweise ein Schützenpanzer, jedoch nicht mit einer Kanone oder einem Geschütz des Kalibers 20 mm und darüber ausgestattet sind und so gebaut oder verändert wurden, dass keine Infanteriegruppe damit transportiert werden kann.
Entsprechend den Genfer Konventionen vom 12. August 1949 – zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Streitkräfte im Felde – haben Sanitätsfahrzeuge einen Sonderstatus. Daher gelten gepanzerte Sanitäts-MTW nicht als gepanzerte Kampffahrzeuge oder gepanzerte MTW-ähnliche Fahrzeuge.
Vorhandene Typen werden im Protokoll über vorhandene Typen konventioneller Waffen und Ausrüstungen, das eine Anlage des Vertrags über konventionelle Streitkräfte in Europa ist, aufgeführt. Das Protokoll wird regelmäßig fortgeschrieben. In populärwissenschaftlicher Literatur und im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff „Schützenpanzer“ jedoch nicht stringent angewandt. Schwierig ist auch die Einordnung von historischen Fahrzeugen, deren Nutzung vor Abschluss des Vertrages endete und die daher im Protokoll nicht aufgeführt sind. Nach 1990 verschwimmen teilweise die Grenzen zu gepanzerten Mannschaftstransportwagen.
Schützenpanzer dienen in vielen Fällen als Basis für Aufklärungs- und Führungsfahrzeuge. Diese Fahrzeuge gelten nach Definition der OSZE als gepanzerte SPz-ähnliche Fahrzeuge. Verschiedentlich wurden bzw. werden Schützenpanzer als Träger schwerer Waffensysteme verwendet. Sofern dabei eine Kanone mit einem Kaliber von mindestens 75 mm zum Schießen im direkten Richten integriert oder organisch mit dem Fahrzeug verbunden ist und dessen Leergewicht mindestens 6 Tonnen beträgt, handelt es sich um ein Kampffahrzeug mit schwerer Bewaffnung. Im Gegensatz dazu werden Waffen, die Bodenziele in erster Linie durch Schießen im indirekten Richten bekämpfen können, als Artillerie bezeichnet.
Technik Fahrwerk Schützenpanzer sind für gewöhnlich Kettenfahrzeuge; es gibt aber auch solche mit gummibereiften Rädern. Diese sind meist schneller als Schützenpanzer mit Kettenantrieb, besitzen dafür aber eine etwas schlechtere (wenn auch immer noch gute) Geländegängigkeit. Bei modernen Schützenpanzern hat sich der vorn angeordnete Motor durchgesetzt, der den Einbau von Türen oder Rampen im Heck des Fahrzeuges erlaubt. Dies ermöglicht das geschützte Verlassen des Fahrzeuges. An den Motorraum schließt sich der Kampfraum an. Die Bewaffnung wird meist in einem Drehturm bzw. einer Waffenplattform zusammengefasst. Im hinteren Kampfraum finden die Infanteristen Platz. In vielen Fällen sind die Sitzbänke so angeordnet, dass die Infanteristen aufgesessen das Feuer aus ihren Handwaffen führen können. Bei drei- und vierachsigen Radpanzern sind mehrere Achsen als Lenkachsen ausgeführt, um einen geringen Wendekreis zu erreichen. Moderne Schützenpanzer sind in vielen Fällen Teile einer Fahrzeugfamilie, identische oder ähnliche Baugruppen und Komponenten werden dabei in vielen Fahrzeugen genutzt. Schützenpanzer haben im Allgemeinen hohe Fahrleistungen und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 85 km/h bei einer Reichweite von ca. 200 – 450 km.
Schutz Als Panzerung kommt meist eine Stahlpanzerung zum Einsatz, die bei modernen Fahrzeugen durch eine Verbundpanzerung sowie aktive und weitere passive Elemente ergänzt werden kann. Die Grundpanzerung hat eine Stärke von ungefähr 30 mm und mehr und ist damit stärker als die von gepanzerten Mannschaftstransportwagen. Einer weiteren Erhöhung der Panzerung sind jedoch gewichts- und größenmäßige Grenzen gesetzt, wenn Schützenpanzer mit Flugzeugen oder im Bahntransport verlegt werden sollen. Bei modernen Schützenpanzern wird daher die Grundpanzerung bedrohungsabhängig durch zusätzliche Elemente ergänzt. Angestrebt und auch erreicht wird bei neueren Fahrzeugen Sicherheit gegen Beschuss mit mittleren Kalibern sowie gegen Einwirkung von Artilleriesplittern (155 Millimeter) und Bomblets. Besonderer Wert wird in neuerer Zeit auf den Schutz vor Minen gelegt. Wie alle modernen Panzerfahrzeuge haben auch die Schützenpanzer eine ABC-Schutzausstattung.
Bewaffnung Als Bewaffnung werden schnellfeuernde Maschinenkanonen im Kaliber von zwanzig bis vierzig Millimeter in die Fahrzeuge eingerüstet. Bei modernen Fahrzeugen sind Nebelmittelwurfanlagen vorhanden. Die Bewaffnung wird im Regelfall in einem Drehturm installiert. Bei modernen Fahrzeugen zeichnet sich ein Trend zu fernbedienbaren Waffenanlagen ab. Meist sind weiterhin Granatmaschinenwaffen eingerüstet oder können installiert werden. Generell sind die Waffenanlagen stabilisiert, um auch während der Fahrt eine hohe Trefferwahrscheinlichkeit zu ermöglichen.
Zwar sind Schützenpanzer im Vergleich zu den modernen Kampfpanzern wesentlich schwächer bewaffnet und gepanzert, sie können jedoch auch schwere Panzerabwehrlenkwaffen mit sich führen, die gegenüber Kampfpanzern eine nicht zu unterschätzende Bedrohung darstellen. Die Bewaffnung mit Raketen hat aus Schützenpanzern teilweise auch gefährliche Panzerjäger gemacht, so zerstörte der US-amerikanische M2 Bradley im dritten Golfkrieg im Frühjahr 2003 mehr irakische Panzerfahrzeuge als der Kampfpanzer M1 Abrams.
Der deutsche Marder verfügt beispielsweise über eine 20-mm-Bordmaschinenkanone (BMK) MK 20 Rh 202, ein Turmmaschinengewehr (TMG) MG3 (7,62 mm) und eine Nebelmittelwurfanlage mit sechs Wurfbechern. Optional kann am Turm ein Lenkflugkörper (LFK) Typ MILAN angebracht und verschossen werden. Der amerikanische M2 Bradley besitzt eine 25 mm M242 Bushmaster-MK und Startbehälter für das TOW System.
Einsatz Der Kampf kann entweder vom Fahrzeug aus (über die Bordwand, aus Luken oder speziellen Feuerblenden heraus) oder abgesessen im rein infanteristischen Kampf stattfinden. Diese Kampfweisen werden als auf- bzw. abgesessener Kampf bezeichnet. Die Anzahl der Soldaten, die den Panzer verlassen können, um den abgesessenen Kampf zu führen, wird als Absitzstärke bezeichnet. Schützenpanzer werden meist im Verbund mit Kampfpanzern zum Gefecht der verbundenen Waffen eingesetzt, dienen aber auch der Unterstützung von Infanterie insbesondere im Kampf gegen Kräfte in der Asymmetrischen Kriegführung.
Geschichte Zweiter Weltkrieg und unmittelbare Nachkriegszeit mini|Sd.Kfz. 251 Ausf. 7 Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg wurden in verschiedenen Ländern Konzepte für eine bewegliche Gefechtsführung entworfen, die sich auf mechanisierte Kräfte stützte. Während des Krieges entwickelte sich die mechanisierte Infanterie, die gestützt auf gepanzerte Mannschaftstransportwagen im Zusammenwirken mit Panzereinheiten eingesetzt wurde. Typische Vertreter dieser Mannschaftstransportwagen waren der amerikanische M3 und die als Schützenpanzerwagen bezeichneten deutschen Sd.Kfz. 250 und Sd.Kfz. 251. Die Halbkettenfahrzeuge waren ausreichend schnell und geländegängig, um Panzern im Gefecht folgen zu können. Die Panzerung schützte die aufgesessenen Infanteristen vor Handfeuerwaffen und Granatsplittern, die eingerüsteten Maschinengewehre boten ihnen bei abgesessenem Kampf Feuerschutz. Ein aufgesessener Kampf der Infanterie war nicht vorgesehen. Im Lauf des Krieges wurden weitere derartige Fahrzeuge entwickelt, dabei wurden auch nicht mehr benötigte Jagdpanzer und Artillerieträger zu Transportpanzern umgerüstet.
Nach dem Ende des Krieges wurden mit den zahlreich vorhandenen Fahrzeugen die neu aufgebauten Streitkräfte europäischer Staaten ausgerüstet. Teilweise waren diese Fahrzeuge noch im Koreakrieg im Einsatz. Nachdem in den 1940er Jahren noch Halbkettenfahrzeuge entwickelt und gebaut worden waren, setzten sich ab den 1950er Jahren gepanzerte Mannschaftstransportwagen auf Vollketten- bzw. Radfahrgestell durch. An den Einsatzgrundsätzen dieser Fahrzeuge änderte sich zunächst nichts.
mini|Schützenpanzer lang HS 30 Die Bundeswehr entwickelte die amerikanischen Vorstellungen weiter. Der gepanzerte Mannschaftstransportwagen sollte nicht nur zum Transport der Infanterie dienen, sondern zum Gefechtsfahrzeug weiterentwickelt werden, das auch einen aufgesessenen Kampf der Panzergrenadiere ermöglichte. Der HS 30 wurde nach diesen Vorstellungen entwickelt. Der hintere Kampfraum war geschlossen. Die Panzerung wurde gegenüber herkömmlichen Transportpanzern verstärkt und schützte gegen Geschosse des Kalibers 20 mm. Der HS 30 war deutlich niedriger als vergleichbare westliche Fahrzeuge und war daher auf dem Gefechtsfeld schwerer zu erkennen und zu bekämpfen. Erstmals kam bei einem derartigen Fahrzeug eine Maschinenkanone zum Einsatz, die auch zum Kampf gegen Hubschrauber, Panzerabwehrwaffen und leicht gepanzerte Fahrzeuge geeignet war. Der HS 30 erfüllte jedoch nicht alle Anforderungen. Da der Motor im Heck untergebracht war, musste die Besatzung im hinteren Kampfraum im Gefecht über die Seitenwände absitzen. Zum Feuerkampf vom Fahrzeug mussten die Dachluken geöffnet werden. Dies erschien problematisch, da in einem Krieg vom Einsatz von nuklearen, chemischen und biologischen Waffen ausgegangen werden musste. Daneben wies das Fahrzeug zahlreiche konstruktive Mängel auf, so dass die Fahrzeuge nach gut zehnjähriger Dienstzeit ab 1971 außer Dienst gestellt wurden.
mini|Turm des BMP-1 mit 73-mm-Kanone, Maschinengewehr und Panzerabwehrlenkrakete