mini|hochkant=0.6|Früheres Logo der Naturfreunde Die Naturfreunde oder genauer die Naturfreunde Internationale, kurz NFI, ist eine international tätige, Umwelt-, Kultur-, Freizeit- und Touristikorganisation mit historischem Hintergrund in der Arbeiterbewegung im späten 19. Jahrhundert. Naturfreunde versteht sich als „Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur“. In ihrer Satzung bekennt sie sich zum demokratischen Sozialismus und ist somit von überwiegend bürgerlichen Gebirgs- und Wandervereinen oder den kurze Zeit später entstandenen jugendlichen Wandervögeln abzugrenzen.
Bekannt sind sie vor allem durch ihr europaweites Netz von mehr als 700 Naturfreundehäusern: preisgünstigen, naturnah gelegenen, öffentlichen Gast- und Übernachtungsstätten, die für Einzelgäste und Gruppen zur Verfügung stehen. Naturfreunde-Organisationen bestehen in mehr als 40 Ländern, hauptsächlich in Europa. Mit 350.000 Einzelmitgliedern gehören die Naturfreunde zu den weltweit größten NGOs.
Geschichte mini|Schild über dem Eingang Naturfreundehaus Boßler mini|Ankündigung von Vereinstreffen der Naturfreunde Bozen-Meran, 1923 Die Idee für einen Verein stammt vom Lehrer Georg Schmiedl. Er schaltete vom 22. bis 24. März 1895 ein Inserat in der Wiener Arbeiter-Zeitung und suchte Gleichgesinnte. Am 14. April 1895 fand eine Wanderung Gleichgesinnter auf den Anninger im Wienerwald mit 85 Teilnehmern statt. Weitere Treffen und Wanderungen folgten in loser Gruppe ohne Vereinsstruktur. Im Frühling und Sommer 1895 trafen sich Interessierte, um die Vereinsgründung vorzubereiten. Alois Rohrauer, Leopold Happisch und Anton Kreutzer entwarfen die ersten Vereinsstatuten.Manfred Pils: "Berg frei" – 100 Jahre Naturfreunde, S. 22 f. Am 16. September 1895 wurde der „Touristenverein Die Naturfreunde“ (TVdN) im Gasthaus Zum Goldenen Luchsen in Neulerchenfeld gegründet (Gründungsversammlung). Alois Rohrauer wurde zum ersten Obmann gewählt.Manfred Pils: "Berg frei" – 100 Jahre Naturfreunde, S. 23. Ziel war es, den arbeitenden Menschen eine Möglichkeit zu geben, die Freizeit sinnvoll zu gestalten, die Gesundheit zu stärken und die Liebe zur Natur zu wecken sowie sich weiterzubilden.Manfred Pils: "Berg frei" – 100 Jahre Naturfreunde, S. 23 bis 28, 35 f. 1895 hatte der Verein 191 Mitglieder, davon 12 Frauen.Manfred Pils: "Berg frei" – 100 Jahre Naturfreunde, S. 32.
1896 wurde von den Naturfreunden ein Hilfsfonds gegründet, um Mittel für die Bergung verunglückter Kameraden zu sammeln. Dies war unter anderem erforderlich, da sich Naturfreundemitglieder, die sich vor allem aus der Arbeiterschaft rekrutierten, keine Bergführer leisten konnten, die Wege noch schlecht verzeichnet oder nicht vorhanden waren und die Ausrüstung meist mangelhaft war. 1902 traten die Naturfreunde dem alpinen Rettungsausschuss bei, den alpine Verbände in Wien und Niederösterreich gegründet hatten. Eine solidarische Unfallversicherung abzuschließen, war angedacht, konnte aber wegen der hohen Prämien, welche die Versicherungsgesellschaften forderten, nicht umgesetzt werden.Manfred Pils: "Berg frei" – 100 Jahre Naturfreunde, S. 38 f.
Zu Pfingsten 1897 wurde in Steyr der erste Naturfreundeverein außerhalb von Wien gegründet, im Juni folgte eine Ortsgruppe in Turn in Böhmen. Am 15. Juli 1897 wurde erstmals auch die Vereinszeitung Der Naturfreund mit einer Auflage von 400 Exemplaren herausgegeben. Die Redaktion und Organisation wurde vom Schriftsetzer Leopold Happisch übernommen.Manfred Pils: "Berg frei" – 100 Jahre Naturfreunde, S. 30. Der Verein hatte 1897 bereits 344 Mitglieder (davon 27 Frauen). Am 28. September 1897 wurde eine naturwissenschaftliche Section der Naturfreunde gegründet, um den Mitgliedern Kenntnisse in Botanik und Mineralogie zu vermitteln.Manfred Pils: "Berg frei" – 100 Jahre Naturfreunde, S. 36.
Am 14. August 1898 organisierten die Naturfreunde den ersten Sonderzug für ihre Mitglieder, um diesen eine kostengünstige Möglichkeit zu bieten zu verreisen. Die Fahrt ging nach Salzburg und es nahmen etwa 500 Personen teil. Es wurde je nach Interesse die Stadt Salzburg erkundet, der Watzmann bestiegen, der Gollinger Wasserfall bzw. die Salzachöfen besucht. 195 gingen über das Torrenerjoch nach Bayern und zum Königssee. Ein weiterer Sonderzug wurde 1899 nach Zell am See organisiert und 1900 nach Innsbruck.Manfred Pils: "Berg frei" – 100 Jahre Naturfreunde, S. 35. Die Ortsgruppe Steyr organisierte 1898 eine erste Schifahrt auf den Damberg, 1901 wurde für den Skisport auch in der Vereinszeitung geworben und Touren im Wienerwald angeboten.Manfred Pils: "Berg frei" – 100 Jahre Naturfreunde, S. 39.
1899 wurde eine erste Bücherei eingerichtet, die 1903 bereits einen Bestand von 1120 Büchern, Wanderführern und Karten hatte.Manfred Pils: "Berg frei" – 100 Jahre Naturfreunde, S. 37.
Der Mitgliederstand war 1900 inzwischen auf 2122 Personen, davon 217 Frauen, angewachsen. Aufgrund dieser rasch wachsenden Mitgliederzahl konnte am 17. Dezember 1900 das erste Naturfreundeheim in der Löhrgasse in Wien Fünfhaus eröffnet werden.Manfred Pils: "Berg frei" – 100 Jahre Naturfreunde, S. 30.
Mit Hilfe der Arbeiterzeitung wurde 1905 der Klub der Freunde der Amateurfotographie gegründet, der am 1. August 1906 bei den Naturfreunden aufgenommen wurde und im Winter die erste Skischule organisiert, die am 20. November 1906 zur Gründung einer eigenen Wintersportsektion bei den Naturfreunden führte. Dies wurde ergänzt durch einen vereinseigenen Skiverleih. 1912/13 hatte die Wintersportsektion bereits 1233 Mitglieder und war die größte aller alpinen Vereine.Manfred Pils: "Berg frei" – 100 Jahre Naturfreunde, S. 42.
Von Österreich aus wurde 1905 die Naturfreunde-Internationale gegründet. 1933 hatten die Naturfreunde rund 200.000 Mitglieder in 22 Ländern. Während der nationalsozialistischen Herrschaft war die Organisation in Deutschland verboten. Mitglieder wurden verfolgt, die Naturfreundehäuser beschlagnahmt.
Heute zählen die Naturfreunde unter dem Dachverband Naturfreunde Internationale (NFI) 350.000 Mitglieder in mehr als 40 Ländern, darunter rund 66.000 in Deutschland. Die Jugendorganisationen sind in den International Young Naturefriends (IYNF) organisiert.
Der Verband setzt sich seit seiner Gründung für gerechte Arbeits- und Lebensbedingungen und gegen die Ausbeutung von Mensch und Natur ein. Auf dem internationalen Naturfreunde-Kongress 1972 in Genf hieß es in den Leitsätzen zum Umweltschutz: „Alle ökonomischen Maßnahmen sind ökologischen Notwendigkeiten unterzuordnen.“ Die Naturfreunde nahmen früh an, dass das Ökosystem des Planeten aus dem natürlichen Gleichgewicht zu geraten drohe. Diese rot-grünen Ur-Ideen tauchten zum Beispiel im UN-Leitbild der nachhaltigen Entwicklung wieder auf.
Die Auszeichnung Landschaft des Jahres wird seit dem Jahr 1989 durch die Naturfreunde Internationale ausgerufen.
Logo und Gruß mini|Ein um 1920 nachgezeichnetes Logo, das sich bis heute an der Stirnseite der Feldkircher Hütte der Naturfreunde befindet. Das erste Logo für den neuen Verein, ein Signet mit zwei sich haltenden Händen samt drei Alpenrosen, wurde von Karl Renner in der Wohnung des ersten Obmanns, Alois Rohrauer, 1895 gezeichnet. Die beiden sich haltenden Hände sollen die Solidarität darstellen, welche die Arbeiterbewegung auszeichnet. Der erste Wahlspruch lautete dazu: Hand in Hand, durch Berg und Land.
Der Gruß der Naturfreunde lautet bis heute „Berg frei!“, im Gegensatz zum „Berg Heil!“ der Alpenvereine. Dieser Gruß wurde von Alois Schnepf der neu gegründeten Grazer Sektion der Naturfreunde am 14. Januar 1900 vorgeschlagen und für alle Naturfreunde übernommen.
Mitglieder Mitglieder sind verschiedene Naturfreunde-Organisationen in folgenden 43 Ländern:Mitglieder der Naturfreunde Internationale. In: nf-int.org, abgerufen am 2. März 2020. Europa Afrika Asien Nordamerika Südamerika Australien-Ozeanien Albanien Belgien Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Griechenland Italien Kroatien Litauen Niederlande Nordmazedonien Österreich Madeira (Portugal) Rumänien Schweden Schweiz Slowakei Spanien Tschechien Vereinigtes Königreich Ägypten Algerien Benin Burkina Faso Gambia Guinea Kongo (Demokratische Republik) Kongo (Republik) Madagaskar Mali Marokko Niger Senegal Togo Georgien Iran Israel Nepal Pakistan Kanada USA Chile
Naturfreunde Deutschlands
mini|Naturfreunde auf der Wir-haben-es-satt!-Demonstration 2013 Überall wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Wiederaufbau der Organisation begonnen. Die enteigneten Häuser wurden zurückgegeben.
Doch in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) erfolgte eine Nutzung durch andere Träger und man kämpfte um Wiederzulassung der Naturfreunde-Organisation. Man hatte sich den Namen „Antifaschistische Touristenbewegung (ATB)“ gegeben, jedoch erfolglos. Nach der Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED nannte man sich in „Einheitstouristenbewegung (ETB)“ um.Quelle für die Geschichte der Naturfreunde der DDR sind Infotafeln im Erdgeschoss des ehemaligen „Naturfreundehauses Königstein“, heute „Familienoase Königstein“. Auch nach einer weiteren Umbenennung in „Natur- und Heimatfreunde“ wurde eine Neuzulassung von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) nach wie vor verwehrt, da sie für den Bereich Kultur und Sport eine andere Organisationsstruktur vorsah: Es kam zu Gründungen der Freien Deutsche Jugend (FDJ), der Betriebssportgemeinschaften (BSG) und des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands. Die Naturfreunde mussten sich auf diese Organisationen verteilen.
1950 war der Gesamtverein in die Naturfreunde Internationale (NFI) umgewandelt worden, die sich aus selbstständigen Landesverbänden zusammensetzte. Ab 1962 beteiligten sich die NaturFreunde an den Ostermärschen der Atomwaffengegner. Die NFI hatte 270.000 Mitglieder in 17 Ländern auf allen fünf Kontinenten. In Deutschland wurden rund 100.000 Mitglieder in mehr als 650 Ortsgruppen gezählt. Die Zahl der vereinseigenen Hütten, Häuser, Bootshäuser und Stadtheime lag bei fast 400.
1968 verlangten die Naturfreunde die Einstellung der Bombenangriffe auf Nordvietnam und verurteilten die Besetzung der CSSR.https://www.naturfreunde.de/chronik
Am 21. Dezember 1989 nutzten Mitglieder des „Fachausschusses Touristik und Wandern des Kulturbundes“ die Zeitung Neues Deutschland für einen Aufruf zur Neugründung der „Naturfreunde der DDR“. 150 Menschen folgten diesem Aufruf und gründeten am 3. März 1990 in Königstein/Sächsische Schweiz unter Anwesenheit des Generalsekretärs der Naturfreunde-Internationale Frieder Stede und des Bundesvorsitzenden der Naturfreunde (West) Claus Weyrosta den Touristenverband „Naturfreunde der DDR“. Am 29. September 1990 kam es schließlich zum formellen Zusammenschluss mit dem Touristenverein „Die Naturfreunde – Bundesgruppe Deutschland“.
Die Naturfreunde Deutschlands (NFD) (eigene Schreibweise „NaturFreunde“) bezeichnen sich heute als politischen Freizeitverband und sind den Idealen des demokratischen Sozialismus sowie der Nachhaltigkeit verpflichtet. Im Untertitel nennen sie sich „Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur“. Sie haben nach eigenen Angaben in Deutschland über 65.000 Mitglieder in über 500 Ortsgruppen, die mehr als 350 Naturfreundehäuser bewirtschaften.Die NaturFreunde Deutschlands – Über uns Als Nichtregierungsorganisation engagieren sie sich schwerpunktmäßig für eine Umwelt- und Klimaschutzpolitik, die soziale und ökologische Fragen verknüpft. Sie waren eine der Gründungsorganisationen der Ostermarschbewegung. Seit der Entstehung von Anti-Atom-Protesten sind sie ein Akteur in der deutschen Anti-Atom-Bewegung. Vorsitzender der Naturfreunde Deutschlands ist Michael Müller.