mini|Westseite der Klosterkirche Maria Laach mit dem „Paradies“ mini|Umgebungskarte der östlichen Vordereifel mini|Gesamtanlage des Klosters
Die Abtei Maria Laach ( Abbatia Mariae Lacensis oder Abbatia Mariae ad Lacum oder Abbatia Lacensis, von lacus ‚See‘: „Abtei der Maria am See“) ist ein Kloster in Glees (Landkreis Ahrweiler, Rheinland-Pfalz), das zur Beuroner Kongregation des Benediktinerordens gehört.
Die hochmittelalterliche Klosteranlage liegt an der Südwestseite des Laacher Sees und gehört zur Ortsgemeinde Glees. Die Abtei befindet sich etwa zwei Kilometer südlich des Ortskerns von Glees und vier Kilometer nördlich von Mendig in der Eifel. Sie wurde als Abbatia ad Lacum, lateinisch für „Abtei am See“, später auch Abbatia Lacensis „die zum See/Laach gehörende Abtei“ zwischen 1093 und 1216 als Stiftung Heinrichs II. von Laach und seiner Frau Adelheid erbaut. (PDF; 19 kB). Ihr deutscher Name entwickelte sich aus der alten lateinischen Form.
Die sechstürmige Klosterkirche, das Laacher Münster, gilt als eines der schönsten Denkmäler der romanischen Baukunst in Deutschland. Der hier als „Paradies“ bezeichnete prächtige Vorhof der gewölbten Pfeilerbasilika ist das letzte erhaltene nördlich der Alpen.
Geschichte Mittelalter mini|Kirche von Nordwesten mini|Außenportal des „Paradieses“ mini|Mittelschiff zur Ostapsis
mini|Krypta
Der erste Pfalzgraf bei Rhein, Heinrich II. von Laach, der sich nach seiner Burg Laach auf dem väterlichen Erbe „zu Laach“ über dem Ostufer des Laacher Sees als erster und einziger „von Laach“ nannte, versprach der Kirche, für sein und seiner Gemahlin Seelenheil und dazu als Grablege für beide wegen ihrer Kinderlosigkeit ein Kloster auf der gegenüberliegenden Seite des Sees am Südwestufer zu gründen. Der Platz war wegen der Frischwasserversorgung durch den „Beller Bach“ und die gute Zugänglichkeit weise gewählt. So gründete er 1093 versprechensgemäß mit seiner Gemahlin Adelheid von Weimar-Orlamünde († 28. März 1100) unter dem Doppelpatrozinium der Heiligen Jungfrau Maria und des heiligen Nikolaus gegenüber seiner Burg am Südwestufer des Sees die Abtei mit dem Namen „Abbatia ad Lacum“ (Abtei am See), auch „Abtei Laach“ genannt. Dabei ist das zu „Laach“ verschliffene althochdeutsche Wort lacha (von urgermanisch *lakō, zu *lek-a- „leck, undicht“, urindogerm. *leg- „tröpfeln, sickern“) als Name für den See, den Ort und das Kloster erhalten geblieben.
Der Pfalzgraf gab dem Kloster außer der Gemarkung „zu Laach“ nebst Südteil des Sees und zugehörigen Wäldern die Orte Kruft samt Kirche, Alken, Bendorf, Bell, Rieden und Willenberg. Die ersten Mönche und Bauhandwerker kamen aus dem Kloster St. Maximin nahe Trier. 1093 wurden bereits die Fundamente für Krypta, Langhaus, Vierungsturm, West- und Ostwerk angelegt – quasi die komplette Fundamentierung ohne das erst später erwogene und angebaute Paradies. Nach dem Tod Heinrichs am 23. Oktober 1095 auf Burg Laach waren die Mauern bis auf über drei Meter hochgezogen, am Ostchor waren die Arbeiten am weitesten bis zu sieben Meter, am Langhaus am geringsten fortgeschritten. Die Pfalzgräfin Adelheid führte die Bauarbeiten fort; sie wurden nach ihrem Tod in Echternach im März des Jahres 1100 zunächst eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt war das östliche Querhaus noch ohne Gewölbe und hatte als vorläufiger Gottesdienstraum für die Mönche ein provisorisches Flachdach.
1112 erneuerte Heinrichs Erbe Pfalzgraf Siegfried von Ballenstedt († 1113) die Stiftung („[…] zur Vollendung der Kirche eingesetzt“), ließ die Bauarbeiten wieder aufnehmen und schenkte das Kloster der Abtei Affligem im Herzogtum Brabant, zu dem das Kloster Laach somit anfangs als Priorat gehörte. Der vierte Prior Gi(se)lbert von Affligem aus der Abtei Affligem führte das Kloster ab 1127 zunächst als Prior, dann als erster Abt seit 1138. Mit ihm kamen 40 Mönche an den See. Auch der Grundbesitz des Klosters an Rhein, Mosel und in der Eifel begann zu wachsen. Nach der Fertigstellung der eigentlichen Klosterbauten wurden die Arbeiten an der Kirche fortgesetzt: Westwerk, Krypta und Langhaus wurden vollendet. 1139 schenkte Graf Gerhard II. von Hochstaden, der Neffe des Gründers, die Nordhälfte des Sees nebst Wassenach dem Kloster.
1138 wurde Laach selbstständige Abtei; am 6. August 1152 starb Gilbert. Unter seinem Nachfolger Abt Fulbert (1152–1177) wurden Krypta, Langhaus und Westchor am 24. August 1156 von Hillin von Fallemanien, Erzbischof von Trier, geweiht. Den Türmen des Westbaus fehlten die obersten beiden Stockwerke nebst Dachstuhl, ebenso war der südliche Flankenturm des Ostbaus noch nicht vollendet. Flache, provisorische Dächer schützten die unvollendeten Gebäudeteile. Stifter des Westwerkes waren Johannes und Mathilde von Ebernach, in einem der Kirchenfenster verewigt. Um 1177 waren dann der Ostchor, die flankierenden Türme der Ostkuppel und die Westempore vollendet, die durch Geldmittel (1170) der Gräfin Hedwig von Are beträchtlich unterstützt wurden.
Aufgrund von Erkenntnissen aus dem Jahre 1979 über eine dendrochronologisch nachgewiesene Dürrezeit in den Jahren ab 1164 wird dem zu dieser Zeit amtierenden Abt Fulbert von Laach (1152 bis 1177) vom Geodäten und Archäologen Klaus Grewe zugeschrieben, den nur bei niedrigem Wasserstand für möglich gehaltenen Bau des 880 m langen, später von ihm nach dem Abt benannten Fulbert-Stollens veranlasst zu haben. Nach Grewe sollte über den Stollen der Wasserspiegel des abflusslosen Laacher Sees bei Hochwasser abgesenkt werden, um das in Bau befindliche Kloster zu schützen.Klaus Grewe: Der Fulbert-Stollen am Laacher See. Eine Ingenieurleistung des hohen Mittelalters, Rheinland-Verlag Köln (in Kommission Rudolf Habelt Verlag Bonn) 1979, ISBN 3-7927-0489-7. Neuerdings werden auch die Römer – aufgrund von in Höhe des Klosters gefundenen römischen Siedlungsresten und aufgrund der römischen Stollenbauweise – als Bauherren diskutiert.Gerd Otto: Auf den Spuren der Römer in der Osteifel. Sutton-Verlag, 2009, S. 9–16; ISBN 978-3-86680-445-6. Neuere Quellen nehmen eine Entstehung bereits während der Römerherrschaft an.
Unter den Äbten Albert (1199–1216) und Gregor (1216–1235) wurde der Westbau fertiggestellt. Von 1220 bis 1230 wurde die heute noch existierende Nikolauskapelle errichtet, weiterhin wurde als Neuplanung die „Paradies“ genannte Säulenvorhalle (Narthex) an die Westfassade angefügt. Sie bildet mit der Kirchenaußenwand ein offenes Areal umschließendes, geschlossenes Quadrat, einem Atrium ähnlich. Im Gegensatz dazu hat es auch in der nördlichen und westlichen Außenwand Säulenfenster, nur die Südwand ist massiv, da dort bis 1855 der alte Prälaturflügel angefügt war und ein Klausurbereich bestand, der nicht eingesehen werden sollte.
Das vom Paradies umgebene Areal ohne echten Zugang wurde als Garten genutzt und wurde in späteren Jahrhunderten um ein weiteres Stockwerk mit Fachwerkmittelfront zur Unterbringung von Gästen nach dem St. Galler Klosterplan erweitert. Dazu war an der Südseite des Paradieses ein Anbau angefügt worden, der ebenfalls mit überstockt wurde. So konnte man vom südlichen Paradiesobergeschoss direkt in den Prälaturbau gelangen, der dicht an den Südturm angefügt war. Das Obergeschoss hatte ca. zwölf Räume und im Südteil einen Korridor. Die älteste bekannte Darstellung ist eine Zeichnung des wallonischen Malers Renier Roidkin von 1725. In den Jahren vor 1830 wurde es wieder entfernt.
In diese Zeit (1230–1250) fiel auch die Einwölbung des Langhausmittelschiffs mit seiner Holzflachdecke. In der Folgezeit entstand eine berühmte Schreib- und Malschule, aus der unter anderem das „Laacher Sanktuar“ (wertvolle und umfassende Gebets- und Gesangssammlung der Eucharistiefeier einschließlich der Wechselgesänge) hervorging, heute in der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt untergebracht.
mini|Südportal Blattmaske Laacher Samsonmeister
Nach einer schwierigen Phase zwischen 1247 und 1256 (drei Äbte, die abdankten) erfuhr das Kloster unter seinem 11. Abt Diedrich II. von Lehmen etliche Umbauten im gotischen Stil (s. u.), dazu eine völlige Erneuerung von Klosterleben und Wirtschaftlichkeit (Ankauf etlicher Güter, Höfe, Weinberge, Reliquien), so dass spätere Laacher Historiker ihn als den „zweiten Klostergründer“ bezeichneten. Nach dem Catalogus abbatum Lacensium ist er mit 42 Amtsjahren und anschließendem Rückzug ins Privatleben, nach Germania Sacra 31 – Die Benediktinerabtei Laach mit 39 Jahren belegt (S. 101, 358). In der Folgezeit erfuhr das Kloster unter Abt Kuno von Lösnich (1295–1328) eine geistige Blüte, gotische Dachausbauten erfolgten bis um 1355, und das Klosterleben erfuhr innerhalb der nächsten 150 Jahre eine Blütezeit.
In der Zeit nach dem Konstanzer Konzil wurden die benediktinischen Reformbewegungen immer stärker umgesetzt. Der Erzbischof von Trier Johann II. von Baden förderte den Anschluss der Benediktinerklöster an die Reformbewegung des Ordens (Bursfelder Kongregation) und sandte 1469 den Prior Johann Fart von Deidesheim aus der Trierer Reichsabtei St. Maximin (~ 650–1802, nach anderen Quellen aus dem Trierer Kloster St. Maria ad Martyres, 7. Jhd.–1802) als Reformabt (1469–1491) nach Laach. Damit setzte er sich gegen seinen Kölner Amtskollegen, Erzbischof Ruprecht von der Pfalz, durch, der einen anderen für dieses Amt vorsah und acht Mönche aus dem Reformkloster Groß St. Martin sandte. Mit Johannes IV. Fart schloss sich die Abtei 1474 endgültig der reformerischen Bursfelder Kongregation an, die sein Vorgänger Abt Johannes III. Reuber eingeführt hatte. Unter Abt Simon von der Leyen (Simon de Petra, 1491–1512) und seinem zweiten und dritten Nachfolger Peter Maech von Remagen (1530–1552) und Johannes V. Augustinus Machhausen aus Koblenz (1552–1568), wurde das Kloster mit seiner inzwischen sehr umfangreichen Bibliothek ein Zentrum des Humanismus monastischer Ausprägung.
Neuzeit mini|Abteikirche um 1832, Stich nach William Tombleson Im späten 17. und im 18. Jahrhundert wurden Kloster und Kirche „barock“ ausgebaut, besonders unter dem 33. Abt Placidus Kessenich (1662–1698), weiterhin unter Abt Josef Dens (1698–1711) ein neues Chorgestühl, unter Abt Michael Godarth (1711–1718) die Bibliothek, durch Clemens Aach (1718–1731) eine neue Kanzel, unter Abt Heinrich III. Artz (1756–1766) der Ausbau des Konventsgebäudes und Refektoriums sowie das komplette Schiff der Nikolauskapelle und unter Abt Josef II. Meurer (1767–1801) der Josefflügel und zweite Innenhof.
Am 6. August 1802 (in manchen Quellen der 2. August) wurde die Abtei im Zuge der Säkularisation (Säkularisationsedikt Napoleons vom 9. Juni 1802) durch die französische Verwaltung aufgehoben, nachdem bereits am 27. September 1801 das Kloster hinsichtlich seines Laacher Güterbesitzes durch die Besatzungsbehörden enteignet worden war. Am 10. Juni, ein Tag nach dem Edikt, starb Laachs 41. und letzter, noch nicht geweihter Abt Thomas Kupp als designierter Nachfolger des 1801 verstorbenen Abtes Josef Meurer (1766–1801) – am Tage der Klosteraufhebung, auf den Tag 650 Jahre nach Gilberts Tod, hatte das 709 Jahre alte Kloster der hl. Maria zu Laach, das nur noch 17 Mönche beherbergte, kein Oberhaupt mehr. mini|links|Foto der Abtei und Plan mit dem Ziborium (noch) im Westchor. Anonym (1860–1890), Sammlung Rijksmuseum Amsterdam mini|Kloster Laach (Originalbild aus dem Klosterbesitz vor 1800; Öl auf Holz, unsigniert; 19 × 13,5 cm) mini|Abtei Maria Laach, Gemälde von Fritz von Wille, 1908