mini|Elisabeth I. (Krönungsporträt und Unterschrift)rahmenlos|klasse=skin-invert-image
Elisabeth I. aus dem Haus Tudor (, Beinamen: The Virgin Queen, The Maiden Queen, Gloriana oder Good Queen Bess; * 7. September 1533 im Palace of Placentia, Greenwich; † 24. März 1603 im Richmond Palace, Richmond upon Thames) war vom 17. November 1558 bis zu ihrem Tod Königin von England und Irland.
Die jüngere Tochter König Heinrichs VIII. war das fünfte und letzte Mitglied der Tudor-Dynastie auf dem englischen Thron. Ihre Mutter war Heinrichs zweite Frau, die 1536 hingerichtete Anne Boleyn.Elizabeth I., Queen of England. Abgerufen von Encyclopædia Britannica (englisch). Ihre 45 Jahre währende Regierungszeit wird als Elisabethanisches Zeitalter bezeichnet, das Englands weitere Geschichte in religiöser, kultureller und politischer Hinsicht wesentlich prägte. So erhielt die Anglikanische Kirche damals ihre endgültige, protestantische Form, Dichter wie William Shakespeare, Christopher Marlowe und Ben Jonson ließen Literatur und Theater aufblühen,Ulrich Suerbaum, Das elisabethanische Zeitalter, Reclam, Ditzingen: 1989, S. 12. und mit Francis Bacon wirkte auch einer der Begründer der modernen Wissenschaft im elisabethanischen England. Nicht zuletzt begann mit der Weltumsegelung durch Francis Drake, dem Sieg über die Spanische Armada und der Gründung der ersten, zu Ehren der „Jungfräulichen Königin“ Virginia benannten englischen Kolonie in Amerika der Aufstieg des Landes zur Seemacht und zum weltumspannenden Empire.
Biografie Jugend und Thronfolge mini|Elisabeths Porträt aus dem Recueil d’Arras, Jacques Le Boucq zugeschrieben mini|Elisabeth mit 13 Jahren, Gemälde, wahrscheinlich von Guillem Scrotes, Royal Collection mini|Ein eigenhändiger Brief Elisabeths vom 20. September 1552 an ihren Bruder, König Eduard VI. London, British Library, Harley 6986, fol. 23r Elisabeth Tudor wurde im Greenwich Palace an der Themse in der „Chamber of Virgins“ am 7. September 1533 zwischen 15 und 16 Uhr als Tochter von Heinrich VIII. und Anne Boleyn geboren und nach ihren Großmüttern väterlicher- und mütterlicherseits, Elizabeth of York und Elizabeth Howard, benannt. Elisabeth wurde nach der Hinrichtung ihrer Mutter für illegitim erklärt und zusammen mit ihrer älteren Halbschwester Maria von der Thronfolge ausgeschlossen, da Heinrich einen Sohn als Nachfolger wollte. Erst unter dem Einfluss von Heinrichs sechster und letzter Frau Catherine Parr reihte man sie durch einen Parlamentsbeschluss 1544 wieder in die Thronfolge ein. Ihre Hauslehrer Richard Cox, John Cheke, William Grindal und Roger Ascham ließen ihr eine strenge und umfassende Erziehung angedeihen. Schon in jungen Jahren beherrschte sie das Italienische und Französische perfekt und auch auf Spanisch konnte sie sich hervorragend verständigen.
Ihre Zeitgenossen beschrieben Elisabeth als lebhafte Prinzessin, mit rotblondem Haar, braunen Augen und fahler Haut. Sie erlernte das Spielen auf dem Clavecin und war eine Meisterin der Rhetorik. Roger Ascham, der sie jahrelang unterrichtete, schrieb im Jahre 1550 voller Stolz über seine Schülerin an seinen guten Freund Johannes Sturm: „Ihr Verstand hat keine weibliche Schwäche; ihre Beharrlichkeit kommt der eines Mannes gleich; ihr Gedächtnis behält dauerhaft, was es schnell auffaßt. Sie spricht Französisch und Italienisch so gut wie das Englische; sie hat sich oft mit mir in fließendem und richtigem Latein und in befriedigendem Griechisch unterhalten. Wenn sie Griechisch und Latein schreibt, gibt es nichts Schöneres als ihre Handschrift ... Ich tue nichts hinzu, mein lieber Sturm; es ist nicht nötig.“
Elisabeth war bei der Hinrichtung ihrer Mutter zwei Jahre und acht Monate alt und lebte in eigener Hofhaltung. Die Gouvernante ihrer Kindheit war Katherine Champernowne. Zeitlebens sah Elisabeth in Kat ihre Ersatzmutter und enge Freundin. Ihr Tod 1565 traf Elisabeth sehr.
In der Öffentlichkeit identifizierte sich Königin Elisabeth stets mit ihrem Vater Heinrich, doch spricht vieles dafür, dass sie privat auch das Andenken an ihre Mutter pflegte. So übernahm sie beispielsweise das Wappen ihrer Mutter als ihr eigenes und machte Anne Boleyns Kaplan Matthew Parker zum Erzbischof von Canterbury. Sie protegierte ihre Verwandten mütterlicherseits – eine ihrer engsten Freundinnen war ihre Cousine Catherine Carey, die Tochter von Anne Boleyns Schwester Mary, die als Zehnjährige Augenzeugin von Anne Boleyns Hinrichtung gewesen war – und trug einen Ring mit einer Kapsel, in der sich ein Doppelporträt von ihr und ihrer Mutter befand.Dieser Ring ist auf Tudorhistory.org zu sehen.
Nach Heinrichs Tod 1547 lebte sie am Hof von Catherine Parr auf Chelsea Manor. Als diese ihren Mann Thomas Seymour, der Elisabeth nachstellte, in einer eindeutigen Situation mit dieser ertappte, sah sie sich veranlasst, Elisabeth fortzuschicken. Nach dem Tod Catherines im September 1548 warb der ehrgeizige Thomas Seymour offiziell um die Hand der Prinzessin, der Staatsrat verbot jedoch eine Heirat. Es ist anzunehmen, dass Seymour beabsichtigte, seine Position durch die Hochzeit mit der Zweiten in der Thronfolge zu verbessern. Wegen seiner verschwörerischen Machenschaften gegen seinen Bruder, Lordprotektor Edward Seymour, den Vormund des jungen Eduard VI. (1537–1553), wurde Thomas Seymour im Januar 1549 verhaftet und im Tower of London eingekerkert. Er wurde des Verrats für schuldig befunden und am 20. März 1549 hingerichtet.David Starkey: Elizabeth. Apprenticeship Vintage 2001 S. 66–72.
Nach dem frühen Tod von Heinrichs Sohn und Thronfolger Eduard VI. im Alter von 15 Jahren folgte ihm Jane Grey auf den Thron. Auf dem Sterbebett hatte Eduard sie zur Nachfolgerin bestimmt und seine katholische Halbschwester Maria sowie Elisabeth testamentarisch von der Thronfolge ausgeschlossen. Er wollte die protestantische Thronfolge sichern. Innerhalb von neun Tagen konnte Maria ihren rechtmäßigen Anspruch auf den englischen Thron durchsetzen. Am 3. August 1553 zog sie zusammen mit Elisabeth in London ein. Schon bald kam es zum Zerwürfnis zwischen den Schwestern. Maria war überzeugte Katholikin und wollte die protestantische Elisabeth zu ihrem Glauben bekehren. Obwohl sich Elisabeth danach als Katholikin ausgab, signalisierte sie gegenüber den Protestanten, dass sie weiterhin heimlich Protestantin sei.
Als kurze Zeit später die Pläne der Königin zur Heirat mit dem spanischen Thronfolger Philipp II. von Spanien bekannt wurden, kam es zur Wyatt-Verschwörung. Philipp stieß bei den Engländern, die einen zu starken spanischen Einfluss fürchteten, auf große Ablehnung. Thomas Wyatt wollte Elisabeth mit ihrem Vetter Edward Courtenay, 1. Earl of Devon, verheiraten, um diesen an Stelle Marias auf den Thron zu erheben. Unter Folter brachte man Thomas Wyatt dazu, gegen sie auszusagen. Elisabeth wurde verdächtigt, zu den Verrätern Kontakt gehabt zu haben, und die Königin entschied auf Drängen des Abgesandten Kaiser Karls V., Simon Renard, und des Lordkanzlers Stephen Gardiner, Elisabeth in den Tower zu sperren. Dort wurde sie im Bell Tower untergebracht. Der Gang von dort zum Beauchamp Tower, in dem sie spazieren gehen durfte, wird noch Elizabeth’s Walk genannt. Die Legende will, dass sie sich dort mit dem im Beauchamp Tower eingesperrten Robert Dudley, Sohn des hingerichteten John Dudley, 1. Duke of Northumberland, traf, den sie seit Kindertagen kannte.Susan Doran: The Courtships of Elizabeth I. London 1996, S. 40.
Angesichts des Todesurteils widerrief Thomas Wyatt auf dem Schafott jede Beteiligung Elisabeths am Komplott. Dennoch blieb sie in Haft. Die weiteren Untersuchungen brachten keine Ergebnisse. Sie wurde aus dem Tower entlassen, nach Woodstock in Oxfordshire gebracht und dort unter Hausarrest gestellt.
Wenig später heiratete Maria den spanischen Kronprinzen Philipp. Ein Kind der beiden hätte die katholische Thronfolge in England gesichert. Maria hatte einige Scheinschwangerschaften, die ihre Gesundheit schwächten. 1558 starb sie kinderlos, vermutlich an Unterleibskrebs.
Am 17. November 1558 wurde Elisabeth die Nachricht vom Tode ihrer Halbschwester überbracht. Philipp, nach der Abdankung seines Vaters Karls V. inzwischen König von Spanien, machte Elisabeth mehrere Heiratsanträge, welche sie jedoch als „unschicklich“ ausschlug. Am 15. Januar 1559 wurde sie im Alter von fünfundzwanzig Jahren in der Westminster Abbey zur Königin von England und Irland gekrönt.
Die frühen Regierungsjahre mini|hochkant|William Cecil, 1. Baron Burghley, Gemälde aus der Werkstatt Marcus Gerards des Jüngeren Zur Zeit der Thronbesteigung Elisabeths war die Lage in England sehr angespannt. Die Wirtschaft lag am Boden, das Land befand sich im Krieg mit Frankreich und wurde außerdem von Glaubensfragen zerrissen. Elisabeth machte sich zuerst daran, den von ihrer Schwester wieder eingeführten Katholizismus zurückzudrängen. 1559 führte sie mittels der Uniformitätsakte den verpflichtenden Gebrauch des Book of Common Prayer in den Gottesdiensten ein. Im selben Jahr erneuerte die Königin die Suprematsakte Heinrichs VIII. und unterstellte so abermals die Kirche Englands der Krone; fortan war das englische Staatsoberhaupt „Oberster Gouverneur der Kirche von England“ (Supreme Governor of the Church of England). 1563 wurden die 39 Anglikanischen Artikel verabschiedet, die gemäßigt reformatorisch formuliert waren. Damit trennte sich Elisabeth endgültig von der katholischen Kirche, es ist jedoch festzuhalten, dass sie nicht in den im Zeitalter der Glaubenskriege oft praktizierten religiösen Fanatismus verfiel.
Der Krieg mit Frankreich wurde am 3. April 1559 im Frieden von Cateau-Cambrésis beigelegt. Noch in der Regierungszeit Marias war im Januar 1558 Calais, Englands letzte Bastion auf dem Festland, an Frankreich gefallen. Nach dem Misslingen der militärischen Bestrebungen entschied Elisabeth, keine teuren Kriege mehr zu unterstützen, und gab 1564 die englischen Ansprüche auf Calais gegen eine finanzielle Entschädigung auf. Damit hatte England endgültig die letzten Stellungen auf dem Festland aufgegeben. Der Friedensvertrag mit Frankreich erlaubte dem englischen Staat endlich, seine Schulden zu bezahlen. Nun war die Voraussetzung für eine Genesung der angeschlagenen englischen Wirtschaft geschaffen.
Elisabeths Großvater Heinrich VII. (regierend 1485–1509) hatte die englische Handelsmarine gegründet, ihr Vater Heinrich VIII. die englische Kriegsmarine, indem er die englischen Schiffe mit weitreichenden Kanonen ausrüsten ließ. Elisabeths Marineschatzmeister Sir John Hawkins (1532–1595) konnte die Marine noch weiter verstärken. Das Land entwickelte sich zusehends zur Seemacht. 1566 wurde in London die erste Börse eröffnet, und es wurden diverse Wirtschaftsgesetze verabschiedet, woraufhin sich die Preise stabilisierten. Um den Handel anzutreiben, wurden neue Gesetze erlassen, so durften Engländer nur englische Filzhüte tragen, um die französische Konkurrenz auszuschalten. mini|hochkant|Lord Robert Dudley, um 1559, Steven van der Meulen zugeschrieben, Wallace Collection Ihr Jugendfreund Robert Dudley spielte eine große Rolle in Bezug auf die Frage einer Ehe. Zwar ist heute nicht mehr zu klären, ob – wie die Zeitgenossen vermuteten – Robert Dudley tatsächlich der Liebhaber der „jungfräulichen Königin“ war. Sicher ist jedoch, dass Elisabeth in ihn verliebt war und die beiden den Eindruck eines Liebespaares machten. Da Dudleys Ehefrau Amy Robsart offenbar krank war, wurde bald über eine mögliche Heirat Elisabeths mit Lord Robert spekuliert.Calendar of…State Papers Relating to English Affairs…in…Simancas 1558–1603. Ed. H.M.S.Hume, London 1892–1899, Bd. I, S. 57–58. Die Berater der Königin wie William Cecil sowie einige Vertreter des Hochadels waren jedoch entschieden gegen eine solche Verbindung, da sie fürchteten, Dudleys großer Einfluss könne weiter steigen. Auch wurde er als Hindernis für eine Ehe Elisabeths mit einem ausländischen Prinzen (wie Erzherzog Karl) wahrgenommen.