mini|Charles Darwin auf einer etwa 1857 entstandenen Fotografie mini| Darwin kurz vor seinem Tod. Gemälde von John Collier (1883) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Charles Darwin Charles Robert Darwin [] (* 12. Februar 1809 in Shrewsbury; † 19. April 1882 in Down House/Grafschaft Kent) war ein britischer Naturforscher. Er gilt wegen seiner Beiträge zur Evolutionstheorie als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler.

Die Ende 1831 begonnene und fast fünf Jahre andauernde zweite Reise mit der Beagle, die den jungen Darwin einmal um die Welt führte, war zugleich Schlüsselerlebnis und Grundlage für sein späteres Werk. Der breiten Öffentlichkeit wurde Darwin erstmals durch seinen 1839 herausgegebenen Reisebericht bekannt. Mit seiner Theorie über die Entstehung der Korallenriffe und weiteren geologischen Schriften erlangte er in wissenschaftlichen Kreisen die Anerkennung als Geologe. Seine Untersuchungen an den Rankenfußkrebsen (Cirripedia) verschafften ihm Mitte der 1850er Jahre zusätzlich einen Ruf als angesehener Zoologe und Taxonom.

Bereits 1838 entwarf Darwin seine Theorie der Anpassung an den Lebensraum durch Variation und natürliche Selektion und erklärte so die phylogenetische Entwicklung aller Organismen und ihre Aufspaltung in verschiedene Arten. Über 20 Jahre lang trug er Belege für diese Theorie zusammen. 1842 und 1844 verfasste Darwin kurze Abrisse seiner Theorie, die er jedoch nicht veröffentlichte. Ab 1856 arbeitete er an einem umfangreichen Manuskript mit dem Titel Natural Selection. Durch einen Brief von Alfred Russel Wallace, der dessen Ternate-Manuskript mit ähnlichen Gedanken zur Evolution enthielt, kam es im Sommer 1858 schließlich zu einer Veröffentlichung der Theorien über die Evolution durch beide. Ein Jahr später folgte Darwins Hauptwerk On the Origin of Species (Über die Entstehung der Arten), das als streng naturwissenschaftliche Erklärung für die Diversität des Lebens die Grundlage der modernen Evolutionsbiologie bildet und einen Wendepunkt in der Geschichte der modernen Biologie darstellt.

1871 diskutierte Darwin in The Descent of Man, and Selection in Relation to Sex (Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl) mit der sexuellen Selektion einen zweiten Selektionsmechanismus und nutzte seine Theorie, um die Abstammung des Menschen zu erklären. In seinem letzten Lebensjahrzehnt untersuchte Darwin Kletterpflanzen, Orchideen und fleischfressende Pflanzen und leistete wichtige Beiträge zur Botanik. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“.

Leben und Werk Kindheit und Studium mini|Das Anwesen Mount House, auf dem Charles Darwin geboren wurde, auf einer um 1860 entstandenen Fotografie mini|Charles Darwin im Alter von sieben Jahren. Ausschnitt aus einem Pastell von Rolinda Sharples von 1816. Darwin wurde am 12. Februar 1809 auf dem in Shrewsbury gelegenen Anwesen Mount House geboren. Er war das fünfte von sechs Kindern des Arztes Robert Darwin und dessen Ehefrau Susannah, geborene Wedgwood (1765–1817). Seine Großväter waren der Naturforscher und Dichter Erasmus Darwin und der Keramikfabrikant Josiah Wedgwood.

Am 15. Juli 1817, als Darwin acht Jahre alt war, starb seine Mutter. Seine drei älteren Schwestern Marianne (1798–1858), Caroline (1800–1888) und Susan (1803–1866) übernahmen seine Betreuung. Seit dem Frühjahr 1817 besuchte er die Tagesschule der Unitarier-Gemeinde. Seine Mutter war gläubige Unitarierin, sein Vater galt als ungläubig, Charles war hingegen in der anglikanischen Kirche getauft. Im Juni 1818 wechselte er an die von Samuel Butler geleitete private Internatsschule von Shrewsbury, auf der er sieben Jahre blieb. Dem konventionellen, auf alte Sprachen und Literatur ausgerichteten Unterricht konnte Darwin jedoch nicht viel abgewinnen.Autobiografie S. 27 f. Das Durchdringen komplexer Sachverhalte wie Euklids Geometrie, in der ihn ein Privatlehrer unterrichtete, oder die Feineinstellung eines Barometers, die ihm sein Onkel Samuel Tertius Galton (1783–1844) erläuterte, bereiteten ihm hingegen Freude. Schon zu dieser Zeit sammelte Darwin Muscheln, Siegel, Münzen und Mineralien,Autobiografie S. 23. und seine unablässigen Streifzüge durch die Natur, bei denen er die Verhaltensweisen von Vögeln untersuchte, schärften seine Beobachtungsgabe. Angeregt durch Experimente seines älteren Bruders Erasmus (1804–1881), die dieser in einem selbstgebauten Labor im elterlichen Geräteschuppen durchführte und bei denen Darwin mithelfen durfte, beschäftigte er sich intensiv mit Chemie. Charles sollte wie sein Vater Arzt werden und hatte bereits in dessen Praxis hospitiert.

Im Oktober 1825 begann Darwin wie zuvor sein Bruder Erasmus an der Universität Edinburgh mit dem Medizinstudium. Die Vorlesungen, mit Ausnahme der Chemievorlesungen von Thomas Charles Hope, langweilten ihn.Charles Darwin an Caroline Sarah Darwin, 6. Januar 1826, in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 11. Juni 2008). Er beschäftigte sich vornehmlich mit naturwissenschaftlichen Themen. Einflussreichster Lehrer in seiner Edinburgher Zeit war Robert Edmond Grant, ein Freidenker und Anhänger der Lamarckschen Evolutionslehre. Bei ihm lernte er Meereszoologie, wissenschaftliches Beobachten und die Bedeutung von genauen Aufzeichnungen.Eve-Marie Engels. Charles Darwin, Abschnitt Person, Leben und Werk. Verlag C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54763-8, S. 16–41. Er beschäftigte sich ebenfalls mit dem Präparieren von Vögeln, das er von John Edmonstone, einem ehemaligen schwarzen Sklaven, erlernte.Desmond/Moore, S. 42 f. Darwin war Mitglied der Royal Medical Society und der Studenten-Gesellschaft Plinian Society, in der er seinen ersten wissenschaftlichen Vortrag über die Selbstbeweglichkeit der Eier von Flustra (ein Moostierchen) hielt.

Als Darwins Vater bemerkte, dass sich sein Sohn mit dem Studium der Medizin schwertat, schlug er ihm vor, Geistlicher der Kirche von England zu werden und ein Studium der Theologie zu beginnen.Autobiografie S. 46. Nach kurzer Bedenkzeit willigte Darwin ein und begann im Januar 1828 mit dem Studium in Cambridge, nachdem er im Privatunterricht sein Griechisch aufgefrischt hatte. Zwar absolvierte Darwin seine theologischen Studien ohne Begeisterung und schätzte sie als Zeitverschwendung ein,Autobiografie S. 58. jedoch bezeichnete er später seine Zeit in Cambridge als die glücklichste in seinem Leben.

Er verschob auf Anraten seines Tutors John Graham, des späteren Bischofs von Chester, seine erste Vorprüfung, das sogenannte „Little Go“.Charles Darwin an Charles Thomas Whitley, 10. August 1828, in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 12. Juni 2008). Nach zweimonatiger Vorbereitungszeit bestand er im März 1830 das Little Go schließlich mit Leichtigkeit.Charles Darwin an William Darwin Fox, 25. März 1830, in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 12. Juni 2008). Zur Vorbereitung für die Abschlussprüfung gehörten auch Werke von William Paley, einem Hauptvertreter der damals in England vorherrschenden Naturtheologie. Besonders Paleys Werk Natural Theology beeindruckte Darwin; Paleys Logik, Art der Beweisführung und Sprache sollten ihn auch später noch prägen.Janet Browne: Über Charles Darwin: Die Entstehung der Arten. dtv, München 2006, ISBN 3-423-34433-4, S. 20–22. Am 22. Januar 1831 bestand er als zehntbester von 178 Studenten seine Abschlussprüfung, die Fragen zu Paley, Euklid sowie den griechischen und lateinischen Klassikern umfasste.E. Janet Browne: Charles Darwin: Voyaging. Bd. 1, Jonathan Cape, London 1995, ISBN 1-84413-314-1, S. 97. Die Urkunde für den ersten akademischen Grad Baccalaureus Artium konnte er erst am 26. April 1831Francis Darwin: The Life and Letters of Charles Darwin. 3 Bände, John Murray, London 1887, Bd. 1, S. 163 (online). entgegennehmen, da er aufgrund der am Anfang des Studiums versäumten Zeit noch zwei Semester in Cambridge bleiben musste.Autobiografie S. 68. mini|Mit seinem Botanikprofessor John Stevens Henslow blieb Darwin zeitlebens freundschaftlich verbunden.

Zu Beginn seines Studiums am Christ’s College in Cambridge traf Darwin seinen Großcousin William Darwin Fox, der ihn in die Insektenkunde einführte und durch den er zu einem leidenschaftlichen Sammler von Käfern wurde. In den Sommermonaten unternahm er zahlreiche entomologische Exkursionen, die ihn meist nach Nord-Wales führten, und begleitete dabei unter anderen Frederick William Hope (1797–1862), George Leonard Jenyns (1763–1848) sowie Thomas Campbell Eyton und dessen Vater Thomas Eyton. Eine weitere kleine wissenschaftliche Anerkennung wurde ihm zuteil, als sein Name in dem im Juli 1829 erschienenen Werk Illustrations of British Entomology von James Francis Stephens genannt wurde.Darwin’s insects in Stephens’ Illustrations of British entomology (1829–1832)

Hohe Wertschätzung brachte Darwin den Botanikvorlesungen von John Stevens Henslow entgegen. Durch seinen Großcousin Fox erhielt er Einladungen zu den regelmäßig in Henslows Haus stattfindenden Abenden, die dieser für Studenten durchführte, die noch keinen Abschluss hatten. Zwischen beiden entwickelte sich eine Freundschaft, die lebenslang anhielt und die Darwin als einflussreichste seines gesamten Werdeganges charakterisierte.Autobiografie S. 60 und 64.

Während seines letzten JahresAutobiografie S. 67 f. in Cambridge las er John Herschels Einführung in das Studium der NaturphilosophiePreliminary discourse on the study of natural philosophy. In: Cabinet cyclopaedia. 1831. und Alexander von Humboldts Reise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continents.Personal Narrative of Travels to the Equinoctial Regions of America, During the Years 1799–1804. London 1818–1819. Aus Humboldts Werk machte er sich zahlreiche Notizen zur Kanarischen Insel Teneriffa und begann im April 1831, eine Reise dorthin zu planen.Charles Darwin an William Darwin Fox, 7. April 1831, in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 12. Juni 2008) Er fing an, Spanisch zu lernen,Charles Darwin an William Darwin Fox, 11. Mai 1831, in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 12. Juni 2008) was ihm Mühe bereitete.Charles Darwin an Charles Thomas Whitley, 19. Juli 1831, in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 12. Juni 2008) Er holte Informationen über Kosten und Termine von Passagen nach Teneriffa einCharles Darwin an John Stevens Henslow, 11. Juli 1831, in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 12. Juni 2008) und musste enttäuscht feststellen, dass er die Reise nicht vor Juni 1832 antreten könnte.Charles Darwin an William Darwin Fox, 1. August 1831, in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 12. Juni 2008)