Die Schüler Union Deutschlands (kurz: SU, früher: Schüler-Union) ist eine bundesweite christdemokratische und konservative Schülerorganisation in Deutschland. Sie ist als Arbeitsgemeinschaft der Jungen Union, der gemeinsamen Jugendorganisation von CDU und CSU, organisiert.

Inhaltliches Profil

Allgemeinpolitische Standpunkte Die Schüler Union beschreibt sich nach eigenen Angaben als „christlich-soziale, liberale und konservative Interessenvertretung aller Schülerinnen und Schüler in Deutschland“. Ziel der Organisation ist es demnach, die Interessen von Schülerinnen und Schülern gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit zu artikulieren und in bildungs- und gesellschaftspolitische Entscheidungsprozesse einzubringen.

In der politikwissenschaftlichen Literatur werden parteinahe Schülerorganisationen wie die Schüler Union dem konservativen bzw. christdemokratischen Spektrum zugeordnet und als Vorfeldorganisationen der jeweiligen Parteien verstanden, die insbesondere der politischen Sozialisation und Nachwuchsrekrutierung dienen.

Nach ihrem Selbstverständnis bekennt sich die Schüler Union zur Demokratie sowie zu einem christlich geprägten Menschenbild, das sie mit Werten wie Verantwortung, Nächstenliebe und Gemeinschaft verbindet. In programmatischen Positionierungen betont die Organisation regelmäßig die Bedeutung von Leistungsbereitschaft, Eigenverantwortung und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Bildungspolitik Die bildungspolitischen Grundpositionen der Schüler Union wurden zuletzt am 10. April 2021 im Grundsatzprogramm beschlossen, das auf der 50. Bundesschülertagung in Frankfurt am Main verabschiedet wurde.

Zentrale bildungspolitische Forderungen betreffen eine stärkere Leistungsorientierung im Schulwesen, verbindliche Standards für Unterrichtsqualität sowie eine verbesserte Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen zwischen den Bundesländern. Die Schüler Union spricht sich regelmäßig gegen eine Absenkung von Leistungsanforderungen aus und betont die Bedeutung von Abschlussprüfungen als zentrales Instrument der Leistungsbewertung.

Ein wiederkehrender Programmpunkt ist die Ablehnung von Gender-Mainstreaming im schulischen Kontext. Die Schüler Union fordert ein sogenanntes „Gender-Verbot“ an Schulen und wendet sich insbesondere gegen die verpflichtende Verwendung gendergerechter Sprache im Unterricht. Diese Position wird von der Organisation mit dem Verweis auf Verständlichkeit, Leistungsneutralität und politische Zurückhaltung im Schulunterricht begründet.

Coronapolitik Während der COVID-19-Pandemie positionierte sich die Schüler Union deutlich gegen längere Schulschließungen und sprach sich für möglichst frühzeitige Präsenzöffnungen von Schulen aus. Zudem lehnte sie die Aussetzung oder pauschale Abmilderung von Abschlussprüfungen ab und wandte sich gegen Modelle wie ein sogenanntes „Durchschnittsabitur“.

Auch einzelne Landesverbände forderten öffentlich eine Rückkehr zum regulären Schulbetrieb und kritisierten schulpolitische Maßnahmen der Länder. So beteiligten sich Vertreter der Schüler Union an Petitionen und öffentlichen Stellungnahmen gegen Schulschließungen und Schulboykotte.

Darüber hinaus forderte die Schüler Union eine stärkere Einbindung von Lehrkräften in den Distanzunterricht und kritisierte aus ihrer Sicht unzureichende Leistungsbereitschaft einzelner Lehrkräfte trotz fortlaufender Besoldung. Zugleich sprach sich die Organisation für zusätzliche finanzielle Mittel für schulpsychologische Betreuung und die stärkere Berücksichtigung der psychischen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern aus, um die Folgen von Schulschließungen und Lockdowns abzufedern.

Wehrpflicht In der Debatte um eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht sprach sich die Schüler Union im Jahr 2025 grundsätzlich offen für entsprechende Modelle aus, kritisierte jedoch eine mangelnde Einbindung junger Menschen und forderte ein transparentes, verlässliches Gesamtkonzept. Zusätzlich schlägt die vor, für den Wehrdienst Punkte für ein späteres Studium anzurechnen.

Geschichte Die Schüler Union ging am 2. Juli 1972 auf Bundesebene aus dem Verband Kritischer Schüler hervor und ist damit die älteste der parteinahen Schülerorganisationen. Ihre Gründung steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der politischen Mobilisierung der späten 1960er Jahre, deren Auswirkungen sich zunehmend auch auf Schulen erstreckten. Während sich zahlreiche Schülerinitiativen an den Positionen der 68er-Bewegung orientierten, verstand sich die Schüler Union von Beginn an als konservatives Gegenmodell und trat offen in Opposition zu links geprägten Strömungen in Schülerschaft und Lehrerkollegium.

Im April 1973 hatten sich als Schüler-Union bereits elf Landesverbände mit rund 20.000 Mitgliedern konstituiert. Organisatorisch gliederte sich die Schüler Union in Gruppen-, Orts-, Kreis-, Bezirks- und Landesverbände. Zentrale Beschlussorgane waren der Bundeskoordinationsausschuss sowie der jährlich stattfindende Bundesschülertag. Die Organisation wurde durch einen Bundesvorsitzenden vertreten; bis zur Satzungsänderung von 1994 trug dieses Amt die Bezeichnung „Bundessprecher“.

Auf Bundesebene ist die Schüler Union eine politisch selbständige Arbeitsgemeinschaft von Schülerinnen und Schülern an allgemein- und berufsbildenden Schulen innerhalb der Jungen Union Deutschlands. Sie verfügt über eine eigenständige Mitgliedschaft und Organisation. Sie ist programmatisch und strukturell eng mit der Jungen Union sowie dem Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) verbunden.

Konsolidierung und bildungspolitisches Profil (1970er bis 1990er Jahre) In den 1970er und 1980er Jahren trat die Schüler Union als schulformübergreifende Interessenvertretung für Reformen im Bildungswesen auf und positionierte sich als „demokratische Alternative“ zu Konzepten von Klassenkampf und Systemüberwindung. Neben programmatischer Arbeit engagierte sie sich auch praktisch in der Schülermitverwaltung, der Herausgabe von Schülerzeitungen sowie in der öffentlichen Kritik an schulpolitischen Gesetzgebungsvorhaben. Während dieser Phase waren zahlreiche spätere Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung und Medien in der Schüler Union aktiv, darunter Hans Reckers, Ole von Beust, Hubert Hüppe, Christian Wulff, Armin Laschet, Peter Stefan Herbst und Kai Wegner.

Mit dem Rückgang bildungspolitischer Debatten in der Öffentlichkeit, der wachsenden Bedeutung der Umwelt- und Friedensbewegung sowie einer allgemeinen Entpolitisierung in den 1980er Jahren verzeichnete auch die Schüler Union einen Mitgliederrückgang. Während sie 1980 nach eigenen Angaben noch rund 45.000 Mitglieder zählte, sank diese Zahl in den Folgejahren deutlich.

Nach der deutschen Wiedervereinigung entstanden neue Landesverbände in den ostdeutschen Bundesländern, darunter Sachsen-Anhalt und Thüringen. Trotz regional unterschiedlicher Aktivität blieb die Schüler Union auch im 21. Jahrhundert die mitgliederstärkste politische Schülerorganisation in Deutschland.

Innerverbandliche Konflikte und Vorwürfe rechter Tendenzen (2000er Jahre) Ab den frühen 2000er Jahren geriet die Schüler Union wiederholt in die öffentliche Kritik, insbesondere aufgrund von Vorwürfen rechter bzw. rechtsextremer Tendenzen einzelner Funktionsträger und Landesverbände. Diese Phase war durch innerverbandliche Konflikte, öffentliche Distanzierungen sowie Interventionen der Mutterorganisationen CDU und Junge Union geprägt.

Im Jahr 2003 absolvierte der damalige Vorsitzende der Schüler Union NRW, Lars Lubisch, ein Praktikum bei der wegen rechtsextremer Tendenzen vom Verfassungsschutz beobachteten Wochenzeitung Junge Freiheit, das er nach eigenen Angaben bereits nach zwei Tagen wieder abbrach. Lubisch erklärte später öffentlich, er habe sich in der Folge aus allen Ämtern der Schüler Union zurückgezogen. Dementgegen wurde er allerdings noch im Jahr 2004 als Vorsitzender der Schüler Union NRW geführt und kandidierte im selben Jahr sogar für den Bundesvorsitz. Mitglieder des geschäftsführenden Landesvorstands um Lubisch gründeten im selben Zeitraum die Pennale Burschenschaft Hoffmann von Fallersleben, die sich eigenen Aussagen zufolge zu den Deutschen als „Abstammungs- und Kulturgemeinschaft“ bekennt, „multikulturelles Chaos“ sowie einen „volksvernichtenden Einheitsbrei“ ablehnt und ihrem Internetauftritt erneut auf die Junge Freiheit, die als rechtsextrem eingestufte Zeitschrift Staatsbriefe sowie die als völkisch-national eingestufte Burschenschaftliche Gemeinschaft verweist.Dietrich Heither: Burschenschaften. Rechte Netzwerke auf Lebenszeit, In: Braun et al. (eds.): Rechte Netzwerke – eine Gefahr. VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2004. Die Gründung wurde nach eigenen Angaben unter dem Dach der Prager Burschenschaft Arminia zu Bochum organisiert, die selbst von 1961 bis 2004/05 in der Burschenschaftlichen Gemeinschaft organisiert war.Michael Röcken: Die studentischen Verbindungen an der Ruhr-Universität Bochum, In: Friedhelm Golücke, Bernhard Grün, Klaus Gerstein, Peter Krause, Harald Lönnecker (Hrsg.): GDS-Archiv für Hochschul und Studentengeschichte Bd. 8, SH-Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-89498-167-9, S. 116–117.

Im Jahr 2006 wurden Matthias Helferich, der ebenfalls Vorsitzender der Schüler Union NRW war, nach eigener Aussage innerhalb von Junger Union und CDU rechtsradikale Tendenzen vorgeworfen. Zentrale Themen der Schüler Union NRW während dieser Zeit waren unter anderem das Kopftuchverbot für muslimische Lehrkräfte sowie eine kritische Prüfung des Islamunterrichts an Schulen. Zudem soll Helferich laut der Zeitung taz den damaligen JU-Landesvorsitzenden Hendrik Wüst auf einer Geburtstagsparty antisemitisch beleidigt haben. Helferich stritt diese Beleidigungen ab. Die CDU NRW wollte sich zu den Vorwürfen und möglichen rechtsextremen Tendenzen laut Artikel nicht äußern. Laut einer Recherche der Ruhr Nachrichten versuchte die Junge Union Nordrhein-Westfalen im Jahr 2007, Helferich aufgrund zahlreicher umstrittener Aussagen aus der Organisation auszuschließen. Ihm wurden unter anderem antisemitische, homophobe und rassistische Äußerungen vorgeworfen. Mehrere Zeugen bestätigten diese Vorfälle, die sich unter anderem auf Veranstaltungen der Schüler Union ereignet haben sollen. Helferich bestreitet alle Vorwürfe. Ein Verfahren wegen Volksverhetzung vor dem Amtsgericht Dortmund endete mit einem Freispruch aus tatsächlichen Gründen. Das von der JU eingeleitete Parteiausschlussverfahren wurde nicht weiterverfolgt, und Helferich zog sich nach den Vorfällen aus der CDU zurück. Im Juli 2015 trat er offiziell aus der Union aus. Wenige Monate später wurde er Mitglied der AfD und schloss sich 2016 der Jungen Alternative an. Im Dezember 2025 erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete Lukas Krieger in einer Erwiderung während einer Bundestagsdebatte, er habe Helferich als damaliger Bundesvorsitzender der Schüler Union Deutschlands aus der Organisation ausgeschlossen, weil dieser versucht habe, „rechtsradikale Umtriebe“ in die Schüler Union zu tragen.

2008 wurde ein Video aus dem Jahr 2005 bekannt, in welchem auf einer Fahrt der Schüler Union nach Riga Mitglieder derselben, darunter Danny Freymark, Christoph Brzezinski sowie der später Bundesvorsitzende und heutige Abgeordnete des Bundestags Lukas Krieger, zu sehen waren, wie sie alkoholisiert nationalsozialistische Sprüche verwendeten und ein Hakenkreuz-Abzeichen in die Kamera hielten. Die Beteiligten zogen sich in der Folge aus der Partei zurück und wurden später auch mit mehrjährigen Ämterverboten belegt.

Im Jahr 2009 stoppte die CDU eine Kampagne der Schüler Union Nordrhein-Westfalen, nachdem diese wegen der Verwendung des nationalsozialistisch belasteten Slogans „Jedem das Seine“ in der Bildungspolitik in den nationalen Medien scharf kritisiert worden war.

Neuere Entwicklungen (seit etwa 2010)