Die Schlacht bei Waterloo (), auch bekannt als Schlacht bei Belle-Alliance (), vom 18. Juni 1815 war die letzte Schlacht Napoleon Bonapartes. Sie fand rund 15 km südlich von Brüssel in der Nähe des Dorfes Waterloo statt, das damals zum Königreich der Vereinigten Niederlande gehörte und heute in Belgien liegt.
Die Niederlage der von Napoleon geführten Franzosen gegen die alliierten Truppen unter dem britischen Feldmarschall Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington und dem preußischen Feldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher beendete Napoleons Herrschaft der Hundert Tage und führte mit dessen endgültiger Abdankung am 22. Juni 1815 zum Ende des Französischen Kaiserreichs. Nach dieser zweiten völligen militärischen Niederlage innerhalb kurzer Zeit wurden Frankreich im Zweiten Pariser Frieden verschärfte Friedensbedingungen auferlegt. Napoleon selbst wurde als Kriegsgefangener der Briten auf die Atlantikinsel St. Helena gebracht, wo er am 5. Mai 1821 starb.
Bezeichnungen Die Schlacht bei Waterloo ist im deutschsprachigen Raum auch als Schlacht bei Belle-Alliance bekannt. Erstere Bezeichnung stammt von dem Dorf Waterloo, wo sich der Großteil des Schlachtgeschehens abspielte; letztere von dem Gasthaus Belle-Alliance, wo sich die siegreichen Feldmarschälle Blücher und Wellington gegen Ende der Kampfhandlungen trafen. Das niederländische Waterloo bedeutet wörtlich ‚wässrige Lichtung‘, das französische Belle-Alliance bedeutet wörtlich ‚schönes Bündnis‘.
In der französischen Sprache wird das Ereignis Bataille de Waterloo oder seltener Bataille de Mont-Saint-Jean genannt; im Niederländischen Slag bij Waterloo; im Englischen Battle of Waterloo.
Hintergrund Nachdem Napoleon am 26. Februar 1815 von Elba nach Frankreich zurückgekehrt war, wurde er am 13. März von den Alliierten auf dem Wiener Kongress zum Gesetzlosen erklärt. Zwölf Tage später unterzeichneten Preußen, Russland, Österreich und Großbritannien einen Vertrag, in dem sie sich verpflichteten, Armeen aufzustellen und Napoleon endgültig zu besiegen.Es gibt verschiedene Angaben darüber viele Soldaten eingesetzt werden sollten. Die Zahlen schwanken zwischen 500.000 und 800.000 Die Pläne der Alliierten sahen vor, dass eine preußisch geführte Armee vom Niederrhein von 120.000 Mann unter Blücher und eine britische Armee mit 100.000 Mann unter dem Herzog von Wellington in Belgien einmarschieren und den Nordosten Frankreichs bedrohen sollten. Gleichzeitig sollte Österreich mit 200.000 Mann unter Schwarzenberg am Oberrhein in Stellung gehen. In der Zwischenzeit sollte der russische Feldmarschall Barclay de Tolly 150.000 Mann an den Mittelrhein führen, und eine österreichisch-italienische Armee von 75.000 Mann unter General Johann Frimont die südöstliche Grenze Frankreichs überschreiten. Großbritannien verpflichtete sich, der Koalition 5 Millionen Pfund zur Verfügung zu stellen.Chandler: Waterloo. Osprey, London 1997, S. 13., S. 20.Mikaberidze: The Napoleonic Wars A Global History. Oxford University Press, Oxford 2020, S. 607.
Vorbereitungen mini|hochkant=1.2|Der Weg nach Waterloo
Da Napoleon mit militärischen Maßnahmen der Verbündeten gerechnet hatte, wandte er keine Zeit für diplomatische Friedensinitiativen auf. Bereits im April ordnete er die Mobilisierung an. Die Armee, die er übernommen hatte, umfasste 200.000 Mann. Innerhalb der nächsten drei Wochen erhöhte er die Zahl auf 280.000. Nach den notwendigen Abzügen zur Unterdrückung von Aufständen durch Unterstützer Ludwigs XVIII. und zur Verteidigung der südlichen und südöstlichen Grenzen standen ihm jedoch am Ende weniger als 130.000 Mann zur Verfügung. Ein weiteres Problem stellte sein Generalstab dar. Die meisten seiner früheren Befehlshaber schlossen sich ihm zwar an, doch viele blieben auf Distanz. Die Marschälle Masséna und Macdonald lehnten ein Kommando ab, Marmont war aus Frankreich geflohen. Berthier, sein ehemaliger Generalstabschef, war tot und Joachim Murat kämpfte in Italien um Neapel. Von den verbleibenden Marschällen erhielt Suchet das Kommando in den Alpen, während Davout als Kriegsminister in Paris blieb. Stattdessen wurde Napoleon von Marschall Nicolas-Jean de Dieu Soult, Marschall Michel Ney, und Marschall Emmanuel de Grouchy begleitet.Mikaberidze: 2020, S. 608.Alexander: Decisive Battles, Strategic Leaders. Partridge, Bloomington 2014, S. 124.
Über französische Sympathisanten in den Niederlanden hatte Napoleon gute Kenntnis von der Truppendisposition seiner Feinde. Deren Armeen waren in loser Korpsformation gruppiert. Die Preußen lagen im Gebiet Lüttich – Dinant – Charleroi – Tienen. Wellingtons Armee, die neben britischen auch niederländische, hannoversche, braunschweigische und nassauische Einheiten umfasste, befand sich im Gebiet Brüssel – Gent – Leuze – Mons – Nivelles. Beide Armeen hatten zusammen eine Stärke von 205.000 Mann. Ihre Versorgungslinien führten auseinander. Die Linie von Wellington verlief von Ninove über Alost nach Ostende, diejenige von Blücher von Lüttich ostwärts nach Deutschland. Napoleon rechnete damit, dass es mindestens drei Tage lang dauern würde, bis beide Armeen sich vereinigt hätten. Ein plötzlicher Schlag gegen den Angelpunkt, der die Zentren der beiden Armeen miteinander verband, könnte eine oder beide Armeen dazu zwingen, sich entlang ihrer auseinanderlaufenden Verbindungslinien zurückzuziehen. Den dann größer werdenden Abstand zwischen den alliierten Armeen plante Napoleon zu nutzen, um die feindlichen Armeen mit örtlich überlegenen Truppen einzeln zu besiegen.Chandler: The Campaigns of Napoleon. Scribner, New York 1966, S. 1016ff. Die Aufstellung Napoleons war für eine solche Bewegung ideal ausgerichtet. Zwei Flügel unter Ney und Grouchy sollten der Armee vorausgehen und Napoleon in der Mitte folgen, wobei er das Gewicht wahlweise auf die eine oder andere Flanke werfen konnte.Chandler: Waterloo. S. 76.
Auftakt
Die Zusammenfassung der französischen Kräfte für die Offensive hatte am 6. Juni begonnen und war praktisch abgeschlossen, als der Kaiser am 14. Juni sein vorgeschobenes Hauptquartier in Beaumont erreichte. Am Morgen des 15. Juni überquerte die in drei Kolonnen aufgeteilte französische Armee die belgische Grenze. Der linke Flügel, bestehend aus dem ersten und zweiten Korps unter Generalmajor Jean-Baptiste Drouet, bzw. Honoré-Charles Reille, marschierte von Lille und Valenciennes nach Sohr-sur-Sambre. Das Zentrum, bestehend aus der kaiserlichen Garde sowie dem 6. Korps unter Georges Mouton und dem 3. Korps unter Dominique-Joseph René Vandamme, marschierte in Richtung Beaumont. Die kaiserliche Garde lagerte hinter der Stadt, während Mouton und Vandamme etwa 1,5 Kilometer vor der Front kampierten. Der rechte Flügel, bestehend aus dem 4. Korps unter Étienne Maurice, comte Gérard, rückte von Metz nach Philippeville vor.Chandler: The Campaigns of Napoleon. S. 1020.
Am Abend des 15. Juni erfuhr Wellington von schweren Kämpfen zwischen preußischen und französischen Einheiten bei Charleroi. Einen Tag später stellte er sich mit 21.000 Mann den 22.000 Franzosen unter Marschall Ney entgegen. Wellington konnte mehrere Angriffe abwehren und schließlich mit weiterer Verstärkung zum Gegenangriff übergehen.Pope: The Cassell dictionary of the Napoleonic Wars. Cassell, London 1999, S. 400. Am selben Tag stellten sich die Preußen in einer vorher erkundeten Stellung dem französischen Angriff und wurden bei Ligny geschlagen. Napoleon konnte jedoch keinen entscheidenden Sieg erringen, da das französische I. Korps auf dem Marsch von Quatre-Bras nach Ligny widersprüchliche Befehle erhielt und damit weder in der Schlacht von Quatre-Bras noch bei Ligny eingesetzt werden konnte. So war es der preußischen Armee möglich, sich einer Vernichtung zu entziehen und weitgehend intakt den Rückzug anzutreten. Nachdem Wellington am Morgen des 17. Juni von der Niederlage der Preußen in der Schlacht bei Ligny und deren Rückzug auf Wavre erfahren hatte, zog er sich in Richtung des Weilers Mont-Saint-Jean zwischen Braine-l’Alleud und dem Gehöft Papelotte zurück.Chandler: The Campaigns of Napoleon. S. 1056ff. Das Schlachtfeld
Das Schlachtfeld von Waterloo liegt etwa 15 Kilometer südlich von Brüssel in Belgien und erstreckt sich zwischen den Dörfern Waterloo, Braine-l’Alleud und Plancenoit. Die Gesamtfläche umfasst eine Größe von etwa 20 Quadratkilometern. Die Frontlinie der alliierten Armee unter Wellington verlief auf einer niedrigen, von Westen nach Osten ausgerichteten Anhöhe, deren Länge ungefähr 3,5 Kilometer betrug. Die Tiefe des Schlachtfeldes, also die Entfernung zwischen den Hauptstellungen der beiden Armeen, lag bei etwa 1,5 bis 2 Kilometern. Die dominierende Geländeerhebung stellt der Mont-Saint-Jean-Kamm dar, ein niedriger Höhenzug, der sich maximal 30 Meter über den Talboden erhebt und sich etwa von Südwest nach Nordost rund 700 Meter südlich des Gehöfts Mont-Saint-Jean erstreckt. Auf seinem Kamm verläuft die Straße von Braine-l’Alleud nach Ohain, während die gepflasterte Straße Brüssel–Charleroi das Schlachtfeld zentral durchschneidet. Der Blick vom Höhenzug aus über das flache Tal war nur teilweise durch Bodenwellen, stehende Feldfrüchte und einige verstreute Bäume eingeschränkt. Ein Großteil des Schlachtfeldes war von Gemüse- und Getreidefeldern bedeckt.
Südlich des Mont-Saint-Jean-Kamms verläuft der Belle-Alliance-Kamm, der 450 Meter südlich von Papelotte beginnt, sich südwestlich durch La Belle Alliance zieht und dann westlich sowie nordwestlich um Hougoumont herum verläuft, bevor er in Richtung Braine-l’Alleud weiterführt. Zwischen diesen beiden Höhenzügen liegt ein sanft abfallendes, offenes Gelände. Die Landschaft wird durch mehrere massiv ausgebaute Bauernhöfe gegliedert, darunter das ummauerte Gut Hougoumont mit Obstgarten und Wald im Westen, La Haye Sainte nahe der Hauptstraße im Zentrum sowie Papelotte und La Haie am östlichen Rand. Diese Gehöfte sind von Feldern, kleinen Wäldern und Gehölzen umgeben und wurden durch ihre massive Bauweise zu markanten Orientierungspunkten im Gelände.
Besondere topografische Eigenheiten zeigt das Gebiet um Papelotte, La Haie, Smohain und Frichermont am linken (östlichen) Rand des Schlachtfelds. Dieses Gebiet ist von tief eingeschnittenen Hohlwegen, hohen Böschungen und dichten Hecken durchzogen. Die sogenannte „Ulmenkreuzung“ und die Ohain-Straße im Zentrum des Schlachtfelds zeichnen sich durch tiefe Hohlwege aus. Die südlichen und westlichen Äste dieser Kreuzung verlaufen für etwa 200 Meter in einem steil eingeschnittenen Hohlweg, der stellenweise bis zu 30 Meter unter dem Bodenniveau liegt. Die östliche Straße ist von Hecken auf niedrigen Böschungen gesäumt, die weitere 600 Meter bis fast zum heutigen Standort des Konvents von Frichermont reichen und das Durchkommen zusätzlich erschweren. Ein weiteres markantes Geländemerkmal ist ein höher gelegener Geländestreifen, der von der Brüsseler Straße etwa auf halber Strecke zwischen La Belle Alliance und La Haye Sainte in Richtung Papelotte zeigt. Er zieht sich über 1.000 Meter nordostwärts und senkt sich allmählich in das Netz von Wegen und Feldern um Smohain. Dieser Kamm verläuft parallel zu den beiden Hauptanhöhen und ist nahezu gleich hoch wie der Belle-Alliance-Kamm.Adkin: 2001, S. 120, 126 f.
Schlachtordnung
Briten Wellington hatte seine Hauptstreitmacht bis zum Morgen des 18. Juni in zwei Abteilungen beiderseits der Straße von Charleroi nach Brüssel auf einem von Westen nach Osten laufenden Höhenzug aufgestellt. Dieser erstreckte sich über etwa 3.500 Meter entlang der Nordseite der Ohain-Straße, die auf dem Kamm des Mont-St-Jean verlief. Auf der rechten Seite war George Cooks britische 1. Division mit 4.500 Mann postiert. Zur Linken befand sich die 3. Division mit 8.000 Mann unter Carl von Alten und auf der anderen Seite der Straße die 5. Division mit 9.500 Mann unter Thomas Picton. Ungefähr 200 Meter dahinter stand das Kavallerie-Korps unter dem Kommando von Generalleutnant Henry Paget.