Jadeit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung (Endgliedzusammensetzung) NaAl[Si2O6] und damit chemisch gesehen Natrium-Aluminium-Silikat. Strukturell gesehen gehört Jadeit zu den Ketten- und Bandsilikaten (Inosilikaten).

Jadeit kristallisiert mit monokliner Symmetrie. Bei natürlichen Jadeiten kann Aluminium durch geringe Anteile von dreifach positiv geladenen Eisen-Ionen gleichwertig ersetzt sein (Diadochie), weshalb gelegentlich die vereinfachte Zusammensetzung Na(Al,Fe3+)[Si2O6] angegeben wird. Auch geringe Anteile von Calcium oder Magnesium können in Jadeit enthalten sein.

Aus Jadeit wurden auch Steinbeile in der Jungsteinzeit gefertigt.

Als monomineralisches (überwiegend aus Jadeit bestehendes) Gestein ist es unter dem Namen Jade bekannt.

Jadeit wird heutzutage ausschließlich zu Schmucksteinen und kunstgewerblichen Objekten verarbeitet.

Etymologie und Geschichte Jade ist bereits seit der Steinzeit bekannt und war im alten China ein hochbegehrtes Mineral. Seinen Namen erhielt es allerdings erst im 16. Jahrhundert während der Eroberung Mexikos durch die Spanier, abgeleitet von piedra de ijada aufgrund der dem Stein zugeschriebenen Heilwirkung bei Lenden- und Nierenleiden.

Jadeit wurde 1863 von Augustin Alexis Damour anhand grüner Jade aus China beschrieben, die in verschiedenen Formen bearbeitet wurde.

Klassifikation In der strukturellen Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) gehört Jadeit zusammen mit Aegirin, Kosmochlor, Jervisit, Natalyit und Namansilit zu den Natriumpyroxenen in der Pyroxengruppe.

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Jadeit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er gemeinsam mit Aegirin und Kosmochlor in der „Jadeit-Reihe“ mit der Systemnummer VIII/D.01c steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/F.01-130. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Ketten- und Bandsilikate“, wo Jadeit zusammen mit Aegirin, Aegirin-Augit, Augit, Davisit, Diopsid, Esseneit, Grossmanit, Hedenbergit, Jervisit, Johannsenit, Kanoit, Klinoenstatit, Klinoferrosilit, Kosmochlor, Kushiroit, Namansilit, Natalyit, Omphacit, Petedunnit, Pigeonit, Spodumen und Tissintit die Gruppe der „Klinopyroxene“ mit der Systemnummer VIII/F.01 bildet.

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Jadeit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Ketten. Das Mineral ist hier entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Einfachketten Si2O6; Pyroxen-Familie“ zu finden, wo es zusammen mit Aegirin, Jervisit, Kosmochlor, Namansilit und Natalyit die „Na-Klinopyroxene, Jadeitgruppe“ mit der Systemnummer 9.DA.25 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Jadeit die System- und Mineralnummer 65.01.03c.01. Auch das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Kettensilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“ in der Gruppe „C2/c Klinopyroxene (Na-Klinopyroxene)“, in der auch Aegirin, Namansilit, Kosmochlor, Natalyit und Jervisit eingeordnet sind.

Kristallstruktur Jadeit kristallisiert mit monokliner Symmetrie der mit den Gitterparametern a = 9,42 Å; b = 8,56 Å; c = 5,22 Å und β = 107,6° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Eigenschaften Die Farbe des Jadeit zeigt alle Variationen von Grün und kann bisweilen ins Schwarze spielen. Seltener wird auch farbloser, weißer, gelber, rosa bis violetter, oranger oder brauner Jadeit gefunden, auch mit kleinen schwarzen Flecken. Jadeit ist sehr zäh und widerstandsfähig, vor allem bei faseriger, verfilzter Struktur.

Modifikationen und Varietäten Chloromelanit ist ein Mischkristall aus Aegirin, Diopsid und Jadeit mit dem Mischungsverhältnis von etwa 1:1:1. Das fälschlicherweise dem Jadeit zugerechnete Nephrit ist dagegen ein Mischkristall aus Tremolit und Aktinolith.

Bildung und Fundorte Jadeit bildet sich durch Hochdruck-Metamorphose nach den Reaktionsgleichungen

Albit (NaAlSi3O8) Jadeit (NaAlSi2O6) + Quarz (SiO2) Nephelin ((Na,K)[AlSiO4]) + Albit (NaAlSi3O8) 2 Jadeit (NaAlSi2O6)

im Blauschiefer, metamorph überprägten Grauwacken und so genannten Jadeit-Gneisen. Es bildet sich jedoch bevorzugt im unteren Druck- bzw. Temperaturbereich zusammen mit Diopsid und Aegirin bei Drücken von 7 bis 11 kbar und Temperaturen zwischen 250 und 400 °C. Jadeithaltige Gesteine sind also vor allem in den Subduktionszonen an Kontinentgrenzen zu finden. Feldspat kommt in der Natur nur selten als reiner Albit vor, daher ist eine Anorthit-Komponente und die Anwesenheit von Calcium (Ca) stets anzunehmen. Beim genannten Übergang vom Feldspat zum Jadeit ist entsprechend auch Lawsonit beteiligt: Feldspat = Jadeit + Lawsonit + Quarz.

Fundorte sind unter anderem Minas Gerais in Brasilien, verschiedene Provinzen der Volksrepublik China, Forchheim in Deutschland, die Inselgruppe der Kykladen in Griechenland, Grenville und Labrador in Kanada, Tawmaw in Myanmar, Ben Sur in den USA, Itoigawa in Japan (dort zusammen mit Itoigawait und Rengeit) – weitere liegen in Neuseeland und Tibet.

In den Hochgebirgslagen des Monte Viso im Piemont und am Monte Beigua in Ligurien entdeckten der französische Archäologen Pierre Pétrequin und seine Frau 1992 die Spuren systematischen Bergbaus auf Jadeit durch neolithische Menschen. Auch in Meteoriten, wie z. B. im Meteoriten von Tscheljabinsk konnte Jadeit festgestellt werden.

Verwendung mini|Jadeitmaske der Olmeken mini|Armringe aus gelbem, alpinem Jadeit von einem Grabhügel in Bréhan

Im Jungneolithikum wurden aus alpinem Jadeit spitznackige Beile gefertigt, vermutlich in Sägetechnik. Das Herkunftsgebiet des Materials liegt am Monte Viso in den Westalpen. Die Jadeitbeile wurden weit gehandelt und gelangten z. B. nach Mittelhessen in die Ortschaft Günterod (Ortsteil von Bad Endbach) und:

nach Schottland (1600 km Luftlinie), in die Bretagne (1000 km), auf die Iberische Halbinsel (1400 km), #nach Süditalien und Malta (1200 km), an die Ostküste des Schwarzen Meeres (1700 km) in die nordwestliche Türkei (1800 km). nach England (Sweet-track jade).

Der Umlauf von Alpenjade stellt somit ein einzigartiges Phänomen des europäischen Neolithikums dar, in dem ein "Westeuropa der Jade", einem Mittel- und "Balkaneuropa des Goldes und Kupfers" gegenüberstand.

In unbearbeiteter Form erscheint Jadeit eher unscheinbar. Erst durch Schleifen erhält das Objekt eine überaus glatte und zum Teil sogar durchscheinende Oberfläche. Manche der Beile sind so groß, dass sie als Prestigegegenstände angesprochen werden.

Bereits zwischen dem 10. und 6. Jahrhundert v. Chr. schnitzten die Olmeken aus Jade ihre Gesichtsmasken.

Esoterik Jadeit wird eine Nierenbeschwerden heilende Wirkung zugeschrieben.

Siehe auch Liste der Minerale Liste mineralischer Schmuck- und Edelsteine

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise Fundortliste für Jadeit beim Mineralienatlas und bei

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