Die Amerikanische Linde (Tilia americana) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Linden (Tilia) in der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Sie ist mit vier Varietäten in Nordamerika bis Mexiko weitverbreitet.

Beschreibung mini|links|Borke mini|links|Gestieltes, einfaches Laubblatt mini|Illustration aus Bulletin des Pennsylvania Department of Forestry, Volume 11 mini|links|Zweig mit Fruchtständen mini|links|Zweig mit Laubblättern mini|Illustration aus A guide to the trees, Tafel LXXVI

Vegetative Merkmale Die Amerikanische Linde ist ein schnellwachsender, laubabwerfender Baum, der Wuchshöhen von bis über 30 Metern bei einem Stammdurchmesser von über 150 Zentimetern erreichen kann.The Garden. Vol. XIX, 1881, S. 74. Oft erfolgt Stockausschlag und die Exemplare können manchmal mehrstämmig sein. Die Baumkrone ist offen und gewölbt. Die Rinde junger Zweige ist apfelgrün und kahl. Die dunkelgrau Borke ist längsrissig. Die grünen Blattknospen sind eiförmig.

Die wechselständig und zweizeilig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der relativ dicke und gelbgetönte Blattstiel ist etwa 5 Zentimeter lang. Die dünne, einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 5 bis 15, selten bis zu 20 Zentimetern sowie einem Durchmesser von 5 bis 12, selten bis zu 18 Zentimetern eiförmig bis herzförmig mit schiefer Spreitenbasis. In Ausnahmefällen können die Blätter sogar bis 38 cm lang und 25 cm breit werden. Beide Blattflächen gelblichgrün und kahl; diese Gleichfärbung beider Blattseiten ist ein gutes Unterscheidungsmerkmal von anderen Linden-Arten. Die Blattunterseite ist verkahlend, anfangs mit Büscheln einfacher, gegabelter oder gebündelter Haare (Trichome) an den Verzweigungen der Blattadern. Die Blattoberseite ist meist verkahlend oder kahl. Die Herbstfärbung ist manchmal gelb, doch meist braun. Die Nebenblätter fallen früh ab.

Generative Merkmale Zehn bis zwölf Blüten stehen in hängenden trugdoldigen Blütenständen zusammen. Das Tragblatt ist grün mit einer rosafarbenen Mittelrippe und 7 bis 10 Zentimeter lang mit gut erkennbarer Netzaderung und deutlich behaart, verkahlend oder kahl. Der Blütenstandsschaft entspringt in der Nähe oder unterhalb der Mitte des Tragblattes. Die deutlich behaarten oder verkahlenden Blütenstiele sind bei einer Länge von 4 bis über 15 Millimetern schach keulenförmig.

Die duftenden, gelben, zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Kelchblätter sind 4 bis 6, selten bis über 9 Millimeter lang. Die Kronblätter 5 bis 9, selten bis zu 11 Millimeter lang. Die Staminodien sind 4 bis 7, selten bis zu 10 Millimeter lang. Der Fruchtknoten ist sitzend.

Die bei einer Länge von 5 bis 10 Millimetern ellipsoiden bis kugeligen Früchte sind ungerippt.

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 41; es liegt Diploidie vor mit einer Chromosomenzahl von 2n = 82.

Standorte Die Amerikanische Linde gedeiht in Nordamerika in Wäldern und entlang von Ufern von Fließgewässern sowie Seen in Höhenlagen von 10 bis 800 Metern.

Die Amerikanische Linde gedeiht in Nordamerika in Buchen-Zuckerahorn-Wäldern (Aceretalia sacchari) und in Ulmen-Silberahorn-Wäldern (Ulmo-Aceretalia saccharini).

mini|Verbreitungsgebiet (1938) mini|Junges Exemplar von Tilia americana var. heterophylla mit Laubblättern

Systematik und Verbreitung Die Erstveröffentlichung von Tilia americana erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 514.

Das weite Verbreitungsgebiet der Amerikanischen Linde erstreckt sich von Kanada über die mittleren bis östlichen USA bis Mexiko.

Es wurden Varietäten beschrieben, doch diskutieren einige Autoren, beispielsweise Strother 2015 in der Flora of North Amerika, ob diese Subtaxa anzuerkennen sind oder ob es eigene Arten sind. Er entscheidet sich aber für die Subtaxa und hat es damit mit nur einer Art in Nordamerika einschließlich Mexiko zu tun.

Je nach Autor gibt es von Tilia americana vier Varietäten:

Tilia americana var. americana (Syn.: Tilia glabra , Tilia americana var. neglecta , Tilia glabra var. neglecta , Tilia neglecta ): Sie ist vom östlichen sowie westlichen Kanada (New Brunswick, Ontario, Quebec, Manitoba) über die nordöstlichen und nördlichzentralen bis zu den südöstlichen USA (Illinois, Iowa, Kansas, Minnesota, Missouri, Nebraska, North Dakota, South Dakota, Wisconsin, Connecticut, Maine, Massachusetts, New Hampshire, New Jersey, New York, Ohio, Pennsylvania, Vermont, West Virginia, Arkansas, Kentucky, Maryland, North Carolina, Tennessee, Virginia) verbreitet. Tilia americana var. caroliniana (Syn.: Tilia caroliniana ): Sie kommt in den nördlichzentralen, südlichzentralen bis südöstlichen USA vor (Oklahoma, Texas, Alabama, Arkansas, Georgia, Louisiana, Mississippi, North Carolina, South Carolina, Florida). Tilia americana var. heterophylla (Syn.: Tilia heterophylla , Tilia americana subsp. heterophylla , Tilia caroliniana subsp. heterophylla , Tilia nigra var. heterophylla nom. inval., Tilia apposita , Tilia australis , Tilia caroliniana var. lata , Tilia eburnea , Tilia floridana var. australis , Tilia heterophylla var. amphiloba , Tilia heterophylla var. michauxii , Tilia heterophylla var. microdonta , Tilia heterophylla var. nivea , Tilia heterophylla var. tenera , Tilia lasioclada , Tilia lata , Tilia michauxii nom. inval., Tilia michauxii , Tilia monticola , Tilia opposita , Tilia tenera , Tilia venulosa ): Sie kommt in den nördlichzentralen, nordöstlichen bis südöstlichen USA vor (Illinois, Missouri, Indiana, Ohio, Pennsylvania, West Virginia, Alabama, Arkansas, Georgia, Kentucky, Maryland, North Carolina, South Carolina, Tennessee, Virginia, Florida). Tilia americana var. mexicana (Syn.: Tilia mexicana , Tilia ambigua , Tilia arsenei , Tilia cordata nom. illeg. non , Tilia coahuilana , Tilia houghii , Tilia longipes , Tilia nelsonii , Tilia moreliana , Tilia patzcuaroana nom. illeg., Tilia pertomentosa , Tilia pringlei , Tilia roseana , Tilia rotunda , Tilia sargentiana ): Sie ist in Mexiko (Chihuahua, Coahuila, Durango, Nuevo León, San Luis Potosí, Sinaloa, Tamaulipas, Guerrero, Hidalgo, Jalisco, México, Michoacán, Morelos, Oaxaca, Puebla, Querétaro, Veracruz) verbreitet.

Nutzung Das Holz und die Fasern werden genutzt. Die Amerikanische Linde ist eine Bienenweide.

Die medizinischen Wirkungen wurden untersucht.

Die Amerikanische Linde wird in den gemäßigten Gebieten der Welt hin und wieder als Straßen- oder Parkbaum verwendet.

Es gibt Sorten (Auswahl): ‘Nova’: Unter dieser Sortenbezeichnung wurde früher häufig die normale Art in Parks gepflanzt. ‘Redmond’: Diese Sorte bildet eine kegelförmige Krone aus.

Literatur John L. Strother: Tilia: Tilia americana – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 6: Magnoliophyta: Cucurbitaceae to Droserceae, Oxford University Press, New York und Oxford, 19. November 2015, ISBN 0-19-534027-2. Alan Mitchell: A Field Guide to the Trees of Britain and Northern Europe. Collins Publishers, London 1974. (engl.)

Einzelnachweise John L. Strother: Tilia: Tilia americana – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 6: Magnoliophyta: Cucurbitaceae to Droserceae, Oxford University Press, New York und Oxford, 19. November 2015, ISBN 0-19-534027-2. James W. Hardin: Variation patterns and recognition of varieties of Tilia americana s.l. In: Systematic Botany. Volume 15, Issue 1, 1990, S. 33–48. T. R. Crow:

Carl von Linné 1753: eingescannt bei biodiversitylibrary.org. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 656. Datenblatt des Dept. of Forest Resources and Environmental Conservation der Virginia Tech. Datenblatt mit Fotos bei wildflower.org.

Weblinks

Datenblatt bei baumkunde.de. Datenblatt der Iowa State University. Fotos von Tilia americana var. heterophylla.

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