Die Pflanzengattung Werauhia gehört zur Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Die etwa 100 Arten sind in der Neotropis weitverbreitet.

Beschreibung mini|links|Blütenstand mit offenen Blüten von Werauhia williamsii mini|links|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Werauhia ororiensis im Habitat mini|Ausschnitt eines Blütenstands mit offener Blüte im Detail von Werauhia werckleana mini|Kapselfrüchte von Werauhia werckleana

Vegetative Merkmale Werauhia-Arten sind immergrüne, ausdauernde, krautige Pflanzen. Sie gedeihen meist als Epiphyten oder Lithophyten, sie wachsen also auf Bäumen oder an Felsen, oder sie gedeihen terrestrisch. Einige Arten können sehr groß werden, mit 2 bis 4 Meter hohen Blütenständen und Trichterdurchmessern von über 1 Meter. Sie brauchen viele Jahre bis zur Bildung ihres Blütenstandes. Die Sprossachsen sind bei vielen Arten gestaucht, es aber auch Arten mit mehr oder weniger langen Sprossachsen. Meist sind es Trichterbromelien und die Trichter („Zisternen“) zum Sammeln von Wasser und Nährstoffen entstehen dadurch, dass ihre Sprossachsen gestaucht sind und die Laubblätter dicht in Rosetten zusammen stehen und sich überdecken.

Die Laubblätter sind in Blattscheide und -spreite gegliedert. Die Blattscheiden können deutlich ausgebildet oder kaum erkennbar sein und sie sind unauffällig mit Saugschuppen bedeckt. Die einfachen, parallelnervigen Blattpreiten sind ganzrandig und meist schwertförmig bis linealisch-dreieckig. Die Blattspreiten sind grün und oft rot oder kastanienfarben überhaucht, einige Arten weisen gewellte transverse Linien oder rosa-, purpur- kastanien-farbene, rote oder dunkel-grüne gerade Längslinen auf.

Generative Merkmale Es sind mehr oder weniger lange, aufrechte, seitlich gebogene bis geneigten Blütenstandsschäfte mit mehr oder weniger auffälligen, laubblatt- bis tragblattähnlichen Hochblättern vorhanden. Die Blütenstände können unverzweigt oder unauffällig verzweigt sein. Bei zusammengesetzte Blütenstände sind die Seitenblütenstandsachsen kürzer oder länger als die Tragblätter. Meist sind die Blüten zweizeilig oder einseitswendig am Blütenstand angeordnet. Die Hochblätter der Blütenstandsschäfte, die Trag- und Deckblätter sind bei vielen Arten lange haltbar und meist unauffällig gefärbt, grün oder braun, nur selten rosafarben bis rot. Die unterhalb der Verzweigungen angeordneteten Tragblätter sind fleischig. Die Deckblätter sind fleischig und kürzer oder so lang wie Blütenkelch und -krone. Es sind Blütenstiele vorhanden oder die Blüten sind sitzend.

Die zwittrigen Blüten sind dreizählig mit doppelter Blütenhülle. Die drei freien Kelchblätter überdecken sich dachziegelartig, sind dick-ledrig und sind nicht gekielt. Die Blütenkrone ist radiärsymmetrisch bis stark zygomorph. Die Kronblätter überdecken sich in der Knospe dachziegelartig. Die drei freien, fleischigen, festen Kronblätter sind weiß, grünlich-weiß, hell-grün, gelblich-grün bis gelb order hell-orangefarben. An der Basis der Kronblättern sind zwei Schüppchen (Ligulae) als Anhängsel vorhanden, diese sind unregelmäßig fingerartig mit einem bis fünf Fingern mit glattem oder schwach gesägtem Rand und spitzem bis stumpfem oberen Ende; diese Fingr sind gleich lang oder dreimal so lang als breit. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden; sie sind kürzer als die Kronblätter. Die Staubfäden sind so angeordnet, dass die Staubbeutel ein Kappe über dem Stempel bilden. Drei Fruchtblätter sind zu einem halbunterständigen Fruchtknoten verwachsen. Der Stempel überragt die Blütenkrone nicht. Meist beugt sich der Griffel über den Fruchtknoten-Griffel-Übergang und nahe der Narbe krümmt der Griffel sich so, dass die Narbenoberfläche von der Staubbeutel-Kappe weg orientiert ist. Die drei kopfigen, becherförmigen Narbenlappen sind nicht papillös.

Die derben, kastanienfarbenen, oliv-grünen bis braunen oder wenn sie trocken sind fast schwarzen Kapselfrüchte und ei- bis spindelförmig oder deutlich verkehrt-eiförmig und öffnen sich scheidewandspaltig = septizid. Die Samen besitzen an ihrer Basis einen Haarschweif und am oberen Ende eine einfache ungeteilte Granne.

Ökologie Werauhia-Arten blühen meist nachts und die Bestäubung erfolgt meist durch Fledertiere (Chiropterophilie). Es gibt auch Arten, die während des Tages oder der Dämmerung geöffnet sind.

Systematik und Verbreitung Taxonomie Diese Arten waren in der Gattung Vriesea eingegliedert, 1995 stellte Jason R. Grant in The resurrection of Alcantarea and Werauhia, a new genus. in Tropische und Subtropische Pflanzenwelt, Band 91, S. 28 die neue Gattung Werauhia auf. Der Gattungsname Werauhia ehrt den deutschen Botaniker Werner Rauh (1913 bis 2000). Typusart ist Werauhia gladioliflora (Basionym: Tillandsia gladioliflora ).

Äußere Systematik Die Gattung Werauhia gehört zur Subtribus Cipuropsidinae der Tribus Vrieseeae in der Unterfamilie Tillandsioideae innerhalb der Familie der Bromeliaceae. Die Systematik der Unterfamilie Tillandsioideae ist wegen der Abgrenzungsproblematik der Gattungen und phylogenetischer Untersuchungen, nach denen die ursprüngliche Gattung Vriesea in drei Gattungen (Vriesea, Alcantarea und Werauhia) aufgeteilt wurde, steten Veränderungen unterworfen. Zur Subtribus Cipuropsidinae gehören seit 2016 die acht Gattungen Werauhia, Goudaea, Josemania, Jagrantia, Lutheria, Zizkaea, Cipuropsis sowie Mezobromelia.

Arten und ihre Verbreitung Das weite neotropische Verbreitungsgebiet der Gattung Werauhia erstreckt sich vom südlichen Mexiko über Zentralamerika und die Karibischen Inseln bis nach Peru und ins nordöstliche Brasilien. Das Zentrum der Artenvielfalt befindet sich in den Gebirgen Costa Ricas und Panamas.

Es gibt etwa 100 Arten in der Gattung Werauhia (Stand Ende 2025):mini|Habitus von Werauhia gigantea im Habitat mini|Habitus und Blütenstände von Werauhia insignis im Habitat mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Werauhia ochracea mini|Ausschnitt des Blütenstandes mit dreizähligen Blüten im Detail von Werauhia ochracea mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Werauhia ororiensis im Habitat mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Werauhia pedicellata im Habitat mini|Habitus und knospige Blütenstände von Werauhia tarmaensis mini|Habitus, junger und alter Blütenstand der Grünblütigen Werauhie (Werauhia viridiflora) mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Werauhia werckleana im Habitat mini|Ausschnitt des Blütenstandes mit Deckblättern dreizähliger Blüte von der Seite im Detail mit Kelch- und Kronblättern von Werauhia werckleana Werauhia acuminata : Sie kommt in Costa Rica vor. Werauhia ampla : Sie gedeiht terrestrisch und epiphytisch in Höhenlagen von 1650 bis 1830 Metern in Costa Rica nur in Cartago. Werauhia anitana : Sie wurde 2005 erstbeschrieben. Sie gedeiht im Wolken- und Nebelwald oder in windigen summontanen Wäldern und gestörter angrenzender Vegetation in Höhenlagen von 1350 bis 1500 Metern in Costa Rica nur in San Jose. Werauhia apiculata (Syn.: Werauhia dodsonii ): Sie kommt in Costa Rica vor. Werauhia attenuata : Sie gedeiht terrestrisch und epiphytisch in Höhenlagen von 700 bis 1600 Metern in Costa Rica und Panama. Sie kommt in der Zone der submontanen Regenwälder vor und reicht vielleicht bis in den submontanen basalen Gürtel der tropischen Feuchtwälder. Werauhia balanophora : Sie gedeiht epiphytisch oder selten terrestrisch in Höhenlagen von 1500 bis 1900 Metern in Costa Rica. Sie kommt in der Zone der submontanen Regenwälder vor und reicht vielleicht etwas bis in die tiefer gelegenen feuchten Bergwälder. Werauhia barii : Sie gedeiht epiphytisch oder selten terrestrisch in Höhenlagen von 1700 bis 2100 Metern in Costa Rica. Sie wurde nur in der Cordillera de Talamanca an abgeholzten in Weiden umgewandelten Standorten bis zum oberen Kronendach von Primärwäldern gefunden. Werauhia bicolor : Sie gedeiht epiphytisch im Nebelwald in Höhenlagen von etwa 1500 Metern in Costa Rica in San Jose sowie Cartago. Werauhia boliviana : Sie wurde 1999 aus dem bolivianischen La Paz erstbeschrieben. Sie gedeiht epiphytisch in Höhenlagen von etwa 950 Metern. Werauhia bracteosa : Sie gedeiht epiphytisch in tiefergelegenen Bergwäldern und submontanen Regenwäldern in Höhenlagen von 1500 bis 1900 Metern in Costa Rica. Werauhia broadwayi : Sie gedeiht epiphytisch in Wäldern in Höhenlagen von 420 bis 900 Metern auf den Inseln Trinidad und Tobago. Werauhia brunei : Sie gedeiht epiphytisch in Wäldern in Höhenlagen von etwa 1800 Metern in Costa Rica in San Jose sowie Alajuela. Werauhia burgeri : Sie gedeiht epiphytisch in bewaldetem Gebiet in Höhenlagen von 1200 bis 1300 Metern in Costa Rica nur in Puntarenas. Werauhia camptoclada : Sie kommt in Costa Rica nur in San Jose vor. Werauhia capitata : Sie gedeiht epiphytisch hauptsächlich in submontanen Regenwäldern in Höhenlagen von 900 bis 1400 Metern in Costa Rica und in Panama nur in Cerro Jefe. Werauhia comata : Sie gedeiht epiphytisch oder terrestrisch in submontanen Regenwäldern in Höhenlagen von 700 bis 1500 Metern in Costa Rica. Werauhia cowellii Sie gedeiht epiphytisch in Nebelwäldern auf den Kleinen Antillen und in Venezuela. Werauhia dalstroemii : Die Erstbeschreibung erfolgte 2002. Dieser Endemit gedeiht epiphytisch in Höhenlagen von etwa 1100 Metern entlang des Rio Puyo nördlich von Puyo in der ecuadorianischen Provinz Pastaza. Werauhia diantha : Dieser gedeiht nur im südlichen Teil des Cerro Golondrinas in Höhenlagen von etwa 1700 Metern in der ecuadorianischen Provinz Carchi. Werauhia dodsonii : Sie kommt in Costa Rica nur in San Jose vor. Werauhia dressleri : Sie gedeiht in Höhenlagen von etwa 800 Metern in Panama. Werauhia fibrosa (Syn.: Vriesea fibrosa ): Diese Neukombination erfolgte 2023. Sie kommt nur im venezolanischen Bundesstaat Amazonas vor. Werauhia gibba : Dieser Endemit gedeiht epiphytisch in Wälden in Höhenlagen von 675 bis 750 Metern nur in Jamaika. Werauhia gigantea : Sie gedeiht terrestrisch und epiphytisch in Regenwäldern in Höhenlagen von 15 bis 80 Metern auf der Insel Trinidad, in Venezuela, Surinam, Französisch-Guyana sowie Brasilien. Werauhia gladioliflora : Sie gedeiht terrestrisch und epiphytisch in Wäldern in Höhenlagen von 0 bis 1300 Metern. Sie ist von Mexiko über Guatemala, Belize, Nicaragua, Costa Rica bis Panama und von Kolumbien sowie Ecuador bis Brasilien, Surinam und Französisch-Guyana weitverbreitet. Werauhia graminifolia : Sie gedeiht epiphytisch in Höhenlagen von 1300 bis 1500 Metern in Guatemala sowie Costa Rica. Werauhia greenbergii (Syn.: Werauhia patzeltii , Werauhia rauhii ): Sie gedeiht terrestrisch und epiphytisch in submontanen Regenwäldern in Höhenlagen von 800 bis 1500 Metern in Costa Rica. Werauhia guadelupensis : Sie gedeiht lithophytisch an Felswänden und epiphytisch in Regenwäldern in Höhenlagen von 380 bis 549 Metern nur auf den Kleinen Antillen. Werauhia haberi : Dieser Endemit gedeiht epiphytisch in sehr feuchten Wäldern in Höhenlagen von 1500 bis 1700 Metern im Valle de San Gerardo in der Cordillera de Tilaran in Guanacaste in Costa Rica. Werauhia hainesiorum : Sie gedeiht epiphytisch im submontanen Bergwald in Höhenlagen von 1700 bis 1900 Metern nur in der Cordillera de Talamanca in Cartago sowie San Jose in Costa Rica. Werauhia haltonii : Dieser Endemit gedeiht lithophytisch oder terrestrisch in einer Höhenlage von etwa 2000 Metern nur 30 km südlich von Baeza an der Straße nach Tena in Napo in Ecuador. Werauhia haplostachya : Es ist ein Endemit im östlichen Kuba. Werauhia hygrometrica : Sie gedeiht terrestrisch und epiphytisch in submontanen Regenwäldern sowie in tiefergelegenen Bergregenwäldern in Höhenlagen von 700 bis 1500 Metern von Mexiko über Costa Rica bis Panama und von Kolumbien sowie Venezuela bis Ecuador.