mini|Werk Verle – Kehlseite des Kasemattblocks. Links vom Weg hinter dem einzelnen Baum befinden sich die Überreste der Nahkampfanlage mini|Überreste des Kehlkoffers und der Traditorenbatterie von Süden gesehen Das Werk VerleIm k.u.k.-Sprachgebrauch wurden die Befestigungen an der Grenze zu Italien als Werke, nicht jedoch als Forts bezeichnet ausgenommen von dieser Regelung waren lediglich die Forts Hensel und Herrmann, die jedoch als einzige nach Persönlichkeiten benannt waren. war eines von insgesamt sieben Festungswerken (Forts) der Sperre Lavarone-Folgaria und damit Teil des an der Reichsgrenze zu Italien errichteten österreichisch-ungarischen Befestigungsriegels. Es liegt oberhalb des Val Sugana und südlich der Ortschaft Levico Terme bzw. des Lago di Caldonazzo südöstlich von Trient auf der Hochfläche von Lavarone-Folgaria. Die offizielle Bezeichnung der k.u.k.-Militärverwaltung lautete „Werk Verle“, auf italienischen Karten finden sich auch die Bezeichnungen „Ex Forte di Busa Verle“ sowie „Forte la Pozzona“.
Baubeginn war der 22. Oktober 1908, die Fertigstellung erfolgte am 30. März 1913. Für die Planung war der Hauptmann des Geniestabes von Lehmayer verantwortlich. Als Kriegsbesatzung waren drei Offiziere und 233 Mannschaftenin der k.u.k. Armee gab es die Dienstgradgruppe der Unteroffiziere nicht, sie wurden zu den Mannschaften gezählt vorgesehen.
Lage Das Werk liegt in einer Höhe von 1508 Metern über dem Meeresspiegel zwischen der Cima Vezzena () und dem Vezzena-Pass () in sehr exponierter Stellung, da es hier von dem italienischen Forte Monte Verena, das sieben Kilometer in südöstlicher Richtung und 500 Meter höher liegt, voll eingesehen und beschossen werden konnte. Dagegen konnten die Turmhaubitzen M9 des Werks Verle trotz ihrer maximalen Reichweite von 7,3 Kilometern das Fort Monte Verena wegen des Höhenunterschieds nicht erreichen.Je höher das Ziel über dem Standort des feuernden Geschützes liegt, desto weiter rückt es zielerfassungsmäßig von diesem ab. Die maximale Schussweite ist nur anwendbar, wenn das Ziel auf gleicher Höhe über NN wie das Geschütz liegt. mini|Geschützpanzerturm Als Beobachtungsstation für Verle in das nicht einsehbare Suganertal (Val Sugana, auch Val Brenta genannt)6°Reggimento alpini – Fatti d'arme e Decorazioni alla Bandiera sowie über die Hochfläche diente der benachbarte Posten Vezzena. mini|Plan des Werkes Verle
Das Bauwerk Werk Verle war als Einheitsfort errichtet, das die Artillerie und die infanteristische Nahverteidigung in einem Werk zusammenfasste. Der Grundriss des Werks bildete ein unregelmäßiges Viereck mit zwei etwa 130 m und 60 m langen Facen (Fronten), einer 130 m langen Kehle und einer 50 m langen rechten Flanke, die eine Innenfläche (ohne Graben) von rund 160 m Breite und 70 m Tiefe umgaben. Ein Graben war nur vor den beiden Fronten vorhanden, der Großteil der Kehle und rechten Flanke wurden durch die Mauern des Kasemattblocks und der Traditorenanlage gebildet. Zwischen der Nahkampfanlage und dem Graben der linken Face befand sich eine Lücke, die nicht durch Mauern geschlossen worden war. Diese Lücke wurde lediglich durch die Maschinengewehre der Nahkampfanlage gedeckt, die Sturmfreiheit durch das später errichtete Stacheldrahtverhau hergestellt. Das Fort war mit getrenntem Batterie- und Kasemattblock angelegt, die über die Traditorenanlage und eine kurze Poterne verbunden waren. Der Batterieblock mit den vier 10-cm-Haubitzen in Panzerkuppeln als Hauptbewaffnung bildete die rechten Face, lag somit vor dem Kasemattblock und zugleich erheblich tiefer. Die Rückseite des Kasemattblocks bildete zugleich die Kehle, in ihm befanden sich die Unterkünfte und technischen Einrichtungen wie das Notstromaggregat (das Werk war an die reguläre Stromversorgung angeschlossen) und die Telefonzentrale, ferner eine Zisterne, eine Gruft für mehrere Särge und anderes. Am rechten Kehlpunkt ging der Kasemattblock direkt in den Kehlkoffer mit 3 × 2 Maschinengewehren und die Traditorenanlage mit zwei 8-cm-Minimalschartenkanonen über. Dazu kamen die in der Contrescarpe eingebaute Grabenstreiche mit vier 6-cm-Kasemattkanonen und zwei Maschinengewehren vom Typ Schwarzlose M07/12 und eine Nahkampfanlage mit 2 × 2 Maschinengewehren am linken Kehlpunkt. Als sich abzuzeichnen begann, dass Italien seine Neutralität zugunsten der Alliierten aufgeben und in den Krieg eintreten würde, wurde die Anlage mit einem 30 bis 50 Meter breiten Stacheldrahthindernis umgeben. Dieses bestand aus in den Boden gerammten Winkeleisen mit Aussparungen zum Einhängen des Drahts und auch Rundeisen, die in regelmäßigen Abständen ringelförmig verdreht waren. Da es die heutigen Drahtrollensysteme noch nicht gab, wurden die Drähte straff kreuz und quer gespannt.Die Erkenntnis, dass locker hängender Stacheldraht ein größeres Hindernis darstellt als straff gespannter, kam erst später. Im Zufahrtsbereich kamen auch Spanische Reiter zum Einsatz.
Bewaffnung 4 × 10-cm-Turmhaubitze T.H. M.9 unter drehbaren Panzerkuppeln 2 × 8-cm-Minimalschartenkanonen M.5/9 als Flankierungsbatterie in Richtung des Nachbarwerks Lusern 4 × 6-cm-Kasemattkanonen M.10 als Nahverteidigung in der Frontgrabenstreiche 15 × Maschinengewehre Schwarzlose M 07/12 in: 4 × Panzerkasematten mit je zwei Maschinengewehren 3 × Panzerkuppeln mit je zwei Maschinengewehren 1 × drehbarer Beobachtungsstand mit einem Maschinengewehr
Bauweise Das Festungswerk war vollständig aus Beton erbaut, der jedoch nur teilweise armiert war. Die Werksdecke bestand aus einer 2,15 m starken Lage aus Stampfbeton, deren oberste Schicht mit 2 cm starken Rundeisen im Abstand von 50 cm bewehrt war. Die Betondecken lagen auf sogenannten I-Trägern (auch Doppel-T-Träger genannt) auf, die ein Abplatzen größerer Deckenteile verhinderten und Energie der Geschosse auf die Seitenwände übertrugen. Zwischen den Trägern wurden Stahlbleche eingelegt, um ein Herunterfallen von abgeplatzten Betonstücken zu vermeiden. Hierbei war die Anzahl und Größe der Träger je nach Raum unterschiedlich. Das Werk wurde zwar weitgehend versenkt, war aber nicht unterirdisch angelegt: Der Batterieblock wurde in eine ausgehobene Baugrube hineingebaut, wobei die Rückseite in die dahinter liegende Felswand überging. Der Kasemattblock war nur feindseitig an den Felsen angefügt, Decke und Kehlfront bestanden freistehend aus Beton. Die Fenster der Kehlseite konnten mit Stahlläden verschlossen werden. Auch die ursprüngliche Poterne zwischen Kasemattblock und Batterieblock war nur versenkt und nicht unterirdisch durch den gewachsenen Fels getrieben, sie setzte im Obergeschoss der Traditorenanlage an. Die Geschütze und Maschinengewehre waren in Panzerkuppeln auf den Decken oder in flankierenden Mauerscharten hinter Panzerplatten (sog. Kasemattpanzer) eingebaut. Die Werksdecke war mit verzinktem Blech abgedeckt so gegen Witterungseinflüsse geschützt.
Die Werke Verle und Lusern sind noch deutlich kompakter gebaut als die etwas später errichteten Werke Gschwent und Serrada, die größere Abstände zwischen den einzelnen Blöcken aufweisen und so die Trefferlage verringerten.
Batterieblock Der Batterieblock weist mit seiner Front in etwa nach Südosten, wobei er zwischen der zweiten und dritten Geschützpanzerkuppel einen ausspringenden Winkel aufweist. Der Abstand zwischen dem dritten und vierten Geschütz ist größer gehalten als zwischen den anderen, da sich in diesem Bereich eine gepanzerte Maschinengewehrkuppel befindet. Im Batterieblock befindet sich ein Längsgang, von dem aus Aufgänge zu den höher liegenden Geschütztürmen und zur Maschinengewehr-Panzerkuppel führen. Des Weiteren finden sich hier Zugänge zu drei Munitionsräumen und der Eingang zur Poterne, die zur Grabenstreiche führt. In den Gang integriert sind ferner zwei Bereitschaftsräume für die Besatzung. Am linken Ende des Ganges befand sich ein Notausgang und die Lichtsignalstation zum Posten Vezzena. Am rechten Ende des Ganges, vor dem Übergang zur Poterne in den Kasemattblock, lag eine Scheinwerferstation (für einen Scheinwerfer 25 cm), ein Notausgang und eine Toilette. Bauartbedingt waren die Haubitzen für ein Feuern im negativen Höhenrichtbereich bis zur Elevation von −15° (Einsatz als Depressionsgeschütz) einsetzbar.
Kasemattblock Der Kasemattblock (auch Kasemattenblock) bestand aus insgesamt drei Stockwerken, wobei das Kellergeschoss von der Grundfläche her kleiner war als die beiden darüberliegenden. Hier befanden sich ursprünglich nur Vorratsräume, eine Zisterne, sowie die Gruft für die Gefallenen. Er weist nahezu geradlinig nach Norden und ist an seiner rechten Flanke mit dem Batterieblock verbunden.
Erdgeschoss Im Erdgeschoss lag der Eingang der Poterne zur Nahkampfanlage. Außerdem fanden sich hier: 1 × Abort 2 × Mannschaftsräume 1 × Akkumulatorenraum 1 × Maschinenraum mit Notstromaggregat 1 × Werkstatt 1 × Küche 4 × Depoträume 1 × Arztzimmer 1 × Krankenstation mit acht Betten 1 × Wachzimmer neben dem Eingang Außerdem befanden sich hier der untere Teil des Kehlkoffers und in dem zur Felsseite liegenden Hauptgang zwei Stiegenhäuser zum Obergeschoss. Ein weiteres Stiegenhaus zum Obergeschoss lag vor dem Wachzimmer.
Obergeschoss Im Obergeschoss befanden sich zwei Ausgänge auf das Werksverdeck sowie der Zugang zum gepanzerten Beobachtungsstand. Weiterhin: 1 × Abort 4 × Mannschaftsräume 2 × Offiziersunterkünfte 1 × Kommandantenzimmer 1 × Munitionsmagazin 1 × Bereitschaftsraum 1 × Telefonzentrale
Hier befanden sich auch der obere Teil des Kehlkoffers und – in dem zur Felsseite liegenden Hauptgang – zwei Stiegenhäuser zum Erdgeschoss. Ein weiteres Stiegenhaus zum Erdgeschoss lag vor dem Bereitschaftsraum. Hier war auch der Zugang zur Poterne, die zum Batterieblock führte und nach dem Bau der Felspoterne aus dem Kellergeschoss in den Batterieblock aufgegeben wurde. Nach der zweiten Phase der Beschießung wurde dieses Stockwerk im September 1915 ebenfalls aufgegeben, der Fußboden mit einer etwa 1 Meter starken Betonschicht aufgefüllt und so die Decke des Erdgeschosses erheblich verstärkt.
Contrescarpenkoffer Der Contrescarpenkoffer (auch Grabenstreiche genannt) ist einstöckig und befindet sich in der äußeren Grabenwand an der Spitze des ausspringenden Winkels. Er ist auf den gewachsenen Fels aufgesetzt und nur frontseitig an diesen angebaut. Die Decke besteht aus Beton. Von der Decke führt das Glacis in einer Linie mit dem Batteriedeck talwärts. Der Contrescarpenkoffer beherrschte den Graben in beide Richtungen. Er bestand aus: 1 × Treppenhaus zur Poterne 1 × Bereitschaftsraum 1 × Abort 2 × Scheinwerferständen für 21-cm-Scheinwerfer 1 × Panzerkasematte für zwei Maschinengewehre und einen Leuchtpistolenstand 2 × Geschützräumen für je zwei 6-cm-Kasemattkanonen
Nahkampfanlage Die Nahkampfanlage befand sich am linken Kehlpunkt und war mit dem linken Ende des Kasemattblocks durch eine Betonpoterne verbunden. Sie deckte die Flanke zum Posten Vezzena und war ausgestattet mit: 1 × gepanzerter Scheinwerferstand für Scheinwerfer 35 cm 2 × Panzerkuppeln für je zwei Maschinengewehre 1 × Munitionsraum 1 × defensiblen Bereitschaftsraum 1 × Abort
Die Nahkampfanlage wurde im Laufe der Beschießungen völlig zerstört, die beiden Maschinengewehrkuppeln wurden herausgeschossen und lagen im Graben. Auch die Zugangspoterne wurde zweimal durchschlagen und durch den ständigen Beschuss gänzlich zerstört.
Kehlkoffer Der Kehlkoffer war direkt an den Kasemattblock angebaut und diente zur Sicherung der Rückseite des Kasemattblocks und des Eingangs. Er zog sich über das Erdgeschoss und das Obergeschoss hin. Im unteren Teil verfügte er über eine Panzerkasematte mit zwei Maschinengewehren zur Sicherung des Kehlgrabens, im oberen Teil lagen zwei Panzerkasematten mit je zwei Maschinengewehren zur Bestreichung des rückwärtigen Geländes. Über dem Kehlkoffer befand sich ein drehbarer gepanzerter Beobachtungsstand, der ebenfalls mit einem Maschinengewehr bestückt werden konnte.