Hude (Oldenburg), amtlich Hude (Oldb), ist eine Gemeinde zwischen Oldenburg (Oldb) und Bremen. Sie gehört zum Landkreis Oldenburg in Niedersachsen und ist einer der so genannten Hude-Orte.
Geografie Lage Die Gemeinde liegt am Rande der leicht hügeligen Wildeshauser Geest und wird durch zahlreiche Bachläufe sowie sumpfiges Gelände geprägt. Höchster Geländepunkt: (Hohenbökener Weg) Tiefster Geländepunkt: 0,2 m unter NHN (Hollersiel)
Gemeindegebiet Die Gesamtfläche der Gemeinde beträgt 124,6 km², davon werden 9290 ha landwirtschaftlich genutzt. Der Rest besteht aus Waldland (1146 ha) und bebauten Flächen sowie Straßenland (898 ha).
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Hude gehören folgende Ortsteile:
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gemeindegebiet von Hude (Oldb) gehört hydrologisch zum Einzugsgebiet der Hunte und damit zum Flusssystem der Weser und liegt im naturräumlichen Übergangsbereich zwischen Delmenhorster Geest und Wesermarsch. Die Gewässerlandschaft ist geprägt durch Fließgewässer, Entwässerungsgräben, Stillgewässer sowie Moor- und Feuchtgebiete.
Das wichtigste Fließgewässer ist die Hunte, die das Gemeindegebiet am nordwestlichen Rand streift und als Hauptvorfluter dient. Ihre Niederungsbereiche, Altarme und Auenflächen prägen insbesondere den westlichen Teil der Gemeinde.
Die Berne ist ein Zusammenfluss von Kimmer Bäke und Brookbäke die aus Süden kommend, an der Klosterruine vorbei in das Gemeindegebiet der Ortschaft Berne fließt.
Ergänzt wird das Gewässernetz durch zahlreiche Entwässerungsgräben und Vorfluter, die vor allem der landwirtschaftlichen Nutzung dienen. Bedeutendstes Stillgewässer ist der Tweelbäker See, ein in den 1970er-Jahren entstandener Baggersee, der heute der Naherholung und als Lebensraum für Wasservögel dient.
Zu den wichtigsten Feuchtgebieten zählt das Naturschutzgebiet Nordenholzer Moor (NSG WE 232) ein rund 78 Hektar großes Hochmoor- und Geestrandmoor östlich des Ortskerns. Es stellt einen Rest des ehemaligen Bookholzberger Moores dar und besitzt eine hohe Bedeutung für Klimaschutz, Wasserhaushalt und Biotopverbund. Ein kleiner Teil des Blankenburger Moores liegt im südwestlichen Gemeindegebiet; von der Gesamtfläche von rund 215 Hektar entfallen etwa 6 Hektar auf Hude. Ergänzend bestehen kleinere Feuchtwiesen, Bruchwälder und grabenbegleitende Feuchtbiotope, insbesondere entlang der Hunte-Niederung.https://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutzgebiete/-40999.html
Aufgrund der naturräumlichen Lage ist Hude in besonderem Maße von hydrologischen und ökologischen Herausforderungen betroffen. Zentrale Themen sind Hochwasserschutz, Moorentwässerung, Gewässerökologie und Klimaanpassung. Die Hunte weist ausgedehnte Überschwemmungsgebiete auf, die dem Hochwasserrückhalt dienen. Zunehmende Starkregenereignisse und Winterhochwasser erfordern fortlaufende Deichverstärkungen und Gewässerausbaumaßnahmen.https://amtsblatt.hude.de/startseite
Historische Moorentwässerung führte zu Bodensackung, Torfabbau, CO₂-Freisetzung und einer Verringerung der natürlichen Wasserrückhaltefähigkeit. Aktuelle Moorschutzprogramme setzen auf Wiedervernässung und Renaturierung. Zudem werden begradigte Gewässerabschnitte zunehmend ökologisch aufgewertet, um die Durchgängigkeit zu verbessern und die biologische Vielfalt zu fördern. Der Klimawandel verschärft Nutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft, Hochwasserschutz, Siedlungsentwicklung und Naturschutz, wodurch eine integrierte wasserwirtschaftliche Steuerung erforderlich wird.
Untergrundverhältnisse Die Gemeinde Hude (Oldenburg) liegt im Übergangsbereich zwischen der Delmenhorster Geest und den Niederungs- und Moorlandschaften der Hunte und Wesermarsch im nordwestdeutschen Tiefland. Der Raum ist geologisch durch quartäre Lockergesteine aus der Saale- und Weichsel-Kaltzeit geprägt.
Die östlichen und südlichen Gemeindeteile gehören zur Geest mit glazifluvialen Sanden, Kiesen und Geschiebelehmen, während nach Westen und Norden holozäne Marsch- und Moorablagerungen dominieren. Besonders ausgeprägt sind Hoch- und Niedermoorflächen, etwa im Nordenholzer Moor. Die Geest erreicht Höhen bis etwa 40 m NHN, die Niederungsgebiete liegen nur wenige Meter darüber.
Unter holozänen Sedimenten folgen pleistozäne Sand- und Kiesschichten mit tonigen Zwischenlagen, die die hydrogeologischen Verhältnisse bestimmen. In den Geestgebieten treten ergiebige Porengrundwasserleiter in 2 bis 6 m Tiefe auf. In den Marsch- und Moorbereichen bildet eine mächtige Ton- und Schluffdecke eine Schutzschicht, unter der mehrere Grundwasserstockwerke liegen. Trotz geringer Neubildung existieren dort regional bedeutsame Süßwasservorkommen, gespeist aus der höher gelegenen Geest. Zur Sicherung der Trinkwasserversorgung werden seit den 2020er Jahren verstärkt Erkundungsmaßnahmen durchgeführt. Der für die Trinkwasserversorgung wichtige zweite Grundwasserleiter befindet sich in einer Tiefe von ca. 20–40 m unter GOK in pleistozäne Sand- und Kieslagen und ist durch tonige Deckschichten.https://www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/themen/wasser/grundwasser/grundwasserbericht_niedersachsen/nutzung_schutz_und_uberwachung/hydrogeologischer_uberblick/grundwasser_im_lockergestein/marschen/marschen-105231.htmlhttps://www.lbeg.niedersachsen.de/karten_daten_publikationen/karten_daten/grundwasser/grundwasser-729.html
Geschichte 1232 wurde Hude in den Annales Cistercienses erstmals urkundlich erwähnt, und zwar aus Anlass der Errichtung des Zisterzienserklosters. 1536 wurde das Kloster aufgehoben und die Klostergebäude weitgehend abgerissen, so dass fast nur noch Ruinen vorhanden sind. Die einstige Torkapelle blieb erhalten; sie ist die heutige Elisabethkirche, Pfarrkirche von Hude. Auch das ehemalige Abtshaus besteht noch; nach Verwendung als Jagdschloss wurde es um 1800 zum Herrenhaus umgebaut. Die Schule Von-Witzleben-Allee 4 wurde 1838 gebaut.
1867 wurde die Bahnstrecke Bremen–Oldenburg eröffnet und 1873 die Bahnstrecke Hude–Nordenham.
Hude gehörte bis zum 31. Dezember 2004 zum Regierungsbezirk Weser-Ems, der infolge einer Verwaltungsreform mit Ablauf dieses Datums aufgelöst wurde.
Im August 2009 feierte Hude sein 777-jähriges Bestehen.
Ortsname Alte Bezeichnungen des Ortes sind um 1232 (Ersterwähnung) Hude an der Berne, 1234 Hudha und um 1242 Huda, Hudha, dort auch ein Dorf Hudermoor.
Der Wortbestandteil -hude ist in Hude bei Bremen, Ritterhude, Winterhude, Steinhude enthalten. Er stammt aus dem Mittelniederdeutschen „hûde“ und steht für „Holzlagerplatz, Stapelplatz an einer Wasserverbindung, Fährstelle“. Verwandt ist das Wort mit dem Altenglischen „hyð“ und bedeutet: „Platz, der das Schiff bei der Landung aufnimmt, ein passendes niedriges Ufer, ein kleiner Hafen“. Bei dem Namen handelt es sich um eine Ortsnamensippe, die zeigt, dass die germanischen Besiedler Englands in erster Linie aus Niedersachsen gekommen sind. Schon vor mehr als 100 Jahren wurde vom Sprachforscher Hermann Jellinghaus angenommen, dass die -hude-Namen „ein starkes Zeugnis für die Herkunft des Stammes der südenglischen Bevölkerung aus der niederdeutschen Ebene“ seien.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurde die zuvor selbständige Gemeinde Wüsting im Rahmen der Gebietsreform in Niedersachsen in die Gemeinde Hude eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1905 3.452 1910 3.864 1950 8.302 1956 7.642 1973 11.205 1975 11.705 ¹ 1980 11.977 ¹ 1985 12.038 ¹ Jahr Einwohner Quelle 1990 12.383 ¹ 1995 13.729 ¹ 2000 15.295 ¹ 2005 15.715 ¹ 2010 15.777 ¹ 2015 16.166 ¹ 2020 16.052 ¹ ¹ jeweils zum 31. Dezember
Politik Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Hude hat 32 Mitglieder. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 15.001 und 20.000 Einwohnern. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Stimm- und sitzberechtigt im Gemeinderat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister.
Die letzten Gemeinderatswahlen ergaben folgende Sitzverteilungen:
Partei 2021 2016 CDU 11 11 SPD 9 10 Bündnis 90/Die Grünen 6 4 FDP 3 4 Freie Wähler 2 2 Die Linke 1 1
Bürgermeister Bürgermeister der Gemeinde Hude ist Jörg Skatulla (parteilos für die SPD). In der Stichwahl 2021 wurde er mit 56,47 Prozent der Stimmen gegen Stephan Tapper (parteilos) gewählt. Im ersten Wahlgang erhielt Skatulla 28,71 Prozent der Stimmen.
Liste ehemaliger Bürgermeister
2014–2021: Holger Lebedinzew (parteilos) 1998–2014: Axel Jahnz (SPD)
Wappen Gemeindewappen (nach der Eingemeindung von Wüsting)
Gemeindewappen (vor der Eingemeindung von Wüsting) Das ehemalige Kommunalwappen der Gemeinde Hude stammt von dem Heraldiker Manfred Furchert. Das Wappen wurde 1948 vom Niedersächsischen Minister des Innern verliehen.
Partnerschaften Die Partnergemeinden der Gemeinde Hude sind: Stadt Land seit Arnage 1983 Kröpelin 1991 Fiume Veneto 2002 Nowe Miasto Lubawskie 2003 Šalčininkai 2015
Kultur und Sehenswürdigkeiten Siehe auch Liste der Baudenkmale in Hude (Oldenburg) Bauwerke St.-Elisabeth-Kirche mini|St.-Elisabeth-Kirche
Die heutige evangelisch-lutherische St.-Elisabeth-Kirche wurde um 1300 als Torkapelle des Zisterzienserklosters errichtet. Der frühgotische Backsteinbau dient seit etwa 1548 als evangelische Pfarrkirche. In ihr befinden sich Wandmalereien aus der Entstehungszeit und eine Kanzel von 1672. Auf dem neben der Kirche liegenden Friedhof befindet sich ein Gedenkstein für Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben, der wegen seiner Teilnahme am Widerstand des 20. Juli 1944 hingerichtet wurde.
Kloster Hude mini|Klosterruine Hude
Das Kloster wurde durch den Zisterzienserorden 1232 gegründet. Von der im 13. Jahrhundert im Stil der Backsteingotik errichteten Anlage sind Teile der ehemals dreischiffigen Klosterkirche als Ruine sowie die Torkapelle (heute St.-Elisabeth-Kirche) und das Abthaus erhalten.
Raffinerie und Haus Marienhude mini|Innenansicht des Hauses Marienhude Im südlichen Teil von Hude befand sich um 1900 eine Raffinerie für die Herstellung von Benzin, welches unter dem Namen Hudolin verkauft wurde. Die Fabrik war das Stammwerk der Bremer Firma „Chemische Fabriken AG“ und war bis 1933 in Betrieb. Nach Betriebsende wurden große Teile der Fabrik abgerissen und an ihrer Stelle Wohnhäuser errichtet. Von der Fabrik geblieben sind lediglich wenige Gebäude, besonders sehenswert ist davon die 1905 gebaute Fabrikantenvilla Bornemann „Haus Marienhude“, die nach mehreren anderen Nutzungen 1986 zu einer Bildungsstätte für den Zivildienst unter Trägerschaft des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche Oldenburg umgewandelt wurde. Heute ist sie ein Wohnheim für alte Menschen.
Weitere Bauwerke Ev. Kirche St. Dionysius in Holle-Wüsting, 1277 erwähnt, 1741 um den Chor erweitert, Westturm von 1868, der 1945 gesprengt wurde und danach durch Dachreiter ersetzt. Viele ältere Bauernhäuser u. a. in Gellen, Hasbruch, Holle, Hudermoor, Hurrel, Kimmen, Maibusch, Nordenholzermoor, Tweelbäke und Wüsting (siehe o.a. Liste) Holler Mühle vom Ende des 19. Jhs. als Galerieholländer auf achteckigem Sockel, heute ohne Flügel Fabrikantenvilla Bornemann von 1907, Lerchenstraße 1a, heute Tagespflegeheim und Wohnhaus
Skulpturenufer Südlich des Ortskerns von Hude sind 45 Skulpturen auf einer 1,4 ha großen Wiese parallel zum Huder Bach im Freien aufgestellt. Das Huder Skulpturenufer wurde im Mai 1992 eröffnet. Es ist durch Zusammenarbeit der Gemeinde Hude, der Aktionsgemeinschaft für Hude und des Bildhauers Wolf E. Schultz, der seit 1983 in Hude lebt, entstanden. Ein Vorläufer des Skulpturenufers ist der 1985 angelegte Skulpturenweg.
Planetenweg