mini|hochkant=1.3|Der Schlossgarten (1829) mit Orangerie mini|Der Schlossgarten um 1899 mini|Schloss mit Schlossgarten, Fliegeraufnahme (1936) mini|1905: Ansicht des Schlossgartens von Norden mit Brunnen (im Hintergrund das Schloss) mini|Blick auf den Anna-Amalia-Platz mit dem heute gepflasterten Teil des früheren Schlossparks. Hinter dem Brunnen verlief die historische Allee. Der Schlosspark, auch Schlossgarten genannt, war eine Parkanlage in der Braunschweiger Innenstadt und ursprünglich von etwa 1720 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Teil der Gesamtanlage des Braunschweiger Schlosses, das nach Kriegsschäden im Jahr 1960 abgerissen wurde.

Nach mehreren Protesten und Umgestaltungsmaßnahmen wurde der Schlosspark schließlich im Sommer 2005 beseitigt, um dort ein Einkaufszentrum bauen und den Baukörper sowie die Fassade des Residenzschlosses rekonstruieren zu können.

Gartenanlage des Braunschweiger Schlosses Der Schlossgarten entstand zwischen 1720 und 1754 im Barockstil im nordöstlichen Bereich des „Grauen Hofes“. Zum Schlossgarten gehörten unter anderem eine künstlich angelegte Grotte, geschnittene Hecken und eine Allee. Diese großzügige Allee verlief entlang des Wendenmühlengrabens vom Steinweg bis zum alten Schloss. Von 1773 bis 1788 wurde er auf Wunsch der Herzogin Augusta von Hannover, der Ehefrau Herzog Karl Wilhelm Ferdinands von Braunschweig-Wolfenbüttel, zu einem englischen Garten umgestaltet sowie durch einen Pavillon ergänzt.

Umgestaltung nach dem Zweiten Weltkrieg Unmittelbare Nachkriegsjahre Aufgrund der großflächigen Zerstörungen der Braunschweiger Innenstadt (Zerstörungsgrad rund 90 %) durch Luftangriffe während des Zweiten Weltkrieges, bei denen auch das Schloss schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war, sowie der Notlage der Bevölkerung angesichts der Lebensmittelknappheit in der Nachkriegszeit (Hungerwinter 1946/47), wurde das Areal des Schlossgartens von der Stadtbevölkerung lange Jahre zum Anbau von Obst und Gemüse und zur Versorgung mit Brennmaterial zweckentfremdet.

Abriss des Schlosses und Neugestaltung des Parkgeländes

Nachdem der Rat der Stadt Braunschweig unter Führung von Martha Fuchs im Dezember 1959 den Beschluss mit einer Stimme Mehrheit gefasst hatte, das Schloss abreißen zu lassen, wurde dieser ab dem 18. März 1960 – unter Protesten Braunschweiger Bürger – zügig umgesetzt. Nach Beendigung der Abrissarbeiten wurde mit der Umgestaltung des Areals und damit auch des ehemaligen Schlossgartens begonnen, wodurch schließlich 1963 der neue „Schlosspark“ entstand. Im selben Jahr wurde der Park erstmals der Öffentlichkeit übergeben. Am 25. Juli 1969 wurde dort ein großes Freiluft-Schachbrett aus Stein mit 60 bis 80 Zentimeter großen Plastikfiguren zur Verfügung gestellt.

Der Park in den 1970er Jahren Durch die Errichtung einer Tiefgarage unter dem neuen Schlosspark war der Park ab 1971 für längere Zeit nicht mehr zugänglich, da für den Bau zunächst das Erdreich ausgehoben wurde. Die Tiefgarage wurde am 29. November 1973 vorläufig eröffnet. Der Park wurde zwischen 1973 und 1974 nach Entwürfen des Architekten Helge Bofinger neu gestaltet, gleichzeitig wurde er zur Friesenstraße hin erweitert. Im Zuge dieser Umgestaltung wurde ein Wasserbecken angelegt, in dem vier originale korinthische Kapitelle der Schlossportikus-Säulen platziert wurden. Ebenfalls wurde ein Pavillon in Form einer gläsernen Pyramide errichtet, in der 1974 eine Lesestube der Öffentlichen Bücherei Braunschweig eingerichtet wurde. Nach der Fertigstellung wurde der Schlosspark am 1. Mai 1974 wieder für die Bevölkerung freigegeben. Am 17. Mai 1974 wurden die neue Tiefgarage sowie der neue Fußgängertunnel zwischen der Fußgängerzone Damm, Magniviertel und dem Schlosspark offiziell freigeben.

Seit langem sollte ebenfalls eine neue Ost-West-Straßenverbindung entstehen. Dazu wurde die Langedammstraße verbreitert, welche sich im Westen bereits an den Waisenhausdamm anschloss. Eine Fortführung der Langedammstraße nach Osten wurde nicht mehr realisiert, und die neue Ost-West-Verbindung musste wegen des Neubaus des Horten AG-Kaufhauses weiter nach Norden verlegt werden. Ein neugotisches Schulgebäude, das ursprünglich der Verbindung nach Osten hätte weichen sollen, wurde verschont. Da die Langedammstraße nun teilweise bebaut wurde, wurde nun weiter nördlich parallel zur ursprünglich geplanten Langedammstraße die mehrspurige Georg-Eckert-Straße angelegtBraunschweiger Schloss und Magniviertel, getrennt durch die Georg-Eckert-Straße, Kartenüberlagerung (1938 und 2010), wodurch der Schlosspark zwischen 1976 und 1978 seinen typischen Grundriss erhielt. Der Park hatte seitdem eine Fläche von 3,5 Hektar.

Aufgrund der Verkehrsplanung der 1970er Jahre sowie nicht vorhandener Fußgängerübergänge entstand durch den verbreiterten Bohlweg eine Barriere, die den direkten ebenerdigen Zugang zum Schlosspark erheblich erschwerte. Durch angebrachte Trenngitter sollte die Überquerung der Straßen durch Fußgänger sogar vollständig unterbunden werden. Vom Damm war der Park nur durch den Bohlwegtunnel erreichbar. Man kann diese Umgestaltungen heute als Beispiel für eine schlechte Verkehrs- und Stadtplanung ansehen. Alle diese Eingriffe wurden in den 2000er Jahren wieder rückgängig gemacht.

1976 wurde eine Studie über eine weitere Neugestaltung des gesamten Parks in Auftrag gegeben. Aus der Studie des Architekturbüros Ungers aus Köln – unter anderem wurde angeregt, den Portikus des Schlosses (von dem viele Teile erhalten waren) oder auch das ebenfalls noch vorhandene Ackerhof-Portal im Schlosspark aufzustellen – wurde nichts umgesetzt.Cord Machens: Der Schlosspark - Die Gutachten., Webseite in: "Das Magniviertel in Braunschweig", www.magniviertel.de, ohne Datum, abgerufen am 1. August 2023. Jürgen Paul, der damalige Professor für Baugeschichte an der TU-Braunschweig, resümierte 1987 rückblickend: „Die Reaktion angesichts der Pläne von Ungers für den Schlosspark war damals: lieber gar nichts bauen... Aus heutiger Sicht jedoch erscheinen sie gar nicht fantastisch oder utopisch, sondern als unkonventionelle etwas luxuriöse, aber formenikonographisch ebenso geistreiche wie gestalterisch phantasievolle und in sich konsequente Lösungen eines innerstädtischen Parks. 1976 war weder die ästhetische Mentalität noch die finanzielle Bereitschaft vorhanden, so etwas zu realisieren“.

Der Park in den 1980er und 1990er Jahren mini|Skulpturen von Kurt Edzard links, heute im Theaterpark und von Gerhard Marcks, heute im Museumpark Am 9. Mai 1980 wurde die Bronzeplastik Die Stehende, Liebe zum Vollmond von Professor Kurt Edzard aufgestellt, welche vom Braunschweiger Lions-Club gestiftet worden war. Am 7. Oktober 1981 folgte die Plastik Thüringer Venus von Gerhard Marcks. Der gläserne Pavillon, der seit 1985 nicht mehr von der Öffentlichen Bücherei genutzt worden war, wurde ab 1986 für gastronomische Zwecke genutzt. 1999 wurde an der Nordseite des Schlossparks eine neue Eichenallee angelegt sowie der nordöstliche Parkteil umgestaltet und saniert. Hinzu kam auch ein neuer Spielplatz, und am „Kleinen Haus“ des Staatstheaters wurde ein neues Bassin angelegt. Ursprünglich sollten weitere Umgestaltungen folgen.

Im Schlosspark fanden im Laufe der Jahre und in unregelmäßiger Folge verschiedene Veranstaltungen statt: So gab es einmal im Jahr nach der Zeugnisausgabe eine Abschlussfeier für Schüler („School's-Out-Party“) sowie Aktivitäten der „Braunschweiger Spielemeile“. „1993 wurden drei Büros zu Gutachten aufgefordert, in denen der ganze Strassenzug vom Kennedyplatz zum Schlossplatz untersucht werden sollte. Stephan Braunfels aus München wurde favorisiert, insbesondere weil es ihm gelang, alte Zusammenhänge wieder deutlich zu machen. Auf dem Kennedyplatz wollte er durch Neubebauung den alten dreistrahligen Stadteingang mit Augusttorwall, Auguststrasse und Löwenwall wieder herstellen und auf dem Schlossplatz sollte eine Glasorangerie parallel zum Bohlweg die Höhe und Proportion des verlorenen Schlosses wieder aufgreifen.“Cord Machens: Der Schlosspark - Die Gutachten., Webseite in: "Das Magniviertel in Braunschweig", www.magniviertel.de, ohne Datum, abgerufen am 1. August 2023.

ECE Projektmanagement und „Schloss-Arkaden“ mini|links|Ausschnitt aus dem VE-Plan zum ECE-Einkaufszentrum Schlosspark (11. März 2004) Durch seine zentrale Lage stellte das Schlossparkareal immer schon eine attraktive Fläche inmitten der Stadt dar, in direkter Nähe zur Braunschweiger Fußgängerzone, dem Straßenbahnknotenpunkt Bohlweg/Damm und den für den Hauptverkehr sehr wichtigen Bohlweg, wodurch das Gelände immer wieder auf Investoreninteresse stieß, um es als Immobilienstandort zu nutzen. So gab es unter anderem in den 1990er Jahren Pläne für den Bau eines Großkinos, die aber zugunsten einer anderen Stelle (Lange Straße) verworfen wurden. Aber auch der Wunsch, den Schlossabriss rückgängig zu machen, war vielfach erhalten geblieben und fand etwa materielle Unterstützung in dem örtlichen Unternehmer Richard Borek.

Im Jahre 2002, unter Stadtbaurat Wolfgang Zwafelink, wurde die ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG auf das Areal aufmerksam und die Stadt zeigte sich an diesem Investor interessiert. Es folgte eine Entwicklungsvereinbarung am 24. September 2002 und eine Projektstudie vom 21. Mai 2003 um ein Einkaufszentrum mit einer Verkaufsfläche von 30.000 m² zuzüglich 3.500 m² für einzelhandelsbezogene Dienstleistungs- und Gastronomiebetriebe zu realisieren. Die Stadt stellte unter anderem die Bedingung, dass die Schlossfassade unter Verwendung noch vorhandener Originalteile zu rekonstruieren sei. So bestand die Möglichkeit, die Schlossfassade wiedererrichten zu lassen, wofür es bisher keinen Investor gegeben hatte. Im Juni 2003 wurde man sich auf der Grundlage eines Vorvertrages handelseinig und vereinbarte für den nicht mehr verfügbaren historischen gelben Velpker Sandstein für die Fassade eine Alternative aus Rackwitzer oder Warthauer Sandstein.

Im Planteil des folgenden Vorhaben- und Erschließungsplans (IN 220) „Einkaufszentrum Schlosspark“ heißt es dazu: „Der Vorhabenträger plant auf dem Areal des Braunschweiger Schlossparks die Errichtung eines Einkaufs- und Dienstleistungszentrums dem ein Gebäude mit der rekonstruierten Außenfassade des ehemaligen Braunschweiger Residenzschlosses angelagert ist.“ Alle Dokumente zum ECE-Vorhaben waren vom 2. April bis zum 3. Mai 2004 auf den Internet-Seiten der Stadt Braunschweig verfügbar.

Unterstützt wurde das geplante Bau- und Investitionsvorhaben durch ein städtebauliches Gutachten des Braunschweiger TU-Professors Walter Ackers, das am 26. März 2003 im Braunschweigischen Landesmuseum vorgetragen wurde. Wie bei fast jedem Großprojekt eines Investors an städtebaulich sensibler Stelle gab es „heftige und teilweise unsachliche Auseinandersetzungen um das Gutachten Einkaufszentrum Schlosspark Braunschweig“. Diese wurden durch das Büro Ackers mit der Ausstellung „Stadt im Sinn, Braunschweig“ „mit 60 Stadtansichten beantwortet. Über 12.000 Besucher haben sich zu einer bewussteren Wahrnehmung Braunschweigs sensibilisieren lassen“. Die Ausstellung im Landesmuseum Braunschweig war ein gesponsortes „Projekt im Rahmen der Bewerbung Braunschweigs und der Region zur Kulturhauptstadt Europas 2010“.

Zeitlich parallel zur schrittweisen Klärung der Bebaubarkeit, wurde in den letzten Jahren der Park durch die Stadtverwaltung zusehends vernachlässigt. Der Brunnen wurde nicht mehr betrieben und der Pachtvertrag für das Café im Glas-Pavillon wurde gekündigt. Dadurch verlor der Park mehr und mehr an Attraktivität. Im Zuge des Bauprojektes waren große Teile des Parks, etwa die Liegewiese, wegen archäologischer Grabungen nicht mehr für die Öffentlichkeit nutzbar.

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