Die Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus (kurz THH) ist eine bundesunmittelbare, überparteiliche Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Stuttgart. Sie betreibt zeitgeschichtliche Forschung und politische Bildung und erinnert an das Leben und Werk des ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss (1884–1963).

In dessen ehemaligem Stuttgarter Domizil, dem Theodor-Heuss-Haus, unterhält die Stiftung eine öffentliche Erinnerungsstätte. In ihrer Forschungs- und Bildungsarbeit konzentriert sich die Stiftung auf die Geschichte der Demokratie und des Parlamentarismus, des Liberalismus, der Verfassungen und der politischen Repräsentation in Deutschland im 20. Jahrhundert.

Stiftungszweck Die Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus wurde am 27. Mai 1994 durch ein Gesetz des Deutschen Bundestages gegründet. Sie gehört zu den sieben sogenannten Politikergedenkstiftungen des Bundes und hat die Aufgabe, die Erinnerung an das Wirken des ersten Bundespräsidenten, Theodor Heuss, zu wahren und „einen Beitrag zum Verständnis der jüngeren Geschichte sowie der Entstehung der Bundesrepublik Deutschland zu leisten“. Ferner ist der Stiftung aufgetragen, den „Nachlass Theodor Heuss zu sammeln, zu pflegen, zu verwalten und für die Interessen der Allgemeinheit in Wissenschaft, Bildung und Politik auszuwerten.“

Um diesem Auftrag nachzugehen, wird die Stiftung aus dem Haushalt des Bundes finanziert und untersteht der Rechtsaufsicht der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Für ausgewählte Projekte wirbt die Stiftung Spenden ein. Die Stiftung ist berechtigt, Zustiftungen anzunehmen.

Gremien und Leitung Dem fünfköpfigen Kuratorium der Stiftung gehören aktuell (Stand: August 2026) Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Vorsitzende), Ludwig Theodor Heuss (stellvertretender Vorsitzender), Martin Gerster, Yannick Bury und Frank Nopper an. Stellvertreter sind Pascal Kober, Anna Christmann, Michael Georg Link, Barbara Babic-Heuss und Fabian Mayer.

Die operative Arbeit der Stiftung leitet ein hauptamtlicher Geschäftsführer, der zugleich dem Vorstand angehört. Gründungsgeschäftsführer war seit 1997 der Historiker Thomas Hertfelder, der im Januar 2025 durch Thorsten Holzhauser abgelöst wurde. Sein Stellvertreter ist der Historiker Ernst Wolfgang Becker.Der dreiköpfige Vorstand besteht aus Isabel Fezer als Vorsitzender, Thorsten Holzhauser als stellvertretendem Vorsitzenden sowie Peter Schantz.

Die Stiftung verfügt zudem über einen wissenschaftlichen Beirat, der sich aus bis zu 15 Mitgliedern zusammensetzt. Im Beirat sitzen derzeit (Stand: August 2026) Michele Barricelli, Dorlis Blume, Pascale Monika Cancik, Ewald Grothe, Michael Hollmann, Sonja Levsen, Ulrike Lindner, Paul Nolte (Vorsitzender), Elif Özmen, Hedwig Richter, Andreas Rödder, Julia Schulze Wessel, Elke Seefried (stellvertretende Vorsitzende) und Henning Türk.

Das Theodor-Heuss-Haus

mini|Das Theodor-Heuss-Haus, das Wohnhaus des ersten Bundespräsidenten in Stuttgart

Das 1959 bezogene Altersdomizil von Theodor Heuss auf dem Stuttgarter Killesberg befindet sich seit 1995 im Besitz der Stiftung und wurde in den Jahren 1999 bis 2001 auf der Grundlage eines Architektenwettbewerbs nach den Plänen des Büros Behnisch & Partner zu einer öffentlichen Erinnerungsstätte umgestaltet. Im Oktober 2016 wurde die 150.000. Besucherin des Theodor-Heuss-Hauses begrüßt.

Das Haus dient der Stiftung seither als Veranstaltungsort und beherbergt zudem mehrere Ausstellungen. Nach einer neuerlichen Umbauphase nach der Planung des Architekturbüros Stocker BDA für die Innenräume und die Gartengestaltung wurde es im Mai 2023 mit einer völlig neu konzipierten Ausstellung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet.

Ausstellungen mini|Die Dauerausstellung im Theodor-Heuss-Haus

Die doppelbiografische Dauerausstellung „Demokratie als Lebensform - Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp“ im Theodor-Heuss-Haus beleuchtet das Leben und Wirken des Paars Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp durch fünf Epochen deutscher Geschichte.

In der interaktiven Ausstellung „Nummer 1 – das Staatsoberhaupt“ führt das Theodor-Heuss-Haus als einziges Museum in Deutschland die Aufgaben eines Bundespräsidenten und der First Lady vor Augen.

Drei frühere Wohnräume von Theodor Heuss – Wohn-, Arbeits- und Esszimmer – wurden mit originalen Möbeln, Kunstwerken und Büchern im Stil der 1950er Jahre rekonstruiert.

Daneben bietet die Stiftung Wander- und Leihausstellungen zum Leben und Wirken von Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp sowie zu weiteren "Köpfen der Demokratie" an.

Veranstaltungen Die Stiftung führt regelmäßig Veranstaltungen (Vorträge, Buchvorstellungen, Podiumsdiskussionen, Workshops) für Erwachsene und Jugendliche zu Themen von aktueller gesellschaftlicher und politischer Relevanz durch. Dazu zählt die Theodor-Heuss-Gedächtnis-Vorlesung, die die Stiftung jährlich im Dezember in Kooperation mit der Universität Stuttgart ausrichtet.

Jeweils im Juli vor Beginn der Sommerferien findet die Verleihung des Theodor-Heuss-Schülerpreises statt, den die Stiftung seit 2009 auslobt. Prämiert werden besondere Leistungen im Fach Geschichte, die von Schülerinnen und Schülern der nach Theodor Heuss oder Elly Heuss-Knapp benannten Schulen in Baden-Württemberg erbracht wurden. Die Verleihung findet jeweils im Juli vor Beginn der Sommerferien statt.

Das meist jährlich stattfindende Theodor-Heuss-Kolloquium beschäftigt sich mit wissenschaftlichen Themen und Fragestellungen der aktuellen Zeitgeschichtsforschung.

Forschung und Publikationen Zeitgeschichtliche Forschung gehört zu den zentralen Aufgaben der Stiftung. Im Mittelpunkt stehen dabei die Geschichte von Demokratie und Liberalismus in Deutschland im 20. Jahrhundert, die Biographien von Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp, die Geschichte des Parlamentarismus und der Formen politischer und bürgerlicher Repräsentation und Ästhetik in Deutschland im 20. Jahrhundert, die Rolle von Staatsoberhäuptern sowie die Analyse der Erinnerungskultur.

Die Stiftung dokumentiert die Ergebnisse ihrer Forschung in mehreren Publikationsreihen sowie in Fachzeitschriften und anderen Medien des zeitgeschichtlichen Forschungsdiskurses. In der Reihe Zeithistorische Impulse (bis 2016: Wissenschaftliche Reihe der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus) werden die Ergebnisse der Theodor-Heuss-Kolloquien sowie Monographien zur zeitgeschichtlichen Forschung veröffentlicht. Die Kleine Reihe wendet sich an eine breitere, historisch interessierte Öffentlichkeit und dokumentiert ausgewählte Vorträge und kleinere Studien zur Zeitgeschichte. Unter dem Titel Theodor Heuss. Stuttgarter Ausgabe gibt die Stiftung eine wissenschaftliche Edition der Briefe, Reden und Schriften von Theodor Heuss heraus. Die Reihe Briefe ist mit acht Bänden, die zwischen 2009 und 2014 erschienen sind und eine kommentierte Auswahl aus den rund 60.000 von Heuss verfassten Briefen bieten, abgeschlossen.

Bibliothek, Dokumentation und Archiv In ihrer Forschungsbibliothek sammelt die Stiftung die Werke von und über Theodor Heuss sowie Elly Heuss-Knapp sowie darüber hinaus vor allem Überblickswerke und Forschungen zur Geschichte des Bürgertums, des Liberalismus, der Politik- und Verfassungsgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. Die Benutzung der Bibliothek (Präsenzbibliothek) steht allen Interessierten offen.

In ihrer Bild-, Film- und Schalldokumentation sammelt und bewahrt die Stiftung Medienmaterial zu Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp. Das Schriftgutarchiv stellt seinen Benutzern den auf verschiedene Archive verteilten, sehr umfangreichen Nachlass von Theodor Heuss zusammengeführt in mikroverfilmter Form zur Verfügung, dazu die Akten des Bundespräsidialamts aus der Amtszeit Heuss sowie ausgewählte Zeitschriften.

Veröffentlichungen (Auswahl) Stuttgarter Ausgabe Theodor Heuss: Aufbruch im Kaiserreich. Briefe 1892–1917. Hrsg. und bearb. von Frieder Günther. K. G. Saur, München 2009, ISBN 978-3-598-44136-3. Theodor Heuss: Bürger der Weimarer Republik. Briefe 1918–1933. Hrsg. u. bearb. von Michael Dorrmann. K. G. Saur, München 2008, ISBN 978-3-598-25122-1. Theodor Heuss: In der Defensive. Briefe 1933–1945. Hrsg. und bearb. von Elke Seefried. K. G. Saur, München 2009, ISBN 978-3-598-44129-5. Theodor Heuss: Erzieher zur Demokratie. Briefe 1945–1949. Hrsg. und bearb. von Ernst Wolfgang Becker. K. G. Saur, München 2007, ISBN 978-3-598-25125-2. Theodor Heuss: Der Bundespräsident. Briefe 1949–1954. Hrsg. und bearb. von Ernst Wolfgang Becker, Martin Vogt und Wolfram Werner. de Gruyter, Berlin / New York 2012, ISBN 978-3-11-023236-3. Theodor Heuss: Der Bundespräsident. Briefe 1954–1959. Hrsg. und bearb. von Ernst Wolfgang Becker, Martin Vogt und Wolfram Werner. de Gruyter, Berlin / New York 2013, ISBN 978-3-11-029842-0. Theodor Heuss: Hochverehrter Herr Bundespräsident! Der Briefwechsel mit der Bevölkerung 1949–1959. Hrsg. und bearb. von Wolfram Werner. de Gruyter, Berlin / New York 2010, ISBN 978-3-11-023235-6. Theodor Heuss: Privatier und Elder Statesman. Briefe 1959–1963. Hrsg. und bearb. von Frieder Günther. de Gruyter, Berlin / New York 2014, ISBN 978-3-598-25129-0.

Wissenschaftliche Reihe/Zeithistorische Impulse (Auswahl) Thomas Hertfelder, Jürgen C. Heß (Hrsg.): Streiten um das Staatsfragment. Theodor Heuss und Thomas Dehler berichten von der Entstehung des Grundgesetzes. Mit einer Einleitung von Michael F. Feldkamp. Bearb. von Patrick Ostermann und Michael F. Feldkamp (= Wissenschaftliche Reihe. 1). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1999, ISBN 3-421-05220-4. Eberhard Jäckel, Horst Möller, Hermann Rudolph (Hrsg.): Von Heuss bis Herzog. Die Bundespräsidenten im politischen System der Bundesrepublik (= Wissenschaftliche Reihe. 2). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1999, ISBN 3-421-05221-2. Gangolf Hübinger, Thomas Hertfelder (Hrsg.): Kritik und Mandat. Intellektuelle in der deutschen Politik (= Wissenschaftliche Reihe. 3). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 2000, ISBN 3-421-05222-0. Ulrich Baumgärtner: Reden nach Hitler. Theodor Heuss – die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (= Wissenschaftliche Reihe. 4). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 2001, ISBN 3-421-05553-X. Ernst Wolfgang Becker, Thomas Rösslein (Hrsg.): Politischer Irrtum im Zeugenstand. Die Protokolle des Untersuchungsausschusses des Württemberg-Badischen Landtags aus dem Jahre 1947 zur Zustimmung zum „Ermächtigungsgesetz“ vom 23. März 1933 (= Wissenschaftliche Reihe. 5). Deutsche Verlags-Anstalt, München 2003, ISBN 3-421-05793-1. Hans Vorländer (Hrsg.): Zur Ästhetik der Demokratie. Formen der politischen Selbstdarstellung (= Wissenschaftliche Reihe. 6). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 2003, ISBN 3-421-05794-X. Wolfgang Hardtwig, Erhard Schütz (Hrsg.): Geschichte für Leser. Populäre Geschichtsschreibung in Deutschland im 20. Jahrhundert (= Wissenschaftliche Reihe. 7). Deutsche Verlags-Anstalt, München 2003, ISBN 3-515-08755-9. Frieder Günther: Heuss auf Reisen. Die auswärtige Repräsentation der Bundesrepublik durch den ersten Bundespräsidenten (= Wissenschaftliche Reihe. 8). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-515-08819-9. Andreas Wirsching, Jürgen Eder (Hrsg.): Vernunftrepublikanismus in der Weimarer Republik. Politik, Literatur, Wissenschaft (= Wissenschaftliche Reihe. 9). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-515-09110-6. Angelika Schaser, Stefanie Schüler-Springorum (Hrsg.): Liberalismus und Emanzipation. In- und Exklusionsprozesse im Kaiserreich und in der Weimarer Republik (= Wissenschaftliche Reihe. 10). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-515-09319-4. Werner Plumpe, Joachim Scholtyseck (Hrsg.): Der Staat und die Ordnung der Wirtschaft. Vom Kaiserreich bis zur Berliner Republik (= Wissenschaftliche Reihe. 11). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-515-10142-4.