mini|Vibrator in Stabform mini|Audioaufzeichnung des typischen Klangs eines Vibrators mini|Druckwellenvibrator zur Stimulation der Klitoris mithilfe von kurzen Saugreizen in schneller Folge
Vibratoren (lat. vibrare, „zittern, beben, schwingen“) sind elektromechanische Sexspielzeuge in verschiedenen Formen und aus verschiedenen Materialien, die mit einem kleinen Elektromotor in Schwingung versetzt werden und durch die Bewegung erogene Zonen am Körper stimulieren sollen. Heute werden Vibratoren als Masturbationshilfe oder als Sexspielzeuge im partnerschaftlichen Geschlechtsverkehr überwiegend konzipiert, um die sexuelle Erregung der Frau herbeizuführen oder zu steigern, sie können aber ebenso von Männern benutzt werden. Es werden auch Vibratoren nur für Männer angeboten. Für bestimmte Areale des Körpers, beispielsweise Brust oder Anus sind spezielle Vibratoren verfügbar.
Geschichte mini|Werbeanzeige für Vibratoren von 1910 mini|Vibratoren aus den 1970er Jahren mini|hochkant|Der erste Silikon-Vibrator: Dolly Dolphin aus dem Jahr 1996
Es gibt keine Belege für die verbreitete moderne Sage, Ärzte hätten Hysterie-Patientinnen manuell zum Orgasmus stimuliert und den Vibrator zur Arbeitserleichterung erfunden. Diese wurde von der Autorin Rachel P. Maines in ihrem Buch „The technology of orgasm. ‚Hysteria‘, the vibrator, and women’s sexual satisfaction“ von 1999 aufgestellt. Auf die Konfrontation mit neueren Ergebnissen antwortete Maines, dass es sich ohnehin nur um eine „Hypothese“ gehandelt habe.
Im Jahre 1883 patentierte der Arzt Joseph Mortimer Granville einen elektromechanischen Vibrator, den „Percuteur“, zur Behandlung von Nervenleiden. Granville sprach sich explizitarchive.org gegen die Behandlung von Frauen mit diesem Gerät aus.
Die frühen Vibratoren (oder auch Vibrationsmassagegeräte genannt) hatten zunächst vielfältige Anwendungsweisen, die bei Nervosität, Rheuma, Gicht oder Augenleiden helfen sollten – übrigens gleichermaßen bei Frauen und Männern. Auch in der Frauenheilkunde wurde Vibration eingesetzt, meist für Uterusleiden und Vaginalnarben. Der Behandlungsmethode lag die Idee zugrunde, dass einem kranken Körper Energie fehle, die ihm mittels der Vibration von außen zugeführt werden kann. Der Kreislauf gerät so wieder in Schwung, das Blut zirkuliert schneller und transportiert „schlechte Bestandteile“ besser ab.
Gesellschaftliche Veränderungen wie die Industrialisierung gaben der Idee Auftrieb. Viele Menschen glaubten, der technische Fortschritt bringe den Körper wortwörtlich zum Vibrieren. Und dass es die medizinische Vibration als Gegenkraft brauche, um den „nervösen“ Körper zu beruhigen.
Um die Wende zum 20. Jahrhundert gab es schließlich etliche verschiedene Vibratoren, die jenseits der Arztpraxis genutzt wurden. Auf der Weltausstellung 1900 in Paris wurden über ein Dutzend Modelle vorgestellt, beispielsweise Standgeräte mit Rollen, einige baumelten von der Decke und sehr teure Modelle, die an die Steckdose angeschlossen werden konnten.Rachel P. Maines in: Nina E. Lerman, Ruth Oldenziel, Arwen Mohun, S. 106.
Die mechanischen oder elektromechanischen Vibrationsgeräte mit Namen wie Venivici, Fema- oder Puco-Vibrator und der vermutlich am weitesten verbreitete Sanax der Berliner Firma Sanitas und seine Schwestergeräte Penetrator oder DoDo-Vibrator wurden zunehmend für die Schönheitspflege eingesetzt. Laut Anwendungsbroschüre sollte etwa ein Vibrator der deutschen Firma AEG Frauen eine schlanke Taille, einen graziösen Gang und schmale Hüften verschaffen. Bei Männern stand hingegen eine jugendliche Figur, eine kräftige Lunge, starke Arme und Schultern im Vordergrund. Sie sollten ausdauernd und fit für den Beruf werden.
Als medizinisches oder schönheitspflegerisches Gerät wurde der Vibrator bis in die 1940er Jahre in Magazinen für (Haus-)Frauen, Zeitschriften und Zeitungen beworben; er sollte Verspannungen lösen, von Rheuma, Schwerhörigkeit oder Verstopfung befreien und Jugend, Schönheit und Vitalität erhalten. Angeboten wurden Vibratoren bis weit in das 20. Jahrhundert hinein als Geräte zur Hautpflege oder zur Regulierung der Menses, zur Entspannung, Gewichtsreduktion und Durchblutungsförderung.
Eines der ersten batteriebetriebenen und stabförmigen Massagegeräte meldete der Kalifornier Jon H. Tavel am 30. Juni 1966 zum Patent an. Dieser Massagestab war cremeweiß, aus hartem Kunststoff und im mittleren Teil geriffelt, die Spitze leicht abgeflacht. In Deutschland war er ab etwa Frühjahr 1969 auf dem Markt erhältlich. Der Massagestab hatte etwa Tischkerzengröße, der Schaft konnte durch Aufdrehen zum Bestücken mit Batterien geöffnet und mit einem Schiebeschalter in Gang gebracht werden und lief zunächst nur in einer Vibrationsstufe. Ab Ende des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche neuartige Materialien verwendet – darunter verschiedene Arten von Kunststoffen und Latex. Aufgrund der sich daraus ergebenden gesundheitlichen Risiken (Allergien, Weichmacher), auftretenden Gerüchen und der Körperhygiene stellte die Firma Fun Factory im Jahr 1996 mit dem Dolly Dolphin den weltweit ersten Vibrator aus medizinischem Silikon der Öffentlichkeit vor. Durch seine Hautfreundlichkeit, seine anti-allergene Beschaffenheit und Geruchs-Neutralität werden seitdem immer mehr Vibratoren mit Silikon als wesentliches Material für die Umhüllung der Geräte verwendet.
Mit den gesellschaftlichen Veränderungen der sexuellen Revolution und der Emanzipation wurde der Umgang mit den Sexspielzeugen sowie der weiblichen Lust generell freier und der Vibrator wurde in neuen Farben und Formen, gezielt auch für die Ansprüche von Frauen auf den Markt gebracht. Es wurden Vibratoren für spezielle Anwendungsbereiche, beispielsweise als Unter-Wasser-Geräte, oder für spezielle Körperstellen, wie den vermeintlichen G-Punkt, entwickelt.
Der niederbayerische Tüftler Michael Lenke aus Metten erfand 2014 den Druckwellenvibrator (Klitorissauger).
Varianten Allgemein wird als Vibrator ein meist batteriebetriebenes Sexspielzeug aus Kunststoff oder Silikon bezeichnet, das häufig, wie auch ein Dildo, einem erigierten Penis ähnlich sieht und zur sexuellen Stimulierung bei der Masturbation oder beim partnerschaftlichen Liebesspiel eingesetzt werden kann. Vibratoren werden überwiegend für die klitorale Stimulation verwendet, können aber auch in die Vagina eingeführt werden, bei Männern oder Frauen anal verwendet werden oder andere, individuell als erogen empfundene Körperstellen, wie die Brustwarzen oder den Hoden, stimulieren. Die durch einen Motor elektrisch erzeugte Vibration, deren Geschwindigkeit und Stärke sich bei den meisten Modellen variieren lässt, kann eine sexuelle Erregung bis zum Orgasmus bewirken.
Im Handel gibt es unzählige Vibratoren in allen Formen, Farben und Größen. Die Auswahl reicht vom schlichten Massagestab bis zum raffinierten, chipgesteuerten Gerät, das für variable Vibrationen programmierbar ist. Heute gibt es auch sogenannte Vibrationstransmitter, sehr kleine Vibratoren, die die Finger des Trägers in Vibrationen versetzen (Vibrationstransmitter werden meist mit dem Begriff Tantra-Beam bezeichnet), sowie Vibratoren, die in Butt-Plugs und andere Sexspielzeuge eingebaut sind. Beim Butt-Plug kann die Vibration auch die Entspannung des Schließmuskels fördern. Insbesondere Vibratoren, die von Frauen für Frauen entwickelt werden, haben oft eine weiche Oberfläche, sind in fröhlichen Farben gehalten und entsprechen in ihrer Form nicht mehr dem herkömmlichen Stabmodell. So lassen sie sich beispielsweise auf den Venushügel auflegen (z. B. Butterfly-Vibratoren), sind optisch kaum als Vibratoren erkennbar oder haben ein außergewöhnliches Design (Beispiele hierfür sind einige Vibratoren der US-Firma Good Vibrations oder der Fun Factory GmbH, deren Vibrator Delight mit dem Red Dot Design Award 2008 ausgezeichnet wurde)., DeLight: Red Dot Design Award 2008. Geeignete und im technischen Sinne ungefährliche Vibratoren erhalten wie alle anderen elektrotechnischen Geräte auch ein TÜV-Siegel. App-gesteuerte Vibratoren werden auch von Unternehmen wie Lovense hergestellt und können mit Smartphones verbunden und darüber gesteuert werden.
Die zur Stimulation des Penis im Handel erhältlichen Vibratoren unterscheiden sich in Form und Aufbau von der künstlichen Vagina. Diese umfassen und stimulieren meist nur den Bereich um die Eichel und sind durch programmierbare variable Vibrationen in der Lage, eine sexuelle Erregung bis hin zum Orgasmus zu bewirken.
Eingebaute Technik Für den Antrieb von Vibratoren werden üblicherweise Elektromotoren mit einer Nennspannung von 3 Volt verwendet und mit Batterien oder Kleinakkus betrieben. Es gibt aber auch stärkere Vibratoren mit Anschluss an die Netzspannung oder solche mit Trafo und 12-Volt-Niederspannung zur Verwendung in Nassräumen.
Die Vibration wird üblicherweise durch einen Unwuchtmotor hervorgerufen. Die Amplitude der Schwingung, also die seitliche Ablenkung, mit der der Vibrator vibriert, ist von dem Abstand der Rotationsachse von der Hauptträgheitsachse des Schwungskörpers abhängig und kann daher von den Nutzern nicht verändert werden.
Die Frequenz der Schwingung (also wie oft der Vibratorkopf pro Sekunde schwingt, Angabe in Hertz) wird durch die Motordrehzahl bestimmt. Mit steigender Frequenz steigt die abgegebene Schwingleistung. Ein Geschwindigkeitsregler regelt über einen Widerstand den Strom und damit die Motordrehzahl.
Der Eroscillator des Schweizer Unternehmens Broxo (Erfinder der elektrischen ZahnbürsteEigendarstellung auf der Website von BroxoRegistrierte Wortmarke Eroscillator, bei wirtschaft.ch) funktioniert mit einem elektronischen Motorkonzept, wodurch nicht der Kunststoffkörper vibriert, sondern nur die Motorwelle oszilliert.
Störende Geräusche werden meist durch wackelnde Batterien verursacht und können durch Einwickeln der Batterien in trockenes Papier behoben werden. Bei Standvibratoren (wie etwa dem Sybian-Vibrator) werden Vibrationen auch an die Unterlage abgegeben. Zur Schwingungsisolierung des Körperschalls und zur Vermeidung von Resonanzschwingungen anderer Materialien können Kissen oder Matten aus Recycling-Gummigranulat dienen, wie sie auch als Unterlagsmatten für Waschmaschinen verwendet werden.
Über Wirkung, üble Gerüche, Gehalte von Weichmachern und die Lautstärke der Vibratoren für Männer und Frauen und anderer „Lovetoys“ oder „Sextoys“ kursieren Testberichte im Internet, unter anderem auch von der Zeitschrift Öko-Test.22 Vibratoren und anderes Sexspielzeug im Test
Der TÜV zertifiziert Erotikartikel.Erotikartikel, bei tuv.com Es sei dem TÜV bekannt, dass geschätzt 80 % der Erotikartikel gesetzeswidrig vertrieben werden. Die Mängel lägen an mangelhaften, schwer verständlichen oder fehlenden technischen Dokumentationen (Betriebsanleitungen), fehlender oder gefälschter CE-Kennzeichnung, fehlenden Gefahrenanalysen und Herstellernachweisen. GS-Zeichen seien selten vorhanden.
Alle Sexspielzeuge mit Motor unterliegen dem deutschen EMV-Gesetz und der EU-Richtlinie Elektromagnetische Verträglichkeit und sind CE-pflichtig.
Verbreitung Untersuchungen zeigen eine signifikante Verbreitung von Vibratoren. Die Kronen Zeitung berichtete 2006 ohne Angaben von Quellen von einer Umfrage, nach denen jede dritte Österreicherin, jede fünfte Deutsche sowie fast jede zweite Taiwanerin und US-Amerikanerin einen Vibrator besäße. Statista kam 2006 bei einer Online-Umfrage mit 13.000 Teilnehmern über 16 Jahren in Deutschland zu dem Ergebnis, dass 20 % der Befragten über Erfahrungen mit Vibratoren als erotische Hilfsmittel verfügen würden.Mit welchen erotischen Hilfsmitteln haben Sie schon Erfahrungen gemacht? In: Statista. 2006.