mini|Topografische Karte des Laacher Sees und seiner Umgebung mini|Landschaftskarte der Vordereifel
Der Laacher See in der Ortsgemeinde Glees, nahe der Abtei Maria Laach in der östlichen Vulkaneifel gelegen, ist der größte See in Rheinland-Pfalz. Er entstand in der Caldera des Laacher Vulkans nach dessen letzter Eruption, die zunächst auf 10.930 v. Chr. datiert wurde. Nach 2021 durchgeführten Radiokarbondatierungen verschütteter Baumstämme wurde das Datum dieses Ausbruchs auf 11.056 v. Chr. korrigiert;Ausbruch des Laacher-See-Vulkans neu datiert bei archaeologie-online.de vom 3. Juli 2021. Zweifel an der Richtigkeit der neuen Datierung konnten bislang nicht bestätigt werden. Die im südöstlichen Bereich des Sees als Mofetten beobachtbaren Ausgasungen sind Zeichen eines andauernden Vulkanismus.
Bezeichnung Das Wort Laach entstammt dem althochdeutschen lacha, ist verwandt mit dem heutigen Wort Lache, dem lateinischen lacus und dem englischen lake (See) und bedeutet einfach See. Der Name Laacher See ist somit eine Tautologie. Die Bezeichnung Laach ist auch auf den Ort und das Kloster übergegangen. Die Abtei erhielt den offiziellen Namen Maria Laach von den Jesuiten bei der Wiederbegründung des Klosters 1863.
Beschreibung mini|Laacher See im Winter, vom Südwestufer aus mini|Abteikirche Maria Laach mini|Laacher See mit Benediktinerabtei Maria Laach um 1832, Stich nach Tombleson Der ovale See ist mit einer Oberfläche von rund 3,3 km² und einer Tiefe von 51 m der größte in Rheinland-Pfalz. Er liegt in der Vordereifel (Osteifel-Vulkanfeld) in der Nähe der Städte Andernach (8 km), Bonn (37 km), Koblenz (24 km) und Mayen (11 km). Über die 3 km entfernte Autobahn-Anschlussstelle der A 61 nördlich von Mendig ist er leicht zu erreichen.
Der See ist vollständig von einem durchschnittlich 125 m hohen Wall umgeben. Er wird hauptsächlich von Grundwasser gespeist und besitzt keinen natürlichen Abfluss. Seine Oberfläche liegt heute auf etwa ; ursprünglich schwankte der Wasserspiegel um bis zu 15 m, was die Landwirtschaft schwierig machte. Wahrscheinlich im Mittelalter zur Amtszeit von Abt Fulbert (1152 bis 1177) wurde der 880 m lange Stollen in Richtung Süden gebaut. Als Überlauf sollte dieser Fulbert-Stollen den Klosterbesitz vor Überschwemmungen schützen.Klaus Grewe: Der Fulbert-Stollen am Laacher See. Eine Ingenieurleistung des hohen Mittelalters. Zeitschr. Arch. Mittelalter 7, 1979, 107–142. Neueren Untersuchungen zufolge könnte der Fulbert-Stollen vielleicht schon zur Zeit der Römer entstanden sein. Zwischen 1840 und 1845 bauten die Familien Delius und von Ammon, die damaligen Eigentümer des säkularisierten Klostergutes und Sees, parallel dazu einen ca. 5 m tiefer liegenden Stollen zum Absenken des Wasserspiegels auf das heutige Niveau, um Land- und Weideflächen zu gewinnen. Der See verlor durch die beiden Abzugsstollen etwa ein Drittel seiner früheren Fläche.
Geologie und vulkanische Aktivitäten Obwohl der Laacher See oft als „das größte Maar der Vulkaneifel“ bezeichnet wird, ist er geologisch gesehen weder ein Maar noch ein Vulkankrater, sondern die einzige wassergefüllte Caldera in Mitteleuropa. Ihr mehr oder weniger kreisrundes Becken ist durch das Absacken der Decke der entleerten Magmakammer unterhalb des Vulkans entstanden. Im Laufe der Zeit kann sich ein solcher Kessel mit Wasser füllen. Der Laacher See und der benachbarte Wehrer Kessel sind die größten Calderen in der Eifel.
mini|Aufschluss von Ablagerungsschichten an der Wingertsbergwand nahe dem Laacher See Der letzte Vulkanausbruch, bei dem die Caldera des Laacher Sees geschaffen wurde, fand vor rund 13.000 Jahren statt. Eine Untersuchung aus dem Jahre 2021 datiert ihn auf 13.006±9 Jahre BP (Bezugsjahr AD 1950),Reinig, F., Wacker, L., Jöris, O. et al.: Precise date for the Laacher See eruption synchronizes the Younger Dryas, in Nature 595, 66–69 (2021). doi:10.1038/s41586-021-03608-x also rund ein Jahrhundert früher als das bisher angenommene Datum – etwa um das Jahr 10.930 v. Chr. – für den Ausbruch. Dabei maßen die Forscher den Anteil des radioaktiven Kohlenstoff-Isotops 14C in beim Ausbruch verschütteten Baumstämmen. Weil dieses Isotop im Laufe der Zeit zerfällt, kann man aus seinem Anteil in kohlenstoffhaltigen Relikten auf deren Alter schließen. Kritiker zweifeln das Ergebnis an, da an einem Vulkan wachsende Bäume auch Kohlenstoff vulkanischen Ursprungs in ihre Gewebe einbauen können, wodurch der Anteil an radioaktivem 14C geringer wäre. Vergleichsmessung an heutigen Bäumen konnten diese Kritik bislang nicht bestätigen.
Die abgelagerten Schichten zeigen, dass der Ausbruch in mehreren Phasen geschah. Er dauerte einige Tage und bestand im Wesentlichen aus einer plinianischen Hauptphase, eingeleitet und beendet von phreatomagmatischen Explosionen.
Dabei wurden riesige Mengen vulkanischer Asche und Bims ausgeschleudert, welche die Gegend bis ins Rheintal bis zu sieben Meter mächtig bedeckten, noch im Raum Köln bis zu einem Meter dick. Das Auswurfmaterial und wahrscheinlich auch größere Mengen abgerissener Baumstämme verstopften die Talenge des Rheins an der Andernacher Pforte. Der dadurch aufgestaute See erstreckte sich über das Neuwieder Becken bis in den Oberrhein.Michael Baales, Olaf Jöris, Martin Street: Impact of the Late Glacial Eruption of the Laacher See Volcano, Central Rhineland, Germany. In: Quaternary Research 58, 2002, S. 273–288, doi:10.1006/qres.2002.2379.Michael Baales, Olaf Jöris: Wandel von Klima und Umwelt an Mittelrhein und Mosel gegen Ende der letzten Eiszeit. In: Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel, 10, 2005, S. 9–43. Die Flutwelle nach dem Dammbruch ergoss sich über weite Bereiche des Niederrheins und lässt sich noch an den Kiesschichten ablesen. Hier findet man auch größere Bimssteinlinsen – Ansammlungen, die entstanden, als mitgeschwemmter Bims sich beim Zurückgehen der Flut in Buchten ablagerte.
Direkt unterhalb der Bimsablagerungen des Laacher-See-Vulkans konnten im Neuwieder Becken paläolithische Lagerplätze, möglicherweise Jagdlager, von Menschen gefunden werden, die nach ihren Steinwerkzeugen den Federmesser-Gruppen zugeordnet werden konnten. Es gab also in Mitteleuropa schon Menschen, die Zeugen des Ausbruchs waren.Michael Baales (2002): Vulkanismus und Archäologie des Eiszeitalters am Mittelrhein. Die Forschungsergebnisse der letzten dreissig Jahre. Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 49: 43-80 + 4 Tafeln. doi:10.11588/jrgzm.2002.0.23282
Der schwefelreiche Laacher-See-Ausbruch wird als einer von mehreren möglichen Auslösern der Klimaanomalie der jüngeren Dryas-Kaltzeit diskutiert.Anhand von Mineralablagerungen aus der 70 km vom Laacher See entfernten und im Hauptfallout-Gebiet der Laacher See Eruption (LSE) liegenden Herbstlabyrinth-Höhle entwickelten Geologen (Warken, Sophie SF, Schmitt AK, Scholz Denis, Hertwig A, Weber M, Mertz-Kraus R, Reinig Frederick, Esper J, Sigl M (in review): Laacher See eruption aligns Late Glacial climate between Europe and Greenland. Science Advances Jg. 11, Nr. 3, 17. Januar 2025.) eine genaue Chronologie der vulkanischen Schwefelspitzen und konnten die LSE, die sich vor etwa 13.000 Jahren ereignete, mit einer bisher nicht identifizierten Sulfatspitze in den grönländischen Eisbohrkernen in Verbindung bringen. Dieser synchronisierte Kalender zeigt, dass die LSE rund 150 Jahre vor einem damaligen Kälteeinbruch passierte und deshalb nicht die Ursache für die Klimaabkühlung in der Jüngeren Dryas (YD) war. (Quelle: Georg Taffet und SAH (Speläologische Arbeitsgemeinschaft Hessen e. V.)
Die gesamte Auswurfmenge betrug etwa 6 km³ Stammmagmavolumen, entsprechend ca. 16 km³ vulkanischer Lockermassen (Tephra),Claudia Köhler: . Technische Universität Bergakademie Freiberg, 2005, Institut für Geologie (PDF, Diplomarbeit). was einem Wert von 6 auf der von 0 bis 8 reichenden Skala des Vulkanexplosivitätsindex entspricht. Damit war der Ausbruch anderthalbmal so stark wie der des Pinatubo 1991 oder sechsmal so stark wie der Ausbruch des Mount St. Helens 1980. Feinere Ablagerungen der Aschewolken sind bis nach Schweden und Norditalien verfrachtet in quartären Sedimenten als schmaler Bimshorizont zu finden. Die Formation wurde von Bogaard und Schmincke 1984 als Laacher See-Tephra (LST) benannt.M. Weidenfeller: In: Lithostratigraphisches Lexikon, zuletzt korrigiert 6. Juli 2009, abgerufen am 21. September 2015. Geowissenschaftlern und Archäologen dient sie als Marker (Proxy) zur Datierung und überregional als Leithorizont des Allerød. Aus diesem Grund ist der gering erscheinende Zeitunterschied bei der Diskussion der Ausbruchsdatierung von großer Bedeutung für viele wissenschaftliche Fragestellungen.
Das geförderte vulkanische Material war vorwiegend von phonolithischem Typ. In der dritten Phase wurde ein zunehmend höherer Anteil an primitiverem mafischem Material ausgeworfen. Im Hinblick auf die Gesamtmenge des Materials – die Rede ist von 6 km³ DRE, entsprechend 16–20 km³ Lockermassen – wird eine Diskrepanz zwischen der Größe der Caldera und dem geschätzten Volumen der zugehörigen Magmakammer diskutiert. Unklar ist ebenfalls, ob neben dem einen Ausbruchszentrum weitere existieren. Siehe hierzu auch
mini|Mofetten am Ostufer Nahe der südöstlichen Uferzone steigt Kohlenstoffdioxid (CO2) im See auf und bildet sogenannte Mofetten, die auch heute noch die vulkanische Aktivität anzeigen. Der Laacher See Vulkan entgast aus ungefähr 200 Quellen ca. 5000 t CO2 pro Jahr. Die Entgasung ist kalt, was angesichts des Zeitraumes seit der letzten Eruption und dem aktiven Entgasungsverhalten bemerkenswert und derzeit nicht abschließend erklärt ist. Die absichtliche Senkung des Wasserspiegels des Laacher Sees führte mutmaßlich am 1. Juli 1844 zu einer kleineren explosiven Entgasung von Wasser. Vulkanologen und Geologen gehen davon aus, dass zurzeit keine akute Gefahr besteht. Vor dem Hintergrund langer vulkanischer Tätigkeit in der Eifel ist die Möglichkeit eines Vulkanausbruchs allerdings nicht von der Hand zu weisen. Zwischen dem ersten Auftreten von Magma unter der Region des heutigen Laacher Sees und dem gewaltigen Ausbruch zum Ende der letzten Eiszeit vergingen mindestens 17.000 Jahre. Gemessen an diesen langen Zeiträumen ist ein neuer Ausbruch des Vulkans innerhalb der nächsten Jahrtausende „sehr wahrscheinlich“. In der gesamten Osteifel kam es in den letzten 450.000 Jahren durchschnittlich alle fünf- bis zehntausend Jahre zu einer Vulkaneruption – einem Zeitraum, der seit dem letzten Ausbruch bereits überschritten ist.
Neueste Entwicklungen wie lokale Erdbeben im Jahr 2018 zeigen eine leichte, langsam zunehmende Aktivität. Experten beobachten weiter die Entwicklung des Vulkans und konnten herausfinden, dass die Magmakammer noch intakt ist. Aussagen über die Zeitspanne bis zum nächsten Ausbruch sind allein daraus jedoch nicht verlässlich abzuleiten.
Eine im Januar 2019 veröffentlichte Untersuchung konnte seit 2013 acht Sequenzen niederfrequenter Erdbeben in insgesamt vier räumlich eng begrenzten Clustern in einer Tiefe von 10 bis 45 Kilometern nachweisen. Die Wissenschaftler deuten dies als Bestätigung der vorherrschenden Ansicht, dass der Vulkan noch aktiv ist und die Magmakammer sich derzeit durch den Aufstieg von Magma aus dem oberen Erdmantel füllt.Martin Hensch, Torsten Dahm, Joachim Ritter, Sebastian Heimann, Bernd Schmidt, Stefan Stange, Klaus Lehmann: Deep low-frequency earthquakes reveal ongoing magmatic recharge beneath Laacher See Volcano (Eifel, Germany). In: Geophysical Journal International 523, 2019, doi:10.1093/gji/ggy532 Dies sind aber keine Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende vulkanische Aktivität. Man nimmt derzeit an, dass es nach einem Ausbruch etwa 30.000 Jahre dauert, bis die Magmakammer wieder gefüllt ist.