mini|Original-Plüschtiere Tigger, Känga, Edward Bear (Pu), I-Aah und Ferkel mini|Straßenbahn in Moskau (2009) mit Figuren des sowjetischen Winnie-Puuh-Trickfilms von 1969
Pu der Bär () ist der Name einer literarischen Figur und eines Kinderbuchs des Autors Alan Alexander Milne. Milne entwickelte die Figur – einen Bären „von sehr geringem Verstand“ –, zwischen den Jahren 1924 und 1926, basierend auf einem Stofftier seines Sohnes. Das am 14. Oktober 1926 bei Methuen & Co. Ltd. (London) mit Illustrationen von E. H. Shepard mit dem Titel Winnie-the-Pooh erschienene Buch war ein sofortiger Erfolg. Bereits Anfang der 1930er Jahre war Pu der Bär international bekannt. Die Markenrechte wurden 1961 an die Walt Disney Company verkauft, welche mit ihrer Adaption Winnie Puuh ein Franchise aufbaute.
Publikationsgeschichte Alle Werke Milnes, in denen Pu der Bär und seine Freunde auftreten, wurden durch die Stofftiere seines Sohnes Christopher Robin Milne (* 21. August 1920; † 20. April 1996) inspiriert. Milne war bereits für seinen Kriminalroman Das Geheimnis des roten Hauses und regelmäßige Texte im Satiremagazin Punch bekannt, als er sich entschloss, Kinderreime zu schreiben. In der Punch-Ausgabe vom 13. Februar 1924 erschien das Gedicht „Teddy Bear“ – der erste Auftritt des noch „Mr. Edward Bear“ genannten Bären, der noch ohne seine fiktive Umgebung auskam. Es folgte die Kurzgeschichte „The Wrong Sort of Bees“, abgedruckt ab 24. Dezember 1925 in der Londoner Zeitung The Evening News. Sie gilt als erster „offizieller“ Auftritt von Pu dem Bären und wurde von Milne als erstes Kapitel des Buches wiederverwendet.
Pu der Bär (1926) Das 1926 erschienene Buch Winnie-the-Pooh ist in zehn episodische Kapitel unterteilt, deren Handlung unabhängig voneinander ist. Im Mittelpunkt steht Winnie der Pu alias Pu der Bär – ein gutmütiger, etwas langsamer und vergesslicher Zeitgenosse –, der im Hundertsechzig-Morgen-Wald lebt, gern Honig nascht und kleine lustige Lieder singt:
Singt Ho! Der Bär soll leben! / Es ist mir egal, ob Schnee oder Regen, / Meine Nase riecht Honig auf allen Wegen! […] Singt Ho! Leben soll Pu! / Er braucht einen kleinen Mundvoll ab und zu! (Pu der Bär, Hamburg 1989, S. 111)
Pus bester Freund ist „Ferkel“ (), ein ängstliches, niedliches Schweinchen. In und um den Hundertsechzig-Morgen-Wald leben außerdem: Die altkluge Eule „Oile“ oder „Eule“ () Der depressive und schnell gelangweilte Esel „I-Aah“ () Kaninchen (), ein Kaninchen mit harter Schale, aber ausgesprochen weichem Kern Die Kängurumutter „Känga“ () und ihr Junges „Klein-Ruh“ () (stoßen in Kapitel 7 hinzu) Der kleine Junge „Christopher Robin“, der ursprüngliche Adressat der Geschichten (basierend auf Milnes Sohn Christopher Robin Milne)
Pu baut ein Haus (1928) Unter dem Eindruck des großen Erfolgs des ersten Buches drängte Milnes Herausgeber ihn, eine Fortsetzung zu schreiben. Diese kam unter dem Namen „Pu baut ein Haus“ () im Jahr 1928 auf den Markt. Von ihrem Vorgänger unterscheidet sie sich vor allem durch die Einführung der Figur „Tiger“ bzw. „Tieger“ (), der ungestüm – aber harmlos – ist. Im sechsten Kapitel des Buches wird das Spiel „Pustöcke“ (englisch „Poohsticks“) erfunden, bei dem Spieler Stöcke von einer Brücke werfen, um zu beobachten, wessen Stock schneller auf der anderen Seite zum Vorschein kommt. Das Spiel wurde in den folgenden Jahrzehnten so populär, dass ein lokaler Rotary Club in Abingdon seit 1984 jährlich Poohsticks-Weltmeisterschaften mit über 500 Teilnehmern an der Themse ausrichtet.
Über das Buch verstreut häufen sich Hinweise, dass Christopher Robin älter wird. Diese kulminieren im letzten Kapitel, als die Einwohner des Hundertsechzig-Morgen-Waldes erfahren, dass der Junge sie bald verlassen wird. Das Buch endet mit einer Abschiedsfeier, bei der indirekt klar wird, dass der Schulinternatseintritt Christopher Robins bevorsteht und er seine frühe Kindheit hinter sich lässt.
Weitere Werke und Übersetzungen Vom selben Autor erschienen die Kindergedichtbände When we were very young (1924) und Now we are six (1927), die zum Teil auf demselben Figurenkosmos basieren. Alle vier Bände wurden von Ernest Shepard illustriert.
Die Geschichten um Pu wurden mit großem Erfolg in zahlreiche Sprachen übertragen; auf Deutsch, übersetzt von E. L. Schiffer, erschien Band 1 als Pu der Bär bereits 1928 im Verlag Williams & Co., Berlin, Band 2 als Wiedersehen mit Pu, übersetzt von Ursula Lehrburger erstmals im Verlag Dressler, Berlin 1954. 1987 erschien eine Neuübersetzung von Harry Rowohlt. Die beiden Gedichtbände wurden 1999 in einem gemeinsamen Band unter dem Titel Ich und Du, der Bär heißt Pu übersetzt.
2009 erschien ein von David Benedictus verfasster Folgeband mit dem Titel Return to the Hundred Acre Wood, der von A. A. Milnes Nachlassstiftung autorisiert ist. Er wurde von Harry Rowohlt ins Deutsche übersetzt und erschien als Pu der Bär – Rückkehr in den Hundertsechzig-Morgen-Wald beim Dressler Verlag. Die Fortsetzungsrechte liegen bei der Stiftung.
Namensgebung der Figur mini|Pu der Bär – White River (Ontario) Der Autor A.A. Milne benannte den Bären nach einem Teddy seines Sohnes Christopher Robin Milne. Dieser nannte seinen Teddy Winnie-the-Pooh (was in der deutschen Version des Kinderbuches mit Pu der Bär übersetzt wird, in späteren filmischen Adaptionen durch Disney mit Winnie Puuh). In Milnes Kinderbuch Winnie-the-Pooh werden für den Namen und seine Bestandteile Winnie und Pooh verschiedene Erklärungen angegeben.
In der Einleitung zu Winnie-the-Pooh schreibt Milne, dass der Teddy eigentlich Edward Bear heiße, aber einen aufregenderen Namen für sich selbst wollte. Christopher Robin schlägt daraufhin Winnie-the-Pooh vor. Der zweite Namensbestandteil, Pooh, wird von Milne in der Einleitung zunächst auf einen Schwan zurückgeführt, den Christopher Robin einmal gehabt haben soll:
Eine der ersten Episoden im Buch liefert für den Namensbestandteil Pooh noch eine alternative Erklärung: Der honigversessene Pu schwebt mit einem Luftballon zu einem Baumwipfel, der einen Bienenstock beherbergt. Um dem Bienenvolk vorzutäuschen, er sei ein schwarzes Wölkchen vor blauem Himmel, hat er sich in Dreck gewälzt und einen leuchtend blauen Ballon gewählt. Der Plan schlägt fehl. Es ist windstill und Pu kommt nicht an das Nest heran. Christopher Robin muss ihn befreien, indem er in den Ballon mit einem Korkengewehr ein kleines Loch schießt.A.A. Milne: Winnie-the-Pooh. Dell Publishing, New York 1954, ISBN 0-440-49571-7, S. 13–19. Durch die Anstrengung, am Ballonfaden festzuhalten, sind die Arme des Bären so steif geworden, dass er sie über eine Woche nicht nach unten bewegen kann. Mit hochgestreckten Extremitäten kann sich der lädierte Bär frecher Fliegen, die sich auf seine Nase setzen, aber nur erwehren, indem er sie fortbläst. Daher rühre das „Pooh“ (zu Deutsch „Pu“), vermutet der Erzähler.A.A. Milne: Winnie-the-Pooh. Dell Publishing, New York 1954, ISBN 0-440-49571-7, S. 20.
Der erste Namensbestandteil, Winnie, geht auf die Schwarzbärin Winnipeg zurück, die Christopher Robin im Londoner Zoo gesehen habe. Milne erwähnt in der Einleitung nur kurz einen Bären im Zoo und fügt hinzu, dass Christopher Robin sich mit diesem Bären angefreundet habe.A.A. Milne: Winnie-the-Pooh. Dell Publishing, New York 1954, ISBN 0-440-49571-7, S. x. In anderen Quellen gibt es zu der Bärin noch eine ausführlichere Hintergrundgeschichte:V. Shushkewich: The Real Winnie. A One-Of-A-Kind Bear. Natural Heritage Books, Toronto 2003, 86 S.
Im August 1914 reiste Leutnant Harry Colebourn, ein Veterinäroffizier des in der kanadischen Provinz Manitoba stationierten 34. Kavallerieregiments „Fort Garry Horse“, per Bahn von zu Hause in Winnipeg nach Valcartier, Québec, um sich dort im Veterinärkorps der kanadischen Armee einzuschreiben. In White River, Ontario, musste er in einen anderen Zug der Canadian Pacific Railway umsteigen. Auf dem Bahnsteig fiel Colebourn ein Mann auf, der ein weibliches Schwarzbär-Junges an die Armlehne der Bank gebunden hatte, auf der er saß. Der Veterinäroffizier begann ein Gespräch und erfuhr, dass es sich um einen Trapper handelte, der die Mutter des Bärenwelpen gejagt und erschossen hatte. Colebourn bot ihm 20 Dollar für den jungen Bären an. Der Trapper akzeptierte sofort den hohen Betrag, und so landete der Schwarzbär in Québec, wo er zum Maskottchen der Zweiten Kanadischen Infanteriebrigade avancierte.
Im Dezember 1914 bereitete sich die Zweite Infanteriebrigade darauf vor, nach Frankreich abzurücken. Colebourn entschied, dass es Tierquälerei sei, die junge Bärin mit aufs Schlachtfeld zu nehmen. Daher besuchte er am 9. Dezember 1914 den Londoner Zoo im Regent’s Park und bat darum, man möge sich bis zu seiner Rückkehr um die Schwarzbärin kümmern. Seine Ankündigung, das würde nicht länger als zwei Wochen dauern, stellte sich als zu optimistisch heraus. 1918 tauchte Colebourn jedoch tatsächlich wieder wohlbehalten in London auf. Als er sah, dass sich die erwachsene Bärin, die längst eine Publikumsattraktion des Tiergartens geworden war, in ihrem Heim wohlfühlte, beschloss er, sie im Londoner Zoo zu lassen. Wärter und Besucher nannten sie inzwischen liebevoll Winnie, da ihr kanadischer Besitzer aus Winnipeg stammte.
Harry Colebourn besuchte „Winnie“ in den folgenden Jahren viele Male, um die „Bärenfreundschaft“ aufzufrischen. Am 12. Mai 1934 starb Winnie friedlich. 1921 war Harry Colebourn, nun im Rang eines Majors, zu seiner alten Einheit, der „Fort Garry Horse“, nach Kanada zurückgekehrt, um Tiere medizinisch zu betreuen. Später praktizierte er auch noch im Zivilleben als Veterinärarzt bis zu seinem Tod im Jahre 1947.
1924 lernte der vierjährige Christopher Robin Milne die Amerikanische Schwarzbärin „Winnie“ im Londoner Zoo kennen. An seinem ersten Geburtstag hatte Christopher Robin einen Teddybären der Marke „Alpha Farnell“ aus dem Kaufhaus Harrods als Geschenk erhalten, und bei der Namensgebung ließ sich Christopher Robin wohl auch durch die Schwarzbärin inspirieren.
Warum ein ursprünglich männlich interpretiertes Stofftier einen weiblichen Namen bekam (Winnie ist die Kurzform für Winifred, ein englischer Frauenname), erklärt der Erzähler im ersten Kapitel des Buches: Christopher Robin sagt auf Nachfrage, der Name des Plüschbärs sei doch Winnie-ther-Pooh und es sei doch klar, was ther bedeute. Der Erzähler lässt es bei dieser Erklärung.A.A. Milne: Winnie-the-Pooh. Dell Publishing, New York 1954, ISBN 0-440-49571-7, S. 3–4.
Adaptionen
Von 1966 bis 1983 wurde die Buchvorlage fünfmal von der Walt Disney Company für 25-minütige Zeichentrickfilme bearbeitet sowie von 1969 bis 1972 dreimal vom russischen Animationsfilmer Fjodor Chitruk.
In den 1980er Jahren folgte die erfolgreiche Disney-Serie Neue Abenteuer mit Winnie Puuh, die vier Staffeln mit insgesamt 52 Folgen umfasst. Drei weitere Adaptionen des Stoffs produzierte Disney in den letzten Jahren in Spielfilmlänge für das Kino: Tiggers großes Abenteuer (, 2000), Ferkels großes Abenteuer (, 2003), dessen Drehbuch am engsten an die literarische Vorlage anknüpft, und Heffalump – Ein neuer Freund für Winnie Puuh (, 2005).
Das heutige weltweite Pu-Bild ist zu großen Teilen vom Disney-Merchandising geprägt, das mit seinen Comics, Stofftieren und anderen Artikeln die ursprünglichen Illustrationen von Shepard nicht berücksichtigt. mini|Stern auf dem Hollywood Walk of Fame
Denkmäler mini|Pu-der-Bär-Straße in Warschau