Die heutige Bevölkerung Argentiniens hat zu einem Großteil (rund 90 %) europäische Einwanderer als Vorfahren. Gleichzeitig gibt es eine zahlenmäßig große Minderheit, die zudem indigener und/oder afrikanischer Abstammung ist und auf eine Verbindung indigener Bevölkerungsgruppen, europäischer Einwanderer und afrikanischer Herkunftsgruppen zurückgeht.

Charakteristisch ist außerdem der sehr hohe Verstädterungsgrad (89 Prozent wohnen in Siedlungen von 2000 und mehr Einwohnern), der sogar die entsprechenden Werte aus den Industrieländern übertrifft. Hierbei ist kennzeichnend, dass praktisch in allen Regionen des Landes die Bevölkerung in wenigen städtischen Zentren geballt ist und daneben weite Leerräume mit sehr geringer Bevölkerungsdichte verbleiben.

Bevölkerungsstruktur Schätzungsweise rund 90 % der Bevölkerung stammen zumindest teilweise von eingewanderten Europäern, mehrheitlich Italienern, ab. Die hohe Anzahl von Personen, die zumindest einen europäischen Vorfahren haben, haben einen Mythos des weißen Argentiniens hervorgebracht. In den 1990er Jahren ging man von einem Anteil der Mestizen – Nachfahren sowohl von Europäern als auch von Indigenen – von circa 10 % aus sowie von einem Bevölkerungsanteil von circa 5 % Indigenen. Ungefähr seit den 2000er Jahren wird stärker über die ethnische Heterogenität der Argentinier und den Mythos des weißen Argentinien diskutiert. Genetische Analysen zum Erbgut aus den 2010er und 2020er Jahren kommen zu dem Resultat, dass in der argentinischen Bevölkerung zwischen 53 % und 65 % europäisches, 31–40 % indianisches und 4 % afrikanisches Erbgut vorliegt (damit sind nur Aussagen über das Erbgut getroffen, nicht über die Bevölkerungsanteile). Nach dem Zensus von 2022 identifizierten sich rund 1,3 Millionen Personen (2,9 %) als Indigene und 300.000 Personen (0,7 %) als afrikanischstämmig (afrodescendiente). Geringe Selbstidentifikationen als Mestizen bzw. Schwarze werden darauf zurückgeführt, dass diese Bevölkerungsgruppen unter einer starken Diskriminierung zu leiden hatten und haben und sich daher als „Weiße“ deklarierten. Zudem haben geschätzt 300.000 Menschen in Argentinien eine Roma-Abstammung.

Der Ausländeranteil geht seit der Einwanderungswelle Ende des 19. Jahrhunderts, als er zwischenzeitlich um 30 % erreichte, kontinuierlich zurück und lag 2001 bei nur 4,2 %. Die größten Ausländergruppe waren 2010 die Paraguayer (550.713), Bolivianer (345.272), Chilenen (191.147) und Peruaner (157.514). 2016/2017 lag der Ausländeranteil nach unterschiedlichen Schätzungen bei 4,5 – 4,9 %, bzw. rund 2,2 Millionen Einwohnern. Die Mehrheit der Einwanderer (54 %) war weiblich.

48,7 % der Einwohner Argentiniens sind Männer, 51,3 % Frauen. Diese relativ gleichmäßige Verteilung hat sich jedoch erst seit wenigen Jahrzehnten herausgeprägt, bis weit ins 20. Jahrhundert hinein herrschte ein Männerüberschuss (53,5 % Männer im Jahr 1914), eine Folge der Einwanderung. Die südlichen Provinzen, insbesondere Tierra del Fuego, weisen heute weiterhin wegen der Binnenwanderung von jungen Männern in diese Region einen Männerüberschuss auf, während im eher von Abwanderung betroffenen Norden tendenziell Frauenüberschuss herrscht.

Die Altersstruktur ist heute ebenfalls relativ gleichmäßig. 22,0 % der Bevölkerung sind unter 14 Jahre alt, 66,1 % im Alter zwischen 15 und 64, sowie 11,9 % älter als 65 Jahre. Hier geht die Tendenz klar hin zu einem Anstieg des Durchschnittsalters.

Die Verteilung der Bevölkerung lässt einen hohen Verstädterungsgrad erkennen. 89,31 % wohnen in Ortschaften über 2000 Einwohnern, 62,29 % in Großstädten mit über 100.000 Einwohnern. 3,40 % wohnen in Ortschaften unter 2.000 Einwohnern und 7,28 % auf dem offenen Land, wo auch mit 54,02 % ein hoher Männerüberschuss herrscht.

Von körperlichen oder geistigen Behinderungen sind 7,1 % der Bevölkerung betroffen, bei Männern 6,8 %, bei Frauen 7,3 %.Daten dieses Abschnittes:

Demografische Indikatoren mini|271x271px|Bevölkerungs­entwicklung, Fertilitäts- und Netto­reproduktions­raten von 1950 bis 2021; Prognose der Bevölkerungs­entwicklung bis 2032; Schätzung der Vereinten Nationen 2022Blaue Kurve (linke Y-Achse): Gesamt­bevölkerung jeweils zum 1. Juli in Tausend Blaue gepunktete Kurve (linke y-Achse): Gesamt­bevölkerung jeweils zum 1. Juli in Tausend, „Mittlere Prognose“ („Medium variant“) Rote Kurve (rechte y-Achse): Gesamt­frucht­barkeits­rate (Lebendgeburten pro Frau) Gelbe Kurve (rechte y-Achse): Netto­reproduktions­rate (überlebende Töchter pro Frau) Argentinien weist unter den Entwicklungsländern ein hohes Entwicklungsniveau auf, im Index der menschlichen Entwicklung stand es auf Platz 38 (2007/2008)Website des Human Development Index und damit in Lateinamerika an erster Stelle. Dies schlug sich jedoch nur in einem Teil in den demographischen Indikatoren nieder; so lag etwa die Kindersterblichkeit auf einem ähnlich hohen Niveau wie in Jamaika, trotz des deutlich niedrigeren allgemeinen Entwicklungsstandes dieses Landes.

Die demographischen Indikatoren waren laut Instituto Nacional de Estadística y Censos (INDEC) für 2005 bis 2010 folgende:

Geburtenrate: 17,5 Promille/Jahr Sterberate: 7,8 Promille/Jahr Natürliches Wachstum: 9,7 Promille/Jahr Netto-Wanderungs-Saldo: 0,06 Promille/Jahr Totales Wachstum: 9,7 Promille/Jahr Fruchtbarkeitsrate (Zahl der Kinder pro Frau): 2,3 Kindersterblichkeitsrate: 13,3 Promille Alphabetisierungsrate: 97,4 (2001) Mittlere Lebenserwartung: 75,24 Jahre Männer: 71,56 Jahre Frauen: 79,06 Jahre

Zu diesen Daten lassen sich folgende Beobachtungen anstellen: Die Fruchtbarkeitsrate und Geburtenrate gingen seit dem 19. Jahrhundert stark zurück, sie scheinen sich jedoch auf dem jetzigen Niveau weitgehend stabilisiert zu haben. In einigen Städten liegen beide Zahlen deutlich niedriger (1,6 Kinder pro Frau in Buenos Aires), während ländliche Regionen Werte bis zu 5 aufweisen. Die Kindersterblichkeitsrate geht trotz der Wirtschaftskrisen weiter zurück. Sie liegt jedoch trotz des hohen Entwicklungsniveaus des Landes in Lateinamerika nur auf einem mittleren Niveau (in Kuba und Chile ist sie mit 5,6 bzw. 7,8 deutlich niedriger) Auch die Lebenserwartung liegt im weltweiten Vergleich nur auf einem mittleren Niveau.Human Development Index

Bevölkerungsentwicklung Die Einwohnerzahl Argentiniens macht insbesondere zur Zeit um 1900 einen schlagartigen Anstieg durch. Dies hing mit einer starken Einwanderungswelle aus Europa zusammen, die die Kultur des Landes später entscheidend prägte. Zwischen 1881 und 1914 wanderten zwei Millionen Italiener, 1,4 Millionen Spanier, 170.000 Franzosen und 160.000 Personen aus Russland (darunter viele Deutschstämmige) ein. Ab 1930 ging die Einwanderung aus Europa zurück, dafür kamen nun Neubürger aus den Nachbarländern Chile, Bolivien und Paraguay sowie später auch Peru dazu.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts geht das Bevölkerungswachstum generell zurück. Dies liegt sowohl an einem Abflauen des Einwanderstroms (zur Zeit gleichen sich Ein- und Auswanderung nahezu aus) sowie an dem Rückgang der Geburtenrate, die heute nur leicht über dem Niveau von Industrieländern liegt und nur für ein knappes natürliches Wachstum ausreicht.

JahrEinwohnerzahlWachstumsrate (%/Jahr)*Ausländeranteil (%)Urbane Bevölkerung (%)Kinder pro FrauLebenserwartung bei Geburt18691.877.490k. A.11,2k. A.k. A.k. A.18954.044.911k. A.24,937,46,04019147.903.6623,630,352,75,348,5194715.893.8112,0415,362,23,361,1196020.013.7931,7913,072,03,066,4197023.364.4311,569,579,02,965,6198027.949.4801,816,883,03,4469,0199132.615.5281,475,088,42,872,1200136.260.1301,014,289,32,474,1201040.117.0964,5201744.681.8864,5–4,9202247.327.407Volkszählung 2022, vorläufiges Ergebnis: La población de la República Argentina es de 47.327.407 personas. In: Página/12, 20. Mai 2022, abgerufen am 5. September 2022.

*) bezogen auf die Zeitspanne zwischen der jeweils aktuellen und der vorherigen Volkszählung

Regionale Charakteristika Herkunft und demografischer Aufbau der Bevölkerung sind von Region zu Region verschieden, was sich aus der Geschichte des Landes mit verschiedenen Wanderungsbewegungen aus den Nachbarländern, aber auch aus der wirtschaftlichen Situation der einzelnen Landesteile ergibt. Im Folgenden werden die Charakteristika nach Region beschrieben.

Buenos Aires und Provinz Buenos Aires Sowohl in der Stadt als auch in der Provinz Buenos Aires stammt die Bevölkerung zum überwiegenden Teil von europäischen Einwanderern ab. Dabei kann man zwischen zwei Gruppen unterscheiden: einmal den Einwanderern der Hauptwelle (1880–1915), die sich in den Städten und insbesondere Buenos Aires ansiedelten, zum anderen den sogenannten Kolonisatoren (colonizadores), die auf dem Land seit Beginn des 19. Jahrhunderts oft ethnisch sehr homogene landwirtschaftliche Kolonien bildeten, die später meist ebenfalls zu Städten wurden.

Grund für die Dominanz der Europäer in dieser Provinz ist zum einen die geringe, nomadisch lebende Urbevölkerung im Norden des Gebiets, zum anderen die systematische Ausrottung der indigenen Bevölkerung in der sogenannten conquista del desierto um 1880 im Süden, wo sich lange die wehrhafte Reiterkultur der Mapuche halten konnte. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts dominierten die spanischstämmigen Argentinier, was sich jedoch mit den Einwanderungsgesetzen der Regierung Nicolás Avellanedas änderte. In den Großstädten siedelten sich zur ersten Einwanderungswelle um 1900 vor allem Einwanderer aus Italien an, gefolgt von den Spaniern und Engländern sowie einigen Franzosen und Deutschen; auf dem Land außer aus diesen Ländern auch aus Polen und Russland. Diese Gruppen und ihre Nachkommen machen seit dieser Zeit etwa 85 Prozent der Bevölkerung der Region aus.

Ab den 1930er-Jahren führte die Binnenwanderung aus entlegeneren Provinzen in die Hauptstadt zu einer neuen Schicht, die vor allem aus Mestizen bestand (und deswegen oft als cabecitas negras, „Schwarzköpfchen“ diskriminiert wurden).

Die Bevölkerungsverteilung in der Provinz Buenos Aires ist mit Ausnahme der Agglomeration Gran Buenos Aires selbst sowie dem äußersten Süden der Provinz, in dem die Dichte sehr gering ist, sehr gleichmäßig. Es gibt viele Klein- und Mittelstädte, in denen sich ein großer Teil der Bevölkerung ballt. Laut der Volkszählung des INDEC von 2001 ergibt sich folgendes Bild:

Orte und AgglomerationenBevölkerungAnteil in %über 1 Mio. Ew.12.046.79972,56100.000–1 Mio.1.736.91310,4650.000–100.000778.6804,6910.000–50.0001.105.3726,662.000–10.000430.5932,59unter 2.000504.9843,04Gesamt16.603.341100

Die Dominanz des Ballungsraums Buenos Aires wird in dieser Tabelle besonders deutlich: 72 Prozent der Einwohner der Gegend wohnen in dieser Agglomeration.

Zentralargentinien (Región Centro) In der Región Centro, in der die Provinzen Córdoba, Entre Ríos und Santa Fe zusammengeschlossen sind, ist die Situation ähnlich wie in der Provinz Buenos Aires. Die meisten Einwohner stammen von Europäern ab, die entweder in die Großstädte eingewandert sind oder auf dem Land „Kolonien“ gründeten – darunter zum Beispiel die Wolgadeutschen in Entre Ríos. Der Mestizen-Anteil ist allerdings in dieser Gegend höher, was vor allem daran liegt, dass Teile dieser Gegenden schon vor der Einwanderungswelle um 1880 relativ dicht von den so genannten criollos, Mischlingen aus Indianern und Spaniern, bevölkert waren, und die Einwanderung sich größtenteils auf die Region um Buenos Aires konzentrierte.

Im Norden der Provinz Santa Fe leben noch einige Ureinwohner der Toba-Indianer nach ihrer Kultur, ebenfalls gibt es in einigen abgelegenen Gebieten von Entre Ríos Guaraní-Kolonien. In Córdoba wohnen zudem etwa 5000 Comechingones, deren Kultur jedoch zu einem großen Teil verloren gegangen ist, ihre Sprache wird nicht mehr gesprochen.