mini|Marktstraße mit Rathaus Bad Münder am Deister ist eine Kurstadt im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen. Die Stadt mit 16 Ortsteilen zählt Einwohner (). Der Ortsteil Bad Münder (bis 1936 Münder) ist Verwaltungssitz mit rund 8000 Einwohnern.

Geographie Bad Münder am Deister liegt im Deister-Süntel-Tal an der Bundesstraße 442 und ist umgeben von den bewaldeten Gebirgszügen Deister und Süntel im Weserbergland, nördlich von Hameln. Die Hamel durchfließt das Stadtgebiet.

Die folgenden Kommunen grenzen im Uhrzeigersinn um das Stadtgebiet: Landkreis Hameln-Pyrmont Flecken Coppenbrügge Stadt Hameln Stadt Hessisch Oldendorf Landkreis Schaumburg Gemeinde Hülsede Gemeinde Messenkamp Flecken Lauenau Region Hannover Stadt Barsinghausen Stadt Springe Seit der Gebietsreform am 1. Januar 1973 gehört die Stadt Bad Münder am Deister zum Landkreis Hameln-Pyrmont und besteht aus den nachstehend aufgeführten 16 Ortsteilen:

Geschichte

mini|Merian-Stich von 1654 Der Ort im Deister-Süntel-Tal wurde zwischen 856 und 869 als „Munimeri“ erstmals erwähnt.Münder am Deister, Bad. In: Deutsches Ortsnamenbuch. Manfred Niemeyer, de Gruyter 2012, S. 421 (books.google.de).Anton Friedrich Büsching: Auszug aus seiner Erdbeschreibung…., Johann Carl Bohn, Hamburg 1771, S. 840 (books.google.de). Die Heilkraft der Sole-, Schwefel- und Bitterquellen war schon früh bekannt. Mönche kamen eventuell wegen der Solequellen zu Fuß aus Minden angereist, immerhin fast 50 km. Dadurch könnte der Name „Mindener Sold“ entstanden sein, der sich im Laufe der Zeit zu „Mündener Sold“ entwickelt haben könnte. Der tatsächliche Ursprung des Namens ist aber ungewiss. Mit Sicherheit taucht Münder im Jahre 1033 in einer Urkunde Kaiser Konrads II. als „Munnere“ auf. Die seit 1033 bestehende Salzgewinnung wurde erst 1924 eingestellt. Im heutigen Ortsteil Hamelspringe wurde 1306 ein Zisterzienserkloster von Loccum aus gegründet. Münder gehörte um 1300 und erneut um 1550 zur Goe auf der Hamel.

Während der Hildesheimer Stiftsfehde von 1519 bis 1523 und im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt vollständig zerstört. Im Ortsteil Klein Süntel produzierte zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert die Glashütte Klein Süntel mit Unterbrechungen Hohlglas und andere Glasprodukte.Glasflaschenherstellung in Klein Süntel: forum-glas-bad-muender.de Im Jahre 1872 bekam Münder einen Eisenbahnanschluss an das Netz der Hannover-Altenbekener Eisenbahn-Gesellschaft.

Die Geschichte der Juden in Bad Münder setzt um das Jahr 1700 ein, als erstmals Schutzjuden urkundlich erwähnt werden. Der jüdische Friedhof der Gemeinde ist im Jahre 1782 zum ersten Mal bezeugt; ab 1835 bestand im Ort eine Synagoge. Im 19. Jahrhundert lebten rund 50 Personen jüdischen Glaubens im Ort. Danach ging ihre Zahl in den 1930er Jahren zur Zeit des Nationalsozialismus auf unter 10 Personen zurück. Deportationen von jüdischen Bürgern aus Bad Münder erfolgten 1942. Mindestens 18 Menschen, die in Bad Münder geboren worden waren oder gelebt hatten, wurden Opfer des Holocaust.

Im Jahre 1936 erhielt Münder den Status einer Kurstadt, so dass Münder zu Bad Münder wurde und jahrzehntelang das Prädikat „Staatlich anerkannter Heilquellenkurbetrieb“ trug. 2024 beschloss der Stadtrat aus finanziellen Gründen auf den Status eines Luftkurortes zu wechseln; dieses Prädikat wurde im Oktober 2025 verliehen. Der Heilwasserausschank wurde zum Jahresende 2025 eingestellt. Der Kurort besitzt eine reizvolle Altstadt mit historischen Fachwerkhäusern und Sandsteinbauten aus der Weserrenaissance. Die Stadt lebt heute, außer von der Glas- und Möbelindustrie, hauptsächlich vom Gesundheitswesen und dem Tourismus.

Am 9. September 2002 wurden bei einem Zugunglück 40.000 Liter der Chemikalie Epichlorhydrin freigesetzt.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinden Bakede, Beber, Böbber, Brullsen, Egestorf am Süntel, Eimbeckhausen, Flegessen, Hachmühlen, Hamelspringe, Hasperde, Klein Süntel, Luttringhausen, Nettelrede, Nienstedt und Rohrsen eingegliedert.

Einwohnerzahlentwicklung Aufgrund von Eingemeindungen erfolgte zunächst ein statistischer Zuwachs. Doch im Lauf von mehr als 50 Jahren (Stand 2015) ist ein stetiger Rückgang zu verzeichnen, die Gründe sind nicht exakt benennbar.

(Einwohnerzahlen: 1961 am 6. Juni, 1970 am 27. Mai, jeweils mit den später eingemeindeten Orten; 1987–2018 jeweils am 31. Dezember,Regionalstatistische Datenbank, Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen LSKN-Online 2021 am 31. März)

Politik Rat der Stadt

Der Rat der Stadt Bad Münder am DeisterRat, abgerufen am 31. März 2024. besteht aus 32 Ratsherren und -frauen. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 15.001 und 20.000 Einwohnern. Die 32 Ratsmitglieder werden durch Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Ratsperiode begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.

Stimmberechtigt im Rat der Stadt ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister.

Die Kommunalwahl 2026 führte zu folgender Sitzverteilung: Bürgermeister Als hauptamtlicher Bürgermeister wurde der parteilose Dirk Barkowski am 26. September 2021 mit 57,78 % Stimmen nach Stichwahl gewählt.

Bürgermeister bis Ende des Zweiten Weltkriegs erstmals erwähnt im Jahr 1309: Olricus Helmolding erstmals erwähnt im Jahr 1323: Happe Ading erstmals erwähnt im Jahr 1324: Heinrich Bloc ~1819 Johann Adolph Hiob Biester 1837–1858: Friedrich Ludwig Wilhelm Wermuth Juni 1858–19. April 1894: Wilhelm Ernst Daniel Wermuth

~1899: Heinrich Eckard

1923–1933: Gustav Graf 1934–1945: Wilhelm Kleineck

Ehrenamtliche Bürgermeister (1945–2000) April 1945–Mai 1945: Friedrich Kreibaum (kommissarisch) Mai 1945–Dezember 1945: Wilhelm Remmer, SPD (kommissarisch) Dezember 1945–1948: Wilhelm Remmer, SPD Dezember 1948–Dezember 1949: Herbert Adam van Eyck, CDU Dezember 1949–Dezember 1950: Wilhelm Remmer, SPD Dezember 1950–November 1952: August Martens, DP November 1952–November 1956: Fritz Dierßen, parteilos November 1956–Mai 1959: Wilhelm Remmer, SPD Mai 1959–Oktober 1981: Carl Heinz Paul, SPD November 1981–Oktober 1986: Paul Theodor von Haaren, CDU November 1986–Dezember 1991: Sieghardt Reiss, SPD

Hauptamtliche Bürgermeister (ab 2000) 2000–2011: Silvia Nieber, SPD Februar 2012–Oktober 2021: Hartmut Büttner, SPD seit November 2021–Oktober 2026: Dirk Barkowski, parteilos ab November 2026: Martin Kohn, SPD

Stadtdirektoren (1945–2000) April 1948–Juni 1955: Folkert Claassen Juli 1955–Juni 1967: Reinhold Thiem Juli 1967–Juni 1979: Hermann Weber Juli 1985–Mai 1988: Rainer Timmermann Juni 1988–2000: Manfred Diesner

Ortsräte Die 16 Ortsteile der Stadt Bad Münder werden durch insgesamt 53 Ratsherren und -frauen in neun Ortsräten vertreten. Diese setzen sich seit der Kommunalwahl 2026 wie folgt zusammen:

OrtsteilSPDCDUGrüneVoltWGGesamt Bad Münder 3 2 1– 39 Bakede-Böbber-Egestorf 6 1 – – –7 Beber-Rohrsen 1 4 – – –5 Brullsen-Hachmühlen – – –– 55 Eimbeckhausen 2 5 – – –7 Hasperde-Flegessen-Klein Süntel 1 2 1 – 15 Hamelspringe 1 – – – 45 Nettelrede-Luttringhausen 3 2 – – –5 Nienstedt 3 1 – 1 –5 Gesamt 20 17 2 1 13 53

Wappen, Flagge und Banner Banner, Wappen und Hissflagge 63px 80px 100px Blasonierung: „Das Wappen der Stadt ist ein schwarz umrandetes grünes Schild, das in der Mitte einen aufrechtstehenden, aus Sicht der Betrachtenden nach links blickenden goldenen Löwen mit roten Krallen, roter Zunge und rotem Auge zeigt. Über dem Schild befindet sich eine dreitürmige steinfarbene in rot dargestellte Mauerkrone.“Hauptsatzung der Stadt Bad Münder am Deister, § 2 Wappen, Flagge und Dienstsiegel, abgerufen am 31. März 2024.

Das Wappen ist abgeleitet von einem Siegel aus dem Jahre 1318. Der Löwe steht für die früheren Landesherren der Fürsten von Lüneburg. Die Mauerkrone steht für die Stadt als solche; die Stadtrechte wurden Ende des 13. Jahrhunderts verliehen.

Die Flagge der Stadt ist grün mit dem Stadtwappen in der Mitte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke und sonstige Sehenswürdigkeiten im Ort Bad Münder (Auswahl)

Die Ev.-luth. Petri-Pauli-Kirche in Bad Münder, deren Turm von 1528 noch heute steht, wurde 1839/40 neu errichtet. katholische Kirche St. Johannes Baptist (1936/1962) ehemalige Synagoge der Jüdischen Gemeinde Bad Münder Historisches Rathaus (Baujahr 1817) Steinhof (Herrenhaus), ehemaliger Adelssitz von 1721 an der Stelle eines Herrensitzes aus dem 13. Jahrhundert (heute Stadtverwaltung) Wettbergscher Adelshof in Bad Münder (Weserrenaissance), 16. Jahrhundert „Münchehof“, ehemaliger Adelssitz von 1596, gegenüber vom Steinhof „Kornhus“, ehemaliges Kornhaus Söltjerbrunnen in der Fußgängerzone und Brunnen am Hoppenmarkt Jüdischer Friedhof Bad Münder in der Deisterallee, der heute 28 Steine aus den Jahren 1826 bis 1917 umfasst. Bodendenkmal St.-Annen-Kirche Gradierwerk am Kurmittelhaus im Kur- und Landschaftspark (siehe Parks)

Sehenswürdigkeiten außerhalb des Kernorts mini|Hüttengebäude der früheren Glashütte Klein Süntel Hüttengebäude der ehemaligen Glashütte Klein Süntel Mesenstein Schloss Hasperde (Weserrenaissance) Hamelquelle in Hamelspringe Ziegenbuche im Deister Nordmannsturm (379 m) Süntelturm (440 m) Bergschmiede im Süntel

Museen mini|hochkant|Museum Bürgerhaus von 1752 In der Kernstadt finden sich zwei Museen in Trägerschaft der Ortsgruppe des Heimatbundes Niedersachsen: Das Museum im Wettbergschen Adelshof zeigt vielfältige Sammlungen: Neben geologischen und archäologischen Funden sind eine Dauerausstellung zur Stadtgeschichte sowie wechselnde Sonderausstellungen zu sehen. Der im Untergeschoss renaissancezeitliche Bau war früher Herrenhaus der Ritter von Wettberg. Das 2007 als Museum eröffnete Bürgerhaus von 1752, Kellerstraße 19, zeigt ein Ackerbürgerhaus, wie es um das Jahr 1880 eingerichtet war.Website des Museums, abgerufen am 21. August 2009. Im Ortsteil Eimbeckhausen befindet sich ein Museum in Trägerschaft eines Vereins: Seit 2003 befindet sich im Ortsteil Eimbeckhausen das Deutsche Stuhlmuseum.Website des Stuhlmuseums, abgerufen am 21. August 2009. Im Ortsteil Bakede befindet sich das Handwerkermuseum und die Wege der Sinne mit 20 Stationen.

Musik Martin-Schmidt-Konzertsaal mit regelmäßigen Veranstaltungen Meisterkonzerte Kultur im Schaafstall (Ortsteil Egestorf) Kurmuschel mit regelmäßigen Veranstaltungen in den Sommermonaten Konzertreihe „Klanghorizonte“ und Abendmusiken in der Petri-Pauli-Kirche Jugendmusikschule (JMS) Mandolinenverein

Parks Der Kurort verfügt über einen 14 Hektar großen Kur- und Landschaftspark, der vom Schweizer Landschaftsarchitekten Dieter Kienast geplant wurde. Darin finden sich zahlreiche Pflanzenarten, auch einige Exemplare der seltenen, hier heimischen Süntelbuchen. Im Westteil befindet sich eine ARD-Wetterstation. Der alte Laurentiusfriedhof bietet einen alten Baumbestand und alte Grabsteinplatten.

Naturdenkmäler

In der Wermuthstraße steht eine um 1850 gepflanzte Süntelbuche. Ein weiteres Naturdenkmal ist die Quelle der Hamel, die sich im Ortsteil Hamelspringe befindet. Sie mündet in Hameln in die Weser.

Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Funktechnik: Hytera Mobilfunk GmbH im Ortsteil Eimbeckhausen entwickelt TETRA- und DMR-Funklösungen und ist Lieferant für Hytera-Funksysteme in Europa. Die TETRA-Technik aus Bad Münder wird weltweit eingesetzt.Hytera Mobilfunk GmbH – Unternehmensseite. Glasindustrie: Bad Münder am Deister ist einer von insgesamt neun Standorten der Ardagh Glass Germany GmbH, die dort Glaserzeugnisse für die pharmazeutische Industrie herstellt. Holzindustrie: Wichtigster Wirtschaftszweig im Sünteltal war früher die Stuhlindustrie, die aus dem mittelalterlichen Handwerk hervorgegangen ist. Heute bestehen noch zwei Werke für Büromöbel mit überregionaler Bedeutung: Wilkhahn, Wilkening + Hahne GmbH + Co, im Ortsteil Eimbeckhausen Haworth Büroeinrichtungen, nahe dem Bahnhof Bad Münder