Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (auch Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz genannt) war eine Abstufung des Eisernen Kreuzes, das am 1. September 1939, anlässlich des Überfalls auf Polen, von Adolf Hitler neu gestiftet wurde. Das Ritterkreuz wurde etwa 7.200-mal verliehen, darüber hinaus wurden im Laufe des Krieges zusätzliche Stufen eingeführt. Während der Zeit des Nationalsozialismus galten die Inhaber des Ritterkreuzes, die „Ritterkreuzträger“,Der Begriff wird von der Deutschen Nationalbibliothek als Schlagwort verwendet, siehe: . als Helden und genossen ein durch die NS-Propaganda verstärktes Höchstmaß an Ansehen und Popularität; nicht selten besaßen sie sogar eigene Autogrammkarten. Sie besuchten Schulen und hielten Vorträge auf Veranstaltungen der Hitlerjugend, ihre öffentlichen Auftritte waren stets von großen Ehrungen begleitet. Neben Fliegerassen und U-Boot-Fahrern sollten Heranwachsenden vor allem „Ritterkreuzträger“ als heroische Vorbilder dienen.
Das Bild der „Ritterkreuzträger“ wurde bis in die 1990er-Jahre hinein durch die einschlägigen Publikationen aus dem Umfeld der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger (OdR) bestimmt, die zudem über gute Kontakte zu Bundeswehr und Politik verfügte.Vgl. Veit Scherzer (2005), S. 7 ff.Paul Schäfer: Bundeswehr und Rechtsextremismus. In: Wissenschaft & Frieden. Dossier 28, 2/98,
Allgemein Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ist die wohl bekannteste militärische Kriegsauszeichnung, die erstmals während des nationalsozialistischen Regimes mit Kriegsbeginn ab 1939 verliehen wurde. Es stand zwischen dem nur an Göring verliehenen Großkreuz des Eisernen Kreuzes und dem Eisernen Kreuz 1. Klasse. Seine Inhaber, die so genannten „Ritterkreuzträger“, genossen innerhalb und außerhalb der Wehrmacht hohes Ansehen, was in erster Linie auf die NS-Propaganda zurückzuführen ist. Jugendlichen wurden die Ritterkreuzträger als Vorbilder und Leitfiguren dargestellt. Während des Krieges erschienen zahlreiche Ritterkreuzträger-Listen und Biographien, Ansichtskarten und weitere Devotionalien. Ritterkreuzträger wurden angehimmelt wie Stars, Autogrammkarten und Ritterkreuzträger-Postkarten waren begehrte Sammlerobjekte.Rolf Schörken: „Schülersoldaten“ – Prägung einer Generation. In: Rolf-Dieter Müller, Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Die Wehrmacht. Mythos und Realität. Oldenbourg, München 1999, ISBN 3-486-56383-1, S. 466.René Schilling: Die „Helden der Wehrmacht“ – Konstruktion und Rezeption. In: Rolf-Dieter Müller, Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Die Wehrmacht. Mythos und Realität. Oldenbourg, München 1999, ISBN 3-486-56383-1, S. 570 ff.Andreas Jordan: Schülersoldaten, Gelsenzentrum, Portal für Stadt und Zeitgeschichte.Vgl. Christian Hartmann: Von Feldherren und Gefreiten. Zur biographischen Dimension des Zweiten Weltkriegs. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2008, ISBN 978-3-486-58144-7, S. 53.Gudrun Wilcke: Die Kinder- und Jugendliteratur des Nationalsozialismus als Instrument ideologischer Beeinflussung: Liedertexte, Erzählungen und Romane, Schulbücher, Zeitschriften, Bühnenwerke. Lang, 2005, ISBN 3-631-54163-5, S. 43 f.Otto May: Inszenierung der Verführung: die Ansichtskarte als Zeuge einer autoritären Erziehung im III. Reich. Brücke-Verlag Kurt Schmersow, Hildesheim 2003, ISBN 3-87105-033-4, S. 455–461, vgl. S. 71ff. und S. 380 f.Katrin Blum: Das Auge des Dritten Reiches: Hitlers Kameramann und Fotograf Walter Frentz. Deutscher Kunstverlag, 2006, ISBN 3-422-06618-7, S. 151 f.Sascha Feuchert, Erwin Leibfried, Jörg Riecke: Letzte Tage. Wallstein Verlag, 2004, ISBN 3-89244-801-9.
Ziel dieses Heldenkultes war die geistige Mobilmachung der Nation, insbesondere der männlichen Jugend. Die Trivialschriftstellerin Ursula Colell beschrieb diese Erwartungen folgendermaßen: „Die Jugend des Dritten Reiches sieht in Euch [den Ritterkreuzträgern] [...] ihr Vorbild und bemüht sich, Eurem Leben und Sterben gerecht zu werden, um später als ganze deutsche Männer das Vaterland zu verteidigen.“Zitiert bei René Schilling: Die „Helden der Wehrmacht“ – Konstruktion und Rezeption. In: Rolf-Dieter Müller, Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Die Wehrmacht. Mythos und Realität. Oldenbourg, München 1999, ISBN 3-486-56383-1, S. 570, Klammerzusatz von Schilling. Das Oberkommando der Wehrmacht schickte Ritterkreuzträger in SchulenGudrun Wilcke: Die Kinder- und Jugendliteratur des Nationalsozialismus als Instrument ideologischer Beeinflussung: Liedertexte, Erzählungen und Romane, Schulbücher, Zeitschriften, Bühnenwerke. Lang, 2005, ISBN 3-631-54163-5, S. 43 f. und auf HJ-Veranstaltungen, damit sie dort über ihre Fronterlebnisse berichteten; so hielt beispielsweise Wolfgang Lüth am 10. April 1941 in Herford einen Vortrag, der mit den Worten schloss: „Ran an den Feind – so lange bis England am Boden liegt, das ist auch für uns U-Boot-Fahrer die Losung.“ Zum einen pflegten sie damit eine kriegswillige Stimmung an der „Heimatfront“, zum anderen sollten sie Vorbild für die in den letzten Tagen des verlorenen Krieges rekrutierten Jugendlichen sein. Der Historiker Reinhart Koselleck attestierte seiner Generation, dass sie „sicherlich einen gewissen Ehrgeiz hatte, sich als Held vielleicht bewähren zu können“. Noch im letzten Kriegsjahr fuhren Schüler „an die Front mit der Vorstellung, ich werde jetzt den Heldentod sterben“; selbst in den letzten Kriegstagen vertraute man noch auf die Aura der Helden.René Schilling: Die „Helden der Wehrmacht“ – Konstruktion und Rezeption. In: Rolf-Dieter Müller, Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Die Wehrmacht. Mythos und Realität. Oldenbourg, München 1999, ISBN 3-486-56383-1, S. 570 ff.
Das Heldenimage der Ritterkreuzträger barg jedoch auch Nachteile. So wiesen Ritterkreuzträger niederer Dienstgrade eine überdurchschnittliche Sterblichkeitsrate auf, sahen sie sich doch durch die an sie geknüpfte Erwartungshaltung zu besonderer Tapferkeit und Draufgängertum verpflichtet. Der Stalingradveteran Günter K. Koschorrek schilderte das Schicksal seines Kameraden Gustav, der aufgrund seines Ritterkreuzes zum Unteroffizier befördert und fortan zu jedem Himmelfahrtskommando abkommandiert wurde, bis er wenige Monate später fiel:
In der Erinnerungsliteratur wird oft darauf hingewiesen, dass riskante Unternehmungen zur Erringung von Orden viele Soldaten das Leben kosteten.Zwei Beispiele unter vielen sind: Wilhelm Müller: Möbius ; 2009. 1984; Korbinian Viechter: Als Infanterist zum Ritterkreuz. Möbius, 2009, ISBN 978-3-00-019264-7. Ein Offizier, der seinen nackten Hals auf Kosten der von ihm geführten Truppe mit einem Ritterkreuz schmücken wollte, litt im Soldatenjargon unter „Halsschmerzen“.Christian Hartmann: Wehrmacht im Ostkrieg: Front und militärisches Hinterland 1941/42. 2. Auflage. Oldenbourg, München 2010, ISBN 978-3-486-70225-5, S. 178–180.
Aussehen und Trageweise Die Ausgestaltung des Ritterkreuzes orientierte sich, ebenso wie die vorangegangenen Eisernen Kreuze anderer Stiftungsjahre am Balkenkreuz – einem schwarzen Tatzenkreuz mit typischen, sich verbreiternden Balkenenden auf einem weißen Mantel, wie ihn die Deutschritter schon seit dem 14. Jahrhundert trugen. Der ursprüngliche Entwurf stammte von Karl Friedrich Schinkel. Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes entspricht im Aussehen dem Eisernen Kreuz I. Klasse (1939). Die Breite lag etwa bei 48–49 mm und die Höhe mit der kleinen Öse bei 54–55 mm.Detlev Niemann: Bewertungskatalog Deutschland 3. ISBN 3-934001-00-9, S. 527. Es hatte ein Gewicht (ohne Sprungring) von etwa 27,8–34,5 Gramm,Detlev Niemann: Bewertungskatalog Deutschland 3. ISBN 3-934001-00-9, S. 527. wobei Gewichte und Maße aufgrund der Vielzahl von Herstellern variierten. Auf seiner Vorderseite war mittig ein auf der Spitze stehendes Hakenkreuz erhaben auf schwarzem Hintergrund geprägt. An dem unteren Balken befindet sich das Stiftungsjahr 1939. Die Rückseite des Kreuzes ist schwarz gehalten und leer. Lediglich auf dem unteren Balken ist die Jahreszahl 1813 erhaben eingeprägt, die auf das erste Stiftungsdatum des Eisernen Kreuzes im Jahr 1813 verweist. Umgeben ist der schwarze (meist magnetische) Eisenkern von einem gezinkten silbernen Rahmen. Auf einen goldenen Rand wurde verzichtet, da Hitler Bedenken gegen ein goldgefasstes Kreuz hatte, das ein Verlassen der preußischen Tradition bedeutet hätte. Zwar waren aus den vorangegangenen Jahren Großkreuze mit goldenem Rand bekannt (Hersteller Juncker Berlin), sie wurden aber wieder durch silberne ersetzt.
mini|Details
Getragen wurde das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes als Halsbandorden an einem schwarz-weiß-roten Bande und, falls bereits verliehen, über dem Pour le Mérite und über den sonstigen verliehenen Halsbandorden.Zeitschrift Uniform-Markt. Nr. 16, Jahrgang 1940, S. 126, Anhang Fachnotizen.
Träger des Ritterkreuzes mussten unabhängig vom Dienstgrad immer zuerst gegrüßt werden, entgegen der sonstigen Regel „niederer Dienstgrad grüßt höheren Dienstgrad zuerst“.
Stufeneinteilung des Ritterkreuzes Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes war bis zum Juni 1940 die zweithöchste militärische Auszeichnung des „Dritten Reiches“. Darüber stand nur das Großkreuz des Eisernen Kreuzes, das während des Zweiten Weltkrieges nur an Hermann Göring am 19. Juli 1940 verliehen, aber ihm kurz vor Kriegsende im April 1945 wieder aberkannt wurde. Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes rangierte so zwischen dem Eisernen Kreuz I. Klasse und dem Großkreuz. Die Stufeneinteilung des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes waren von links nach rechts aufsteigend:
Die Stufen des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes zentriert|120px zentriert|120px zentriert|120px zentriert|120px zentriert|120px Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (ab 1. September 1939) Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (ab 3. Juni 1940) Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (ab 28. September 1941) Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (ab 28. September 1941) Goldenes Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (ab 29. Dezember 1944)
Eichenlaub zum Ritterkreuz
Die Gestaltung des Eichenlaubs zum Ritterkreuz orientiert sich am Eichenlaub zur Militärklasse des Pour le Mérite, die 1813 für besonderes Verdienst in Form dreier goldener Eichenblätter eingeführt worden war.
Verleihungsurkunden Allen Verleihungsurkunden bzw. Verleihungsbüchern ist gemein, dass im Innenteil der Name und der zum Zeitpunkt der Verleihung aktuelle Dienstgrad des Beliehenen genannt wurden. Die Verleihungsurkunden bzw. Verleihungsbücher zeichneten sich wie folgt aus:
Ritterkreuz: roter Einband mit goldgeprägtem Reichsadler auf der Außenseite Ritterkreuz mit Eichenlaub: weißer Einband mit goldgeprägtem Reichsadler auf der Außenseite Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern: weißer Einband mit umlaufender breiter goldener Verzierungsleiste und einem goldgeprägten Reichsadler auf der Außenseite Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten: dunkelblauer bzw. schwarzer Einband mit umlaufender breiter goldener Verzierungsleiste und einem goldgeprägten Reichsadler auf der Außenseite Ritterkreuz mit goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten: wie vorige Stufe, jedoch mit goldenem statt silbernem (bzw. eisenfarbigem) Eichenlaub.
Die Verleihungsurkunden wurden seit 1941 „auf Anordnung des Führers“ von der Firma Carl Wildbrett hergestellt.
Verleihungsbefugnis mini|Grafische Darstellung des Ablaufes einer Ritterkreuzverleihung „auf dem Dienstweg“ im Jahr 1945 bei Heer und Waffen-SS
1. September 1939 bis 20. April 1945 Sachbearbeiter/Berlin (vorentscheidend) → Chef Heerespersonalamt/Berlin (vorentscheidend) → OKW-Adjutantur/Berlin (vorlegend) → Hitler (entscheidend)
(vom 21. bis 24. April 1945 wurde die Außenstelle Heerespersonalamt kriegsbedingt abgespalten und nach Marktschellenberg verlegt.)
25. April 1945 bis 30. April 1945 (Hitlers Tod)