Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) ist eine Art der Bandwürmer (Cestoda) und parasitiert vor allem im Rotfuchs und anderen Arten der Gattung Vulpes. Als Zwischenwirt dienen kleine Säugetiere, vor allem Wühlmäuse und andere Nagetiere. Der Fuchsbandwurm ist der Auslöser der alveolären (bläschenartigen) Echinokokkose, einer lebensgefährlichen Wurmerkrankung des Menschen.

Merkmale Wie alle Arten der Gattung Echinococcus ist auch der Fuchsbandwurm ein sehr kleiner Vertreter der Bandwürmer, von denen einzelne Arten mehrere Meter lang werden können. Er erreicht eine Länge von nur rund 1,4 bis 3,4 Millimetern (nach anderen Quellen 1,2 bis 4,5 Millimeter) und ist damit etwas kürzer als der Dreigliedrige Hundebandwurm (E. granulosus), der eine Länge von 2,5 bis 6 Millimetern (nach anderen Quellen 2,0 bis 11,0 Millimeter) erreicht. Der Kopf (Scolex) besitzt vier Saugnäpfe und wie bei vielen Bandwürmern Haken, um sich an der Darmwand des Wirtes festzusetzen. Diese sind in zwei den Scolex umlaufenden Ringen, dem Rostellum, zu je 13 bis 18 Häkchen von 20 bis 34 Mikrometern Länge angeordnet, wobei die äußeren Häkchen geringfügig länger als die inneren sind.

Sein Körper ist in zwei bis sechs, meist vier oder fünf, segmentähnliche Körperabschnitte (Proglottiden) unterteilt, wobei die letzte Proglottis stark vergrößert ist und fast die Hälfte der gesamten Länge des Wurmes ausmacht. In den Proglottiden liegt jeweils ein Satz von Geschlechtsorganen vor, in denen Spermien und später Eier produziert werden. Im vorderen bis mittleren Bereich der Proglottiden liegt die Geschlechtsöffnung (Genitalporus).

Verbreitung mini|hochkant=1.5|Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist der häufigste Hauptwirt des Fuchsbandwurms

Die Verbreitung des Fuchsbandwurms ist an das Vorhandensein geeigneter Haupt- und Zwischenwirte gebunden. Der Fuchsbandwurm hat ein Verbreitungsgebiet über die gemäßigten bis kalt-gemäßigten Klimazonen der Nordhalbkugel. Ab den 1980er Jahren kam es in Deutschland zu einer zunehmenden Verbreitung bis nach Niedersachsen und Brandenburg; verlässliche Zahlen sind durch die Unterschiede im Überwachungssystem und im Meldeverhalten der einzelnen Bundesländer kaum vorhanden.Pavlo Maksimov et al.: Epidemiologie des „kleinen Fuchsbandwurms“. In: Tierärztliche Umschau Band 75, 2020, Heft 1, S. 12–16. In Europa liegt ein Verbreitungsschwerpunkt in Mitteleuropa, vor allem in der Schweiz (Schwerpunkt Kanton Thurgau) und in Deutschland im Bereich der Schwäbischen Alb häufen sich die Vorkommen. In Asien erstreckt sich die Ausbreitung von Russland und weiten Teilen Zentralasiens über China bis nach Japan, Teile der Türkei, des Iran und Indiens scheinen hier den südlichen Rand des Verbreitungsgebiets zu markieren. In Nordamerika reichen die Vorkommen von Alaska und Kanada südwärts bis zu den Bundesstaaten Nebraska, Iowa, Illinois, Indiana und Ohio. Als anerkannt fuchsbandwurmfrei gelten in Europa: Finnland, Irland, Malta, das Festland Norwegens sowie das Vereinigte Königreich.

In Mitteleuropa kommt es so gut wie gar nicht zu einer Überlappung mit dem Verbreitungsgebiet für den Hundebandwurm (Echinococcus granulosus). Ein Grund für diese Verteilung ist noch nicht bekannt. In anderen Regionen, namentlich der Türkei, im Iran, Zentralasien, Sibirien und China, treten beide Arten nebeneinander auf.

Innerhalb des Verbreitungsgebiets hängen Vorkommen und Häufigkeit des Fuchsbandwurms von einer Reihe von Faktoren ab, unter anderem von der individuellen Empfänglichkeit der verfügbaren Wirte, ihrer jeweiligen Populationsdichte und ihrem Nahrungsspektrum. Das führt zu einer inselartigen Verteilung der Populationen innerhalb des Verbreitungsgebiets. Das Auftreten des Fuchsbandwurms und die Prävalenz von Echinokokkosen können sowohl zwischen großen Regionen als auch zwischen nahe beieinanderliegenden Gebieten von nur wenigen Hektar Größe stark schwanken.

Ein Beispiel für derartig schwankende Häufigkeiten stammt aus der Humanmedizin. Die höchste jemals festgestellte Rate an alveolärer Echinokokkose wurde zwischen 2000 und 2002 bei einer Reihenuntersuchung mit 3200 Teilnehmern in einem Kreis der chinesischen Provinz Sichuan ermittelt. Die Prävalenz lag bei 6,2 Prozent; von Dorf zu Dorf schwankte sie zwischen 0 und 14,3 Prozent. Begünstigende Faktoren waren Analphabetismus, Nutztier- und Hundehaltung sowie die örtliche Häufigkeit von Kleinsäugern (potentielle Zwischenwirte des Fuchsbandwurms). In Mitteleuropa erkranken weniger als 5 von 10.000 Menschen an der alveolären Echinokokkose.

Populationsdichte In manchen Regionen sind bis zu 72 % der Füchse befallen (Südwestdeutschland), in anderen nur bis zu 5 %. Bei einer Untersuchung der städtischen Fuchspopulation in Stuttgart wurde eine Befallsrate von 20 Prozent ermittelt, in Zürich waren es 48 Prozent. Für Oberbayern werden 27 % angegeben. Bei Haushunden und -katzen wurde in einer deutschlandweiten Untersuchung eine Fuchsbandwurm-Befallsrate von 0,3 und 0,35 Prozent festgestellt.

Die Befallsrate der Zwischenwirte nimmt mit ihrem Alter zu und scheint mit der Witterung zu schwanken, wobei Kälte ein Ansteigen bewirkt, die Menge der Niederschläge jedoch eine geringere Rolle spielt. In Zürich und im benachbarten Rifferswil wurden im Jahr 2007 und 2008 Schermäuse (Arvicola terrestris) auf den Befall mit Fuchsbandwürmern untersucht. Dabei betrug die Prävalenz eines Befalls mit Larven des Fuchsbandwurms über die gesamte Studie etwa 15 Prozent, in einem Untersuchungsgebiet schwankte sie jedoch zwischen etwa 40 und fast 80 Prozent.

Ausbreitung mini|hochkant=1.5|Metazestode (die zahlreichen Bläschen in der Bildmitte) von Echinococcus multilocularis in der Bauchhöhle einer Baumwollratte

Der Fuchsbandwurm breitet sich seit dem Ende des 20. Jahrhunderts in Europa jenseits der ursprünglichen Verbreitungsgebiete aus. Noch Ende der 1980er Jahre waren in Mitteleuropa nur aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich Enzootiegebiete bekannt, seither hat sowohl die Infektionsrate der Füchse als auch die Zahl der Vorkommen in diesen Ländern stark zugenommen. Erstfunde und Nachweise für neu entstandene Enzootiegebiete gibt es aus den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Polen, Tschechien, der Slowakei (1999), Italien, Spitzbergen (1999), Dänemark (2000) und Ungarn (2002). Vergleichbare Entwicklungen gab es in Nordamerika, wo sich der Fuchsbandwurm vom Norden Kanadas bis in einige zentrale US-Bundesstaaten ausbreitete, und aus Japan, wo sich eine kleine Population auf die ganze Insel Hokkaidō ausdehnte.

Als eine Ursache der Ausbreitung des Fuchsbandwurms und seiner vielfach zunehmenden Populationsdichte wird angesehen, dass die Bestände des Rotfuchses wegen des Erfolgs der Impfprogramme gegen die Tollwut und der geringeren Bejagung seit den 1980er Jahren in Mitteleuropa stark zugenommen haben, in Mitteleuropa zwischen 1980 und 1995 auf das Vierfache. Für die Ausbreitung in Osteuropa wird neben der Einführung von Tollwut-Impfprogrammen die Umstrukturierung der landwirtschaftlichen Produktion und der Preisverfall für Fuchspelze als möglicher Grund angeführt.

Eine Folge des erhöhten Populationsdrucks auf die Füchse besteht darin, dass sie vermehrt städtische Räume besiedeln und den Fuchsbandwurm näher an den Menschen bringen. So stieg die Zahl der im Stadtgebiet von Zürich tot aufgefundenen oder erlegten Füchse seit 1985 auf das Zwanzigfache. Ein Abgleich seit den 1950er Jahren ermittelter schweizerischer Fallzahlen der alveolären Echinokokkose mit den nationalen Jagdstatistiken zeigte, dass Schwankungen der Zahlen erlegter Füchse mit 10 bis 15 Jahren zeitlichen Verzugs, entsprechend der angenommenen Inkubationszeit, Zu- oder Abnahmen der Erkrankungen folgten. In den USA, wo der Kojote (Canis latrans) ein wichtiger Hauptwirt des Fuchsbandwurms ist, wird dessen Einwandern in die Vorstädte mit Sorge betrachtet.

Einen Sonderfall stellt die Einschleppung des Fuchsbandwurms nach Spitzbergen dar. Auf der Insel ist der Polarfuchs der einzige Hauptwirt, ein Kleinsäuger als Zwischenwirt war ursprünglich nicht vorhanden. Die ersten Beobachtungen von Mäusen erfolgten in den 1970er Jahren nahe den Siedlungen russischer Bergleute, es wird vermutet, dass sie mit eingeführtem Tierfutter auf die Insel gelangten. Die Nager wurden zunächst fälschlich als Feldmäuse betrachtet, erst 1990 wurden sie mittels DNA-Analysen als Osteuropäische Feldmäuse identifiziert. Deren ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Balkan über Finnland bis nach Sibirien. Im Sommer 1999 wurde im Rahmen einer biologischen Erforschung der Mäusepopulation auch eine Untersuchung einzelner Tiere auf Parasitenbefall durchgeführt. Dabei und bei einer umfangreicheren Untersuchung im Folgejahr wurde festgestellt, dass der Fuchsbandwurm bei den Mäusen nicht nur häufig auftritt, sondern dass seine Populationsdichte eine der höchsten jemals festgestellten ist. Als einzige mögliche Erklärung für das Auftreten des Fuchsbandwurms wird das Zuwandern infizierter Polarfüchse über das Polareis angesehen. Die von den infizierten Füchsen ausgeschiedenen Bandwurmeier wurden von den durch den Menschen eingeführten Mäusen aufgenommen, wodurch sich der Fuchsbandwurm auf Spitzbergen etablieren konnte.

Bekämpfung Versuche, durch eine medikamentöse Behandlung der Füchse deren Parasitenbelastung zu reduzieren, waren zunächst erfolgreich, und die Zahl der in die Umwelt abgegebenen Wurmeier konnte verringert werden. Die Belastung der Zwischenwirte mit Wurmlarven blieb jedoch hoch, und der Lebenszyklus des Fuchsbandwurms wird in einer Region auch dann aufrechterhalten, wenn nur ein Prozent der Zwischenwirte infiziert ist. Daher erfordert die Bekämpfung des Fuchsbandwurms eine fortdauernde Behandlung der Endwirte. Hierzu gehört auch die Behandlung von Hunden bzw. Katzen. Die parasitologische Expertenorganisation ESCCAP empfiehlt die regelmäßige Entwurmung mit einem geeigneten Anthelmintikum für Hunde mit einem Infektionsrisiko (u. a. Hunde mit unbeaufsichtigtem Freilauf, Aasfresser, Hunde mit Aufenthalt in Endemiegebieten). Die Behandlung von Katzen ist abzuwägen, da das Infektions- und Zoonoserisiko vergleichsweise gering ist. In Haushalten mit Kleinkindern oder mit sehr engem Kontakt zu Katzen kann die regelmäßige Kontrolluntersuchung bzw. Entwurmung aber sinnvoll sein.

Wo Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt werden, sind sie vor Beginn der kalten Jahreszeit am effektivsten, da bei kühler Witterung ausgeschiedene Wurmeier besonders lange infektiös bleiben und die Infektionsrate der Zwischenwirte stärker ansteigen lassen.

In mehreren Staaten, die bislang frei vom Fuchsbandwurm sind oder von denen dies vermutet wird, bestehen Beschränkungen für die Einfuhr von Tieren, die potenzielle Träger einer Infektion sind. Aus diesem Grund verlangen Großbritannien, Irland, Malta und Finnland beim Grenzübertritt mit Heimtieren wie Hunden oder Hauskatzen eine Bescheinigung über eine kürzlich durchgeführte Entwurmung. Diese Regelungen stehen für eine Übergangszeit im Einklang mit dem Recht der Europäischen Union. Darüber hinaus betrachtet sich Norwegen, soweit es das Festland angeht, offiziell als frei vom Fuchsbandwurm und hat vergleichbare Einreiseregelungen getroffen. Diese norwegischen Beschränkungen gelten für die Einreise aus allen anderen Staaten als Großbritannien, Irland, Malta, Schweden und Finnland und stehen ebenfalls im Einklang mit europäischem Recht. Für Schweden wurde eine entsprechende Pflicht zur Entwurmung bei Einreise zum 1. Januar 2012 aufgehoben.

Lebensweise Lebenszyklus mini|hochkant=2|Lebenszyklus der Echinokokken mini|Hepatische Alveolare Echinokokkose beim Menschen