mini|hochkant|Gustl Bayrhammer als Major Petkoff in der Komödie Helden am Badischen Staatstheater Karlsruhe (1961/1962) mini|hochkant|Familiengrab der Bayrhammers (Oktober 2024)

Adolf Gustav Rupprecht Maximilian „Gustl“ Bayrhammer (* 12. Februar 1922 in München; † 24. April 1993 in Krailling) war ein deutscher Staatsschauspieler und Volksschauspieler. Er wurde vor allem mit der Verkörperung bayerischer Figuren identifiziert, bewies sich bei Film, Fernsehen und Theater aber als wandlungsfähiger Darsteller. Zu seinen bekanntesten Rollen zählen Meister Eder in der Serie Meister Eder und sein Pumuckl und der Kommissar Melchior Veigl im Münchner Tatort.

Leben Am 12. Februar 1922 wurde Gustl Bayrhammer unter dem Namen Adolf Gustav Rupprecht Maximilian Bayrhammer in München als Sohn von Elfriede „Elly“ Bayrhammer, geborene Haase, geboren. Gustl Bayrhammer wollte gegen den Willen seines Vaters, des bekannten Theaterschauspielers und Hofschauspielers Max Bayrhammer, von Jugend an Schauspieler werden. Er absolvierte zunächst nach dem Besuch des realgymnasialen Zweigs des Wittelsbacher-Gymnasiums bis zur mittleren Reife die Kaufmannsschule (Handelsschule)Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 62. in München. 1940 meldete er sich freiwillig zum Militärdienst. Während des Zweiten Weltkriegs war er Nachrichtenfunker bei der Luftwaffe. Am 1. September 1940 trat Bayrhammer mit der Mitgliedsnummer 7697641 in die NSDAP ein.

Karriere Theater Den Großteil seines Solds verwendete er für den Schauspielunterricht bei Heinrich George und Werner Kepich am Schauspielstudio des Schillertheaters in Berlin, wo er schließlich 1944 vor der Reichstheaterkammer mit Erfolg abschloss. Als das Schauspielhaus 1944 schließen musste, wurde er zusammen mit seinem Kollegen Toni Berger von Robert Marencke für das Hoftheater Sigmaringen engagiert, wo er bis 1948 tätig war. 1945 standen Bayrhammer und Berger zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne.

In Sigmaringen lernte Bayrhammer seine spätere Ehefrau, die Volksschauspielerin Irmgard Henning kennen. Von 1949 bis 1952 spielte er am Württembergischen Landestheater Tübingen, von 1952 bis 1955 an den Städtischen Bühnen Augsburg, von 1955 bis 1964 am Badischen Staatstheater Karlsruhe, von 1962 bis 1964, sowie 1977 bei den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel, von 1964 bis 1966 am Landestheater Salzburg und von 1966 bis 1971 an den Münchner Kammerspielen. Danach arbeitete er als freier Schauspieler mit Zeitvertrag am Bayerischen Staatsschauspiel (seit 1972) und dem Münchner Volkstheater (seit 1983). Eine seiner bekanntesten Bühnenrollen war die des „Petrus“ in dem Stück Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben.

Fernsehen Der Durchbruch gelang dem seit 1965 beim Fernsehen arbeitenden und in etwa 180 Produktionen zu sehenden Schauspieler 1966 mit der Hauptrolle in der Fernsehsatire Das Bohrloch oder Bayern ist nicht Texas, in der er an der Seite von Fritz Straßner und Ludwig Schmid-Wildy spielte. Bundesweit bekannt wurde Gustl Bayrhammer durch die Rolle des Tatort-Kommissars „Melchior Veigl“, den er von 1972 bis 1981 spielte. Hierbei gab es auch für seinen Dackel Oswald eine Nebenrolle. In den 1980er- und 1990er-Jahren fungierte er als Sprecher und Darsteller in den Weißblauen Geschichten. Außerdem hatte er zahlreiche Gastauftritte in bekannten Fernsehserien des Bayerischen Rundfunks, darunter Münchner Geschichten, Polizeiinspektion 1 oder im ZDF beim Königlich Bayerischen Amtsgericht. Bayrhammer blieb neben seinen Fernseh-Engagements auch dem Münchner Theater treu.

Meister Eder und sein Pumuckl mini|Die 2023 enthüllte Gedenktafel am Haus Widenmayerstraße 2

Alfred Pongratz hatte bis zu seinem Tod 1977 die Rolle des Meister Eder in der Hörspielreihe Meister Eder und sein Pumuckl von Ellis Kaut gesprochen, und noch während dessen Beerdigung erhielt Bayrhammer die Hörspielrolle. Er hatte schon vorher in mehreren Episoden den Mechaniker Schmidt bzw. den Schlosser Bernbacher gesprochen, der in der neuen Reihe von Fritz Straßner, Olf Fischer und Max Grießer eingesprochen wurde. Am bekanntesten wurde Bayrhammer mit seiner Verkörperung des Schreinermeisters Franz Eder in einem Kinofilm von 1982 und in der von 1982 bis 1989 produzierten Kinderserie Meister Eder und sein Pumuckl, in der er mit weiteren Volksschauspielern zusammenspielte. An die Dreharbeiten im Haus Widenmayerstraße 2 erinnert seit 24. April 2023 eine Gedenktafel, die Bayrhammer in seiner Rolle als Meister Eder gemeinsam mit Pumuckl zeigt.Andrea Stinglwagner: Klaubauter-Ehre für Meister Eder auf Merkur.de, Artikel vom 24. April 2023, aufgerufen am 8. Oktober 2024 Im Flughafen München, Terminal 2, befindet sich seit 2019 eine lebensgroße Bronzestatue, die ihn ebenfalls als Meister Eder zeigt. Künstler ist Harry Seeholzer.Regina Bluhme: Pumuckl geht in die Luft, Artikel vom 2. August 2019 auf süddeutsche.de, aufgerufen am 8. Oktober 2024 Nach dem Ende der Dreharbeiten setzte sich Bayrhammer erfolglos gegen den Abriss von Altstadthäusern des Münchner Stadtviertels Lehel ein, zu denen auch die Kulisse der Schreinerwerkstatt in einem Hinterhof der Widenmayerstraße 2 gehörte. 1993 wirkte der Schauspieler noch einmal als „Meister Eder“ in dem Film Pumuckl und der blaue Klabauter mit, starb jedoch noch vor der Fertigstellung des Films. Da der Originalton aufgrund vieler Störgeräusche nicht verwendbar war, musste nachsynchronisiert werden. Dies wurde anstelle des verstorbenen Bayrhammer von Wolf Euba übernommen.

Hörfunk Seit 1956 war Bayrhammer freier Mitarbeiter beim Hörfunk, vornehmlich beim Bayerischen Rundfunk und beim Südfunk Stuttgart. Er wirkte, abgesehen von seiner Hörfunkrolle als Meister Eder, in zahlreichen anderen Hörspielproduktionen mit.

Privatleben und Tod mini|hochkant=0.8|Familiengrab der Bayrhammers (alte Gestaltung)

Bayrhammer war verheiratet mit der Schauspielerin Irmgard Bayrhammer, geborene Henning (1919–2003). Sie hatten einen Sohn, Max Bayrhammer (1947–2020), der Aufnahmeleiter beim Bayerischen Rundfunk war.Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 62.

Ende der 1980er Jahre erlitt Bayrhammer während einer Aufführung des Wittiber einen Herzinfarkt. Danach nahm er stark ab, stellte den Zigarettenkonsum ein und verringerte sein Arbeitspensum. Am 24. April 1993 erlag er im Alter von 71 Jahren im Schlaf in seinem Haus in Krailling einem weiteren Herzinfarkt. Beigesetzt wurde er auf dem Alten Friedhof in Krailling, Friedenstraße 12 (Grab 666). Der Grabstein wurde mittlerweile als Grabplatte umgestaltet.

Gesellschaftliches Bayrhammer war seit 1953 unter dem Ritternamen „Skipps ben Kneißl“ Mitglied der Vereinigung Schlaraffia. In Tübingen war er Mitbegründer von Schlaraffia Hohentübingen. Später wechselte er nach München ins Reych Monachia, wo er zunächst als Hofnarr und 20 Jahre als Oberschlaraffe fungierte.

Familienarchiv Das Bayerische Hauptstaatsarchiv hat im Februar 2022 das Familienarchiv Bayrhammer mit den Nachlässen Gustl Bayrhammers und seines Vaters Max Bayrhammer übernommen. Das Familienarchiv enthält persönliche Dokumente, Auszeichnungen und Erinnerungsstücke der Schauspielerdynastie Bayrhammer ab 1870. Damit werden die schriftlichen Zeugnisse für die Zukunft gesichert und der Forschung zugänglich gemacht.Bayerisches Hauptstaatsarchiv übernimmt das Familienarchiv Bayrhammer Pressemitteilung vom 11. Februar 2022

Filmografie Filme Kino

Fernsehen (Auswahl)

Tatort

Fernsehserien

Hörspiele (Auswahl) 1969: Walter Netzsch: Der beinahe unaufhaltsame Aufstieg des Mathias Grüneisl. Eine gerade noch utopische Groteske (Mathias Grüneisl) – Regie: Hellmuth Kirchammer (Original-Hörspiel, Science-Fiction-Hörspiel – BR) 1979–1985: Die Grandauers und ihre Zeit 1989: Leser des Hörbuches Der Wittiber von Ludwig Thoma 1991: Leser des Hörbuches Das Leben meiner Mutter von Oskar Maria Graf Auf dem YouTube-Kanal „faxenmacher 2.0“ findet man mehrere Hörspiele, in denen Gustl Bayrhammer mitwirkte.Hörspiele mit Gustl Bayrhammer, auf YouTube

Auszeichnungen 1975: Deutscher Kritikerpreis 1976: Bayerischer Verdienstorden 1977: Ludwig-Thoma-Medaille der Stadt München 1981: Bayerischer Staatsschauspieler 1982: Bayerischer Poetentaler 1983: Bayerischer Filmpreis (als Bester Darsteller für die Rolle des Meister Eder) 1987: Medaille „München leuchtet – Den Freunden Münchens“ in Silber 1990: Bambi 1990: Oberbayerischer Kulturpreis

2018 wurde im Münchener Neubaugebiet Freiham die Gustl-Bayrhammer-Straße sowie die neu gebaute „Grundschule Gustl-Bayrhammer-Straße“ nach ihm benannt. Unweit der Gustl-Bayrhammer-Straße findet sich auch die Ellis-Kaut-Straße. Ellis Kaut war die Erfinderin des Pumuckl.

Am 24. April 2023 wurde im Beisein des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter, anlässlich des 30. Todestags Bayrhammers, eine Gedenktafel am Haus an der Widenmayerstraße im Lehel, in welchem mit Gustl Bayrhammer als Meister Eder die Serie „Meister Eder und sein Pumuckl“ entstand, enthüllt.

Fernsehdokumentation Der bayerische Übervater – Zum Andenken an Gustl Bayrhammer, Regie: Meinhard Prill, Redaktion: Johannes Pechtold, BR Fernsehen, Erstausstrahlung: 17. Februar 2002

Literatur Gustl Bayrhammer: Das Herz gehört dazu. Sein Leben aufgezeichnet von Manfred Glück. Langen Müller in der F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung, München 1993, ISBN 3-7844-2475-9. Bayrhammer, Gustl. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 62–63. Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag, München/Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 43. Sybille Krafft: Bayerische Volksschauspieler. 12 persönliche Porträts von Sybille Krafft. Allitera Verlag, München 2013, ISBN 978-3-86906-535-9. C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 46 f.

Weblinks

Entnazifizierungsakte Adolf Gustav Bayrhammer als digitale Reproduktion im Online-Angebot des Staatsarchivs Sigmaringen steffi-line.de: Biografie – Gustl Bayrhammer

Einzelnachweise

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