mini|Medaille des an Henry Dunant verliehenen Nobelpreises (Bildmitte) mini|Friedensnobelpreisurkunde von Willy Brandt

Der Friedensnobelpreis ist der wichtigste internationale Friedenspreis und eine Kategorie des von dem schwedischen Erfinder und Industriellen Alfred Nobel gestifteten Nobelpreises. Nach Maßgabe des Stifters soll er an denjenigen vergeben werden, und damit hat.

Die Auszeichnung wird seit 1901 jedes Jahr am Todestag Alfred Nobels, dem 10. Dezember, in Oslo verliehen. Sie ist seit 2023 mit 11 Millionen Schwedischen Kronen (ca. Euro) dotiert. Für die Vergabe ist, im Gegensatz zu den anderen Preiskategorien des Nobelpreises, keine schwedische Institution zuständig, sondern ein vom norwegischen Parlament bestimmtes fünfköpfiges Komitee, weswegen der Preis als einziger unter den Nobelpreisen nicht in Stockholm verliehen wird.

Eine Aufstellung aller Preisträger findet sich unter Liste der Friedensnobelpreisträger.

Grundlage mini|hochkant|Alfred Nobel

Wie die anderen Kategorien des Nobelpreises geht auch der Friedensnobelpreis auf das Testament Alfred Nobels zurück, in dem er die Stiftung des Preises verfügte, der mit den Erträgen seines Vermögens dotiert ist.

Der schwedische Originaltext des entscheidenden Ausschnitts des Testaments lautet:

Durch diese Festlegung wurde der Friedensnobelpreis zur weltweit ersten Auszeichnung für die Arbeit in der Friedensbewegung. mini|Nobelinstitut in Oslo: Raum, in dem jeweils im Oktober die neuen Preisträger bekanntgegeben werden und am Tag vor der Verleihung eine Pressekonferenz stattfindetNobel Institute (englisch)

Anders als bei allen anderen Nobelpreisen, die in Stockholm vergeben werden, erfolgt die Verleihung im Rathaus von Oslo, der norwegischen Hauptstadt. Der Preisträger des Friedensnobelpreises wird von einem fünfköpfigen Komitee, dem Norwegischen Nobelkomitee, ausgewählt. Die Mitglieder des Komitees werden vom norwegischen Parlament, dem Storting, ernannt.

Die Ursache für die Vergabe durch ein norwegisches Gremium liegt vermutlich darin, dass zu Nobels Lebzeiten Schweden und Norwegen vereinigt waren und außenpolitische Fragen nur durch das schwedische Parlament entschieden wurden. Nobel selbst hat nie erklärt, warum er den Preis nicht wie alle anderen in Schweden vergeben lassen wollte. Man geht allerdings davon aus, dass er der Meinung war, das norwegische Parlament, das nur für die Innenpolitik verantwortlich war, sei Beeinflussungsversuchen durch die Regierung weniger stark ausgesetzt. Alfred Nobel schätzte zudem den norwegischen Autor Bjørnstjerne Bjørnson sehr, was seine Entscheidung beeinflusst haben könnte.

Das Norwegische Nobelkomitee mini|Nobelinstitut in Oslo: Sitzungsraum, in dem das Komitee die jeweiligen Preisträger wählt

Das Norwegische Nobelkomitee ist das Gremium zur Vergabe des Friedensnobelpreises. Es besteht aus fünf Personen, die vom norwegischen Parlament ausgewählt und ernannt werden. Diese Auswahl gilt für einen Zeitraum von sechs Jahren, wobei die Mitglieder auch wiedergewählt werden können. Die politische Zusammensetzung des Parlaments spiegelt sich dabei naturgemäß auch in der Zusammensetzung des Komitees wider. Das Komitee selbst wählt aus seinen Reihen den Vorsitzenden und dessen Stellvertreter. Der Direktor des Norwegischen Nobelinstitutes stellt den Sekretär des Komitees dar. Obwohl es sich dabei nicht um eine Vorgabe handelt, waren bislang alle Vertreter dieses Ausschusses Norweger.

Das Komitee ist in seiner Entscheidung vollkommen unabhängig von äußeren Einflüssen. Die Sitzungen müssen nicht protokolliert und Entscheidungen nicht gerechtfertigt werden, auch dann nicht, wenn es zu gegensätzlichen Meinungen kommt. Das Komitee nimmt in den nach der Vergabe folgenden Diskussionen nie Stellung zur Entscheidung.

Bis 1936 konnten auch Mitglieder des Parlamentes zu Vertretern des Komitees gewählt werden. Dies änderte sich nach der Vergabe des Friedensnobelpreises an den deutschen Dissidenten Carl von Ossietzky. Diese Vergabe wurde von Deutschland und besonders von Adolf Hitler scharf verurteilt und als Akt aggressiver Außenpolitik Norwegens gegenüber dem Deutschen Reich gewertet. Seitdem gab es keine Abgeordneten in diesem Ausschuss. 1977 wurde die Regel insofern noch einmal verschärft, dass keine Mitglieder aus regierungsnahen Ausschüssen zugelassen werden, gleichzeitig mit der Namensänderung von „Nobelkomitee des norwegischen Parlamentes“ in „Norwegisches Nobelkomitee“.

Die folgenden Personen bilden das derzeitige Komitee (Stand Oktober 2024): Jørgen Watne Frydnes (* 1984), Mitglied seit 2021, gewählt bis 2026, Vorsitzender des Komitees Asle Toje (* 1974), stellvertretender Vorsitzender des Komitees, Mitglied seit 2018, gewählt bis 2029, Politikwissenschaftler mit Schwerpunkt Außenpolitik, ehemaliger Forschungsdirektor des Norwegischen Nobelinstitutes Anne Enger (* 1949), ehemalige Ministerin, Mitglied seit 2018, gewählt bis 2026 Kristin Clemet (* 1957), norwegische konservative Politikerin und Ökonomin, Mitglied seit 2021, gewählt bis 2026 Gry Larsen (* 1975), sozialdemokratische Politikerin und frühere Staatssekretärin, Mitglied seit 2024, gewählt bis 2029

Als Direktor des Nobelinstitutes und damit Sekretär des Komitees wirkt der Historiker Olav Njølstad (* 1957).

Nominierung und Vergabe mini|Übergabe des Friedensnobelpreises 1963

Vorschläge für den Friedensnobelpreis können neben den aktuellen oder ehemaligen Mitgliedern des Komitees sowie den Beratern des Komitees und früheren Preisträgern bzw. den Vorständen von ausgezeichneten Organisationen alle Mitglieder der Regierung oder des Parlamentes sowie das Staatsoberhaupt eines souveränen Staates, die Richter des Internationalen Gerichtshofs und des ständigen Schiedshofs in Den Haag sowie Professoren der Fachrichtungen Sozialwissenschaft, Geschichte, Philosophie, Recht und Theologie, die Leiter von Universitäten und von Friedensforschungsinstituten und ähnlichen Organisationen einreichen.

Der Friedensnobelpreis kann auch an Personen oder Organisationen vergeben werden, die an einem noch laufenden Friedensprozess beteiligt sind, nicht nur für die abschließende Lösung eines Konflikts. Daher können einige Friedensnobelpreise im Nachhinein als fragwürdig erachtet werden. Dies gilt besonders für den Friedensnobelpreis des Jahres 1973, als Henry Kissinger (USA) und Lê Đức Thọ (Vietnam) (verzichtete auf den Preis) für das Friedensabkommen von 1973 in Vietnam ausgezeichnet wurden. Auch der Friedensnobelpreis von 2009 an den US-Präsidenten Barack Obama wurde kritisiert, weil dieser erst kurz zuvor ins Amt gewählt worden war und somit noch keine nennenswerten politischen Schritte unternommen hatte. Auch noch Jahre später wird diese Kritik erneuert, da die Konflikte und Kriege der Welt entgegen der Hoffnungen nicht weniger geworden sind.

Die Nominierungen müssen bis spätestens zum 1. Februar des betreffenden Jahres erfolgen.Aktuelle Mitglieder können bis zur ersten Sitzung des Komitees nach dem 1. Februar noch Nominierungen aussprechen. Es gilt das Datum des Poststempels. Spätere Nominierungen werden für das laufende Jahr nicht angenommen und gehen in die Entscheidung zum nächsten Jahr ein.

Jahr Nominierungen 1971 39 2009 205 2010 237 2011 241 2012 231 (darunter 43 Organisationen) 2013 259 2014 278 (darunter 47 Organisationen) 2015 273 (darunter 68 Organisationen) 2016 376 (darunter 148 Organisationen) 2017 318 (darunter 103 Organisationen) 2024 286 (darunter 89 Organisationen) 2025 338 (darunter 94 Organisationen) Die Statuten der Nobelstiftung verbieten eine Veröffentlichung der Nominierten und Nominierenden für mindestens 50 Jahre, wobei auch danach der Zugang auf wissenschaftliche Zwecke beschränkt werden kann. Ein Teil der Nominierungen, bei denen die Frist abgelaufen ist, werden in einer Datenbank auf der Internetseite der Stiftung bereitgehalten. Für den Friedensnobelpreis liegen Daten für die Jahre 1901 bis 1967 vor: Danach erfolgten in dieser Zeit insgesamt 4.425 Nominierungen – einschließlich mehrfacher Nominierungen derselben Person. Die Zahl der Nominierungen ist in den letzten Jahren gestiegen.

Im Auftrag des Sekretärs des Komitees werden sowohl permanente als auch spezielle Beobachter mit dem Bericht über die Kandidaten beauftragt. Diese Berichte sollen die Entscheidung durch die Komiteemitglieder erleichtern und unterstützen, sie dürfen jedoch keine Bewertungen oder Empfehlungen der Nominierten beinhalten.

Gemäß den Nobelstatuten dürfen nur maximal drei Preisträger ausgewählt werden. Der Preis darf nur für maximal zwei separate Leistungen vergeben werden. Dies ist beim Friedensnobelpreis jedoch nur sehr selten der Fall. Wenn mehrere Preisträger ausgezeichnet werden, dann in der Regel für Leistungen im gleichen Bereich. Da das Nobelkomitee bis 1989 keine Begründung für den Preis bestimmte, ist es schwierig, festzustellen, warum der Preis in einem bestimmten Jahr geteilt wurde.

Für die Benennung der Preisträger gibt es kein festes Datum, meistens handelt es sich jedoch um einen Freitag um die Mitte des Monats Oktober. Die Bekanntmachung findet offiziell im Gebäude des Nobelinstitutes statt. Die Vergabe erfolgt erst am 10. Dezember des Jahres, dem Todestag von Alfred Nobel. Anders als bei den anderen Nobelpreisen werden der Preis und die dazugehörige Medaille und Urkunde vom Komiteevorsitzenden vergeben und nicht vom König, dieser ist jedoch ebenso wie verschiedene Mitglieder der norwegischen Regierung bei der Zeremonie eingeladen und anwesend. Nach der Verleihung des Preises erfolgt im Regelfall die Nobel Lecture, eine Vorlesung oder Ansprache der Preisträger. Diese wird veröffentlicht in der jährlich erscheinenden Buchserie Les Prix Nobel, außerdem auf den Webseiten des Nobel e-museum und des Norwegischen Nobelinstitutes. Am gleichen Abend findet außerdem ein Bankett in kleinerer Runde statt.

Seit 1994 findet am 11. Dezember, also dem Tag nach der Vergabe, das Nobel Peace Prize Concert zu Ehren des jeweiligen Preisträgers statt.

Entwicklung mini|Vestbanestasjonen (ehemaliger Westbahnhof), Sitz des Nobel-Friedenszentrums in Oslo Der Friedensnobelpreis wurde erstmals 1901 an zwei Personen vergeben. Dies waren Henry Dunant (Gründer des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz) und Frédéric Passy (Gründer der französischen Friedensgesellschaft Société d’arbitrage entre les Nations). 1905 erhielt ihn als erste Frau die Österreicherin Bertha von Suttner (Roman Die Waffen nieder!, Gründerin der Deutschen Friedensgesellschaft). Seitdem erfolgte die Vergabe bis 2009 an 97 Personen und 20 Organisationen.

Von allen Nobelpreisen wurde in dieser Disziplin am häufigsten auf eine Vergabe verzichtet, nämlich 19-mal. Zuletzt geschah dies 1972. Dabei liegt der Frauenanteil mit zwölf Frauen bis zum Jahr 2009 höher als in allen anderen Disziplinen. Zwar ging der Nobelpreis für Literatur bisher ebenfalls zwölf Mal an eine Frau, aber dort wurden mehr männliche Preisträger geehrt.

Nach den Statuten der Nobelstiftung obliegt es den Preisvergabeinstitutionen, ob auch Institutionen in der jeweiligen Preiskategorie ausgezeichnet werden dürfen.§ 4 der Statuten der Nobelstiftung. Der Friedensnobelpreis ist der einzige, bei dem hiervon Gebrauch gemacht wird. Erstmals erfolgte dies 1904 an das Institut de Droit international, bislang wurden Organisationen 22-mal bedacht (Stand 2019).

Die Interpretation der Vorgaben Nobels wird heute weiter gefasst als früher. So wurde der Preis 1960 erstmals auch für den Einsatz für die Menschenrechte vergeben. 2004 wurde erstmals die Arbeit für die Umwelt und eine nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet, 2007 für Klimaschutz (IPCC).